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Wenn hinter dem Polarkreis der Himmel brennt

So hat er sich Augen und Kameras*) präsentiert, der Himmel über Hamn i Senja auf einer abgelegenen nordnorwegischen Insel auf 69.4° Nord, wo sich dieser Blogger vergangene Woche mit der späteren zweier überlappender deutscher Expeditionen vom 20. Januar bis 25. Januar aufhielt: Während man sich tagsüber mit einer Wal-Safari nach der anderen oder einer Inselrundfahrt vergnügte, strahlten in den fast immer klaren Nächten mehr oder weniger intensive Polarlichter, hier eingefangen von vielen der Teilnehmer der späteren Reise, mit einem Bonus-Video einer Teilnehmerin der ersten mit einer Sony Alpha 7s aufgenommen. In unserer ersten Nacht vom 20. zum 21. Januar passierte mal so gut wie nichts, auch das kann es geben – aber dann:


Flach-Wilken, Pentax K3: 20 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 1600

Selbach, Canon Powershot G16: 13 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO 800

Flach-Wilken, Pentax K3: 15 Sekunden bei Blende 2.5 und ISO 1600

Selbach, Canon Powershot G16: 5 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO 1250

Metz, Nikon D5100: 2.5 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 3200

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 25 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Flach-Wilken, Pentax K3: 20 Sekunden bei Blende 4.0 und ISO 1600

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 20 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Flach-Wilken, Pentax K3: 20 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 1600

Selbach, Canon Powershot G16: 5 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO 1000

Flach-Wilken, Pentax K3: 15 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 1600

Selbach, Canon Powershot G16: 5 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO 1000

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 40 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Buehlmann, Panasonic Lumix DMC-FZ100: 60 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 100

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600



Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 60 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Kamber, Canon Powershot SX280: 1 Sekunde bei Blende 3.5 und ISO 3200

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 6 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

Metz, Nikon 5100D: 2.5 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 3200

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 13 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600

Strunk, Canon EOS 500D: 8 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 800

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 40 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

In der Nacht vom 21. zum 22. Januar bot der Himmel Senjas eine über acht Stunden lange Show vom Allerfeinsten in mehreren Phasen, von denen sich die erste – die noch in der Dämmerung begann – durch eine (fotografisch) ungeheure Farbigkeit auszeichnete, während die Formenvielfalt enorm war. „Unser“ Spektakel – verursacht durch schnellen Sonnenwind – wurde natürlich auch an vielen anderen Orten Skandinaviens verfolgt, wie Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier zeigen; auch weiter südlich in Norwegen, auf einem britischen Beobachtungsflug, im Norden des UK (mehr) und im Süden Australiens (mehr) bekam man etwas mit.


Flach-Wilken, Pentax K3: 15 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 1600

Strunk, Canon EOS 500D: 20 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 800

Fischer, Panasonic Lumix DMC-FZ48: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

In der Nacht vom 22. zum 23. Januar war das Polarlicht lange von der ruhigen Sorte, mit einem breiten sich langsam verändernden Band quer über den Himmel und anderen ’normalen‘ Vorführungen – bis es kurz vor halb 3 zu einem außergewöhnlichen Aktivitäts-Ausbruch kam. Aus dieser Nacht ebenfalls Parallel-Beobachtungen von weiter südlich (mehr).


Flach-Wilken, Pentax K3: 6 Sekunden bei Blende 2.5 und ISO 1600

Selbach, Canon Powershot G16: 8 Sekunden bei Blende 1.8 und ISO 800

Flach-Wilken, Pentax K3: 5 Sekunden bei Blende 2.2 und ISO 1600

In der Nacht vom 23. zum 24. Januar schließlich begann das Polarlicht sehr mau, aber auch diesmal war wieder mindestens eine stärkere Phase dabei (auch wieder parallel beobachtet vom Schiff) – konkrete Vorhersagen bleiben halt schwer … Als Rausschmeisser noch ein sehenswerter 2-Minuten-Trailer für einen Beitrag über die Wale von Senja in einer NDR-Sendung gestern Abend: auch darin schöne – zeitgeraffte – Polarlichter und jene nordische Szenerie, in der die obigen Beobachtungen gemacht wurden. [Daniel Fischer und die vielen erfolgreichen Fotografen. NACHTRAG: Die Sendung gibt’s jetzt in der NDR-Mediathek, mit dem Senja-Beutrag von 7:15 bis 15:25 und Polarlicht ab 14:00]

