Weltraum über Walcheren

Die niederländische Halbinsel Walcheren in der Provinz Zeeland hatte während einer Reise in der 2. August-Woche 2016 astronomisch einiges zu bieten – inklusive mehrerer pittoresker Sonnenuntergänge von Domburg über der Nordsee. Oder gleich mitten rein:

Gleich nach der Ankunft am 7. August war die Sonne bis zum Horizont zu verfolgen, inklusive subtiler grüner Segmente, während die Sonne am 9. August und 12. August wolkenhalber nicht so weit kam.

Das Dreieck Saturn / Mars / Antares plus Mond am 12. und am 13. August mit dem weiter sehr hellen Delta Scorpii neben dem Mars, dazwischen eine Nebensonne am 13. August. Und Walcheren hat auch selbst ein paar astronomische Sehenswürdigkeiten zu bieten, die meisten in der Stadt Middelburg:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Am astro-historisch bedeutendsten Ort existiert seit dem 17. Mai 1940 nichts Originales mehr, als Bomben u.a. die Onze-Lieve-Vrouwe Abdij samt den Häusern der Kapoenstraat davor in Schutt und Asche legten. Die Nieuwe Kerk der Abtei ist bald wieder aufgebaut worden, und zumindest die Grundmauern sind noch am alten Ort: So kann man ganz gut den Ort bestimmen, wo das Haus jenes Hans Lipperhey stand, in dem er 1608 das Fernrohr erfand (PDF-Seiten 34 und 39). Auf einem Foto von vor 1940 ist die Position markiert, d.h. Lipperheys Haus befand sich ziemlich genau da, wo heute die blauen Parkplatzschilder stehen, wie auch schon 2008 (Reihe 4) ins Bild gesetzt.

Dieses alte Bild wird in der Volkssternwarte von Middelburg gezeigt, die – derzeit als einzige Institution im ganzen Ort – die astronomische Geschichte lebendig hält: mit vielen historischen Instrumenten, der nachgebauten Werkstatt Lipperheys und einer funktionsfähigen Schleifmaschine nach damaliger Bauweise, hier vom Sternwartenleiter Rijk-Jan Koppejan demonstriert. Und das Riesenteleskop im Garten – demnächst wird übrigens in die Innenstadt umgezogen – ist auch so eine Art Denkmal zum 400. Geburtstag des Teleskops gewesen.

Dank einer aus diesem Anlass von Koppejan verfassten und sogar ins Deutsche übersetzten „Wanderroute zu historisch astronomischen Plätzchen in Middelburg“ lassen sich in der Stadt noch weitere Spuren finden: zum Beispiel Sonnenuhren am Rathaus aus dem Jahr 1729 von Jan de Munck (2000 rekonstruiert) und am Giebel der Stadsschuur von 1682 – und das Van de Perrehuis (heute Sitz des Stadtarchivs), wo im 18. Jh. Johan Adriaen van de Perre wohnte und heute auch wieder seine (hier 2008 aufgenommene; Reihen 2+3) prächtige Orrery steht. De Perre hat auch selbst den Himmel beobachtet – auf dem Kasteel Westhove zwischen Domburg und Oostkapelle:

[Daniel Fischer]

Im Erdbeer-Wahn …

erdbeer

Der Vollmond beeinflusst den (modernen) Menschen nicht, lästern wir Skeptiker ja gerne angesichts all der zähen Mythen über seine vermeintliche Wirkung auf das Gemüt – aber manchmal passiert’s doch: wenn nämlich einer plötzlich von irgendwem zum Sonderfall erklärt und die Schnappsidee von ‚den Medien‘ aufgegriffen wird und sich viral ausbreitet. So passiert es seit mehreren Jahren bei den längst als „Supermond“ in den auch astronahen Volksmund eingegangenen Vollmonden in Perigäumsnähe, die übrigens tatsächlich eine Schau für Genießer sind – und besonders krass wurde es bei der letzten totalen Mondfinsternis im September, über die der tollste Blödsinn verbreitet wurde: motiviert vor allem durch eine angebliche Seltenheit, die aber gar keine war, und in Kombination mit einem bis dahin wenig bekannten aber aufhorchen lassenden Begriff („Blutmond“).

