Merkur trifft Venus – im Mai 2020

Das dynamische Schauspiel von Merkur und Venus an allen sieben Abenden, die vom 14. bis 25. Mai 2020 in Witten-Herbede klar genug waren: mehr Aufnahmen Richtung Bochum in diesem Album grob von unten nach oben und in diesem Album von oben nach unten und Anmerkungen in diesem Blog – ähnliche Serien gibt es auch in diesem und diesem [NACHTRAG: und diesem] Blog.

14. Mai: die erste Sichtung des Merkur während der Sichtbarkeit, mit -1.3 mag. bei Elongation 12°.

15. Mai: mit -1.2 mag. in 13° Elongation – im sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont, der Rest des Himmels war zu.

17. Mai: nun auch die ersten Sichtungen mit bloßem Auge, -1.0 mag. in 15° Elongation.

20. Mai: von oben kommt die Venus, von unten der Merkur – mit noch -0.7 mag. in 17° Elongation.

21. Mai – Konjunktion! Dabei die Venus auch in (natürlich überbelichteter) Sichelgestalt und der Merkur – mit -0,7 mag. und 18° Elongation – im selben Bildfeld.

23. Mai: Jetzt steht der Merkur – mit -0.5 mag, in 20° Elongation – höher als die Venus mit nur noch 17° Elongation.

25. Mai: Der immer noch mit bloßem Auge erkennbare Merkur – mit -0.4 mag. und fast maximalen 21° Elongation – zwischen dem drei Tage alten Mond und der nun rasch entschwindenden Venus mit nur noch 14° Elongation. Er war zwar vom 17.-25. Mai eindeutig aber nie auffällig zu sehen: eine große Abendsichtbarkeit war dies sicher nicht aber dank der Venus auf Gegenkurs eine recht unterhaltsame. [Daniel Fischer]

Grün (und Blau) bei Sonnenuntergang – quasi der Regelfall

Grün und sogar blau beim Sonnenuntergang: Das gibt es nicht nur in fernen Ländern sondern auch … vom Balkon in Witten-Herbede-Ruhrhöhe aus! Dank des außergewöhnlich sonnigen Wetters – in Verbindung mit dem NRW-‚Lockdown Light‘ – im Frühjahr 2020 konnten unzählige Sonnenuntergänge fotografiert werden: nicht nur zur Demonstration von Himmelsmechanik sondern auch von atmosphärischer Optik. Dies gelang nur, wenn ein wenig Naturfilter half (die ungedämpfte Sonne war selbst bei 1/16’000 Sekunde bei Blende 8 und ISO 100 noch zu hell und saturierte den Chip) – hier die fünf besten Sequenzen, jeweils der obere Sonnenrand extrem heraus vergrößert:

28. März: Selbst durch Gebüsch am (1 bis 2 Grad hohen) Horizont setzt sich der grüne Rand durch.

1. April: Diesmal grün und blau satt über einer Wolkenkante.

27. April: Ein weiterer farbenfroher Abschied der Sonne hinter einem Dach eines Hauses am Horizont

16. Mai: Besser als nix wiederum über einem Wolkenbänkchen.

20. Mai: Fast schon zu hell aber erneut Grüntöne über einem Dach – im letzten Bild etwas mehr Kontext. [Daniel Fischer]

Mai-Fahrplan für Venus und Merkur

Im weiteren Verlauf dieses Monats rasen die Venus und der Merkur aufeinander zu und aneinander vorbei: Die Abendsichtbarkeit der Venus endet nach Monaten konstant guter Sicht ziemlich abrupt, und die zweite Abendsichtbarkeit des Merkur 2020 beginnt, wobei sich beide Planeten am 21. und 22. kurz begegnen. Alles natürlich nur in der Abenddämmerung zu sehen, deren zwei zentrale Tiefegrade hier oben und unten anhand von Aufnahmen mit der Venus in 32° Elongation und mit -4.7 mag. demonstriert werden, die gestern bei nicht perfekt klarem Himmel entstanden. Oben bei einer Sonnendepression von exakt 6°, also dem Übergang von bürgerlicher zu nautischer Dämmerung (50 bzw. 25 mm Kleinbild-Äquivalent-Brennweite, 1/10 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 400, Venus-Höhe 20°). Und unten bei genau 12° Depression, dem Übergang nautische/astronomische Dämmerung (25 bzw. 50 mm, 5 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 400, Venus-Höhe 13°), wobei Lichtverschmutzung durch Bochum – rechts die RUB – zur Himmelshelligkeit beiträgt.