*) Regel Nr. 1 für Polarlicht-Bildberichte: Auf Fotos – selbst einfacher Kameras – sieht die Aurora wesentlich bunter aus als für das bloße Auge, das umgekehrt bestens die oft rasanten dynamischen Veränderungen wahrnimmt, die in Fotos (man beachte die Belichtungszeiten) oft filigranes Detail verschmieren. Und auch den „Ganz-Himmels“-Aspekt vieler Displays – namentlich des heftigen Ausbruchs am Morgen des 23. – bleiben Fotos schuldig.

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Voller Erfolg für den Flug Köln/Bonn – Polarlicht – Köln/Bonn

Am Samstagabend hob er vom Flughafen Köln/Bonn ab: Der erste deutsche Polarlichtflug, der wie die Eindrücke von Hobbyastronom Wilfried Bongartz zeigen, direkt ein voller Erfolg war. Organisiert wurde er vom Bonner Astro-Reisebüro Eclipse-Reisen.de, das im letzten Jahr bereits erfolgreiche Beobachtungsflüge zu den Kometen PANSTARRS und ISON Lovejoy durchgeführt hat. Der Zielpunkt für den Polarlichtflieger lag dagegen im Nordatlantik über den Färöer-Inseln auf halbem Weg zwischen Schottland und Island. Dort wurden die Polarlichtjäger in einer Boeing 737 auf 11.000 Metern tatsächlich direkt von einem strukturreichen grünen Polarlichtvorhang begrüßt. Viele weitere Fotos zu dem Flug finden sich hier, ein 14-minütiges Video gibt’s vom Bonner Sternfreund Peter Oden und Blogger-Kollege Daniel Fischer fasst alles hier ausführlich zusammen. Übrigens: Der Polarlichtflieger hebt wieder am 22. November 2014 ab und ist noch nicht ausgebucht. [Nico Schmidt]

Aurora, die dritte: In der Ruhe liegt die Kraft …

Kapitel 1: Das grüne Band von Sommarøy

19:39, 41 und 50 und 20:00 und 11 MEZ: 60 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Nach dem Spektakel auf schwankenden Planken im Dunkeln und der suburbanen Show nun in der dritten Nacht Polarlicht auf festem Boden und bei dunklem (und schon wieder klarem) Himmel: bei einem organisierten Ausflug, der bis auf die kleine Insel Sommarøy führte. Allerdings wollte die Aurora nicht so recht: stundenlang nur ein – wenn auch mitunter helles – grünes Band im Norden, das nur zuweilen ein paar Wellen schlug. Trotzdem ein beeindruckendes Bild, mit im Osten der fernen Lichtglocke Tromsøs.

20:29 MEZ: 40 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

In Gegenrichtung über den Köpfen der Aurora-Fotografen dagegen keinerlei Aktivität: Das Nordlicht blieb – auch auf 69°38′ Nord ein nördliches solches.

20:55 MEZ: 25 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

20:59 MEZ: 50 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400.

21:24 MEZ: 30 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

21:29 MEZ. 60 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Etwas mehr Struktur im Band, über dem Lagerfeuer der Expedition: Strandidylle bei -10°C (oder so) in tiefer Nacht.

Kapitel 2: Der norwegische Bus-Zauber … geht immer

21:53 MEZ: 3.2 Sekunden(!) bei Blende 2.8 und ISO 1600

Was schon bei der Beobachtung am Abend zuvor mit dem Tromsøer Linienbus geklappt hatte, geht auch auf Charter-Fahrt: Kaum saßen die meisten im Bus, kam es ohne Vorwarnung doch noch zu einem Substurm – das Polarlicht war anfangs so hell, dass man es wie hier locker aus der freien Hand fotografieren konnte. Man beachte, dass praktisch keine Sterne zu sehen sind: wesentlich kürzere Belichtung, Aurora trotzdem ausbelichtet!

