Archiv für den Monat Januar 2013

Köln-Bonner Astrotreff groß raus gekommen

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In der Beilage „Im Sog der Sterne“ wohl sämtlicher Ausgaben der Kölnischen Rundschau und des Kölner Stadt-Anzeigers ist heute ein langer Artikel über den Köln-Bonner-Astrotreff erschienen (nachdem er Monate lang in der Pipeline war), in der Printausgabe noch umfangreicher als online und gleich die kompletten Seiten 2 und 3 des Heftchens belegend [NACHTRAG: hier als PDF]. In einem von mehreren Info-Kästen dort wird übrigens u.a. auch für dieses Blog geworben – dem dies sogleich mehrere hundert Extra-Leser verschafft zu haben scheint. [Daniel Fischer]

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25’000 ‚Views‘ in knapp 9 Monaten „Bonner Sterne“

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Soeben hat es den 25’000. „Pageview“ dieses Blogs gegeben, eine Marke, die knapp neun Monate nach dem Start im Mai 2012 erreicht wurde: 20’000 der Besucher kamen aus Deutschland, der Rest aber aus 83 verschiedenen Ländern. Die VR China – wo man nur mit Tricks auf WordPress-Blogs zugreifen kann – und weite Teile Afrikas sind noch Diaspora …

Gründungstreffen der „Sternfreunde Siebengebirge“ in Bad Honnef gut besucht

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Wann und wo kann man im Siebengebirge zur öffentlichen Himmelsbeobachtung schreiten, was soll ich mir für ein Teleskop anschaffen, und wie kann man die diversen Astro-Gruppen der Region am besten vernetzen: Das waren die größten Fragenkomplexe, die heute beim Gründungstreffen der Sternfreunde Siebengebirge auf deren Initiator Christian Preuß einprasselten, der schlicht nicht zum Essen kam. Knapp die Hälfte der inzwischen 75 Mitglieder waren in ein Restaurant in der Bad Honnefer Innenstadt gekommen, und die Breite der Wünsche an den jungen Verein (ohne Vereinsstruktur, und so soll es auch bleiben!) wurde schon jetzt offenbar: Während einige nach Hilfestellung beim Einstieg in die praktische Beobachtung suchen, hatte einer bereits ein phänomenales selbst geschossenes Bild des Pferdekopfnebels auf dem Smartphone dabei.

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Während das Wachstum der potenziell Aktiven ungebrochen ist (und es nach weiteren Medienaktionen – so hat sich die WDR-Lokalzeit für den Februar selbst eingeladen! – auch so weitergehen dürfte), hat das meist schlechte Wetter bisher zu keinen öffentlichen Beobachtungsaktionen motiviert, so dass auch über mögliche und sinnvolle Plätze eher abstrakt diskutiert wurde. Wenn es die Logistik zulässt, könnte immerhin anlässlich des Astronomietages im März das neue Drachenfels-Plateau (Bild) ein Schauplatz werden. Damit alle die Übersicht behalten, soll möglichst bald ein gemeinsamer Terminkalender für alle populärastronomischen Ereignisse in der Region – Bad Honnef bis Köln – entstehen, auf der Basis des bereits im Header dieses Blogs verlinkten. [Text + 3 Bilder: Daniel Fischer. 2. Bild v. oben: Peter Oden. NACHTRAG: Preuß‘ eigener Bericht vom Treffen]

Panstarrs, Wilson-Hubbard und die Kometenbeobachtung aus Flugzeugen

Vor einigen Monaten habe ich auf Komet-Panstarrs.de 3 denkbare Szenarien vorgestellt, wie sich Komet Panstarrs entwicklen könnte. Als Vergleichsobjekte habe ich damals die Kometen Bennett (C/1969 Y1), Kohoutek (C/1973 E1) und West (C/1975 V1) aus den 1970er-Jahren präsentiert.
Obwohl Panstarrs aktuell (25.01.2013) mit einer Helligkeit von 7.4 mag immer noch auf dem durch die Ephemeride des MPC vom 30.09.2012 vorgegeben „Kurs“ liegt, sind viele Experten gleichwohl der Meinung, dass er Mitte März nicht heller als 2 bis 3 mag werden wird. Das legt natürlich zunächst den Vergleich mit Komet Kohoutek nahe – aber dieser ist nicht ganz zutreffend. Kohoutek war ein staubarmer Komet, der sich nach dem Perihel mit einem schmalen bis zu etwa 10 Grad langen Gasschweif zeigte. Dagegen ist Panstarrs ein ausgesprochen staubreicher Schweifstern, wie nicht nur aktuelle Fotos, sondern bereits Beobachtungen aus dem Mai(!) 2012 nahelegen. Aus derzeitiger Sicht müssen wir also damit rechnen, dass C/2011 L4 zwar eine eher lichtschwache Koma (und nur auf diese beziehen sich alle Helligkeitsprognosen) aber einen ausgedehnten und kräftigen Staubschweif entwickeln wird. Ein Staubschweif ist generell leuchtstärker als ein Gasschweif, und deshalb ist Kohoutek zumindest momentan kein allzu brauchbares Vergleichsobjekt.

