Die Sonnenfinsternis 2022 – in Webcasts

Von der überall nur partiellen Sonnenfinsternis am 25. Oktober hat es auch wieder zahlreiche erfolgreiche Webcasts gegeben: Hier sind Aufzeichnungen erfolgreicher aus aller Welt eingebettet, v.a. aus Deutschland, dem U.K. und Indien. In anderen Videoformaten gab es auch welche aus Halle, dem Oman und nochmals Indien. [Daniel Fischer]

Partielle Sonnenfinsternis – partiell wolkig

Die Partielle Sonnenfinsternis des 25. Oktober 2022 zu beobachten erforderte etwas Wetterglück. Immerhin war das Ereignis von etwa zweistündiger Dauer, so dass die Hoffnung bestand, irgendetwas zu sehen. Der Autor war beruflich nach Wuppertal unterwegs. Vor der dortigen historischen Stadthalle gelangen einige Aufnahmen mit einer Lumix FZ-300 Bridge-Kamera (bis 600mm Brennweite), teilweise durch Wolken fotografiert, die als „Naturfilter“ dienten, teilweise mit einem vor das Objektiv gehaltenen ND5-Glassonnenfilter, der sonst für die fest geklemmte Anwendung vor einem Teleskop gedacht ist. Hier ein paar Impressionen. Die Wolken und die Reflexe am Filter sorgen bisweilen für einige interessante Effekte. Übrigens war die Finsternis auch mit einer SoFi-Brille schön zu sehen.

SoFi 2022 Paul Hombach 1
10 Minuten vor dem Maximum
SoFi 2022 Paul Hombach 2
7 Minuten vor dem Maximum
SoFi 2022 Paul Hombach 3
Das Maximum mit 23% Bedeckung (Wuppertal) um 11:07 MESZ
SoFi 2022 Paul Hombach 4
3 Minuten nach dem Maximum
SoFi 2022 Paul Hombach 5
…und 5 Minuten nach dem Maximum ein spektakulärer Rückzug hinter die Wolken, trotzdem noch einmal mit Filter fotografiert.
Bilder (c) Paul Hombach

Danach wurde die Sonne noch sporadisch mit SoFi-Brille beobachtet, die kleine „Delle“ des nach Osten abziehenden Mondes war bis zwei Minuten vor Ende der Finsternis so visuell noch erkennbar. Paul Hombach

Wolken erfolgreich gebohrt: die SoFi 2022 am Bochumer Planetarium

Trotz schwieriger Wolkenlage wurde die öffentliche Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis am Mittag des 25. Oktober 2022 ein Erfolg. Zwar wurde der erste Kontakt verpasst, …

… aber 20 Minuten später kamen die ersten Wolkenlöcher: ein Bild mit Bridgekamera und SoFi-Brille von 11:29 MESZ.

Beobachtung mit zwei Teleskopen des Vereins Ad Astra, SoFi-Brillen … und (inklusive Wolkenfilter) in Reflexion auf der Scheibe.

Die Finsternis um 11:35 MESZ. Dann folgte eine längere Wolken-Pause …

… bis knapp nach der maximalen Phase um 12:07 MESZ. Aber dann …

… kam die Sonne wieder: Aufnahmen mit und ohne Filter zwischen 12:11 und 12:34 MESZ – auch von zwei Live-Streams, aus Chelmsford in England und u.a. Nordnorwegen via Time & Date.

Kurz vor Schluss wurde es dann so klar, dass – hier zwischen 12:55 und 12:57 MESZ – sogar mit einem Solarscope beobachtet werden konnte: SoFi über der Castroper Straße.