Fast genau dieses Szenario hat sich nun wiederholt, aber an Stelle einer Mondfinsternis mit der heutigen Sommersonnenwende als Aufhänger – und der dem Vernehmen nach von den Algonkin stammenden nordamerikanischen Vollmond-Bezeichnung „Erdbeermond“ als Mem. Im Gegensatz zum MoFi-Schmarrn, den eine irreführende Webseite der NASA weltweit implantiert hatte, lässt sich nicht genau verfolgen, wie der zugegeben leckere Juni-Mond auch in Deutschland und Österreich in aller Munde kam, aber gestern war er plötzlich überall – zusammen mit der Behauptung, einen Vollmond am Tag der Sommersonnenwende habe es seit (mindestens) 1967 nicht mehr gegeben. Dass diese Behauptung Quatsch ist, lässt sich leicht durch den Vergleich entsprechender Tabellen zeigen, und der Fall traf ja für den Großteil der Menschheit v.a. in Asien 2016 nicht einmal zu. Und auch in Mitteleuropa nicht: Da fiel der Vollmond auf den gestrigen Mittag und die Sonnenwende erst in die Stunde nach Mitternacht heute.

Eine Konsequenz daraus waren zwei De-Facto-Vollmondnächte hintereinander, wobei die erste vom 19. zum 20. Juni – oben ein Bild mit den Planeten Saturn und Mars westlich vom Mond und Antares darunter – freilich medial keinerlei Beachtung fand: Alle Artikel bejubelten absurderweise erst die folgende Nacht. Und was wurde da nicht alles zusammen gesponnen: „Wenn Sommersonnenwende und Vollmond auf ein und dieselbe Nacht fallen, steht ein besonderes Naturschauspiel an: der sogenannte Erdbeermond,“ glaubt die Berliner Zeitung heute zu wissen: „So geschehen in der vergangenen Nacht.“ Der Bonner General-Anzeiger gewahrte „einen Anblick am Himmel, den es zuletzt 1967 gab, und der sich erst 2062 wiederholen wird: der sogenannte Erdbeermond. Der Himmelskörper strahlte in einem kräftigen Orange.“ Und die Tagesschau erfand gar die passende Physik dazu: „Durch die spät untergehende Sonne färbte er sich rötlich. Das Naturschauspiel wird Erdbeermond genannt.“

Da war nun also alles durch den großen Medien-Mem-Mixer gegangen: eine irrtümlich für unfassbar seltene kosmische Konstellation, die nur einmal im Leben eines Menschen (auch das ein populäres Sub-Mem) stattfände, die tatsächlich – wegen generell geringer Deklination des Juni-Vollmonds – häufig zu beobachtende zumindest gelbliche Verfärbung des Mondes und ein vermeintlich rote Farbe insinuierender Begriff, der in Wirklichkeit mit der Haupterntezeit für Erdbeeren im Neuengland zusammen hängt aber nun auf bedeutende physikalische Zusammenhänge hin zu deuten schien. Und einer schrieb vom anderen ab, ohne mal selber das Gehirn einzuschalten. Wieder einmal blieb es an uns Astrobloggern hängen, die Absurditäten gerade zu rücken, wie im bereits verlinkten Beitrag zur Häufigkeit solcher Konstellationen und z.B. auch hier, hier oder hier versucht (was immerhin hier von einer ‚echten‘ Zeitung aufgegriffen wurde). Nun könnte man sagen, so what, das bisschen Mond-Medien-Müll schadet doch keinem – aber wenn ‚die Medien‘ nicht mal einen derart leicht zu recherchierenden oder selber nachzurechnenden Sachverhalt korrekt …

