NEOWISE: die nächsten neun Nächte

Seit der ersten Sichtung vor genau 15 Tagen ist der Komet NEOWISE bis heute in bereits zehn Nächten vom selben Balkon in Witten-Herbede aus zu beobachten gewesen (in drei davon allerding nur für Minuten), über verschiedene Stadtteile von Bochum hinweg: ein urbaner Komet, dessen Koma-Helligkeit in diesem Zeitraum von etwa 1.6 auf 3.3 mag. gefallen, dessen Staubschweif aber durchaus markant geblieben ist. Viele Aufnahmen – alle mit einer Panasonic DMC-FZ300 mit offener Blende (2.8) – waren bereits in Skyweek 2.0 hier, hier und hier und in Threads hier sowie hier, hier und hier zu sehen, mehr und größere gibt es in diesem Album ungefähr von unten nach oben. Oben ein Bild vom 12. Juli um 23:24 MESZ, 6 Sekunden bei ISO 200. Und nun chronologisch (nach dem 7. Juli waren drei Nächte komplett bewölkt):

11. Juli, 0:11 MESZ – 2 Sekunden bei ISO 1600

1:21 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800 (nahe untere Kulmination = dunkelster Azimut)

3:10 MESZ – 10 Sekunden bei ISO 400 (mit fernen NLC)

3:17 MESZ – 1.3 Sekunden bei ISO 1600 (maximales Zoom)

3:20 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 800

3:47 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 200

23:24 MESZ – 2 Sekunden bei ISO 400

23:27 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200

23:30 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200

12. Juli, 1:27 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe unterer Kulmination)

3:14 MESZ – 10 Sekunden bei ISO 400

3:15 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 800

3:36 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400

23:32 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 200

23:35 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 200

23:40 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 400

13. Juli, 1:17 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe unterer Kulmination)

3:10 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800

3:13 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

3:16 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400 (mit einem Hauch NLC)

3:20 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400

3:50 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200

23:16 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 200 (über der Ruhr-Universität)

23:20 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 200

14. Juli, 1:30 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe untere Kulmination, trübe)

3:36 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (großes verwaschenes NLC-Feld)

3:45 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 400

3:56 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 200 (dann erneut drei Nächte komplett bewölkt)

17. Juli, 23:10 MESZ – 4 Sekunden bei ISO 400

23:19 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

23:22 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400

18. Juli, 23:13 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 400

23:16 MESZ – 3.2 Sekunden bei ISO 800 (mit UMa; Komet ganz unten rechts)

23:20 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 400 (Komet ganz oben)

23:27 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800 (die nächste Nacht brachte nur eine marginale Sichtung, aber immerhin)

21. Juli, 0:29 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 400 (Komet oben Mitte; trübe)

0:35 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

0:42 MESZ – 13 Sekunden bei ISO 400

0:54 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 800

2:45 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800 (nahe unterer Kulmination)

23:45 MESZ – 8 Sekunden bei ISO 800

23:47 MESZ – 5 Sekunden bei ISO 1600

23:49 MESZ – 6 Sekunden bei ISO 800

NEOWISE für Nerds: Spektren, Natriumschweif, Komafarbe

Der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) hat nach dem Perihel diesen Monat nicht nur Pretty Pictures ohne Ende produziert (Links hier, hier, hier, hier und hier), sondern auch eine Reihe interessante Fragen aufgeworfen. So zeigen – mit verblüffend einfacher Technik erstellte – Spektren von Torsten Hansen, wie die am 13. Juli noch starken (nicht aufgelösten) Natrium-Linien fünf Nächte später praktisch verschwunden waren: Das kann man auch in einer Spektren-Galerie seit dem 9. Juli nachvollziehen, es gibt ferner Spektren an vier Stellen in und bei der Koma am 17. Juli (die hier diskutiert werden), ein Spektrum vom 16. Juli mit bereits schwachem Na und ein sensationell detailreiches Echelle-Spektrum vom Abend des 15. Juli, als die Linien noch da waren – alles ebenfalls von Amateurastronomen. Ein Verschwinden des Natriums im Spektrum ist übrigens auch dem Großen Kometen von 1882 passiert: interessante Physik offensichtlich, aber es kommt noch besser!