Komet Wilson-Hubbard
Der vermutlichen Entwicklung Panstarrs viel ähnlicher ist ein anderer, heute weitgehend in Vergessenheit geratener Komet der 1960er-Jahre: C/1961 O1 (Wilson-Hubbard). In einschlägigen Tabellen wird er als Objekt der 3. Größenklasse geführt, also ähnlich hell (oder schwach) wie vor einigen Jahren 153P/Ikeya-Zhang oder C/2004 Q2 (Machholz). Doch Wilson-Hubbard war ein anderes Kaliber als die beiden letztgenannten, denn er entwickelte einen über 20 Grad langen und im vorderen Teil flächenhellen Schweif. Dieser führte auch zu seiner überraschenden Entdeckung. Stewart Wilson, Navigator eines PanAm-Fluges, entdeckte ihn am 23.07.1961 während eines Linienfluges von Honolulu (Hawaii) nach Portland (Oregon). Wie sich später herausstellte, hatte ihn die Stewardess Anna Ras bereits 9 Stunden früher auf einem SAA-Flug über der Sahara gesichtet. Nach Wilsons Beobachtung gingen zahlreiche weitere Entdeckungsmeldungen ein, von denen mindestens 3 weitere aus Flugzeugen erfolgten. Auf dem Erdboden wurde er u.a. am McDonald Observatory in Texas von dem Berufsastronomen William Hubbard gesichtet. Noch in den 1940er-Jahren hatten Kometen, die fast gleichzeitig von zahlreichen Personen entdeckt worden waren, lediglich informelle Bezeichnungen erhalten wie Großer Südkomet (C/1947 X1) oder Finsterniskomet (C/1948 V1). Mit dieser Tradition wurde erstmals bei dem hellen Kometen C/1957 P1 gebrochen, welcher nach Antonín Mrkos benannt wurde, obwohl mehrere Personen ihn bereits einige Tage vor dem tschechischen Kometenjäger beobachtet hatten. Bei C/1961 O1 wurden immerhin zwei der Entdecker berücksichtigt, und er erhielt den Namen Wilson-Hubbard.
Die ersten Positionsbestimmungen des neuen Kometen waren recht ungenau, sodass seine Bahn erst im August berechnet werden konnte. Wie sich herausstellte, hatte er bereits 6 Tage vor seiner Entdeckung in nur 0.04 AE Entfernung von der Sonne sein Perihel passiert – Wilson-Hubbard war also ein „Sunskirter“.

Am 25.07.1961 hatte der Schweif des Kometen eine Länge von 25° erreicht. Aufnahmen, die mit Filtern angefertigt wurden, belegten, dass es sich um einen Staubschweif handelte; zudem wurde ein 1.5° langer Gegenschweif beobachtet. Während der Kopf des Kometen sehr unscheinbar war, konzentrierte sich die größte Helligkeit im vorderen Teil des nahezu geraden und recht schmalen Schweifes. Nach dem 25.07.61 gingen Helligkeit und Schweiflänge rasch zurück, ab dem 9. August war er mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar. Tatsächlich betrug die absolute Helligkeit von Wilson-Hubbard nur etwa 9 mag. Dass er dennoch für einige Tage eine eindrucksvolle Erscheinung bot, war allein seiner engen Sonnenpassage zu verdanken, welche zur Freisetzung großer Staubmengen geführt hatte.