Traurig stimmt auch, dass der Einmal-im-Leben-Erdbeer-Wahn die tatsächlich spannenden Aspekte des Vollmonds vom Juni 2016 überdeckt hat. Derzeit stehen nämlich die Vollmonde in dieser Jahreszeit besonders weit nördlich der Ekliptik, ein Effekt von 4 bis 5 Grad immerhin: Das war bereits im Mai auffällig gewesen, und auch dieses Mal wieder war klar zu erkennen (unterstes Bild), dass der Vollmond der Sonne nicht genau gegenüber stand, so dass ein Teil seiner unbeleuchteten Südpolregion und ein ungewöhnlicher südlicher Terminator deutlich zu erkennen war. Und der vielleicht substanziellste Beitrag zur Lage ergänzt: „Rund einen Tag vor Vollmond wurde die maximale Nordbreite erreicht, 5,2° nördlich der Ekliptik. […] Wir müssen, bedingt durch die Knotendrehung des Mondes, rund 9 Jahre warten, bis sich eine extreme Südbreite ergibt. Am 11. Juni 2025 wird der Vollmond eine Deklination von -28,09° erreichen und dies wird der südlichste Vollmond seit 100 Jahren sein.“ Was das erst wieder für ein Mem geben wird … [Daniel Fischer]

Kosmisches Quartett: Vollmond, Mars in Opposition, Saturn & Antares

Die Konstellation in der Nacht 21./22. Mai war vielfach „beworben“ worden, z.B. hier, hier, hier und hier für Europa und hier für die USA: ein schiefes Viereck aus dem Vollmond (erreicht am 21. um 23:14 MESZ), dem Mars in Opposition (am 22. um 13:11 MESZ), dem Saturn und dem ‚Gegenmars‘ Antares. Eine nächtliche Wanderung gegen 2:00 MESZ in Witten-Herbede zwecks Verbesserung des Horizonts brachte die vier nacheinander zum Vorschein (vom Mond im Uhrzeigersinn Mars, Antares und Saturn): Die ersten zwei Bilder entstanden freihändig, die anderen zwei mit der Kamera auf einer Mülltonne balancierend. Auch interessant – der „Voll“-Mond zeigt eine deutliche Phase mit Terminator-Kratern im Süden, da er derzeit weit nördlich der Ekliptik unterwegs ist, die Saturn und Mars ungefähr an den Himmel zeichnen:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: zwei Bilder größer und ein weiterer Artikel zur kosmischen Lage]

Was ich beim Merkurdurchgang 2016 gelernt habe

Neues über den Merkur an sich, die Dimensionen des Sonnensystems oder sonst etwas Astrophysikalisches gehörte nicht zu den Lektionen, die aus einem neunstündigen Live-Event im & am Planetarium Bochum zum gestrigen Merkurtransit – über das auch ‚live‘ hier berichtet worden war – gezogen werden können. Aber eine Menge über praktische Astronomie, die Durchführung öffentlicher Beobachtungen und minimal notwendige Methoden, wenn es um „Kleinkram“ auf der Sonne geht, den weder SoFi-Brillen noch Projektion per Lochkamera zeigen können, die nur die Sonnenfinsternisse, Venus-Transite und große Flecken geeignet sind.

  • Um größere Besuchergruppen gleichzeitig „unterhalten“ zu können, ist Sonnenprojektion das ideale Beobachtungsverfahren (Bilder 1, 2 und 5): Alle haben einen mehr oder weniger guten Blick auf das große Bild, an dem auch direkt etwas gezeigt werden kann. Zum Beispiel beim ‚Zelebrieren‘ des Merkur-Eintritts.

  • Um dabei Sicherheitsrisiken durch versehentlich dem projizierenden Okular zu nahe kommende Besucher-Kleidung, -Finger oder gar -Augen zu verhindern, kann über das Okular eine Pappröhre gestülpt werden (Bilder 2 und 5), die die Projektion nicht be- aber jede Annäherung an die ‚Augenlinse‘ verhindert.

  • Projizierte Sonnenbilder eignen sich auch für das Ablichten mit Kameras aller Art, wovon die Besucher in Bochum regen Gebrauch machten (Bild 2). Allerdings versagt oft der Autofokus: Da hilft es, entweder mit dem Finger auf das Motiv zu zeigen (Bild 4) oder auf den Rand des Projektionsschirms scharf stellen zu lassen und dann zum Objekt zu schwenken.