21:56 MEZ: 10 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

21:58 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

22:00 MEZ: 20 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Spätere Phasen des schon wieder abschwellenden Substurms, bei dem die Aurora erstmals weit über das grüne Band hinaus ragte. Dann ging die Fahrt aber doch los, die Berge der Insel Kvaløya.

Kapitel 3: Das Glimmen in den Bergen

23:08 und 09 MEZ: 25 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Bei der Ankunft dort 45 Minuten später hatte sich das Bild abermalls völlig verändert: Das grüne Band war weg, dafür glimmte der halbe Himmel matt, mit zuweilen isolierten Strahlen im Norden.

23:43 MEZ: 30 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Und plötzlich war auch das grüne Band wieder da, knapp über der Bergkante zu sehen …

23:53 MEZ: 25 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

… und wurde „natürlich“ wieder deutlich heller, als die meisten erneut im Bus saßen. Da besagt der skandinavische Volksglauben, man dürfe Polarlichter nicht verspotten, sonst kämen sie einen holen – aber wir wurden regelmäßig von der Aurora gefoppt!

23:59 MEZ: 30 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Die dann aber bald wieder keine Lust mehr hatte und nur noch ein sehr diffuses Glimmen schickte. Auch wenn große Substürme wie an den zwei Abenden zuvor diesmal nicht dabei waren: Wieder hatte es mehrere „neue“ Spielarten des überaus abwechslungsreichen Phänomens Nordlicht zu sehen gegeben, in größer auch hier, hier und hier (auch hier und von anderen in derselben Fylke hier und hier und sogar viel weiter südlich bei Ålesund aufgenommen). Was will man mehr … [Daniel Fischer. NACHTRAG: weitere Parallel-Aufnahmen aus der Nähe hier und hier sowie die Allsky-Bilder von EISCAT und Magnetometer-Daten aus Tromsø]

Mit dem Linienbus zum Substurm

23:01 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Gestern wieder eine klare Nacht, Ausschläge der Magnetometer im Norden und grüne Bänder auf einer Live-Allsky-Kamera in der Nachbarschaft schon kurz nach Dämmerungsende: Das konnte nur den Aufbruch zur mutmaßlich besten Beobachtungsstelle auf der dicht besiedelten Insel Tromsøya bedeuten, zu einem bereits gegen Mittag ausgekundschafteten Abschnitt der SW-Küste bei der Telegrafbukta. Doch bis dort ein Substurm gegen 23:00 MEZ die obige Pracht an den Westhimmel malte, die es mit den besten Minuten der Beobachtung am Abend zuvor auf See aufnehmen konnte, war Geduld gefragt …

Der Schauplatz einen halben Tag vorher: Blick nach Westen am Folkeparken Tromsøs vorbei in Richtung der Insel Kvaløya. Ein Standort, der von der Innenstadt aus mit der Buslinie 34 in einer Viertelstunde zu erreichen ist. Abfahrt hier spätabends halbstündlich, letzter Bus um 23:52 MEZ.

21:33 MEZ: 10 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Der Anblick kurz nach der Ankunft, aus dem Windschatten des oben zu sehendes Häuschens: Der Blick geht entlang des Aurora-Ovals weit nach Westen. Zwar einige Aktivität, aber die Lichtverschmutzung durch Tromsø von rechts verschluckt doch manches schwache Detail. Außerdem driften zeitweise von der Stadt beleuchtete Wolken durch’s Feld.

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21:41 und 22:08 MEZ: 15 bzw. Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Das Polarlicht blieb zwar zunächst durchweg schwach, verändert aber fortwährend seine Gestalt, so dass keine Langeweile aufkam. Doch ob es noch einmal zu einem Substurm wie früh am Abend kommen würde, wusste noch niemand. Und alle halben Stunden lockte ein Bus zurück in’s Warme …

22:23 MEZ: 20 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Hoffnung auf mehr Action keimt auf: Das Band wird deutlich heller und kommt in schnellere Bewegung (hier natürlich verwischt), oft die Vorankündigung einer besonders aktiven Phase. Zeitweise schlängelt sich das Band auch quer über den Himmel, dann verblasst es wieder.