Steckbrief des Kometen Wilson-Hubbard
Entdeckung: 23.07.1961
Perihel: 17.07.1961, 0.04 AE
Erdnähe: 14.08.1961, 0.79 AE
Neigung der Bahn zur Erdbahn: 24 Grad
Umlaufszeit um die Sonne: unbekannt
Mit bloßem Auge sichtbar: 23.07. – 08.08.1961
Max. Helligkeit: 3.0 mag
Max. Schweiflänge: 25°

Vergleich mit Komet Panstarrs
Die Kometen Wilson-Hubbard und Panstarrs haben zunächst wenig Gemeinsamkeiten. Die Lage ihrer Bahnen ist sehr unterschiedlich, Panstarrs Periheldistanz ist wesentlich größer und in der absoluten Helligkeit übertrifft er Wilson-Hubbard bei weitem. Ob letzterer bereits vor dem Perihel eine hohe Staubproduktion aufwies oder ob diese allein das Resultat seines engen Rendevous mit der Sonne war, wissen wir auf Grund der späten Entdeckung nicht. Doch die bei Wilson-Hubbard beobachtete Kombination von lichtschwachem Kopf und lichtstarkem Staubschweif ist genau das, was auf Grund des aktuellen Kenntnisstandes Mitte März 2013 von Panstarrs zu erwarten ist. Da letzterer per se ein kräftiger Staubproduzent zu sein scheint, ist eine so rasche Helligkeitsabnahme nach dem Perihel wie bei Wilson-Hubbard eher nicht zu erwarten. Eine maximale Schweiflänge ähnlich der von C/1961 O1 ist dagegen durchaus möglich. Aufgrund der Bahnlage wird Panstarrs Staubschweif wohl nicht ganz gerade, sondern mehr oder weniger deutlich nach links gekrümmt sein.

Kometenbeobachtung aus dem Flugzeug
So kurios sich die gleich mehrfache Entdeckung von Wilson-Hubbard aus Flugzeugen anhört – sie ist nicht einmalig. Der Komet C/1948 V1 war während der Totalen Sonnenfinsternis am 01.11.1948 entdeckt worden und nur einiger Minuten während und nach der Totalität sichtbar. Der erste, der ihn danach wiederfand, war am 04.11.1948 der Pilot einer Linienmaschine über der Karibik (Merton 1949). Ein anderes Beispiel ist White-Ortiz-Bolleli (C/1970 K1), ein heller Sungrazer der Kreutzgruppe. Einer der zahlreichen Entdecker – nur 3 wurden für die Namengebung berücksichtigt – war der Air France-Pilot Emilio Ortiz, der ihn während eines Langstreckenflugs sichtete. Später ging man gezielt in die Luft, um bereits bekannte Kometen zu beobachten bzw. einem interssierten Publikum zu zeigen. So wurden am 10. und 11.01.1974 in England spezielle Flüge durchgeführt, um Komet Kohoutek (C/1973 E1) zu beobachten. War dieser vom Boden aus mit bloßem Auge kaum noch sichtbar, so war von den Flugzeugen aus mühelos ein 8° langer Schweif auszumachen. 1P/Halley war 1986 Ziel eines niederländischen Beobachtungsfluges.
Ganz offenbar sind Kometen in Flughöhen von 10000 und mehr Metern besser zu beobachten als auf dem Erdboden. Der Grund dafür ist einfach: In Reiseflughöhe hat man nicht nur die Wolken und bodennahen Dunst unter sich, sondern auch etwa 2/3 des Volumens der Edatmosphäre. Aus der dadurch stark verminderten Extinktion ergibt sich eine am Erdboden nicht erreichbare Transparenz der Luft. Dies ist insbesondere bei Kometen, die in der Dämmerung stehen und/oder nicht allzu lichtstark sind, ein ganz erheblicher Vorteil.
Betrachtet man die aktuelle Entwicklung von Komet Panstarrs sowie seine Position in der Dämmerung, so ist die Idee, zu dessen Beobachtung ein Flugzeug zu chartern, durchaus naheliegend.