  • Als ebenfalls sehr gut für öffentliche Beobachtungen des Transits geeignet erwies sich ein PST (Bilder 5 und 6) – aber nicht in der H-Alpha-Linie, sondern so weit daneben, dass alle Chromosphärenstruktur verschwindet und nur (knallrot und deutlich heller) die Photosphäre zu sehen ist: Gegen sie zeichnete sich der Merkur brilliant ab. Auch bei sehr tief stehender Sonne (Bild 6): Die Rötung und Dämpfung der Sonne durch die zunehmende Extinktion, die irgenwann zu einem Verschwinden des projizierten Bildes führt, schlägt kaum zu.

  • Ideal war die Verwendung eines Zoom-Okulars für das PST: Je nach Bildhelligkeit und – durch schwankende Bewölkung modulierten – Kontrast konnte die Bildgröße optimal angepasst werden. Wobei der Merkur dann immer in einem bestimmten ’sweet spot‘ am deutlichsten zu sehen war. Auch in nur noch ca. 4 Grad Sonnenhöhe (Bild 6) war der Anblick famos – trotz nur 40 mm Öffnung und hoher Vergrößerung!

  • Auch für das PST sind Smartphones (und Kompaktkameras mit kleinen Objektiven) als ‚Photonen-Schnorrer‘ geeignet, im Gegensatz ’normalen‘ Kameras: In direkter Tuchfühlung mit der Augenmuschel erfassen die Mini-Optiken einen größeren Teil des Gesichtsfeld, und ein paar Besuchern gelang so tatsächlich die Abbildung Merkurs.

  • Ein preiswertes Fernglas genügt ohne Weiteres, um den Merkur klar sichtbar zu machen: entweder in Projektion, wie bereits im Vorfeld Experimente mit einem Sonnenfleck nahegelegt hatten – das ging sogar freihändig. Oder man montierte – sicher und ohne Licht-Lecks natürlich! – eine Polymer-SoFi-Brille vor ein Objektiv (und klebte das andere zu): Das gab bei einem 10×50 ein gestochen scharfes Bild mit sehr auffälligem Merkur.

  • Besagte SoFi-Brille war auch für die Fotografie der halbwegs hoch stehenden Sonne mit einer simplen Kamera – hier einer alten Lumix FZ-48 – gut geeignet (Bild 3), wobei sich der knackscharfe Merkur besser als mancher Sonnenfleck ähnlicher Dimension durchsetzte. Seltsamerweise funktionierte eine Black-Polymer-Brille (der helleren, alten Art) diesmal besser als eine Aluminized-Mylar-Brille, sonst ist es oft umgekehrt. Bei nur noch wenige Grad hoch stehender Sonne waren allerdings alle SoFi-Brillen zu duster für gute Bilder: Dann lieferte „fotografische“ Sonnenfolie die besten Resultate (Bild 7).

  • Auch eine frappierende Erkenntnis über die Erdatmosphäre lieferte der Merkurtransit 2016: Beim Eintritt war in großer Sonnenhöhe das Seeing ziemlich schlecht gewesen (wozu auch die notwendige Beobachtung über Teile des Planetariumsgebäudes hinweg beigetragen haben mag) – aber am Spätnachmittag war die Luftruhe bei nur halb so hoher Sonne dramatisch besser. Der Merkur war jetzt ein scharfes rundes Scheibchen und der Sonnenrand glatt(Bild 4), und viele ’neue‘ Flecken wurden sichtbar. Also: Die Sonnenhöhe ist für ein überzeugendes Bild viel weniger wichtig als andere Faktoren.