Bei der Hansen-Methode wird nämlich auch der Schweif mit spektroskopiert – und am 13. wie 18. Juli ist eine Komponente aus neutralem Natrium zu erkennen. Solch ein Natriumschweif wurde vermutlich zum ersten Mal beim Kometen C/1910 A1 (nicht dem Halleyschen) und sicher bei C/1957 P1 (Mrkos) gesehen und insbesondere bei C/1995 O1 (Hale-Bopp) intensiv untersucht (s.u.), aber ein Nachweis mit einfachen Amateurmitteln war zumindest dem Autor bisher nicht bekannt. Derzeit gibt es große Diskussionen in der Kometenszene, ob im oder beim Plasmaschweif von NEOWISE immer wieder mal fotografierte bräunlich-rötliche Filamente derselbe Natriumschweif sein könnten, aber das in Plasmaschweifen zuweilen präsente Ion H2O+ (u.a. prominent beim Kometen Kohoutek nachgewiesen) bleibt ein anderer Kandidat.

Ein wichtiger Datenpunkt ist auch diese Aufnahme von Bernd Gährken vom Morgen des 18. Juli durch einen engbandigen Natrium-Filter: „Bei 3 nm Halbwertsbreite ist das Bild schon sehr dunkel und das Ergebnis ist entsprechend verrauscht. Dennoch ist an der Position des Ionenschweifs der Natriumschweif schwach zu sehen. Eine Kontinuumsaufnahme für ein Differenzbild war zwar nicht mehr möglich, dennoch ist die Sache wohl eindeutig, da sich im Ionenschweif sonst keine passenden Linien befinden, die 589 nm überdecken, und der Staubschweif eine andere Position hat.“

Über einen Nachweis des Natrium-Schweifs bereits am 8. Juli hatten übrigens Spezialisten für Na-Forschung im Sonnensystem berichtet: Das neutrale Atom wird vom Strahlungsdruck der Sonne aus der Koma fortgedrückt (wobei ein resonanter Streu-Prozess hilft, der es auch per Fluoreszenz besonders stark leuchten lässt) und entfernt sich wesentlich geradliniger und in einer schmaleren Struktur als der Staubschweif und fast genau in Antisolarrichtung. (Für Physiker: Das Beta beträgt um die 80, während es für Staubteilchen unter 1 liegt.)

Zum Vergleich: Das war der Natriumschweif des Kometen Hale-Bopp – das Entdeckungs-Bild vom 16. April 1997 (der schmale Schweif ganz links auf dem linken Bild durch einen Na-Filter mit 1.5 nm FWHM, rechts unmittelbar davor ein breitbandiges Bild mit Plasma- und Staubschweif). Es wurde sogleich in einem Press Release der Isaac Newton Group of Telescopes und zusammen mit ersten Folge-Beobachtungen in einem ESO-Hale-Bopp-Newsticker am 23. April und 30. April diskutiert und bald darauf zusammen mit weiteren Untersuchungen im Paper Cremonese et al., Neutral sodium from comet Hale-Bopp: a third type of tail, Ap. J. Lett. 490 [1997] L199-202 eingeordnet; sogar bis in Enzyklopädien hat es es gebracht.

Überraschenderweise wurde bei Hale-Bopp aber gleich noch ein anderer Natrium-Schweif entdeckt: Dieser – beschrieben im Paper Wilson et al., Three Tails of Comet Hale-Bopp, Geophys. Res. Lett. 25 [1998] 225-8 und auf einer spartanischen Webseite zu sehen – ist diffuser als der oben diskutierte und liegt mehr auf dem Staubschweif, was den Nachweis erschwert. Und trat einen Monat vor dem schmalen Na-Schweif auf, der damals nicht vorhanden war. In den Papers Cremonese, Hale-Bopp and its Sodium Tails, Space Science Reviews 90 [1999] 83-9, und Cremonese et al., Neutral Sodium Tails in Comets, Adv. Space Res. 29 [2002] 1187-97 wird die diffuse Variante auf Freisetzung des Natriums von Staubteilchen im Staubschweif zurückgeführt, während die Atome des schlankeren Natriumschweifs durch andere Prozesse schon in der Koma entstehen … die auch Jahrzehnte später immer noch Gegenstand der Forschung waren. Und interessante Verbindungen mit der Natrium-Exosphäre des Planeten (!) Merkur und den Mechanismen ihrer Entstehung haben könnten.

