Himmelsmechanik am Abend: Mars vor dem Goldenen Tor der Ekliptik – und Vesta in Opposition im Löwen

Der Mars bei den Plejaden am Abend des 28. Februar 2021 …

… und damit vor dem Goldenen Tor der Ekliptik

am Abend des 1. März war er ihm schon ein Stück näher gekommen.

Der Untergang am Morgen des 2. März …

… und wie sich die Situation am Abend des 2., des 5. und des 8. März darstellen wird: Um den 7. März bilden die beiden Sternhaufen und der Mars inetwa eine gerade Linie.

Gleichzeitig erreicht der Kleinplanet (4) Vesta im Löwen seine Opposition mit konstant 6.2 mag. vom 28.2. bis 11.3.: hier der Anblick am Morgen des 2. März …

… und ein Video zum weiteren Fortgang, während die Grafik unten die Lage in der Nacht 4./5. März zeigt:

[Daniel Fischer – größere Bilder in diesem und diesem Album]

Improvisationen über eine Mondsichel

18:47 MEZ, Höhe 6°, 1/5 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

Der erste klare Abend in Witten-Herbede seit vielen Wochen, an dem es auch etwas Besonderes zu sehen geben würde – und dann passte der Azimut nicht, und auf der sonst als Kamera-‚Stativ‘ gern genutzten Balkon-Mauer lag noch reichlich Schnee: Diese Aufnahmen entstanden komplett freihändig, sogar ohne Aufstützen, mit einer Panasonic Lumix DMC-FZ300 mit optischem Bildstabilisator – und insgesamt war etwa eins von drei Bildern unverwackelt. Die drei auffälligen Sterne rechts vom Mond sind übrigens ψ3, ψ2 und ψ1 Aquarii (4.3 bis 5.0 mag.), und ganz oben rechts ist einmal auch der Rote Riese χ (Chi) Aquarii zu sehen.

18:46 MEZ, Höhe 6°, 1/13 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 1600

18:47 MEZ, Höhe 6°, 1/4 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

18:47 MEZ, Höhe 6°, 1/2.5 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

18:48 MEZ, Höhe 6°, 1/60 Sekunde bei Blende 3.5 und ISO 800

18:59 MEZ, Höhe 4°, 1/3.2 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 3200

18:59 MEZ, Höhe 4°, 1/3.2 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 3200

[Daniel Fischer. NACHTRAG: Bilder in groß hier, hier, hier, hier und hier]

Tianwen-1 am Mars – live aus Bochum!

Als gestern der erste chinesische Orbiter in eine Umlaufbahn um den Mars eintrat, traute sich das chinesische Staatsfernsehen keine Live-Übertragung: Die Augen der interessierten Welt – es wurden zeitweise 1300, als sich die Möglichkeit herumsprach, darunter viele aus China – schauten stattdessen auf diesen Webcast von AMSAT-DL, die mit der 20-Meter-Schüssel des Instituts für Umwelt- und Zukunftsforschung in Bochum-Sundern

… schon bald nach dem Start Tianwen-1 bestens empfangen hatte und immer noch ein starkes Signal sah – obwohl die Sonde kurz vor dem Orbit-Einschuss bereits auf die Low-Gain-Antenne umgeschaltet hatte. Um die – wegen Erddrehung wie Bahnbewegung – beständig nach links driftende Frequenz des Funkträgers im Display zu halten, wurde sie immer wieder etwas verrückt: Daher die periodischen Sprünge nach rechts. Oben das Live-Display vom Spektrum-Analysator, darunter ein „Wasserfall-Diagramm“, das die zeitliche Veränderung des Spektrums visualisiert, mit der Zeit in UTC = MEZ minus 1 Stunde.

Die Mars Orbit Insertion (MOI) hat begonnen, genau nach diesem Zeitplan (in MEZ aber Spacecraft Event Time, d.h. knapp 11 Lichtminuten Mars-Abstand sind zu addieren): Die Linksdrift der Frequenz endet abrupt, stattdessen geht es nun – immer schneller – nach rechts, während das Triebwerk knapp 15 Minuten brennt. Die chinesischen Medien würden später den Beginn der MOI in SCET als „Erreichen des Planeten“ bezeichnen, also 19:52 Uhr China-Zeit.

