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Wuschel im Bootes: Catalina hoch am Himmel

Das “bequemste” Sichtfenster für den Kometen C/2013 US10 (Catalina) läuft: Der Komet steht – wie schon im November vermutet, konstant etwa 6.5 mag. hell – im Bootes und zieht dann in die Wagen-Deichsel weiter. Schon bald nach Mitternacht steht er 20-30°, vor Beginn der Morgendämmerung dann 70-80° hoch, wenn bis zum 21. Januar kein Mond stört (der allerdings schon ab dem 17. mindestens bis Mitternacht scheint). Im 11×70-Feldstecher erschien Catalina heute recht groß und nur mäßig kondensiert, also unübersehbar als Komet; sein fächriger Staub- und langer Plasmaschweif waren an suburbanem Himmel aber nicht auszumachen. Für eine Bridgekamera vom Stativ sah er immerhin nicht-stellar aus: 20 und 30 Sekunden (in Grauwerte konvertiert, um das Farbrauschen zu beseitigen) bei Blende 3.4 und KB-Äquivalentbrennweite 91 mm – die hellen Sterne sind Epsilon u.l. und Rho in der Mitte – und 20 Sekunden bei Blende 3.6 und 124 mm, jeweils Ausschnitte und ISO 1600. [Daniel Fischer]

“Leben in extremen Umgebungen”: das 21. Bad Honnefer Winter-Seminar 2016

Ein Hinweis – auch im Namen des Veranstalters – auf eine ungewöhnliche Veranstaltung im kommenden Januar in Bad Honnef bei Bonn vom 13. bis 16. Januar 2016: das 21. “Winterseminar” zum Thema “Leben in extremen Umgebungen”. Die meisten der hochkarätigen Referenten stammen dabei aber aus der Weltraumforschung oder ‘Astrobiologie’, so dass ein starker Weltraumbezug gegeben sein wird.

Diese Bad Honnefer Winterseminare genießen in der deutschen Astroszene jeder Art schon lange Kultstatus und begeistern vom interessierten Laien über Amateurastronomen bis zu Top-Wissenschaftlern so ziemlich jeden; es wird dabei auch kräftig philosophiert, gut gegessen (das Physikzentrum ist einer der Top-Tagungsorte im Land) – und allerhand Wein verköstigt, denn der Veranstalter ist Hobbywinzer und produziert auch selbst einen guten Tropfen …

Zur Motivation ein paar Impressionen und Links zu zahlreichen Detail-Berichten vom BHWS dieses Jahr. Und natürlich das soeben finalisierte Programm für 2016 und das Anmeldeformular – nach der Erfahrung dieses Jahr kann das BHWS nur wärmstens empfohlen werden. Bitte die beiden verlinkten DOCs bzw. diese Einladung auch unter anderen astro- wie biointeressierten weiter verteilen! [Daniel Fischer]

Gipfeltreffen der Volkssternwarten

Die Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen rief – und sie kamen, trotz zweier anderer Astro-Meetings am selben Wochenende: Insgesamt 17 Vertreter von 11 volksastronomischen Einrichtungen Nordrhein-Westfalens und seiner Nachbarn fanden heute zum ersten “Gipfeltreffen” in der Region seit Auslaufen des Jahres der Astronomie zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Netzwerke zu knüpfen und erste gemeinsame Projekte einzuleiten. Sie waren von den Volkssternwarten Ennepetal, Paderborn, Remscheid, Bonn, Kassel, Duisburg, Essen, Aachen, Recklinghausen und Venlo (NL) sowie vom Planetarium Bochum, und gerne gekommen wäre man auch aus Moers, Stuttgart und Würzburg. Gut vier Stunden lange wurde angeregt diskutiert (und – dank üppigen Caterings – auch diniert).

Zunächst stellte “Stargast” Harrie Rutten noch einmal im Detail das “Sterne funkeln für jeden”-Projekt vor, für das er bereits auf dem ATT (“Harrie Rutten und ein besonderes Teleskop …”) und der BoHeTa (“Das bereits auf dem ATT präsentierte …” und “In der Pause Harrie Rutten …”) geworben hatte: Der Sponsor Bresser macht es möglich mit der Spende von 8-cm-Refraktoren und Okularen, während eine niederländische Firma zum Selbstkostenpreis die Teile der Montierung und viele weitere Sponsoren Infomaterialien dazu packen. In den Niederlanden und Belgien konnten bereits 68 der Teleskope an (meist Grund-)Schulen mit Inklusion verteilt werden, wobei jeweils ein externer Amateurastronom den sinnvollen Einsatz betreut – und die WHS koordiniert die Sache für Deutschland, wobei der Start Anfang 2016 groß in der Gruga begangen werden soll.