Quellen: Beyer, Max (1963) Merton, G. (1949) Roemer, Elisabeth (1961) [Stefan Krause]

Asteroid 2012 DA14 am 15. Februar abends über Bonn

D. Fischer hatte in seinem Blog ja bereits vor einem halben Jahr und kürzlich in diesem Blog darauf hingewiesen, dass uns am 15. Februar der Vorbeiflug eines Asteroiden bevorsteht.
Nach heutigem Kenntnisstand wird der 50m große Asteroid 2012 DA14 dann so nah (<30.000 km) wie schon lange kein Objekt dieser Größenordnung mehr an der Erde vorbeifliegen (die große Explosion 1908 in Tunguska könnte eine ähnliche Ursache gehabt haben). Dennoch bleibt er relativ dunkel und dürfte leider nur mit einem Feldstecher (oder kleinen Teleskop mit möglichst geringer Vergrößerung) erkennbar sein.
Die folgende Grafik (Stellarium) verdeutlicht seine Flugbahn von Osten aus Richtung Norden etwa zum Polarstern und seine jeweilige Helligkeit. Die Bahndaten wurden aktuell für Bonn-Beuel mit dem Programm JPL Horizons berechnet.

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Details werden allerdings auch in einem größeren Teleskop keine zu erkennen sein, weil der Asteroid z.B. gegen 21:00 Uhr einen scheinbaren Durchmesser von unter 0,3 Bogensekunden haben wird. Zum Vergleich : Jupiter hat derzeit noch über 40 Bogensekunden Durchmesser!

Wünschen wir uns einen klaren Himmel und eine erfolgreiche Beobachtung! [PeterOden]

Wie der Satellit NPP Suomi „unsere“ Lichtverschmutzung sieht

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Das viel beachtete neue nächtliche Bild der Erde von einer Kamera auf dem NASA-Satelliten NPP Suomi lag zunächst nur als gigantische Bilddatei von 384 Megabyte vor, mit 54000 x 27000 Pixeln à 750 Meter – nicht eben leicht zu handhaben. Aber jetzt hat sich das deutsche „Blue Marble“-Projekt auch dieser Daten angenommen und sie perfekt mit Google Maps verschmolzen: Man kann beliebig hinein- und herauszoomen und die Beschriftung aus- und wieder einschalten. Oben ein Teil des „KBA-Landes“ bei maximalem Zoom. Ob sich das Tool wohl auch zur „operativen“ Suche nach dunklen Beobachtungsplätzen eignet? Geeicht sind die Gelbtöne leider nicht, dafür ist aber die Geocodierung der Daten – also die Qualität der Einbindung in das (Google’sche) Koordinatennetz – exzellent gelungen. [Daniel Fischer]

Lemmon und Panstarrs, das ungleiche Kometenpaar

Zur Zeit ist es sehr interessant, die Entwicklung der beiden Kometen Lemmon (C/2012 F6) und Panstarrs (C/2011 L4) zu verfolgen und zu vergleichen. Beide werden den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn im März 2013 erreichen und beide werden im Laufe des Februars für Beobachter auf der Südhalbkugel mit bloßem Auge sichtbar werden. Lemmon hat zur Zeit eine Helligkeit von etwa 7.0 mag, während Panstarrs auf etwa 7.7 mag geschätzt wird. Im Teleskop bieten sie ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild. Lemmon macht seinem Namen alle Ehre und präsentiert sich mit einer giftgrünen Koma nebst einem schmalen Schweif. Dagegen besitzen bei Panstarrs sowohl die Koma als auch der eher breite und kurze Schweif eine schwach gelbliche Färbung. Lemmons Helligkeit nimmt seit 7 Wochen rapide zu, während Panstarrs sich zögerlicher entwickelt. Den Ursachen für die unterschiedliche Färbung und Helligkeitsentwicklung der beiden Schweifsterne gehen wir im Folgenden etwas auf den Grund.

