Lockdown im November? Astronomie geht auch online!

Wenn in diesen Tagen die Möglichkeiten zu persönlichen Treffen wieder eingeschränkt werden, heißt das nicht auf astronomische Events verzichten zu müssen! Gleich zwei Veranstaltungen aus dem Bonner Raum werden im November live via Internet zu sehen sein.

SternenHimmel Live am 10. November

Die nächste Veranstaltung aus der Reihe „Pauls portables Planetarium“ findet zwar in den Räumen des Deutschen Museums Bonn statt, wird aber das Publikum wieder nur digital erreichen. Geplant ist ein Livestream um 19:00 MEZ. Paul Hombach gibt eine Vorschau auf die Himmelshighlights am Bonner Nachthimmel und wirft einen Blick auf die Astrothemen, die in letzter Zeit besonders spannend waren.SternenHimmel Live 2020

Sterne und Wein am 13. November

Eine interaktive Mischung aus Weintasting, Astronomie und improvisierter Musik erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Online-Events. Wie schon im September ist das alles ganz einfach: Man meldet sich an, erhält ein Paket mit drei verschiedenen Weinflaschen und den Link zu einem Videomeeting. Die Welt der Weinaromen erklären die Sommelière Christal Lalla und Weinexperte Peter Wollmann, Paul Hombach (Volkssternwarte Bonn) steuert Musik und Astronomieshows bei. Weitere Informationen mit allen Details unter sterneundwein.de. Anmeldungen bitte bis zum 6. November an contact@vinauthority.de. Clear skies und cheers!

 

Regenbogen mit Säbelschnäbler

Ein spektakulärer Regenbogen heute über dem Naturschutzgebiet Leyhörn im Kreis Aurich in NW-Ostfriesland, beobachtet am späteren Nachmittag von der NABU-Vogelbeobachtungsstation an den Hauener Pütten aus, zu der der Beginn der 12. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gelockt hatte – in diesem Album viele weitere Bilder, insbesondere von den vielen Säbelschnäblern, die für weiße Vorgrund-Effekte sorgten:

[Daniel Fischer und (2. Bild) Susanne Hüttemeister]

Mars. Mond. Wolken. Und doch

1/100 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 2000

Die recht enge Konjuktion des Mars kurz vor der Opposition mit dem Mond einen Tag (hier heute früh gegen 5 Uhr: ~30 Stunden) nach voll war in Witten überraschend gut trotz ständig wechselnder Bewölkung gut zu sehen – hier das Beste, was die frei drehende Belichtungsautomatik mit Nachhelfen draus machte:

1/125 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 125

1/125 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 160

1/125 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 320

1/125 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 640

[Daniel Fischer]

Sterne über dem Wendland: ein Besuch in der dunkelsten Ecke Deutschlands

Schaut man auf eine Karte der Lichtverschmutzung, so fällt irgendwann auf, dass die dunkelste größere Zone in Deutschland keineswegs mit einem der ausgewiesenen Dark Sky Places wie dem Westhavelland, der Eifel oder der Rhön zusammen fällt: Vielmehr ist es ein breiter Ring um die Stadt Salzwedel mitten im Dreieck Hamburg / Hannover / Berlin – zum Beispiel der Landkreis Lüchow-Dannenberg, der grob mit der Region Wendland im äußersten Osten Niedersachsens an den Grenzen zu Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zusammen fällt, auch wenn sich der Norden des Kreises eher als Elbtalaue versteht.