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22:43, 46 und 51 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Im Laufe des Abends verlagerte sich die Aktität kontinuierlich weiter südwärts und die Kameras schwenkte mit: Links ist bereits der Orion zu sehen. Zwar viele Strukturen, aber an hellen fehlt es. Daher der Entschluss, zum Bus um 22:55 zu gehen – aber denkste …

22:54 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Auf halbem Weg zur Haltestelle plötzlich im Osten sehr helle Aurora-Schlaufen – hier in der Hektik viel zu lang belichtet, so dass sie sich über eine große Fläche verschmiert haben. Im Vordergrund das alte Aquarium der Universität.

22:58 MEZ: eine (!) Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

An besagter Haltestelle angekommen plötzlich in allen Richtungen helles Polarlicht – unmöglich, die verschiedenen Aspekte auch nur annähernd einzufangen. Praktischerweise hatte der Bus etwas Verspätung, so dass das Einsteigen knapp verhindert werden konnte: schnell zurück vor das Aquarium …

23:00 und 02 MEZ: 15 bzw. 13 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

… und gerade zur rechten Zeit für den hellsten Substurm dieser Stunden, in atemberaubender Pracht wieder über dem Westhorizont aufgetürmt! Das Aufmacherbild liegt zeitlich zwischen diesen beiden Aufnahmen.

23:07, 08 und 09 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Hier auch mal bei der ausgeharrt habenden Beobachter mit im Bild, während sich die Struktur des Polarlichts und seine – nur der Kamera erkennbaren – Farben schon wieder verändert haben.

23:14 MEZ: 13 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 800

Das Abschiedsbild – der Bus um 23:22 sollte es dann schon sein – mal zur Abwechslung nicht mit maximalem Weitwinkel sondern heran gezoomt auf 44 (statt 25) mm KB-Äquivalentbrennweite. Wie sich später herausstellte, hatten wir den aktiven Abend schnellerem Sonnenwind aus einem koronalen Loch zu verdanken: Die prächtigen Aufnahmen hier, hier und hier enstanden bei dunklerem Himmel auf Kvaløya selbst und diese eine Insel weiter nördlich – und die Allsky-Kamera zeigte während des besten Substurms dieses Bild. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: die Allsky-Bilder von EISCAT und Magnetometer-Daten aus Tromsø – und das 1. Bild landete hier auf Platz 11 …]

Polarlicht-Spektakel auf Hurtigruten-Spritztour

Über 30 Wintertage ist dieser Blogger nun schon 2011-13 auf der Hurtigruten entlang der norwegischen Küste geschippert, und bei jeder der drei Reisen gab es herausragende Aurora-Displays zu genießen – jetzt war er gerade einmal vier Stunden auf der MS Nordkapp unterwegs, zwischen Skjervøy und Tromsø (das diesmal den festen Standort der Polarlicht-Expedition bildet) nahe 70° Nord, und was gestern Abend geboten wurde, spielte in der gleichen Liga. Wie immer geben die lange belichteten Bilder das volle – und mitunter in rasanter Bewegung befindliche und den ganzen Himmel erfassende – Erscheinugsbild nur sehr andeutungsweise wieder, dafür aber bunter als was das Auge sieht …

Nach dem Verlassen von Skjervøy war lange nur ein extrem schwaches unstrukturiertes Glimmen am Nordhorizont zu erahnen gewesen, aber lang belichtete Fotos zeigten, dass es allmählich interessanter wurde. Und plötzlich dann das (21:19 MEZ: 15 Sek. ISO 1600; alle Aufnahmen mit Blende 2.8 und KB-Äquiv.-Brennweite 25 mm, teilweise beschnitten).

Nur durch Zufall entdeckt und dann systematisch aufgenommen: eine vom westlichen Ende des Aurorabogens aus senkrecht hoch in den Himmel ragende rote Säule, wegen ihrer Farbe für das Auge kaum zu erkennen, fotografisch aber um so überraschender (21:28 MEZ: 30 Sek. ISO 1600).

22:08 MEZ: 30 Sek. ISO 1600.

22:11 MEZ: 20 Sek. ISO 1600.

22:18 MEZ: 20 Sek. ISO 1600.

Die Farben Grün und Rot sind immer echt, das Blau allerdings ist Qualm des Schornsteins (22:26 MEZ: 30 Sek. ISO 800).