In dieser mit JPL HORIZONS gerechneten und auf ganze Gradzahlen gerundeten Tabelle sind die 1. Spalte das Mai-Datum, die 2. und 3. die Venus-Höhen bei 6° und 12° Sonnendepression, die 4. die Elongation der Venus (deren Helligkeit in dem Zeitraum von -4.7 auf -4.1 mag. sinkt), die 5. die Helligkeit des Merkur, die 6. und 7. seine Höhe bei 6° und 12° Sonnendepression und die 8. seine Elongation; die beiden Konjunktionstage sind eingerahmt. Die Höhen sind für Bochum gerechnet; wann der Merkur freiäugig sichtbar wird bzw. die Venus verschwindet, wird interessant zu verfolgen sein. Man beachte, dass mit tieferer Dämmerung der Kontrast besser wird aber andererseits mit sinkender Höhe v.a. auf den letzten Graden über dem Horizont die Extinktion stark zu- und damit der reale Kontrast wieder abnimmt. Zu einer recht schmalen Sichel geschrumpft ist die Venus jedenfalls schon jetzt, wie Aufnahmen von gestern hier und hier und vorgestern zeigen.

[Daniel Fischer]

Als der Mond die Venus besuchte

26. April 2020, 21:29 MESZ: Mondhöhe 24°, 1/8 Sekunde bei f/2.8 und ISO 200

1/80 f/3.2 ISO 200

1/125 f/3.2 ISO 200

21:51 MESZ: 21°, 1 Sekunde f/2.8 ISO 800

22:28 MESZ: 15°, 2.5 Sekunden f/2.8 ISO 400

8 Sekunden f/2.8 ISO 400

1.3 Sekunden f/2.8 ISO 800

23:11 MESZ: 9°, 1.3 Sekunden f/2.8 ISO 800

10 Sekunden f/2.8 ISO 400

27. April, 0:00 MESZ: 2.7°, 2.5 Sekunden f/2.8 ISO 800

2.0°, 1.3 Sekunden f/2.8 ISO 1600

1.7°, 1 Sekunde f/2.8 ISO 1600

0:11 MESZ: 1.3°, 1.3 Sekunden f/2.8 ISO 1600

21:40 MESZ: 31°, 1 Sekunde f/2.8 ISO 200

1/200 Sekunde, f/3.2 ISO 200

22:08 MESZ: 27°, 8 Sekunden f/3.2 ISO 400

22:47 MESZ: 21°, 5 Sekunden f/2.8 ISO 800

28. April, 0:08 MESZ: 10°, 1.3 Sekunden f/2.8 ISO 800

1:06 MESZ: 2.3°, 1/1.3 Sekunden f/2.8 ISO 1600

1.5°: 2 Sekunden f/2.8 ISO 800

1.4°: 1.6 Sekunden f/2.8 ISO 800

1:16 MESZ: 1.1°, 1.6 Sekunden f/2.8 ISO 800

20:46 MESZ: 48°, 1/200 Sekunde f/3.5 ISO 100

21:22 MESZ: 43°, 1/13 Sekunde f/2.8 ISO 400

1/15 Sekunde f/2.8 ISO 400

[Daniel Fischer – alle Aufnahmen mit einer Panasonic Lumix DMC-FZ300; viel mehr und größere Bilder vom 26. April oben in diesem Album und vom 27. und 28. April unten in diesem Album sowie mehr Links zum Venus-Besuch]

Nur ein normaler Samstagabend …

21:08 MESZ am 25. April 2020: 1/40 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 100

21:30 MESZ: 1/5 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 200

1/60 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 200

22:12 MESZ: 1.3 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 800

1.6 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 800

Eine Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

22:19 MESZ: 5 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

6 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

22:56 MESZ (Riesen-Extinktion): 1.6 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

1.6 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

1.6 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

1.6 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

1.3 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

1.3 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

1.3 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

2 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

23:04 MESZ: 2 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

[Daniel Fischer – größere Bilder in diesem Album!]

Monduntergang – keine 2 Tage alt

Trotz starker Extinktion, die Belichtungszeiten von 1/2 bis 1 Sek. bei Blende 3.5 und ISO 200 bis 400 erzwang, ein perfekter Monduntergang – sogar mit ein bisschen Erdschein – einen Tag und 17 Stunden nach Neumond (Höhe 2.6°, 2.2°, 2.0°, 1.9° und 3 x 1.8°; größere Bilder und die Situation zuvor in der Dämmerung in diesem Album):

Das war der „Supermond“ von 2020 …

… im Morgengrauen des 8. April (knapp 2 Stunden nach der Vollmond-Phase und 10 Stunden nach dem Perigäum) über Witten-Herbede – eine Sequenz über 19 Minuten hinweg:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: mehr & größere Bilder parallel in Alben hier und hier]

Als die Venus die Plejaden besuchte

Die Venus in den Plejaden in der Nacht 3./4. April 2020, aufgenommen in Witten-Herbede: oben noch recht hoch, danach im Untergang (bereits nach Mitternacht MESZ) über Bochum – bis zum Verschwinden der Venus gegen 0:35 MESZ:

[Daniel Fischer – mehr & größere Bilder in diesem Album]