Das Wendland mögen viele allenfalls mit dem kontroversen Nuklear-Endlager bei Gorleben verbinden, aber es ist eine abwechslungsreiche Landschaft, ziemlich flach und vor allem nur sehr dünn besiedelt, mit allenfalls kleinen Städtchen wie hier Lüchow mit 10’000 Einwohnern. Das sorgt für verbreitet sehr dunklen Himmel …

… von dem er reichlich Gebrauch macht: Der Nightscape-Fotograf Helmut Schnieder – hier in einer aktuellen Ausstellung seiner Bilder in der Verbandsverwaltung der Samtgemeinde Elbtalaue in Dannenberg – setzt die Sterne über der Landschaft auf besondere Weise ins Bild und seine häufigen Vorträge werden bereits zu den Sehenswürdigkeiten der Region gezählt. Komposite gibt es nicht, dafür wird gerne mal der Vordergrund während der Belichtung ausgeleuchtet. So auch …

… die Autoren vor der Milchstraße: aufgenommen während einer nächtlichen Rundfahrt mit Schnieder in der Nacht 17./18. September, die am Heuhotel von Kollase begann – übrigens schon seit 15 Jahren ein Geheimtipp unter niederländischen (!) Sternfreunden.

Hier fünf Aufnahmen des Autors mit einfacherer Kamera an diesem Ort, von der Milchstraße im Westen (mit Saturn und Jupiter), nahe dem Zenit und im Osten, jeweils 60 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600 (2. Bild: 800). Der SQM-Wert lang an diesem Abend bei bis zu 21.3 Magnituden pro Quadratbogensekunde.

Später der Aufgang von Fuhrmann und Stier über den Überresten der Eisenbahnbrücke von Dömitz, zum Teil von Schnieder ausgeleuchtet. Und zum Schuss nach Mitternacht die vielleicht größte Überraschung – auch im Garten eines Hotels am Nordrand von Hitzacker (mit immerhin 5000 Einwohnern) war die Milchstraße kaum weniger brillant als auf dem Land:

[Daniel Fischer, mit Susanne Hüttemeister. NACHTRÄGE: größere Bilder – und viiiel mehr von der Reise – in diesem Album, auch zu Astro-Didaktik im Naturum Göhrde, einem farbenfrohen Sonnenuntergang über der Elbe und dem Mond von einem Turm bei Hitzacker!]

Wieder einmal kosmische Live-Streams fast rund um die Uhr

hat es in den vergangenen Tagen und Nächten gegeben, etwa die schon fast Routine gewordene Online-Starparty in Arizona auf Zuruf.

„The Exceptional Astronomical Discoveries of the Ancient Greeks“: ein Vortrag, gefolgt von einer ausgiebigen Fragerunde, auch zu ganz anderen Themen.

Ein virtuelles Astronomy Festival des Royal Astronomical Observatory im UK, zu dem auch die vorproduzierten Segmente hier, hier und hier gehörten.

Ein Webinar über Fragen der Kuratierung der Geschichte von Planetarien.

Ein Webinar über das Gravitationswellen-Ereignis 190521 mit den besonders schweren Schwarzen Löchern.

Ein ‚Space Rocks‘-Talk über Fragen der Militarisierung des Weltraums – und All Space Considered des Griffith Observatory, drei Stunden zu allen möglichen Themen:

[Daniel Fischer]

Premiere von Beer & Space in Essen – Weltraum-Outreach im Biergarten

Aus der Krise geboren ein neues Format der Astronomie in der Öffentlichkeit: Ein Live-Club in Essen hatte COVID-19-halber auf einem leeren Platz vor der Tür einen Biergarten eingerichtet, die Walter-Hohmann-Sternwarte suchte einen Platz für öffentliche Vorträge in weitem Feld – und ein Mitglied war Stammgast im Club. So kam eins zum anderen, und heute hatte ‚Beer & Space‘ Premiere an einem lauen Sommerabend …

…zum Thema „Sternenstaub für jeden – Mikrometeoriten vor der eigenen Haustür suchen und finden“, ein Projekt der Bürgerforschung, das jetzt auch in Essen angesiedelt ist. Vom Publikum dürfte allenfalls die Hälfte speziell zum Vortrag gekommen sein, aber die Beschallten – die AV-Technik hatte der Club gestellt – lauschten bald gespannt; im Wochenrhythmus sind noch mindestens drei weitere solche Open-Air-Vorträge geplant:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: mehr und größere Bilder in diesem Album weit oben]