Während das Display über lange Strecken zwar lichtschwach blieb, kam es immer wieder zu rasantem Anstieg der Helligkeit einzelner Strukturen, die gleichzeitig auch wuchsen und in Bewegung gerieten – es war nur mit Mühe möglich, die Belichtung anzupassen (zweimal 22:34 MEZ: 8 Sek. ISO 1600).

22:42 MEZ: 15 Sek. ISO 1600.

22:43 MEZ: 15. Sek. ISO 800.

22:44 MEZ: 15 Sek. ISO 800.

23:01 MEZ: 15 Sek. ISO 1600.

23:04 MEZ: 6 Sek. ISO 800.

Zweimal 23:05 MEZ: 4 Sek. ISO 800.

23:10 MEZ: 6 Sek. ISO 1600.

Mit der Annäherung an Tromsø wurde das Display wieder diffuser (23:12 MEZ: 13 Sek. ISO 1600), und weite Teile des Himmels zeigten nun fotografisch einen Grünton. Magnetometrisch korrespondierte der ganze Ausbruch mit einer signifikanten isolierten Störung in „unserem“ Breitenbereich – aber der (globale) Kp-Wert blieb bei … eins. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: noch drei Bilder hier, hier und hier – und offenbar dasselbe Display, von Tromsø selbst aus aufgenommen (mehr und mehr) sowie auf den Inseln Kvaløya (mehr) und Andøya und in Nordschweden (mehr) – und aus der Luft ab England. Plus die Allsky-Bilder einer Kamera bei EISCAT und Magnetometer-Daten aus Tromsø]

Heute vor 10 Jahren: Mein erstes Polarlicht

Polarlicht am 20.11.2003; Lambert Spix

Aus aktuellem Anlass gibt es an dieser Stelle mal einen alten Beobachtungsbericht von mir, denn heute Abend vor 10 Jahren habe ich mein erstes und bisher einziges Polarlicht beobachtet. Hier sind meine damals beschriebenen Eindrücke zur Polarlichtsichtung am 20. November 2003:

Ich glaube es fing gestern alles damit an, dass ich wie jeden Tag einen Blick ins Forum warf und dort die Meldung über neue Polarlichter am frühen Abend fand. Dann habe ich auf allen mir bekannten Websites und Homepages zum Thema „Polarlichtvorhersage“ nachgesehen. Alle Zeichen standen für die hohen, mittleren und niedrigeren Breitengrade auf „Storm“. Der Kp-Wert betrug zu diesem Zeitpunkt noch 7 und die Nadel der „Solar Wind Speed“-Grafik, die ich sonst nur im waagerechten Zustand kannte, stand heute um mindestens 45° nach unten geneigt und war somit im roten Bereich. Irgendwo dazwischen habe ich noch den Ausschlag der Flare-Aufzeichnung gesehen, der genau an der Grenze von M zu X stand. Und endlich habe ich auch das Canopus-Oval wieder gefunden, wobei das Oval genau durch Deutschland verlief. Als letztes schaute ich noch in das AKM-Forum, wo alles bereits voll war mit den aktuellsten Polarlicht-Meldungen: von Radebeul, München, Potsdam über Wien und die Schweiz; bis sogar nach Kroatien muss man es gesehen haben. Einfach unglaublich.

Endlich verstand ich worum es ging und schaute aus dem Fenster. Das war nicht mehr nur ein helles Licht am Nordhimmel, sondern der Große Wagen war in einen grünlichen Schimmer getaucht. Ganz matt, aber feststellbar. Nun musste ich natürlich sofort raus, aber nicht einfach nur raus auf die Straße – ich wollte das Schauspiel in freier Wildbahn erleben. Gegen 19:00 MEZ bin ich mit dem Roller losgefahren und habe ein stilles Plätzchen gesucht.