Um das laufende Bremsmanöver als durchgehende Kurve zu darzustellen, sind die bisherigen addierten Frequenz-Hüpfer nun abgeschaltet: Dank des Doppler-Effekts macht sich die permanente Veränderung der Geschwindigkeit von Tianwen-1 direkt bemerkbar. Das Triebwerk läuft offenbar problemlos weiter …

… aber das Ende des MOI-Manövers war leider nicht zu verfolgen: Abermals dem o.g. Zeitplan folgend, trat Tianwen-1 aus Erdsicht hinter den Mars (Loss of Signal), 5½ Minuten vor Brennschluss. Eine Bahn um einen Planeten wird i.d.R. erst kurz vor diesem erreicht, v.a. wenn zunächst wie hier ein hochelliptischer erster Capture Orbit das Ziel ist: Dass es jetzt noch keine Erfolgsmeldung geben konnte, war klar.

Das Signal ist wieder da (Acquisition of Signal), und der Zeitpunkt entspricht genau dem Plan: Damit war praktisch klar, dass der Orbit-Einschuss gelungen war. Und die offizielle Bestätigung kam dann genau 10 Minuten später, auch das dem Zeitplan folgend. Und schon bald schaltete Tianwen-1 dann wieder auf die High Gain Antenna zurück und begann mit der Übertragung von Daten, die während des Burns aufgezeichnet wurden:

[Daniel Fischer, mit Dank an Peter Gülzow von AMSAT-DL (der die Beobachtungen angeregt und zusammen mit Thilo Elsner vom IUZ zwei Wochen lang vorbereitet hatte) für viele Erläuterungen. NACHTRAG: weitere Detail in den Streifzügen durch das Universum Nr. 51]

„Streifzüge“ – die ersten 50 Episoden!

Episode 49 (8. Februar 2021): Kleiner Bär und Polarstern

Episode 48 (1. Februar): Die Plejaden

Episode 47 (25. Januar): Die Gestalt der Milchstraße II – das aktuelle Bild

Episode 46 (18. Januar): Die Gestalt der Milchstraße I – Geschichtliches

Episode 45 (11. Januar): der Orion-Nebel

Episode 44 (4. Januar): Gaia und die Aberration durch das Galaktische Jahr

Episode 43 (21. Dezember 2020): Das Wintersechseck – und allerlei Aktuelles des Monats

Episode 42 (14. Dezember): Die Begegnung von Jupiter und Saturn

Episode 41 (7. Dezember): Chang’e-5 auf dem Mond & Hayabusa 2 zurück

Episode 40 (30. November): Kepler und die Fremden Erden

Episode 39 (23. November): Schwarze Löcher III – das erste Bild

Zusammen mit einer Sonderausgabe gibt es nun schon 50 Folgen der „Streifzüge durch das Universums“, des Flagschiffs von Planetarium @ home aus Bochum, das Ende März 2020 spontan im ersten Lockdown entstanden war: Themenplanung, Bildrecherche und Präsentation Susanne Hüttemeister, weitere Planung und Recherche, gelegentliche Himmelsfotos, Aufnahme und Schnitt Daniel Fischer, Titelgrafik Meike Weisner, Titelmusik Johannes Kraas, Marketing Jennifer Christoph. Neue Episoden erscheinen derzeit jeden Montag parallel auf Facebook und Youtube.