Schwer geflasht heute früh … vom zweiten COSMO-SkyMed-Satelliten

Heute früh gegen 5:36 MEZ misslang – wegen zu schlechter Transparenz, zu viel Lichtverschmutzung und durchziehenden Nebelfeldern – zwar eine geplante systematische Beobachtung von Starlink-Satelliten des 3. Starts im finalen Orbit (weder der DarkSat noch mehrere normale waren trotz optimaler Geometrie zu sehen), aber dafür kam etwas ganz anderes angeflogen: ebenfalls durch den Zenit, mit erheblicher negativer Helligkeit, auf einer offensichtlich polaren Bahn und Richtung Norden dann schnell verblassend. Ein schneller Check bei Heavens Above lieferte nur einen Kandidaten: den 2. der italienischen Dual-Use-Erdbeobachter der Constellation of small Satellites for Mediterranean basin Observation alias COSMO-Skymed 2. Und tatsächlich sind diese Satelliten für lang anhaltende helle Flares bekannt, anders als die viel berühmteren Iridium-Flares, die nur Sekunden dauer(te)n. Verantwortlich ist die große flache Radarantenne (SAR) der Satelliten.

Für dem Überflug heute des Satelliten auf einer Umlaufbahn von 621 x 623 km mit 97,9° Neigung hatte Heavens Above für den Beobachtungsort in Witten in NRW eine maximale Höhe von 89° bei 630 km Abstand und einer Helligkeit von +3.5 mag. vorhergesagt, real war der Satellit viele Sekunden lang mindestens einen Faktor 300 heller, denn er lag gefühlt zwischen Jupiter und Venus. Und tatsächlich sag(t)e die Flare-Prognose von CalSky einen „Flare von SAR-Panel“ des COSMOS-SkyMed 2 mit „Helligkeit=-1.0mag Azimut=158.3° SSE Höhe= 85.4° im Sternbild Herkules“ für Witten voraus: „Flare-Winkel=5.70° Zentrallinie, nächstgelegener Punkt: geogr. Länge=6.359°E Breite=+51.301° (WGS84) Entfernung=63.0 km Azimut=255.2° WSW max. Helligkeit=-2.7mag Satellit über: geogr. Länge=7.5°E Breite=+51.1°“. Wer nach der Entsorgung der Flare-freudigen ersten Iridium-Generation Entzugserscheinungen hat: Die COSMOs sind ein würdiger Ersatz!

Spektren selbst erlebt: eine faszinierende Improvisation

„Die Farben des Weltalls“ war das Thema der Rothenfelser Sternstunden 2020 an diesem Wochenende, die schon über ein Jahrzehnt lang jedes Jahr ein inzwischen vierköpfiges Kernteam auf Burg Rothenfels im Spessart abhält (hinter deren Bergfried und alter Linde sich hier im Morgennebel bereits ein wenig atmosphärische Optik zu manifestieren versucht): Nach dem bedauerlichen kurzfristigen Ausfall just jenes Co-Referenten, der dieses Thema vorgeschlagen hatte, wurde gleichwohl in einer teilweise ganz spontan organisierten Mischung aus High- & Low-Tech eine Menge auf die Bühne gezaubert, um das Wesen der Spektroskopie erlebbar zu machen.

Martin Fischer nimmt hier mit einem DADOS-Spaltspektrografen und einer Schwarzweiß-CCD-Kamera ein Spektrum des – von Wolken gestreuten und durch ein Fenster in den Hörsaal fallenden – Sonnenlichts auf, das in der weiteren Reduktion mit der Software BASS so manche Fraunhofer-Linie zeigt. In der Nacht lieferte er den Seminarteilnehmern auch Sternspektren direkt im Okular durch einen Star Analyzer an einem 5-Zoll-Refraktor. Mehrere Absorptionslinien im Spektrum des Sirius enthüllte übrigens ebenfalls recht überzeugend eine ganz simple Pappbrille mit gekreuztem Beugungsgitter beim Blick durch einen größeren Feldstecher; beides hatte Pater Christoph von der Klostersternwarte mitgebracht.

Durch nämliche Brille fotografiert – wie alle Bilder hier mit einem Uralt-Handy – eine Balmer-Röhre mit Wasserdampf: Neben H-Alpha bis -Gamma macht sich u.a. auch eine Linie des Sauerstoffs bemerkbar, mit der wir (irrtümlich von reinem Wasserstoff ausgehend) nicht gerechnet hatten, deren Natur aber durch eine Messung des Spektrums mit dem DADOS klar erkannt werden konnte – Schade, kein neues Element Rothenfelsium …

Und hier noch fünf weitere Spektrallampen im Einsatz, diesmal mit Helium, Neon, Cadmium, Natrium und Thallium gefüllt, die durch den Star Analyzer bzw. die Brille ein wahres Kaleidoskop entfachten, …

… mit dem DADOS – nun aber einer DSLR-Kamera von Christoph (die per WLAN mit einem Laptop sprach …) – beeindruckende farbige Linien-Spektren der diversen Elemente live auf die Leinwand zauberten, wobei nunmehr die Wellenlänge von links nach rechts abnimmt:

[Daniel Fischer – noch mehr und größere Bilder hier, zeitlich ungefähr rückwärts. NACHTRAG: ein Bericht über das Seminar insgesamt]