Sterne und Wein online am 4. September

Letzten Herbst fand im schönen Ambiente der Volkssternwarte Bonn eine neue Veranstaltung statt: Sterne und Wein. Zu leckeren Weinen gab es eine astronomische Multimediashow. Da zur Zeit Treffen in Innenräumen aus bekannten Gründen nur sehr eingeschränkt möglich sind, haben die beiden Initiatoren, der Weinfachmann Peter Wollmann (Unterstützer des Deutschen Museums Bonn) und der Astronomieenthusiast Paul Hombach (Volkssternwarte Bonn) die Veranstaltung einfach ins Internet bzw. das Zuhause der Gäste verlegt!

Und so funktioniert’s: Nach der Anmeldung bekommt man ein Paket mit drei verschiedenen Weinflaschen und ein paar Knabbereien geliefert, dazu einen Link für ein Videomeeting. Zum genannten Termin wählen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Videokonferenz ein, erfahren Spannendes aus dem Weltall (Paul) und Wissenswertes zu den dazu passenden Weinen aus Galileis Heimatregion (Peter). Die Weine werden dabei entspannt zu Hause genossen.

Wer mag kann sich live und interaktiv mit Fragen beteiligen. So entsteht ein gemütliches und unterhaltsames Treffen in einer Art virtuellem Wohnzimmer… Genuss, Inspiration und Beisammensein in digitalen Zeiten! Und dieses Event ist natürlich nicht auf Bonn beschränkt, sondern kann überall dort stattfinden, wohin auch ein Paket geschickt werden kann!

Weitere Informationen mit allen Details unter sterneundwein.de bzw. Anmeldungen bitte an contact@vinauthority.de

NEOWISE: die nächsten neun Nächte

Seit der ersten Sichtung vor genau 15 Tagen ist der Komet NEOWISE bis heute in bereits zehn Nächten vom selben Balkon in Witten-Herbede aus zu beobachten gewesen (in drei davon allerding nur für Minuten), über verschiedene Stadtteile von Bochum hinweg: ein urbaner Komet, dessen Koma-Helligkeit in diesem Zeitraum von etwa 1.6 auf 3.3 mag. gefallen, dessen Staubschweif aber durchaus markant geblieben ist. Viele Aufnahmen – alle mit einer Panasonic DMC-FZ300 mit offener Blende (2.8) – waren bereits in Skyweek 2.0 hier, hier und hier und in Threads hier sowie hier, hier und hier zu sehen, mehr und größere gibt es in diesem Album ungefähr von unten nach oben. Oben ein Bild vom 12. Juli um 23:24 MESZ, 6 Sekunden bei ISO 200. Und nun chronologisch (nach dem 7. Juli waren drei Nächte komplett bewölkt):

11. Juli, 0:11 MESZ – 2 Sekunden bei ISO 1600

1:21 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800 (nahe untere Kulmination = dunkelster Azimut)

3:10 MESZ – 10 Sekunden bei ISO 400 (mit fernen NLC)

3:17 MESZ – 1.3 Sekunden bei ISO 1600 (maximales Zoom)

3:20 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 800

3:47 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 200

23:24 MESZ – 2 Sekunden bei ISO 400

23:27 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200

23:30 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200

12. Juli, 1:27 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe unterer Kulmination)

3:14 MESZ – 10 Sekunden bei ISO 400

3:15 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 800

3:36 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400

23:32 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 200

23:35 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 200

23:40 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 400

13. Juli, 1:17 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe unterer Kulmination)

3:10 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800

3:13 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

3:16 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400 (mit einem Hauch NLC)

3:20 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400

3:50 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200

23:16 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200 (über der Ruhr-Universität)

23:20 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 200

14. Juli, 1:30 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe untere Kulmination, trübe)

3:36 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (großes verwaschenes NLC-Feld)

3:45 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 400

3:56 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 200 (dann erneut drei Nächte komplett bewölkt)