All diese technischen ‚Errungenschaften‘ verblassten aber vor der Begeisterung vieler der Besucher, die mitunter im Laufe des Tages mehrfach wieder kamen und in einigen Fällen auch eine der beiden anderen öffentlichen Beobachtungen in Bochum aufgesucht hatten: Die „Bedeutung“ des Ereignisses, das weniger durch seine visuelle Dramatik als seine große Seltenheit auffällt, wurde regelrecht aufgesogen. Auch die kosmischen Dimensionen, die in dem Live-Transit-Bild stecken, wurden goutiert Der heutzutage wichtige ‚Event-Charakter‘ stellte sich bei den meisten ganz von selbst ein – und mit am häufigsten wurde gefragt, wann’s denn das nächste Mal was zu sehen gäbe … [Daniel Fischer]

Jede Menge Links zum Merkur-Durchgang am 9. Mai, laufend aktualisiert

Dreizehn Jahre sind seit dem letzten Durchgang des Planeten Merkur vor der Sonnenscheibe vergangen, der in Europa sichtbar war (Bild oben vom Swedish 1-m Solar Telescope der Royal Swedish Academy of Sciences), und 9 1/2 Jahre seit dem letzten überhaupt (ein Video von MDI auf dem ESA/NASA-Satelliten SOHO und ein Bild vom Solar Optical Telescope auf dem JAXA-Satelliten Hinode) – entsprechend groß ist das Interesse am nächsten Fall am Montag, den 9. Mai 2016, der zumindest in Westeuropa und gerade eben noch Deutschland wie der 2003-er komplett zu sehen sein wird. Eine Sammlung von Links nach Kategorien (Zuordnung nicht immer ganz eindeutig, laufend aktualisiert bis zum 9. Mai).

Und dann waren da noch ein Online-Rechner für die Kontaktzeiten Merkurs bei nicht nur diesem Transit, die Häufigkeit simultaner Transite, der Quarter Million Year Canon of Solar System Transits, eine interaktive Weltkarte und der genaue Weg Merkurs über die Scheibe jetzt, ein Vergleich der Größe Merkurs mit dem Riesen-Sonnenfleck vom April, 10 Fakten zum Transit, neckische Infografiken, wie man den Transit beobachten und besser nicht betrachten sollte, Videos zur Technik von der Society for Popular Astronomy, der Open University, der BBC und AstroViews, Experimente und Gedanken dieses Bloggers, ein HangOut von EuroPlanet, ein Heft der GDP, ein Trickfilm von EuroPlanet, ein Mini-Video und weitere Visuals der NASA – und dann war da noch ein NASA-Video mit großen Mängeln (der Text-Content), wie auch hier und hier angemerkt wurde: Nach den Protesten hat die NASA diese korrigierte Fassung publiziert. [Daniel Fischer]

Merkurtransit mit Minimal-Technik: So geht’s!

Im Gegensatz zu Durchgängen der fetten Venus vor der Sonnenscheibe oder gar partiellen Sonnenfinsternissen sind Merkur-Durchgänge wie am 9. Mai nicht mit bloßem Auge + Sonnenfinsternis-Brille oder Projektion mit Lochblende und/oder kleinem Spiegel sichbar: Mit nur 12 Bogensekunden Durchmesser ist der Planet einfach zu winzig, wie auch dieses Foto von 2006 neben einem größeren Sonnenfleck zeigt. Die dunkle Umbra des zur Zeit sichtbaren Flecks Nr. (1)2533 ist jedoch mit rund 15 Bogensekunden nur wenig größer als der Merkur, der wiederum – da perfekt schwarz – einen höheren Kontrast hat: Damit lässt sich am aktuellen Fleck, nun auf dem Weg zur Sonnenmitte, perfekt Technik für Beobachtungen des Merkurtransits testen und insbesondere auch die minimal erforderliche herausfinden.

Hier der Fleck heute in Projektion mit einem 25-Euro-Fernglas (10×50, auf einem Blumenkasten aufgestützt, eins der Objektive abgeklebt) über etwas einen Meter hinweg in den Schatten bei klarem Himmel und 35° Sonnenhöhe: Er ist ohne weiteres zu erkennen, so wie es mit ähnlicher Methodik auch der Merkur beim Transit 2003 war. Wichtig sind eine halbwegs stabile Lage des Feldstechers – dem natürlich niemand ins Okular schauen darf – und seine sorgfältige Fokussierung, auch darf das Bild nicht zu weit von der optischen Achse entfernt sein, sonst kommt es zu Verzerrungen. Die Demonstration hier holt nicht das Optimum heraus, es ging nur – in einer Wolkenlücke – um’s Prinzip. Auf jeden Fall ist die Beobachtung in Projektion einfacher, angenehmer und „sozialer“ (es können mehrere gleichzeitig gucken) als der direkte Blick durch ein Fernglas oder kleines Teleskop, für das erst ein zertifizierter Filter besorgt und sicher vor dem Objektiv montiert werden muss – das kostet extra, und der Laie kann mehr falsch machen und seine Augen in Gefahr bringen. Schwierig wird es – allerdings für alle Beobachtungstechniken gleichermaßen – bei schlechter Transparenz oder tief stehender Sonne, aber manchmal ist es so klar, dass Fernglas-Projektion selbst bei wenigen Grad Sonnenhöhe noch möglich ist.