Beide Kometen sind langperiodisch; die Umlaufzeit von Lemmon wurde zu etwa 11000 Jahren bestimmt, während sie für Panstarrs nicht bekannt ist. Seine Bahn wurde formal als hyperbolisch berechnet; in Wirklichkeit wird es sich um eine unglaublich lang gestreckte Ellipse handeln, deren Exzentrität (e) nur eine Winzigkeit kleiner als 1 ist. Die Unmöglichkeit den Wert für e genau zu bestimmen, ist typisch für Kometen, die erstmals aus der Oortschen Wolke ins innere Sonnensystem gelangen. Dagegen ist Lemmons Umlaufzeit – so lang sie uns auch erscheinen mag – viel zu kurz, als dass das Aphel seiner Bahn auch nur in der Nähe der Oortschen Wolke liegen kann. Er ist also in der Vergangenheit bereits mindestens einmal, nämlich gegen Ende der letzten irdischen Eiszeit, in Sonnennähe gelangt. Dagegen ist Panstarrs aller Wahrscheinlichkeit nach ein Erstbesucher. Bevor er sich auf seinen Weg Richtung Sonne gemacht hat, verbrachte er Jahrmilliarden in der Oortschen Wolke. In dieser Zeit langen Zeit haben sich Atome, Ionen und Moleküle aus dem interstellaren Raum in beträchtlicher Menge auf seiner Oberfläche abgesetzt und sind dort bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt festgefroren. Doch schon durch eine geringe Erwärmung können diese als „Volatile“ bezeichneten Substanzen wieder sublimieren. Dies ist der Grund, warum Erstbesucher wie Panstarrs bereits in relativ großer Entfernung von der Sonne eine recht beachtliche Koma ausbilden und dadurch frühzeitig entdeckt werden können. Durch die mit abnehmender Sonnenentfernung zunehmende Erwärmung ist der Vorrat an Volatilen bald verbraucht, typischerweise in einer Sonnenentfernung von etwa 1.5 AE. Dies führt zu der für Erstbesucher charakteristischen Stagnation der Helligkeitsentwicklung. Allerdings sublimieren jetzt zunehmend die seit der Entstehung vor 4.5 Milliarden Jahren im Kern eingeschlossenen Gase. Und nur deren Freisetzungsrate entscheidet darüber, wie sich der Komet schließlich in der Zeit um sein Perihel entwickeln wird. Auf Komet Panstarrs bezogen bedeutet dies, dass die Helligkeitsentwicklung, die wir bis zum Herbst 2012 beobachtet haben, ganz überwiegend durch die Volatilen auf seiner Oberfläche bestimmt war. Daraus wurden allerdings die z.T. sehr optimistischen Helligkeitsprognosen abgeleitet, welche 2011 und 2012 veröffentlicht wurden, Aber erst jetzt, im Januar 2013, zeigt Panstarrs uns die tatsächliche, durch die Struktur seines Kerns bedingte Aktivität und wir können zuverlässiger vorhersagen, wie er sich den neugierigen Beobachtern im März präsentieren wird.

Schauen wir uns nun zum Vergleich Komet Lemmon an. Er hat die Volatilen auf seinem Kern bereits bei einer früheren Annäherung an die Sonne zumindest weitgehend verloren. 11000 Jahre sind eine viel zu kurze Zeit, um erneut nennenswerte Menge an Volatilen einzusammeln und somit bereits weit entfernt von der Sonne eine beachtliche Koma zu entwickeln. Bezeichnenderweise wurde Lemmon erst 10 Monate nach Panstarrs entdeckt. Auch bei ihm hat man aus den frühen Beobachtungen Helligkeitsprognosen abgeleitet, welche auf eine maximale Helligkeit von etwa 9 mag zur Zeit des Perihels hindeuteten. Doch für Lemmon gilt das gleiche wie für Panstarrs (und natürlich alle anderen Kometen): erst bei stärkerer Annäherung an die Sonne zeigt sich die wahre Aktivität des Kerns. Und die ist in diesem Fall recht groß. Offenbar werden durch Sublimation große Mengen an Gasen freigesetzt, welche sich in der Koma sammeln. Durch die harte UV-Strahlung der Sonne werden diese ionisiert und/oder angeregt. Die Anregung von Kohlenmonoxid, Dicarbon und Cyanwasserstoff führt zur Abgabe des farbigen Lichts, dem die Koma und auch der inzwischen deutlich entwickelte schmale Gasschweif ihre „Lemmon“-Farbe verdanken.
Wie bei den meisten Kometen dominiert auch bei C/2012 F6 vor dem Perihel die Gasproduktion. Einen nennenswerten Staubschweif wird er wohl erst kurz vor und vor allem kurz nach der Perihelpassage entwickeln – wenn überhaupt. Viele Kometen – als klassische Beispiele seien Kohoutek und Hyakutake genannt – erwiesen sich als staubarm. Gut möglich also, dass Lemmon sein Aussehen in den kommenden Monaten gar nicht so sehr ändern wird.