Und dann geschah es: genau um 19:16 MEZ sah ich ein rötliches Band im östlichen Bereich zwischen Perseus und Fuhrmann, es stand also senkrecht am Himmel. Es sah aus, als würde es sich im Wind bewegen, da sich die Farbintensität immer veränderte. Für mich war es einfach nur rötlich. Und wunderschön. Mit Worten kann man gar nicht beschreiben, was für Farben dabei entstanden. Allmählich wurde das leuchtende Band wieder blasser und verschwand um 19:19 MEZ wieder in den Tiefen des Alls. Der Große Wagen war aber immer noch eindeutig in grünliches Licht getaucht und als ich mich durch Zufall ein paar Minuten später umdrehte, sah ich etwas westlich der Leier im Drache/Herkules-Gebiet eine riesige rote Wolke [siehe Foto]. Das war um 19:25 MEZ und bei genauerer Betrachtung sah sie aus wie eine Flamme. Eine rötlich leuchtende Flamme brannte von der Leier bis fast zum Horizont hinunter. Ein paar Augenblicke später wurde das Rot sichtbar dunkler. Es entstand der Eindruck, dass es wirklich, zumindest für einen Augenblick, dunkelrot war. Auch diese Wolke wehte scheinbar im Wind und durchlief alle Farbtöne im roten Bereich. Am Westrand dieser überdimensionalen Kerzenflamme vermischte sich die Glut mit einem Hauch von Grün. Einfach unbeschreiblich. Wie soll man da Worte finden. Vor einem malerischen Hintergrund hielten sich im Norden ein paar Wolken, aber die störten mich nicht weiter. Der rote Vorhang wurde allmählich zum Horizont hin schwächer, bis er um 19:30 MEZ ganz verblich.

Danach schwang ich mich wieder auf den Roller und fuhr zu meiner Freundin zurück, um ihr von meiner neuen Entdeckung zu berichten. Und während meiner Fahrt kam schon wieder ein Leuchten zum Vorschein. Etwas oberhalb vom Großen Wagen, wenn ich mich nicht irre. Mehr oder weniger zerrte ich an meiner Freundin herum, um ihr den wunderschönen Nordhimmel zu zeigen. Immer noch war das Gebiet im Großen Wagen rötlich eingefärbt und dazu glühte es auch wieder in Richtung Fuhrmann. Später wollten wir noch mit dem Auto eine Tour ins Grüne machen, doch dann kamen die Wolken. Die hatten sich zwar den ganzen Abend über angekündigt, doch nun war der ganze Himmel bedeckt. Gegen Mitternacht sah ich noch einmal zum Fenster hinaus und zu meinem Erstaunen hatte es sich wieder fast völlig aufgeklart, doch das helle Nordlicht hatte sichtbar nachgelassen; gegen 19:40 MEZ hatte es noch bis zum Fuhrmann gereicht. Ich hatte mein erstes Polarlicht gesehen und war natürlich restlos begeistert, auch wenn die Freundin Kritik übte, weil die Farben auf Fotos viel leuchtender und die Vorhänge strukturierter seien – aber irgendwas is‘ ja immer. P.S. „Es ist wirklich rot.“

[Nico Schmidt]

Auf Seefahrt in den arktischen Sonnenschein Norwegens

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Da waren sich die Veteranen unter der Besatzung wie den Passagieren einig: Derart gutes Wetter wie bei der norwegischen Hurtigruten-Runde Bergen – Kirkenes – Bergen mit der MS Polarlys, die in 24 Stunden zu Ende gehen wird und an der dieser Blogger mit 10 Kunden von Polarlicht-Reisen teilnimmt, ist exzeptionell selten. Nicht nur schienen überwiegend die Sonne oder die Sterne, auch der Seegang war kaum zu spüren: Das Schiff bot damit – bei 14 bis 15 Knoten! – eine brauchbare Plattform selbst für nächtliche Langzeitbelichtungen bis 30 Sekunden, die in mehreren Nächten von reichlich Polarlichtern gekrönt wurden. Und tagsüber jagte ein Motiv das nächste: Rund 400 Bilder von beidem gibt es in den Alben eins, zwei (erstes Polarlicht), drei, vier (fettes Polarlicht), fünf, sechs (bestes Polarlicht) und sieben. Und es gibt ebenfalls sieben Artikel mit vielen weiteren Bildern, über eine falsche Sternwarte in Bergen, die ersten Polarlichter, eine Venustransit-Gedenktafel-Inflation in Vardø, ein größeres Polarlicht, die Struve-Säule in Hammerfest, das dramatischste Polarlicht (Bild oben) und die Mond-Merkur-Konjunktion gestern (Mitte). [Daniel Fischer]