Bliebe noch ein mit ganz einfachen Mitteln zu beobachtendes Phänomen an NEOWISE, über das in der vergangenen Nacht 18./19. Juli viele visuelle Beobachter berichteten und das auch auf Fotos auffällt: Die Koma ist deutlich grüner geworden. Das könnte im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Natrium-Emission stehen und auf eine Verwandlung der Koma fort von einer erfreulich staubreichen – der wir den schönen Staubschweif verdank(t)en – zu einer gasreicheren hindeuten. Hier fünf ausgewählt hoch vergrößerte und kurz belichtete Aufnahmen des Autors, vom Morgen des 11., 12. und 13. Juli und zweimal dem Abend des 18. Juli: Da ist tatsächlich eine Grünverfärbung zu erkennen, v.a. auf dem vorletzten verwackelten Bild, die vorher nicht da war. [Daniel Fischer]

NEOWISE ist da – super-einfach zu sehen!

Da steht er am Himmel über Bochum, der mit Spannung erwartete Komet: leicht mit stehender Superzoom-Kamera zu fotografieren – und mit dem bloßen Auge problemlos zu sehen, Staubschweif(chen) inklusive. Im Bild oben stand er um 3:21 MESZ erst 3.8° hoch, in der späten astronomischen Dämmerung: 3.2 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400. Und hier noch ein paar Aufnahmen von 3:02 MESZ (das „Entdeckungsfoto“ vor der ersten Fernglassichtung, 2.3° hoch) bis 3:22 MESZ; mit bloßem Auge war der Komet ab 3:25 MESZ in 4.1° Höhe bis mindestens 4:00 MESZ in 7.3° Höhe mitten in der nautischen Dämmerung zu sehen:

[Daniel Fischer]

Ein großes NLC-Feld hoch über Bochum

war heute früh rund eine Stunde lang von Witten-Herbede aus zu bewundern, weit größer als was vier Tage zuvor entzückt hatte – zahlreiche Bilder oben in diesem Album, hier oben Bilder von 3:47, 3:50 und 3:53 MESZ und unten von 3:28 bis 4:11 MESZ; mit schrumpfender Sonnendepression wurden auch einige Leuchtende Nachtwolken im Norden über der RUB sichtbar:

[Daniel Fischer]

Ein ‚Fahrplan‘ für Komet NEOWISE

Der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) ist die letzten Tage durch das Gesichtsfeld des Koronographen LASCO C3 des Satelliten SOHO gewandert und hat dabei – hier ein Foto-Stack von gestern von Michael Jäger – eine helle Koma und zwei Schweife gezeigt: Dabei betrug die Elongation von der Sonne aus Erdsicht nur etwa 7°, und der Komet war von der Erde aus unsichtbar. Die letzten irdischen Schätzungen hatten um den 10. Juni bei +7.0 mag. gelegen, aber aus den LASCO-Bildern wurde nun eine sehr vage Helligkeit um 2.0 mag. gestern ermittelt – woraus das Central Bureau for Astronomical Telegrams der IAU im CBET #4804 vergangene Nacht eine vorsichtige aber kühne Helligkeitsprognose für die nächsten Wochen abgeleitet hat.

Anlass für eine genauere Betrachtung der Sichtgeometrie, hier für 51.4° Nord: Da der Komet inetwa oberhalb der Sonne in nördlicher Richtung stehen wird, findet man ihn weiter südlich tiefer, dafür an dunklerem Himmel, und nördlicher zwar höher aber mit mehr Dämmerung. Angegeben sind jeweils das Datum, die Helligkeit nach obiger Berechnung, die Elongation von der Sonne und was passiert: die Höhen von NEOWISE beim Übergang beim Übergang astronomische / nautische Dämmerung („A/N“, Sonnendepression 12°) bzw. nautische / bürgerliche Dämmerung („N/C“,Sonnendepression 6°) am Morgen und später auch umgekehrt am Abend davor.