17. Juli, 23:10 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 400

23:19 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

23:22 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400

18. Juli, 23:13 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 400

23:16 MESZ – 3.2 Sekunden bei ISO 800 (mit UMa; Komet ganz unten rechts)

23:20 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 400 (Komet ganz oben)

23:27 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800 (die nächste Nacht brachte nur eine marginale Sichtung, aber immerhin)

21. Juli, 0:29 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400 (Komet oben Mitte; trübe)

0:35 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

0:42 MESZ – 13 Sekunden bei ISO 400

0:54 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

2:45 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe unterer Kulmination)

23:45 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800

23:47 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 1600

23:49 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800

NEOWISE für Nerds: Spektren, Natriumschweif, Komafarbe

Der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) hat nach dem Perihel diesen Monat nicht nur Pretty Pictures ohne Ende produziert (Links hier, hier, hier, hier und hier), sondern auch eine Reihe interessante Fragen aufgeworfen. So zeigen – mit verblüffend einfacher Technik erstellte – Spektren von Torsten Hansen, wie die am 13. Juli noch starken (nicht aufgelösten) Natrium-Linien fünf Nächte später praktisch verschwunden waren: Das kann man auch in einer Spektren-Galerie seit dem 9. Juli nachvollziehen, es gibt ferner Spektren an vier Stellen in und bei der Koma am 17. Juli (die hier diskutiert werden), ein Spektrum vom 16. Juli mit bereits schwachem Na und ein sensationell detailreiches Echelle-Spektrum vom Abend des 15. Juli, als die Linien noch da waren – alles ebenfalls von Amateurastronomen. Ein Verschwinden des Natriums im Spektrum ist übrigens auch dem Großen Kometen von 1882 passiert: interessante Physik offensichtlich, aber es kommt noch besser!

Bei der Hansen-Methode wird nämlich auch der Schweif mit spektroskopiert – und am 13. wie 18. Juli ist eine Komponente aus neutralem Natrium zu erkennen. Solch ein Natriumschweif wurde vermutlich zum ersten Mal beim Kometen C/1910 A1 (nicht dem Halleyschen) und sicher bei C/1957 P1 (Mrkos) gesehen und insbesondere bei C/1995 O1 (Hale-Bopp) intensiv untersucht (s.u.), aber ein Nachweis mit einfachen Amateurmitteln war zumindest dem Autor bisher nicht bekannt. Derzeit gibt es große Diskussionen in der Kometenszene, ob im oder beim Plasmaschweif von NEOWISE immer wieder mal fotografierte bräunlich-rötliche Filamente derselbe Natriumschweif sein könnten, aber das in Plasmaschweifen zuweilen präsente Ion H2O+ (u.a. prominent beim Kometen Kohoutek nachgewiesen) bleibt ein anderer Kandidat.

Ein wichtiger Datenpunkt ist auch diese Aufnahme von Bernd Gährken vom Morgen des 18. Juli durch einen engbandigen Natrium-Filter: „Bei 3 nm Halbwertsbreite ist das Bild schon sehr dunkel und das Ergebnis ist entsprechend verrauscht. Dennoch ist an der Position des Ionenschweifs der Natriumschweif schwach zu sehen. Eine Kontinuumsaufnahme für ein Differenzbild war zwar nicht mehr möglich, dennoch ist die Sache wohl eindeutig, da sich im Ionenschweif sonst keine passenden Linien befinden, die 589 nm überdecken, und der Staubschweif eine andere Position hat.“

Über einen Nachweis des Natrium-Schweifs bereits am 8. Juli hatten übrigens Spezialisten für Na-Forschung im Sonnensystem berichtet: Das neutrale Atom wird vom Strahlungsdruck der Sonne aus der Koma fortgedrückt (wobei ein resonanter Streu-Prozess hilft, der es auch per Fluoreszenz besonders stark leuchten lässt) und entfernt sich wesentlich geradliniger und in einer schmaleren Struktur als der Staubschweif und fast genau in Antisolarrichtung. (Für Physiker: Das Beta beträgt um die 80, während es für Staubteilchen unter 1 liegt.)