Im Vergleich zu C/2012 F6 scheint Panstarrs eher ein untypischer Komet zu sein. Aktuelle Aufnahmen zeigen die blassgelbe Farbe von an Staub reflektiertem und gestreutem Sonnenlicht. Offenbar ist die Staubproduktion jetzt bereits so groß, dass sie das Eigenleuchten der zweifelsohne vorhandenen Gase überdeckt. Was wir auf den Panstarrs-Fotos sehen ist dementsprechend auch kein Gasschweif, sondern ein Staubschweif. Für die unerwartet starke Staubproduktion sind im Prinzip zwei Ursachen denkbar. Entweder löst der Kern des Kometen sich gerade auf bzw. teilt sich oder aber – wahrscheinlicher – Panstarrs ist ein extrem staubreicher Komet. Wenn letzteres der Fall ist, könnte er um die Zeit seines Perihels einen enormen Staubschweif ausbilden und ein eindrucksvolles Himmelsschauspiel bieten, etwa so wie der ebenfalls staubreiche Komet Bennett im Frühjahr 1970. Dabei spielt dann die in den Prognosen stets angegebene Helligkeit des Kometenkopfes keine sonderliche Rolle, sondern es gilt das abgewandelte Zitat eines früheren US-Präsidenten: „The tail it’s stupid“.

Es wird auf jeden Fall spannend sein, die Entwicklung des ungleichen Kometenpaars weiter zu verfolgen, auch wenn wir dabei auf Fotos von der Südhalbkugel der Erde angewiesen sind. [Stefan Krause]

Programm zum DLR-Astroseminar 2013 online

Das DLR-Astroseminar wurde 2012 volljährig und findet in diesem Jahr schon zum 19. Mal statt. Bislang ist das Veranstaltungsprogramm zwar noch nicht auf den Seiten des DLR oder der Volkssternwarte Bonn (VSB) zu finden, aber über das Portal der „Kölner Wissenschaftsrunde“, die 2013 ein Raumfahrt-Themenjahr veranstaltet, kann man die Übersicht als PDF bereits herunterladen. Das DLR-Astroseminar 2013 findet vom 09. April bis zum 14. Mai wie üblich im Casino auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz statt. Die sechs Vorträge unter dem Titel „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ werden sich unserer Sonne und den Sternen widmen. Im Einzelnen geht es in der diesjährigen Vortragsreihe um unseren Heimatstern (09. April), das Hertzsprung-Russell-Diagramm (16. April), das Innere der Sterne (23. April), exotische Physik von Sternleichen (30. April), Sternentwicklung allgemein (07. Mai) und um den Entstehungsort der Sonne (14. Mai). Alle Informationen zu Programm, Veranstaltungsort und Anmeldung sind hier und hier auf einen Blick zusammengestellt. [Nico Schmidt]

Sonne, Mond und Sterne….

Nach Monaten der Abstinenz bot sich am Wochenende ENDLICH mal wieder die Chance zu echter persönlicher Astronomie aus erster Hand – sprich direktem Erleben.

Tagsüber war die Sonne, die nun doch und turnusgemäß mal reichlich Sonnenflecken zeigte, ein lohnendes Ziel:

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An einem Refraktor 90mm/900mm (sonnenbeobachtungsgerecht ausgestattet mit Herschelkeil und Filtern) sprangen einen die Strukturen, allen voran die riesige Fleckengruppe 1654, regelrecht an.

Am frühen Abend bot der junge Neumond tief am Horizont ein schönes Bild. Durch die Überbelichtung der zarten Sichel konnte auch das sogenannte aschgraue Mondlicht gut eingefangen werden:

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Mit Fotoapparat und Teleobjektiv (600mm, f2.8 (KB-Äquiv.) gelang diese Aufnahme bei ISO 1.600 und 1/4 sec. Belichtung frei aus der Hand.

Und etwas später – gegen 22:30 Uhr – im Wettrennen gegen sehr schnell aufziehende Wolken ging noch ein letzter Schnappschuss von Jupiter mit zahlreichen interessanten Wolkenstrukturen ins Netz:

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Hier kamen ein Celestron C9.25 bei 9.000mm und eine DMK21AU16-Kamera zum Einsatz.

Alle Aufnahmen entstanden mitten aus Bonn-Beuel von der heimischen Gartensternwarte aus. Und so gibt es nun doch wieder Hoffnung 😉 auf die Möglichkeit astronomischer Beobachtungen in Bonn. [Peter Oden]

„2001: A Space Odyssey“ – ganz neu erfahren mit Live-Musik und in Großprojektion!