Und das Ende der Finsternis war dann fast störungsfrei zu verfolgen: Bilder von 13:02 und 13:07 MESZ. Jede Menge Bilder mehr gibt es in diesem Album, Postings hier und hier, einem Thread und einem Live-Blog – und weitere Impressionen als Slideshow-Reel hier oder hier. [Daniel Fischer]

Ein NLC-Nachschlag am 25. Juli 2022

3:49 MESZ | Sonne -13 1/4° | 1/1.3 Sekunde Blende 2.8 ISO 3200

3:58 MESZ | Sonne -12 1/2° | 1 Sekunde Blende 2.8 ISO 1600

4:07 MESZ | Sonne -11 3/4° | 1/1.3 Sekunde Blende 2.8 ISO 1600

Spät in der Saison noch einmal Leuchtende Nachtwolken am Morgen über Bochum-Querenburg: eine längere Serie in voller Größe, ein paar Highlights noch in der Nacht – und die Mondsichel und die Venus rechts des Feldes. Und hier weitere Zeitschritte des Morgens:

3:47 MESZ | Sonne -13 1/2°

3:48 MESZ | Sonne -13 1/4°

3:49 MESZ | Sonne -13 1/4°

3:58 MESZ | Sonne -12 1/2°

3:58 MESZ | Sonne -12 1/2°

4:03 MESZ | Sonne -12°

4:04 MESZ | Sonne -12°

4:05 MESZ | Sonne -12°

4:14 MESZ | Sonne -11°

4:28 MESZ | Sonne -9 3/4° [Daniel Fischer]

Jupitermond Kallisto läuft streifend durch den Planetenschatten

Kallisto ist der vierte und äußerste der Galileischen Monde, er ist nach Ganymed der größte Jupitermond und ist fast so groß wie Merkur. Der eisreiche Trabant umrundet Jupiter alle 16,7 Tage. Die vier Monde umkreisen Jupiter etwa in dessen Äquatorebene. Dabei können sie sowohl vor Jupiter herziehen und ihre Schatten auf ihn werfen als auch hinter dem Planeten verschwinden oder in dessen Schatten eintauchen – wie es unser Vollmond bei einer Mondfinsternis macht. Alle sechs Jahre, wenn Jupiters Äquatorebene zur Sonne zeigt, können sich die Monde sogar gegenseitig bedecken und verfinstern. In den Jahren dazwischen aber blickt man aus Sonnensicht (und ähnlich aus Erdsicht) mit etwas Neigungswinkel auf die Orbits der Galileischen Monde. Für Kallisto bedeutet das, das sie (der Mond ist nach einer Geliebten des Zeus benannt) den Jupiterschatten verfehlt, wenn der Winkel zu groß wird. Am frühen Morgen des 25. Juli 2022 kam es zu einem interessanten Grenzfall, bei dem Kallisto streifend durch den Jupiterschatten lief – letzmalig für einige Jahre. Dabei tauchte sie minutenlang nur teilweise, kurz vor 5:00 MESZ knapp ganz in den Schatten des Gasriesen ein. Die spannende Frage war nun, ob die total verfinsterte Kallisto trotzdem noch schwach sichtbar sein würde, schließlich gibt es ja auch bei einer MoFi noch ein restliches Streulicht, das im Falle Jupiters zumindest im Randbereich dessen Kernschattens eine Rolle spielen sollte. Und tatsächlich: Nach einer langsamen Phase des „Dimmens“ ging Kallisto selbst bei maximaler Eintauchtiefe für die Kamera nicht verloren.

Jupitermonde 2022 07 25 P. Hombach
Jupitermonde (von links) Ganymed, Europa und Kallisto neben Jupiter um 4:04 MESZ. Kallisto ist schon schwächer als die beiden linken Monde. Bild: Paul Hombach

Alle Bilder des Autors entstanden aus 60s Videos mit einer ASI462MC am 8″ Vixen VMC (f=1950) zwischen 3:55 und 4:56 MESZ. Summenbilder erstellt mit dem PlanetarySystemStacker. Die Belichtungszeiten wurden gegen Ende der Beobachtung deutlich gesteigert, um die Schattengängerin Kallisto noch nachzuweisen:

4:56 MESZ, Kallisto ist eigentlich total verfinstert. Hier sind Ganymed, Europa und Jupiter stark überbelichtet, dadurch ist aber Kallisto rechts noch zu sehen! Bild: P. Hombach

An diesem milden Sommermorgen waren zudem außer Jupiter die Planeten Saturn, Uranus, Neptun, Mars und Venus zu sehen. Ein Highlight war die schöne abnehmende Mondsichel in der Morgendämmerung, die oberhalb der Venus leuchtet. Morgen, am frühen 26. Juli, werden Venus und Mond nahe beieinander am Himmel zu sehen sein.