Zum Vergleich: Das war der Natriumschweif des Kometen Hale-Bopp – das Entdeckungs-Bild vom 16. April 1997 (der schmale Schweif ganz links auf dem linken Bild durch einen Na-Filter mit 1.5 nm FWHM, rechts unmittelbar davor ein breitbandiges Bild mit Plasma- und Staubschweif). Es wurde sogleich in einem Press Release der Isaac Newton Group of Telescopes und zusammen mit ersten Folge-Beobachtungen in einem ESO-Hale-Bopp-Newsticker am 23. April und 30. April diskutiert und bald darauf zusammen mit weiteren Untersuchungen im Paper Cremonese et al., Neutral sodium from comet Hale-Bopp: a third type of tail, Ap. J. Lett. 490 [1997] L199-202 eingeordnet; sogar bis in Enzyklopädien hat es es gebracht.

Überraschenderweise wurde bei Hale-Bopp aber gleich noch ein anderer Natrium-Schweif entdeckt: Dieser – beschrieben im Paper Wilson et al., Three Tails of Comet Hale-Bopp, Geophys. Res. Lett. 25 [1998] 225-8 und auf einer spartanischen Webseite zu sehen – ist diffuser als der oben diskutierte und liegt mehr auf dem Staubschweif, was den Nachweis erschwert. Und trat einen Monat vor dem schmalen Na-Schweif auf, der damals nicht vorhanden war. In den Papers Cremonese, Hale-Bopp and its Sodium Tails, Space Science Reviews 90 [1999] 83-9, und Cremonese et al., Neutral Sodium Tails in Comets, Adv. Space Res. 29 [2002] 1187-97 wird die diffuse Variante auf Freisetzung des Natriums von Staubteilchen im Staubschweif zurückgeführt, während die Atome des schlankeren Natriumschweifs durch andere Prozesse schon in der Koma entstehen … die auch Jahrzehnte später immer noch Gegenstand der Forschung waren. Und interessante Verbindungen mit der Natrium-Exosphäre des Planeten (!) Merkur und den Mechanismen ihrer Entstehung haben könnten.

Bliebe noch ein mit ganz einfachen Mitteln zu beobachtendes Phänomen an NEOWISE, über das in der vergangenen Nacht 18./19. Juli viele visuelle Beobachter berichteten und das auch auf Fotos auffällt: Die Koma ist deutlich grüner geworden. Das könnte im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Natrium-Emission stehen und auf eine Verwandlung der Koma fort von einer erfreulich staubreichen – der wir den schönen Staubschweif verdank(t)en – zu einer gasreicheren hindeuten. Hier fünf ausgewählt hoch vergrößerte und kurz belichtete Aufnahmen des Autors, vom Morgen des 11., 12. und 13. Juli und zweimal dem Abend des 18. Juli: Da ist tatsächlich eine Grünverfärbung zu erkennen, v.a. auf dem vorletzten verwackelten Bild, die vorher nicht da war. [Daniel Fischer]

NEOWISE ist da – super-einfach zu sehen!

Da steht er am Himmel über Bochum, der mit Spannung erwartete Komet: leicht mit stehender Superzoom-Kamera zu fotografieren – und mit dem bloßen Auge problemlos zu sehen, Staubschweif(chen) inklusive. Im Bild oben stand er um 3:21 MESZ erst 3.8° hoch, in der späten astronomischen Dämmerung: 3.2 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400. Und hier noch ein paar Aufnahmen von 3:02 MESZ (das „Entdeckungsfoto“ vor der ersten Fernglassichtung, 2.3° hoch) bis 3:22 MESZ; mit bloßem Auge war der Komet ab 3:25 MESZ in 4.1° Höhe bis mindestens 4:00 MESZ in 7.3° Höhe mitten in der nautischen Dämmerung zu sehen:

[Daniel Fischer]