Episode 38 (16. November): Schwarze Löcher II – was Penrose heraus fand
Episode 37 (9. November): Schwarze Löcher I – Nobelpreis für Sgr A*
Episode 36 (2. November): OSIRIS-REx holt sich eine Bodenprobe
Episode 35 (26. Oktober): Mars IV – Missionen zum Mars
Episode 34 (19. Oktober): Mars III – Leben auf dem Mars?
Episode 33 (12. Oktober): Mars II – die Landschaften des Planeten
Episode 32 (5. Oktober): Mars I – der Planet am Himmel
Episode 31 (28. September): Was sagt uns das Monophosphan in den Venus-Wolken?
Episode 30 (21. September): So ist das mit der Tag-und-Nacht-Gleiche
Episode 29 (14. September): Der Stern Fomalhaut und seine mysteriöse Umgebung
Episode 28 (7. September): Das Gravitationswellen-Ereignis GW190521
Episode 27 (31. August): Jupiter! Inklusive des neuen weißen Sturms
Episode 26 (24. August): Gravitationslinsen und der Fall der fernen Milchstraße
Episode 25 (17. August): Das Große Verblassen von Beteigeuze – und es passiert schon wieder
Episode 24 (10. August): Was die Perseiden 2020 wirklich zu bieten haben
Episode 23 (3. August): Saturn!
Episode 22 (13. Juli): NEOWISE! Was schon war – und was noch kommt
Episode 21 (25. Juni): Rückblick auf die beiden Juni-Finsternisse und die ersten NLCs
Episode 20 (2. Juni): Himmelsvorschau auf den Juni – v.a. die beiden Finsternisse
Episode 19 (28. Mai): Die Leuchtenden Nachtwolken sind da!
Episode 18 (25. Mai): SPHERE sieht AB Aurigae
Episode 17 (21. Mai): Der Merkur, am Himmel und überhaupt
Episode 16 (18. Mai): So ist das mit der ISS – am Himmel
Episode 15 (14. Mai): Venus und Merkur auf Kollisionskurs in der Abenddämmerung
Episode 14 (11. Mai): Kometen! Inklusive der aktuellen Versager ATLAS und SWAN …
Episode 13 (7. Mai): Ein Sternhaufen und 5 Galaxien am Frühlingshimmel
Episode 12 (4. Mai): Teleskope für alle im Vergleich – mit Gaststars!
Episode 11 (30. April): Was man mit einfachen Mittel vom Balkon sehen kann
Episode 10 (27. April): 30 Jahre Hubble Space Telescope – Entdeckungen im nahen Kosmos
Spezialausgabe (24. April): Enthüllung des Bildes zum 30. Geburtstag von Hubble
Episode 9 (23. April): 30 Jahre Hubble Space Telescope – Entdeckungen im fernen Kosmos
Episode 8 (20. April): Wo die Sterne im Hertzsprung-Russell-Diagramm wohnen
Episode 7 (16. April): Das Frühjahrs-Dreieck und die Natur seiner Sterne
Episode 6 (14. April): ATLAS kaputt! Und wie unsere Sternbilder festgelegt wurden
Episode 5 (9. April): Rückblick auf den ‚Supermond‘ – und wie der Mond entstand
Episode 4 (6. April): Wie das mit Ostern funktioniert
Episode 3 (2. April): Die Venus besucht die Plejaden
Episode 2 (30. März): Sonne und Mond am Himmel
Episode 1 (26. März): Was ist los am Himmel?

[Daniel Fischer]

Drei Astro-Livestreams im Februar

Drei unterschiedliche Live-Events aus dem Bereich Astronomie / Astrotainment von und mit Paul Hombach sind im Februar online zu sehen:

„Ab ins All“ mit interaktiver Musik aus dem Planetarium Bochum am 10.2., 19:00 Uhr

In der Show „Ab ins All“ nimmt der Musiker und Astronomie-Referent Paul Hombach das Publikum mit auf eine Reise von der Erde zu den fernsten Galaxien. Dabei gibt es entlang des Weges immer wieder etwas zu hören, auch spontan improvisierte Lieder über Themen, die sich die Gäste des Livestreams wünschen dürfen. (Teilnahme kostenlos)

Pauls Portables Planetarium Karnevalsausgabe am 16.2. 18:00 Uhr aus dem Deutschen Museum Bonn

Neues zwischen Tünnes und Space, der Himmel aus der Sicht des Rheinländers und Kosmologie für Karnevalisten – dies alles und mehr wird, wenn auch ohne Vor-Ort-Publikum, sozusagen als „Astro-Karneval for one“ – am Veilchendienstag aus dem Deutschen Museum Bonn gesendet. (Teilnahme kostenlos)

Sterne und Wein Online am 19.2. um 19:00 Uhr

Leckere Weine, Spannendes aus der Astronomie und live komponierte Musik – das sind die Zutaten von Sterne und Wein online. Ein Zoomlink und ein Paket mit drei ausgesuchten Weinen, schon treffen sich Menschen zum gemütlichen und informativen Zusammensein in einer Art gemeinsamen digitalen Wohnzimmer. Paul Hombach und Peter Wollmann führen durch die Welt der Sterne und Weine und lassen sich mit Vergnügen „schwarze Löcher“ zu beiden Themen in den Bauch fragen… (Teilnahme EUR 35.-, Anmeldungen bitte bis zum 11.2. an contact@vinauthority.de)

Astrovorschau für Bonn Januar-Februar 2021

Die Himmelsvorschau für Bonn für die nächsten Wochen ist soeben auf den Seiten der Volkssternwarte Bonn veröffentlicht worden.