Eine ganz andere Beobachtungstechnik „mit Hausmitteln“ bietet sich noch an, wenn eine Kamera mit starkem (auch eingebautem) Zoomobjektiv vorhanden ist und eine alte Sonnenfinsternis-Brille. Diese sicher vor dem Objektiv angebracht – wenn dies einen größeren Durchmesser hat: mit einem Papprahmen, so dass kein ungefiltertes Licht auf die Linse fällt! – erlaubt Fotos der Sonne wie z.B. dieses heute ein paar Stunden vor den obigen Experimenten. Verwendet wurden eine 5 Jahre alte „Superzoom“-Kamera (Panasonic Lumix FZ-48) mit maximalem Zoom und eine SoFi-Brille mit metallbedampfter Mylar-Folie, die ein besonders helles Bild liefert. Leider unterscheiden sich die heute und früher gehandelten SoFi-Brillen gewaltig in der Bildhelligkeit, und die heute verfügbaren Black-Polymer-Brillen sind für Fotografie zu dunkel (und selbst visuell nicht mehr ideal): Glücklich diejenigen, die noch ältere, hellere Brillen besitzen, bevor australische Paranoia vor der 2012-er SoFi in Queensland zu der ‚Verdunklung‘ des Marktes führte.

Die beiden hier beschriebenen Beobachtungsmethoden sind übrigens nur dann erste Wahl, wenn keine Volkssternwarte mit öffentlicher Beobachtung des Transits mit größerem Gerät – nur dann wird der 12-Bogensekunden-Merkur bei hoher Vergrößerung als eindeutiges kreisförmiges Scheibchen sichtbar – zur Verfügung steht. Auch dabei bietet sich wieder Projektion an, im obigen Beispiel beim Venus-Transit 2004 in Südafrika mit einem fetten Newton realisiert, der sogar unter freiem Himmel ein kontrastreiches und großes Bild der Venus vor der Sonne bot. Auch der nur 1/5 so große Merkur sollte mit dieser Technik für hinreichendes Aufsehen sorgen. Derzeit entstehen hier alphabetisch und hier nach Postleitzahlen zwei ausführliche Tabellen mit Veranstaltern öffentlicher Beobachtungen. Und wenn das Wetter gar nicht mitspielen will: Es werden immer mehr Webcasts angekündigt, zur Not sogar aus dem Weltraum vom Solar Dynamics Observatory. Nicht gucken geht also gar nicht. [Daniel Fischer]

Merkur und Plejaden in der Abenddämmerung

Die Helligkeit Merkurs in der laufenden Abendsichtbarkeit ist bereits auf +0.4 mag. gefallen, aber dank einer Elongation von 19.7° war er heute bei sehr klarem Himmel in der fortschreitenden nautischen Dämmerung etwa eine Dreiviertelstunde mit bloßem Auge zu sehen – bis er für diesen Beobachter in Königswinter-Heisterbacherrott hinter dem Weilberg unterging. Das war bei einer Sonnendepression von ~12° knapp vor dem Beginn der astronomischen Dämmerung, und die nahen Plejaden waren für das bloße Auge noch nicht sichtbar geworden, wohl aber für die Kamera. Und hier noch Aldebaran, Hyaden, Plejaden und Merkur beim ‚Aufsetzen‘ in einem Bild:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein Bild größer und mehr vom Abend]