 
 

Kann man einen Tonfilm mit Livemusik aufführen, noch dazu mit einem ausgewachsenen Orchester (der NDR Radiophilharmonie) und einem großen Chor (dem NDR Chor) und das Ganze in einer riesigen Konzerthalle (der Kölner Philharmonie)? Man kann – und wie: so geschehen gestern Abend mit dem legendären Science-Fiction-Epos „2001: Oydssee im Weltraum“, das Stanley Kubrik nach Missfallen am bestellten Score kurzerhand mit erlesener Klassik von der Schallplatte unterlegt hatte. Die kam nun zur Gänze zu einer HD-Videoprojektion (die auch ein kurzzeitiger Beamer-Ausfall nicht bremsen konnte, just als HAL 9000 endgültig durchdrehte – „I’m sorry, Dave, I’m afraid I can’t do that“) auf einer Riesenleinwand auf den Schnitt-Punkt und Sekundenbruchteil genau – wie hat Dirigent Frank Strobel das nur gemacht? – zur Aufführung, von den zwei Strauss/ßen über Ligeti bis zu Chatschaturjan. Das Ton-Konzept Kubriks half: Dialoge und Soundeffekte (der Weltraum ist wirklich lautlos) kommen nur sparsam zum Einsatz und fast nie zusammen mit der Filmmusik.

Längere Musikpausen führten mitunter zu unfreiwilliger Komik, etwas als sich die „Dawn of Mankind“-Affenmenschen ausgiebig auf der Leinwand amüsierten, während das befrackte Orchester darunter nur ungerührt zuschauen konnte, aber das Gesamt-Ton-Bild erwies sich als überraschend stimmig. Beim Abspann – verlängert um allerlei Danksagungen für die zweiten Noten-Sortierer o.ä. – konnte das Orchester noch einmal alles geben, was das Publikum im weitgehend ausverkauften Saal mit frenetischem Beifall belohnte (der sogar die U-Bahn übertönt hätte). Und obwohl es nur eine 2K-Videoprojektion war, brachte auch der Film im Großformat manch neue Erkenntnis über die herausragende Qualität der nun schon 45 Jahre alten Visual Effects wie auch kuriose Einfälle beim Set Design. Etwa den ellenlangen Text der Gebrauchsanweisung der Zero-G-Toilette – ob man den in der 70-mm-Version wohl entziffern kann? Einen unverhofften Bonus hatte es vor Beginn der Aufführung gegeben, als Strobel einen Gast vorstellte: keinen geringeren als Jan Harlan, seines Zeichens Schwager Kubriks und Ausführender Produzent von dessen Filmen seit 1975. Bei den endlosen Debatten Clarkes und Kubriks über das unerhörte „2001“-Projekt saß er immerhin schon mal am Tisch, und auch bei der Premiere war er dabei – als 200 Zuschauer noch vor dem Ende die Flucht ergriffen.

Gerettet hätten „2001“ erst „junge Männer zwischen 12 und 25“, so Harlan (unter dem Gelächter der anwesenden Damen), die bald in Scharen und auch mehrfach in den Film gingen. Und nach Kubriks Tod wurde Harlan gar in den Vatikan eingeladen, wo „2001“ in einer zu einem Kino umgebauten Kirche (da hätte man im Vatikan ja genug von) zur Aufführung kam: Am Ende gratulierte ein Kardinal und meinte, der Agnostiker Kubrik habe trotzdem „ins Schwarze getroffen“. Optisch übrigens nicht ganz ohne Vorbild: Gar manche der Raumfahrt-Szenen zu Beginn des 2. Teils von „2001“ („Tycho Magnetic Anomaly-1“) sind Visionen der letzten 10 Minuten der „Straße zu den Sternen“ von Pawel Kluschanzew aus dem Jahre 1957 in vielen Details nachempfunden. Dessen sowjetische Komplettfassung ist hier (unter einem Jux-Trailer für „2001“ in modernem Kino-Stil und dem Originaltrailer von 1968) zu bestaunen: eine Dokumentation zur Raumfahrtgeschichte, -technik und -zukunft mit Spielszenen, die ebenfalls verblüffend zeitlos geraten ist. Schon erstaunlich und auch traurig, dass die meisten Spiel- wie Dokumentarfilme heute nicht mal mehr das erreichen, was Pioniere des Kinos schon vor einem halben Jahrhundert auf die Leinwand brachten … [Daniel Fischer]