Mond und Venus in der Morgendämmerung am 25.7.2022. Bild: P. Hombach

Extrem helle NLC am 6. Juli 2022

4:05 MESZ, Sonnendepression 9°, 1/1.6 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400.

Was für ein Spektakel heute früh, 15 Tage nach der Mittsommernachts-Show, der in Bochum nichts Nennenswertes gefolgt war! Von einem tollen Display gestern früh hatten Wolken nur ein winziges Stückchen erkennen lassen, und auch heute störten sie sehr lange – aber dann wurde dieser enorm helle und steil in den Himmel ragende Keil sichtbar, der es auch auf SpaceWeather und ‚in die Zeitung‘ geschafft hat. Und so war das, jeweils im Vergleich mit einer Webcam in Hagen 18 km südöstlich von meinem Standort und anders bewölkt:

3:22 MESZ – da geht in Bochum noch nichts … aber Hagen sagt: Ausharren!

3:55 MESZ: Da tut sich was, 1/1.3 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400, Sonnendepression 9 3/4°. Und Hagen weiß: Da geht hoch hinauf!

Ebenfalls noch 3:55 MESZ: Der Keil wird erstmals sichtbar. 1 Sek, f/2.8, ISO 400.

3:56 MESZ: Detail in der hellsten Zone, 1 Sek, f/2.8, ISO 400.

3:59 MESZ: Mehr Detail im Keil, Sonne -9 1/2°, 1/1.3 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:00 MESZ: Rechts geht gerade die Venus auf, 1 Sek, f/2.8, ISO 400., Hagen.

4:02 MESZ: 1/1.3 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:03 MESZ: Sonne -9°, 1/1.3 Sek., f/2.8, ISO 400.

4:04 MESZ: 1/1.6 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:05 MESZ: 1/2 Sek., f/2.8, ISO 400.

4:06 MESZ: Sonne -8 3/4°, 1/1.6 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:08 MESZ: 1/2.5 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:10 MESZ: Sonne -8 1/2°, 1/2 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:12 MESZ: 1/3.2 Sek., f/2.8, ISO 400, Hagen.

4:18 MESZ: Sonne -7 3/4°, 1/2 Sek., f/2.8, ISO 200, (Hagen).

4:19 MESZ: 1/2.5 Sek., f/2.8, ISO 200.

4:20 MESZ: Sonne -7 1/2°, 1/2.5 Sek., f/2.8, ISO 200, Hagen.

4:21 MESZ: 1/2 Sek., f/2.8, ISO 200.

4:24 MESZ: Sonne -7°, 1/5 Sek., f/2.8, ISO 200, Hagen.

4:25 MESZ: 1/5 Sek., f/2.8, ISO 200. [Daniel Fischer. NACHTRAG: 77 große Bilder in voller Auflösung]

Planetenreigen, Astrovorschau und Sommervortrag

Am Morgen des 25. Juni konnte man alle fünf mit freiem Auge sichtbaren Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn – und das auch noch in dieser Reihenfolge!) am Morgenhimmel beobachten, garniert mit der abnehmenden Mondsichel. Allerdings war der sonnennahe Merkur tief in der schon hellen Dämmerung nur mit dem Fernglas auszumachen. Zu dieser Jahreszeit liegt die Ekliptik, jene Linie, entlang der sich sich Planeten am Himmel aufhalten, nur flach über dem Horizont, was durch die genannten Objekte sehr schön markiert wird. Alle fünf Planeten standen in einem Winkelbereich von nur ca. 108 Grad am Himmel. Bei dunklerem Himmel wären mit dem Fernglas oder Teleskop zusätzlich auch noch Uranus (oberhalb der Mondsichel) und Neptun (ca. 12 Grad westlich von Jupiter) zu sehen gewesen.

Der Reigen am Morgen des 25.6.2022 von Venus bis Jupiter, fotografiert mit einer Sony RX Va (Paul Hombach)
Jupiter und Saturn waren das westliche Ende der Kette… (Bild: Paul Hombach)
…Merkur das östliche Ende. Der innerste Planet war nur mit dem Fernglas in der hellen Dämmerung zu sehen. Hier immerhin ein „Fotobeweis“ (Bild: Paul Hombach)

Seit heute (26.6.) ist die Himmelsvorschau für die Monate Juli und August 2022 auf der Homepage der Volkssternwarte Bonn online mit Beobachtungstipps für die nächsten zwei Monate.