Viel Spaß beim Beobachten!

Ausschnitt der Astrovorschau für Bonn Januar und Februar 2021 von Paul Hombach

Webcasts von der Großen Konjunktion

Der zentrale deutsche Webcast der Großen Konjunktion von Jupiter und Saturn vor drei Tagen (oben) war ein ausgewogener Mix aus Talk, älteren Bildern, Simulationen und Live-Videostreams aus Österreich und aus Italien. In anderen Webcasts aus aller Welt dominierten dagegen meist einzelne Aspekte.

Moderiert mit Live-Bildern

Und ein weiterer hier.

Im Wesentlichen nur Live-Bilder

Und noch mehr hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier!

Überwiegend Talk oder Simulationen


(Weitere Segmente der Serie gibt’s hier, hier, hier und hier.)

Und noch zwei hier und hier. [Daniel Fischer]

Das war die Große Konjunktion 2020!

Das einzige brauchbare Bild, das am heutigen Tag der Großen Konjunktion von Jupiter und Saturn in Witten-Herbede gelang, wo sich mit hoher Geschwindigkeit mehrere Wolkenschichten übereinander verschoben, so dass nur ganz selten ein hinreichend großes Loch entstand, um beide Planeten in 6 Bogenminuten Abstand gleichzeitig ablichten zu können, oft blieb der Jupiter allein:

Ein Vergleich mit dem Anblick vom selben Ort acht Tage zuvor bietet sich an. Aber auch am Tag vor der Konjunktion hatte sich vom selben Ort aus ein überraschender Blick auf das Planeten-Duo mit 9 Bogenminuten Abstand ergeben – ähnlich hektische Schnappschüsse, aber der Ganymed ist zu erkennen:

[Daniel Fischer – größere Bilder wieder in diesem und diesem Album]

Jupiter und Saturn am Tag vor ihrer engsten Konjuktion

Eine passende Wolkenlücke gab den Blick auf das enge Planetenpaar Jupiter und Saturn in der Abenddämmerung frei. Selbst nur 204mm Brennweite zeigen schon Jupiter mit zwei Monden. Alle Aufnahmen (c) Paul Hombach /starsandwine.net

Dieses Bild stammt aus einer ganzen Sequenz, die zu einem Gif animiert wurde:

Gif aus 40 Einzelbildern, 20.12.2020 (c) P. Hombach

Im Teleskop bei 67x waren beide Planeten mit Details schon in der hellen Dämmerung ein visueller Genuss, hier ein Handyfoto direkt durch das Okular an einem 80/640mm Fluoritrefraktor.

Jupiter und Saturn gemeinsam in einem Feld. Schnappschuss mit einem HTC11 bei vollem Zoom direkt durch das Okular. Wer findet Ganymed? (Tipp: Bildmitte rechts…)

Und wieder wurde das Planetenduo von einem Flugzeug gestreift (allerdings nicht so spektakulär wie vorgestern, als dabei Saturn bedeckt wurde):

Ob es morgen noch einmal so ein Wetterglück gibt? Viel Erfolg und clear skies wünscht Paul Hombach.

Kosmisches Trio vor der Konjunktion

Das Paar Jupiter/Saturn nebst 3 Tage altem Mond heute Abend bei sehr klarem Himmel über Königswinter-Heisterbacherrott: Aufnahmen von 17:33 MEZ (1.6 Sekunden bei Blende 3.5), 17:43 MEZ (3.2 Sekunden bei Blende 2.8) und 17:56 MEZ (6 Sekunden bei Blende 2.8) mit ISO 400 – und hier neun weitere Bilder zwischen 17:09 MEZ (1/15 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 200) und 17:59 MEZ (8 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800):

Und das Planeten-Paar gestern über Witten-Herbede, u.a. einem Kreisverkehr – mehr und größere Bilder beider Abende wurden diesen und diesem Album hinzugefügt:

[Daniel Fischer]