  • 1. Juli | 1.1 mag. | 11° | morgens N/C 1½°
  • 2. Juli | 0.9 mag. | 12° | morgens N/C 3°
  • 3. Juli | 0.7 mag. | 13° | morgens N/C 5°
  • 4. Juli | 0.7 mag. | 14° | morgens N/C 7°
  • 5. Juli | 0.6 mag. | 15° | morgens A/N 1½°, N/C 8°
  • 6. Juli | 0.7 mag. | 16° | morgens A/N 3°, N/C 10°
  • 6./7. Juli | 0.8 mag. | 17° | abends C/N 1½°, morgens A/N 4°, N/C 11°
  • 7./8. Juli | 0.9 mag. | 18° | abends C/N 3°, morgens A/N 6°, N/C 13°
  • 8./9. Juli | 1.0 mag. | 19° | abends C/N 5°, N/A 1½°, morgens A/N 7°, N/C 14°
  • 9./10. Juli | 1.2 mag. | 20° | ganze Nacht C/N 7°, N/A 3°, A/N 8°, N/C 14°
  • 10./11. Juli | 1.4 mag. | 21° | ganze Nacht C/N 8°, N/A 5°, A/N 9°, N/C 15°
  • 11./12. Juli | 1.6 mag. | 22° | ganze Nacht C/N 10°, N/A 7°, A/N 10°, N/C 15°
  • 12./13. Juli | 1.8 mag. | 23° | ganze Nacht C/N 12°, N/A 8°, A/N 11°, N/C 16°
  • 13./14. Juli | 2.0 mag. | 24° | ganze Nacht C/N 14°, N/A 10°, A/N 11°, N/C 16°
  • 14./15. Juli | 2.2 mag. | 25° | ganze Nacht C/N 16°, N/A 12°, A/N 11°, N/C 16°
  • 15./16. Juli | 2.4 mag. | 26° | ganze Nacht C/N 18°, N/A 13°, A/N 11°, N/C 15°
  • 16./17. Juli | 2.5 mag. | 27° | ganze Nacht C/N 20°, N/A 15°, A/N 11°, N/C 15°
  • 17./18. Juli | 2.7 mag. | 29° | ganze Nacht C/N 22°, N/A 17°, A/N 11°, N/C 14°
  • 18./19. Juli | 2.9 mag. | 30° | ganze Nacht C/N 24°, N/A 18°, A/N 10°, N/C 13°
  • 19./20. Juli | 3.1 mag. | 32° | ganze Nacht C/N 26°, N/A 20°, A/N 10°, N/C 12°

Die Erfahrungen mit dem letzten ’netten‘ Kometen PANSTARRS vor gut 7 Jahren hatten gezeigt, dass die Sichtbarkeit eines 2-mag.-Kometen ganz ordentlich wird, wenn er 10° über und die Sonne gleichzeitig 10° unter dem Horizont steht, besser noch mindestens 12°, also astronomische Dämmerung herrscht. Diese Kombination tritt für diese geographische Breite ab der Nacht 11./12. Juli ein (aber wenn NEOWISE wirklich 1. oder 0. Größe erreichen sollte, wäre vielleicht auch schon einiges mit geringerer Höhe und Sonnendepression möglich, weswegen die Tabelle früher beginnt).

Bereits ab der Nacht 14./15. Juli ist die Geometrie am Abend vor der unteren Kulmination von NEOWISE besser als am Morgen: Der Komet steht dann während der gesamten 4 Stunden astronomischen Dämmerung (es herrschen gerade noch Weiße Nächte) über dem Horizont, erst von 11° Höhe im Azimut 340° auf 8° im Norden fallend und dann wieder auf 11° im Azimut 20° steigend. Und es stört auch kein Mond, denn der nimmt ab und ist nur noch zu 30° beleuchtet. Fünf Nächte später dauert die astronomische Dämmerung dann schon 4½ Stunden, und NEOWISE steht zwischen 19° (Azimut 325°) und 9° (Norden) hoch. In der folgenden Woche ist er dann sogar ganz ohne Dämmerung an mondlosem Himmel zu sehen, nach Mitternacht MESZ im Nordwesten:

  • 20./21. Juli | 3.3 mag. | 34° | 45 Minuten: 12° bis 10° Höhe, 339° bis 344° Azimut
  • 21./22. Juli | 3.5 mag. | 36° | 69 Minuten: 13° bis 9° Höhe, 333° bis 344° Azimut
  • 22./23. Juli | 3.7 mag. | 37° | 84 Minuten: 13° bis 8° Höhe, 329° bis 343° Azimut
  • 23./24. Juli | 3.9 mag. | 39° | 99 Minuten: 14° bis 7° Höhe, 325° bis 340° Azimut
  • 24./25. Juli | 4.1 mag. | 41° | 1.7 Stunden: 15° bis 6° Höhe, 320° bis 339° Azimut
  • 25./26. Juli | 4.3 mag. | 43° | 2 Stunden: 15° bis 5° Höhe, 316° bis 337° Azimut
  • 26./27. Juli | 4.5 mag. | 45° | 2.3 Stunden: 15° bis 3° Höhe, 312° bis 335° Azimut

Danach dringt der zunehmende Mond nach dem ersten Viertel rasant in das dunkle Intervall ein. Eine grobe Orientierung der Sichtbedingungen liefern ein Morgen-Diagramm für 50°N und – allerdings für 40° Nord! – die mit der Hand erstellten Diagramme hier. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich NEOWISE – der am 3. Juli im Perihel steht, 0.295 au von der Sonne entfernt, und am 23. Juli der Erde mit 0.69 au am nächsten ist – kein Beispiel an den ebenso inbrünstig erwarteten Kometen ATLAS (Auflösung des Kerns), SWAN (Erlöschen der Aktivität) und leider auch Lemmon (Schwächeln der Helligkeit in den letzten Tagen) nimmt. [Daniel Fischer, Berechnungen mit JPL HORIZONS]

Nette NLC am Morgen des 26. Juni 2020

Die Leuchtenden Nachtwolken vom 25./26. Juni 2020, dokumentiert über Bochum von Witten-Herbede aus am Morgen um 3:19:23 MESZ (oben) und insgesamt zwischen 3:07:23 und 3:37:59 MESZ (unten; mehr und größere Bilder in diesem Album und andere Bilder aus der generellen Umgebung u.a. hier, hier und hier):

[Daniel Fischer]

Die Ring-SoFi 2020 als Webcast-Event

Die ringförmige Sonnenfinsternis heute konnte nur über Webcasts verfolgt werden – hier sind alle (dem Autor bekannten), die die Ringphase übertragen konnten, eingebettet oder verlinkt:

Äthiopien, Ring ab 0:23

Oman, Ring ab 1:47 – auch Oman, Ring ab 1:38 (sehr scharf), und Pakistan, Ring ab 1:01

Indien, Ring ab 0:50 (beste Baily’s Beads)

Indien, Ring ab 1:50 – in H-Alpha – auch China, Ring ab 1:39 (tolle Baily’s Beads)

Taiwan, Ring ab 1:42

Taiwan, Ring ab 1:27

Taiwan, Ring ab 2:47 – auch weitere Versuche mit mehreren Feeds gleichzeitig hier, hier, hier, hier und hier, Webcasts mit nur partiellen Phasen aus Abu Dhabi hier und hier, dem Oman hier und hier, aus Indien hier, hier und hier, aus Taiwan und Japan und mit nur Leuten aus Nepal. [Daniel Fischer]

Untergänge … von Mond und Venus

In direkter Fortsetzung der Serie von Merkur und Venus ließen sich in den folgenden Nächten jeweils der Untergang des Mondes (am frühen Morgen) und der Untergang der auf ihre untere Konjunktion zueilenden Venus in natürlich jeden Tag hellerer Abenddämmerung (zum Schluß ab dem Sonnenuntergang) dokumentieren:

26. Mai 2020: Elongation 36.8°, Phase 10.0%

Elongation 12.4°, Phase 2.3%

27. Mai: Elongation 49.4°, Phase 17.5%

Elongation 10.9°, Phase 1.8%

28. Mai: Elongation 62.2°, Phase 26.7%

Elongation 9.4°, Phase 1.3%

29. Mai: Elongation 75.1°, Phase 37.3%

Elongation 7.9°, Phase 0.9%

30. Mai: Elongation 88.3°, Phase 48.6%

Elongation 6.3°, Phase 0.6%

31. Mai: Elongation 101.0°, Phase 59.6% – wie auch schon in der vorangegangenen Nacht mit grünem Rand oben. Alle Aufnahmen mit einer Panasonic DMC-FZ300 mit maximalem Zoom, mehr und größere Aufnahmen in diesem Album ungefähr von unten nach oben und auszugsweise diesem Album chronologisch, mit weiteren Berichten in diesem und in diesem Blog. [Daniel Fischer]

Merkur trifft Venus – im Mai 2020

Das dynamische Schauspiel von Merkur und Venus an allen sieben Abenden, die vom 14. bis 25. Mai 2020 in Witten-Herbede klar genug waren: mehr Aufnahmen Richtung Bochum in diesem Album grob von unten nach oben und in diesem Album von oben nach unten und Anmerkungen in diesem Blog – ähnliche Serien gibt es auch in diesem und diesem [NACHTRAG: und diesem] Blog.

14. Mai: die erste Sichtung des Merkur während der Sichtbarkeit, mit -1.3 mag. bei Elongation 12°.

15. Mai: mit -1.2 mag. in 13° Elongation – im sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont, der Rest des Himmels war zu.

17. Mai: nun auch die ersten Sichtungen mit bloßem Auge, -1.0 mag. in 15° Elongation.

20. Mai: von oben kommt die Venus, von unten der Merkur – mit noch -0.7 mag. in 17° Elongation.

21. Mai – Konjunktion! Dabei die Venus auch in (natürlich überbelichteter) Sichelgestalt und der Merkur – mit -0,7 mag. und 18° Elongation – im selben Bildfeld.

23. Mai: Jetzt steht der Merkur – mit -0.5 mag, in 20° Elongation – höher als die Venus mit nur noch 17° Elongation.

25. Mai: Der immer noch mit bloßem Auge erkennbare Merkur – mit -0.4 mag. und fast maximalen 21° Elongation – zwischen dem drei Tage alten Mond und der nun rasch entschwindenden Venus mit nur noch 14° Elongation. Er war zwar vom 17.-25. Mai eindeutig aber nie auffällig zu sehen: eine große Abendsichtbarkeit war dies sicher nicht aber dank der Venus auf Gegenkurs eine recht unterhaltsame. [Daniel Fischer]

Grün (und Blau) bei Sonnenuntergang – quasi der Regelfall

Grün und sogar blau beim Sonnenuntergang: Das gibt es nicht nur in fernen Ländern sondern auch … vom Balkon in Witten-Herbede-Ruhrhöhe aus! Dank des außergewöhnlich sonnigen Wetters – in Verbindung mit dem NRW-‚Lockdown Light‘ – im Frühjahr 2020 konnten unzählige Sonnenuntergänge fotografiert werden: nicht nur zur Demonstration von Himmelsmechanik sondern auch von atmosphärischer Optik. Dies gelang nur, wenn ein wenig Naturfilter half (die ungedämpfte Sonne war selbst bei 1/16’000 Sekunde bei Blende 8 und ISO 100 noch zu hell und saturierte den Chip) – hier die fünf besten Sequenzen, jeweils der obere Sonnenrand extrem heraus vergrößert:

28. März: Selbst durch Gebüsch am (1 bis 2 Grad hohen) Horizont setzt sich der grüne Rand durch.

1. April: Diesmal grün und blau satt über einer Wolkenkante.

27. April: Ein weiterer farbenfroher Abschied der Sonne hinter einem Dach eines Hauses am Horizont

16. Mai: Besser als nix wiederum über einem Wolkenbänkchen.

20. Mai: Fast schon zu hell aber erneut Grüntöne über einem Dach – im letzten Bild etwas mehr Kontext. [Daniel Fischer]