Ausschnitt der Astrovorschau auf den Seiten der VSW Bonn

Und wer sich für für aktuelle Meldungen aus Astronomie und Raumfahrt interessiert bzw. den Anblick des Nachthimmels sowohl über Bonn als auch über ausgewählten Urlaubsregionen: Am Dienstag, den 23.6. gab es die Sommerferien-Ausgabe von „Pauls portablem Planetarium“ im Deutschen Museum Bonn, mit Publikum und als Livestream, der auf YouTube noch verfügbar ist.

Screenshot des Livestreams vom 23.6.2022 aus dem Deutschen Museum Bonn

Mit NLC durch die Mittsommer-Nacht


3:07 MESZ | Sonnendepression 12 1/3° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:17 MESZ | Sonnendepression 11 2/3° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:20 MESZ | Sonnendepression 11 1/2° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 400

Die Nacht vor der Sommersonnenwende 2022 war außergewöhnlich: Von Abend- bis Morgendämmerung waren immer Leuchtende Nachtwolken zu sehen, bereits in mittleren deutschen Breiten ohne Unterbrechung selbst bei Sonnentiefststand – und dann spektakulär hell und vielgestaltig am Morgen, wie die obigen Aufnahmen aus Bochum zeigen. Ein Protokoll der gesamten Nacht 20/21. Juni dort, die auch in 123 Fotos in diesem Album chronologisch bzw. oben in diesem ungefähr zeitlich invers dokumentiert ist (und über die noch in der Nacht in diesem Live-Thread und Postings u.a. hier, hier und hier berichtet worden war):


23:20 MESZ | Sonnendepression 9 2/3° | Belichtung 1/1.6 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


23:22 MESZ | Sonnendepression 9 3/4° | Belichtung 1/1.6 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


23:55 MESZ | Sonnendepression 12° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


23:56 MESZ | Sonnendepression 12 1/6° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


23:59 MESZ | Sonnendepression 12 1/3° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


23:59 MESZ | Sonnendepression 12 1/3° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


0:27 MESZ | Sonnendepression 13 3/4° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


0:28 MESZ | Sonnendepression 13 3/4° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


1:32 MESZ | Sonnendepression 15° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 3200


1:35 MESZ | Sonnendepression 15° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 3200


2:38 MESZ | Sonnendepression 13 3/4° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


2:39 MESZ | Sonnendepression 13 2/3° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 3200


2:40 MESZ | Sonnendepression 13 2/3° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 3200


2:41 MESZ | Sonnendepression 13 1/2° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 3200


2:42 MESZ | Sonnendepression 13 1/2° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 3200


3:01 MESZ | Sonnendepression 12 2/3° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:04 MESZ | Sonnendepression 12 1/2° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


3:04 MESZ | Sonnendepression 12 1/2° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


3:07 MESZ | Sonnendepression 12 1/4° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:12 MESZ | Sonnendepression 12° | Belichtung 1/2.5 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


3:13 MESZ | Sonnendepression 12° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:14 MESZ | Sonnendepression 11 3/4° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:18 MESZ | Sonnendepression 11 1/2° | Belichtung 1/1.6 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 800


3:20 MESZ | Sonnendepression 11 1/2° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


3:24 MESZ | Sonnendepression 11 1/4° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 400


3:26 MESZ | Sonnendepression 11° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 400


3:29 MESZ | Sonnendepression 10 3/4° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 400


3:31 MESZ | Sonnendepression 10 3/4° | Belichtung 1/1.6 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600


3:33 MESZ | Sonnendepression 10 1/2° | Belichtung 1 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 400


3:34 MESZ | Sonnendepression 10 1/2° | Belichtung 1/1.3 Sekunde mit Blende 2.8 bei ISO 1600

Alle Aufnahmen entstanden freihändig mit einer Panasonic DMC-FZ300 aus dem Fenster eines Treppenhauses zwischen 5. und 6. Stock. [Daniel Fischer]