Projektion mit dem Fernglas – kurz vor Sonnenuntergang

Der eigenen ‚Predigt‘ vor einer Woche gehorchend, heute den besonders klaren Spätnachmittagshimmel über Witten und einen dicken Sonnenfleck ausgenutzt, um mit einem simplen 10×50-Fernglas und Projektion auf ein Blatt Papier zu experimentieren – was auch in wenigen Grad Höhe noch erstaunlich gut funktionierte, selbst durch eine Fensterscheibe hindurch, wobei natürlich die Beobachtung aus einem Zimmer heraus wichtig für den Kontrast war:

Das Bild oben ist völlig unbearbeitet (man beachte oben den Schatten des Fernglases oben; für den Schatten, in den die Sonnenbilder fallen, sorgt der Sessel, auf dem das Fernglas ruht), das darunter im Kontrast angehoben: Auf der rechten Sonne meint man, selbst Penumbra und Umbra unterscheiden zu können. Und das Bild ganz unten, wiederum unbearbeitet, entstand mit der Sonne nur noch etwa 2° hoch – das wird in Bonn die Höhe der Sonne beim Austritt Merkurs bei seinem Sonnen-Durchgang am 9. Mai sein:

„Argelanders Erben“ im Universitätsmuseum Bonn

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Noch bis zum 31. Juli zeigt die Ausstellung „Argelanders Erben“ im Uni-Museum einen Querschnitt durch 200 Jahre Astronomie an der Bonner Universität – angefangen mit dem Original des ersten Bonner Uni-Fernrohrs überhaupt, einem 83-mm-Dollond, mit dem von Münchow am 5. Mai 1832 einen Merkur-Durchgang beobachtete. (Dahinter eine Mondaufnahme eines seiner Nachfolger, worüber auch dieses und speziell dieses Video berichten.)

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Argelanders 77-mm-Kometensucher von der Bonner Durchmusterung darf ebenso wenig fehlen wie die Beobachtungsbücher von Julius Schmidt, eine kaum bekannte Kostbarkeit, …

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… das Okularmikrometer des letzten Bonner Meridian-Kreises oder das Objektivprisma des Bonner Spektralatlasses. Beschlossen wird die kleine aber feine Ausstellung – mehr Bilder und auch Videos von der Eröffnung heute – von zwei geodätischen Instrumenten, mit denen die Bonner Astronomen des 19. Jh. auch zu arbeiten hatten, wie anlässlich einer früheren Ausstellung hier beschrieben wurde („Links eine weitere Leihgabe aus Bonn …“):

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[Daniel Fischer] NACHTRAG – der Beitrag des Universitäts-Fernsehens:

So findet man den Kometen 252P/LINEAR!

Seine Helligkeit ist inzwischen auf 6. Größe gefallen, und das Licht verteilt sich auf eine riesige Fläche von rund 45 Bogenminuten Durchmesser – aber weil der Komet 252P/LINEAR im März der Erde bis auf 5 Mio. km nahe kam und jetzt erst dreimal weiter entfernt ist, lohnt sich schon ein Blick auf den exotischen Besucher, wenn der Himmel ausreichend dunkel ist: Dieser Blogger erspähte ihn heute gegen 3 Uhr MESZ als sehr diffuses Wölkchen problemlos mit einem 11×70-Feldstecher. Und die danach entstandenen Fotos oben mit einer Bridge-Kamera auf einem Stativ zeigen zusammen mit dieser Karte, wo’s lang geht: vom Saturn über Epsilon Ophiuchi die Linie vier weitere Male um deren Distanz verlängert, um zu Beta Oph zu kommen – und dann wieder einen dieser Schritte zurück. Die Aufnahme oben (ISO 800, 60 Sekunden bei Blende 3.2; hier größer zu sehen) zeigt neben dem unten rechts marginal erkennbaren und in der kontrastverstärkten Version darunter markierten Kometen oben links Beta und darunter Gamma Ophiuchi und ganz oben in der linken Ecke auch den Sternhaufen IC 4665, der zugegebnermaßen im Fernglas beeindruckender als der Komet aussieht … [Daniel Fischer]

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