Superflachmond und ein bisschen NLC

1/13 Sekunde bei Blende 5 und ISO 400

Der Juni-Vollmond 2022 hatte eine extrem südliche Deklination („Der Vollmond steht derzeit selten tief …“) und war gleichzeitig dem Perigäum nahe: Das rief nach fotografischen Experimenten, um seinen Tiefstand von rund 10° über dem Horizont kurz nach der Kulmination ins Bild zu setzen. Hier eine freihändige Serie vom Morgen des 14. Juni aus einem Fenster in Bochum heraus, mit dem Mond zunächst hinter einer Roteiche:

1/30 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

1/125 Sekunde bei Blende 8 und ISO 200

1/1.6 Sekunde bei Blende 3.5 und ISO 400

1/30 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

1/6 Sekunde bei Blende 3.5 und ISO 200

1/8 Sekunde bei Blende 3.5 und ISO 200

1/8 Sekunde bei Blende 4 und ISO 200

1/6 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 200

1/100 Sekunde bei Blende 8 und ISO 200

1/125 Sekunde bei Blende 8 und ISO 200

Am Abend ließen sich dann Leuchtende Nachtwolken blicken („Leuchtende Nachtwolken sind gerade über Deutschland …“), hier das matte Abend-Display aufgepeppt:

1 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 1600

1 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 1600

Und hier die Fortsetzung am Morgen des 15. Juni, leider etwas zu spät hingeschaut, aber ausgeprägte Wellen waren – fotografisch – noch gut nachweisbar:

1/2.5 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

1/2.5 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

1/2 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

1/1.6 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

[Daniel Fischer – viele weitere Mond- und NLC-Bilder in diesem Album!]

Auf den Spuren von Erhard Weigel

In zwei Ausstellungen begegnet man in Jena dem Mathematiker, Astronomen, Pädagogen, Philosophen und Erfinder des 17. Jahrhunderts Erhard Weigel, der 1653 als Mathematik-Professor an die dortige Universität berufen worden und dort auch zeitweise Dekan und Rektor war, dazu aber auch Oberbaudirektor und Kaiserlicher Rat. Mit astronomischen Entdeckungen trat Weigel nicht in Erscheinung, was ihn zu einem „important largely unknown astronomer“ gemacht hat, um so mehr aber als Lehrer, Erfinder und … wohl auch Urgroßvater des modernen Planetariums: Davon finden sich höchst faszinierende Spuren in weit verstreuten Fachveröffentlichungen, auf den Webseiten seines ‚Fan-Clubs‘ und den beiden Ausstellungen.

Eine befindet sich im Collegium Jenense, einem Ex-Kloster, in dem 1558 die Universität Jena gegründet worden war, wo Weigel Mitte des 17. Jh. die erste lokalisierbare Sternwarte der Stadt eingerichtet hatte und das hier fast senkrecht vom Jentower zu sehen ist.Die Ausstellung „Universitätsalltag im Collegium Jenense“ im Eingangsbereich des heutigen Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums widmet Weigel eine Vitrine, die nach ihrer ‚Entdeckung‘ bei einer Stadtführung zu weiteren Recherchen Anlass gab.

Ganz so hat das Collegium damals nicht ausgesehen: Dieser Kupferstich vermutlich aus dem Jahr 1661 zeigt einen aufwändigeren und idealisierten Umbauplan Weigels für den Bereich um den – wie im Foto zu erkennen heute noch erhaltenen – Torbogen mit einer großen Beobachtungsplattform darüber, auf der ein Astronom mit seinen Studenten dargestellt ist. Die hat es aber wirklich gegeben, im 18. Jahrhundert durch einen Beobachtungsturm am selben Ort ersetzt. Seit dem Internationalen Jahr der Astronomie 2009 erinnert eine Gedenktafel an Weigels vier Jahrzehnte währendes Wirken an dieser Stelle: Bis 1670 wohnte er auch im Torbogen und betrieb dort vermutlich auch eine Werkstatt.

Über Jena hinaus machte sich Weigel einen Namen mit der mutmaßlich ersten Sonnenfinsternis-Karte 1654 und vor allem als Kämpfer für einen einheitlichen (quasi gregorianischen) Kalender – und für völlig neue Sternbilder! Insgesamt 18 seiner „heraldischen Himmelsgloben“ mit Konstellationen aus den Wappen von europäischen Fürsten und Stadtrepubliken (S. 232-9) sind noch erhalten: Die Ausstellung im Collegium zeigt eine Kopie aus dem Jahr 2007, die besser betrachtet werden kann (die beiden Bilder oben) als eines der Originale, das hinter Plexiglas im Stadtmuseum Jenas gezeigt wird. Durch Beleuchtung von innen fallen zahlreiche Sterne als Bohrlöcher auf: Alle Exemplare – viele weitere sind z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier als Bild 5 zu sehen – waren gelocht und hatten wohl im Süden einen Einblick zum Betrachten der künstlichen Sterne. Spekulationen über eine Nutzung als Projektoren für Sterne in eine Kuppel scheinen aber müßig: Dazu hätte es einer damals nicht verfügbaren sehr hellen Lampe in der Mitte bedurft.

Trotzdem mag Weigel als Erfinder eines Vorfahren des modernen Planetariums gelten, denn neben den heraldischen Himmelsgloben schuf er auch mehrere große begehbare Hohlgloben, die er „Pancosmos“ nannte und denen – sehr schematisch und stark verkleinert – dieses Exponat im Stadtmuseum nachempfunden ist: Es war für eine der Ernestiner-Ausstellungen im Jahr 2016 angefertigt worden und ist in diesem Video in der 39. Sekunde zu sehen.

Viele Sterne hat man nicht hinein gebohrt – aber ganz anders war das bei den mindestens drei gewaltigen Exemplaren, die Weigel anfertigen ließ, von denen zwei in diesem Paper ausführlich diskutiert werden (ein kostenloser JSTOR-Account lohnt sich) – und die alle spurlos verschwunden sind. Einen Pancosmos von geschätzten 5½ Metern Durchmesser hatte er 1661 auf das gerade umgebaute Stadtschloss setzen lassen, mit Sternen bis zur 3. Größe, dazu beweglichen Planeten und einer Erdkugel mit aktiven Vulkanen und mehr im Zentrum (daher das „Pan“ in Namen: der ganze Kosmos in einem Modell). Das bemerkenswerte Gerät setzte er wohl auch für Vorlesungen ein, aber aus statischen Gründen musste es 1692 leider wieder weichen – und 1905 auch das Schloss selbst, das dem heutigen Hauptgebäude der Universität Platz machte. Einen zweiten Pancosmos – möglicherweise sogar 10 Meter groß und noch komplexer – schuf Weigel 1696 für den dänischen König: Darüber ist eine detaillierte Beschreibung erhalten. Und ein dritter ging wohl an den Kaiserhof in Wien: zu großen hohlen Himmelsgloben siehe auch einen Artikel aus dem Planetarian und die Proceedings des 7. Weigel-Kolloquiums (S. 241-3), zur Globologie generell Artikel der Leopoldina und aus Monumente und zu Weigels Leben und Wirken die 180-seitigen Proceedings eines Kolloquiums zu seinem 300. Todestag.

Bliebe noch ein weiteres verschwundenes Gebäude aus Weigels Zeit zu erwähnen: sein 1670 fertiggestelltes Wohnhaus voller kurioser Erfindungen, für astronomische Beobachtungen ebenso wie zum Hochpumpen von Wein aus dem Keller … Leider wurde das zu den Sieben Wundern Jenas gezählte Gebäude 1898 abgerissen – aber man findet dieses höchstens Jahre vorher entstandene Foto derzeit gleich zweimal in Jena: einmal in der Ausstellung im Collegium Jenense – und in der neuen Sonderausstellung „Tierische Gefährten“ im Stadtmuseum. Denn im Vordergrund sind Zughunde mit einem Karren zu sehen, einer damals üblichen – und genau regulierten – Verwendung der Vierbeiner. [Daniel Fischer – noch mehr Bilder aus beiden Ausstellungen und alle Texttafeln sind in einem Jena-2022-Album hier bzw. hier enthalten, und mehr Jena-Astronomie wurde bereits hier und hier gezeigt, dito Himmelsgloben aus Wien]