Das Thema Astronomie in der Schule auf der einen und die ungesunde Altersstruktur in vielen Volkssternwarten sowie bei den Besuchern öffentlicher Vorträge auf der anderen Seite war auch so etwas wie das Leitmotiv des ganzen Meetings: Viele Teilnehmer berichteten Bedenkliches bis Bizarres aus ihren Vereinen aber natürlich auch Erfreuliches, etwa wie der Astronomische Arbeitskreis Kassel mit dem Schülerforschungszentrum Nordhessen zusammen nach den Sternen greift. Das nächste Treffen wird vermutlich am 16. April 2016 stattfinden und um 13:00 Uhr mit einem gemeinsamen Mittagessen beginnen, so dass sich auch für weiter Gereiste das Kommen lohnt. Zur Kommunikation der Teilnehmer der Premiere wird eine Mailing-Liste eingerichtet. Und es ist angedacht, nach dem Vorbild der Webseite “Astronomie in Norddeutschland” einen gemeinsamen Internet-Auftritt auf die Beine zu stellen, mit Vorstellung der Vereine, einem zentralen Veranstaltungskalender und einem Referenten-Pool. [Daniel Fischer]

Die Show geht weiter: Venus nah bei Mars

Acht Tage nach der Konjunktion von Venus und Jupiter hat der Tanz der Planeten am Morgenhimmel heute früh zu einer noch engeren Konjunktion von Venus und Mars geführt, über der der Jupiter und der Löwe thronten – während sich von rechts bereits der Mond ins Bild schleicht, der in ein paar Tagen an den Planeten vorbei ziehen wird. [Daniel Fischer. NACHTRAG: zwei Bilder größer, mehr und mehr Links – und eine Jux-Aufnahme im Morgengrauen]

Drei Planeten, drei Tage, dreimal klar …

Das Dreieck aus Venus, Jupiter und Mars, drei Tage in Folge über Königswinter-Heisterbacherrott, von der größten Annäherung von Venus und Jupiter am 26. Oktober (5 Bilder) über einen besonders klaren Morgen am 27. Oktober (4 Bilder) bis zur Ausformung eines ungefähr gleichschenkligen Dreicks am 28. Oktober (2 Bilder). Der besonders klare 27. erlaubte es auch, gleich vier Planeten in einem Bild festzuhalten: Wenn man das dritte von unten anklickt, erscheint es in voller Auflösung, und ganz unten links hängt deutlich der Merkur über dem Horizont. Auch interessant: Obwohl es am 27. deutlicher klarer als am 26. war, war der Himmelshintergrund mit dem Löwen etwas heller – weil ihm genau gegenüber nun der Vollmond stand, der dritte “Supermond” des Jahres übrigens. Zum Vergleich auch Aufnahmen derselben drei Tage aus Berlin. [Daniel Fischer]

Na endlich: das Planeten-Trio 2015!

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Aufgang des Trios Jupiter, Venus und Mars heute gegen 4 Uhr MEZ: nach August 2014 am Morgen und Juni 2015 am Abend zum dritten Mal in Folge Wetterglück in Königswinter just an jenem Tag, als sich Jupiter und Venus am nächsten kamen! Diesmal hat’s allerdings seehr lange gedauert, bis mal ein passender klarer Morgen kam – noch ein paar Bilder mehr von heute, auch mit Strichspuren der Jupitermonde. [Daniel Fischer. NACHTRAG: drei Bilder in größer, auch später zusammen mit dem ganzen Leo]

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Wenn über der Eifel die Sonne versinkt …

Nach einem eher trüben Tag überraschend ein gleißend heller Sonnenuntergang (irisierende Wolken inklusive) über dem Nationalpark Eifel, gesehen hier vom Rand des Parks nahe des Parkplatzes “Dreiborn Hochfläche” in Schleiden-Dreiborn – mehr Bilder der Himmelsshow (unten). Und danach noch Messungen der Himmelsqualität – SQM-L-Werte bis 20.8, dasselbe Ergebnis wie die Nacht zuvor weiter nordwestlich – und Aufnahmen (hier 60 Sekunden mit Blende 2.8 bei ISO 1600) von einer Parkbucht der B 266 gegenüber von Einruhr:

[Daniel Fischer]

Ausstellung über spektakuläre Kometen – gezeichnet im 19. Jh. – in Bonn

Ort: Argelander-Institut für Astronomie, Auf dem Hügel 71, 53121 Bonn-Endenich

Datum und Uhrzeit: Ausstellung geöffnet: 5. – 10. Oktober, jeweils von 17 bis 20 Uhr;
Finissage mit Vortrag: 9. Oktober, 19 Uhr

Gestaltung der Ausstellung und Referent des Vortrags: Michael Geffert, Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn

Das Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn zeigt noch heute von jeweils 17 bis 20 Uhr zeichnerische Dokumente der ersten astronomischen Beobachtungen an den damals neuen Sternwarten in Bonn und in Düsseldorf-Bilk. Präsentiert werden Beobachtungen von Kometen und anderen Objekten in der Eingangshalle des Instituts, Auf dem Hügel 71, in Bonn-Endenich. Am Freitag, den 9. Oktober, gibt es am selben Ort um 19 Uhr eine dreißig minütige Einführung zu den Beobachtungen, die der damalige Observator Julius Schmidt (1825-1884) zeichnerisch in seinen Tagebüchern festgehalten hat.

Julius Schmidt

Als vor einigen Jahren im Archiv des Bonner Argelander-Instituts Unterlagen von Julius Schmidt auftauchten, konnte noch niemand erahnen, welches bedeutende Erbe da in den eigenen Kellerräumen lagerte. J. F. Julius Schmidt wurde 1825 in Eutin geboren und fing in Hamburg mit seinen astronomischen Forschungen an. Mit der Übersiedlung nach Düsseldorf im April 1845 begann Schmidt mit intensiven Aufzechnungen in seine Tagebücher. Auch hielt er seine Beobachtungen in Form von zahlreichen kleinen Skizzen und Zeichnungen fest. Im Februar 1846 kam der junge Wissenschaftler dann zu dem Bonner Astronomen F.W.A. Argelander (1799-1875) an dessen neue Sternwarte in der Poppelsdorfer Allee in Bonn und setzte die Aufzeichnungen fort.

Nach 1853 verließ er Bonn und wurde 1858 schließlich Leiter der Sternwarte in Athen, wo er 1884 starb. Schmidt primäres Interesse war das Beobachten astronomischer Phänomene. Seinen großen Ruhm als Zeichner erwarb er sich vor allem durch einen Mondatlas, der 1878 veröffentlicht wurde. Über frühe Zeichnungen war vor dem Bonner Fund nichts bekannt. Unklar ist auch, wie der Nachlass von Julius Schmidt wieder nach Bonn gekommen ist. Die jetzt in Bonn gefundenen Bücher belegen aber eindrucksvoll, mit welcher Intensität sich der junge Astronom in Düsseldorf-Bilk und Bonn der visuellen Himmelsbeobachtung widmete und mit welcher Beständigkeit er die Himmelsereignisse protokollierte. Für Bonn ist dieser Fund einmalig, da es sonst aus dieser Zeit keine Bilder etc. zu astronomischen Beobachtungen gibt.

Astronomische Höhepunkte der Jahre 1845 und 1846

Auf die Arbeit von Julius Schmidt motivierend wirkten sich vermutlich die besonderen astronomischen Höhepunkte der Jahre 1845 und 1846 aus. Im Juni entdeckte Schmidt mit bloßem Auge in Düsseldorf (mit anderen Kollegen in ganz Europa) den großen Junikometen 1845. Er verfolgte einen Merkurdurchgang, ein Sonnenfleckenmaximum und eine besondere Marsopposition. Nach seiner Übersiedlung nach Bonn war es zunächst Komet Biela, dessen spektakuläre Aufspaltung von ihm protokolliert wurde. Neben weiteren Beobachtungen von Kometen galt sein Interesse auch dem neuentdeckten Neptun und den ersten Entdeckungen kleiner Planeten. Etliche dieser Beobachtungen sind jetzt in der Ausstellung in der Eingangshalle des Argelander-Instituts in Endenich zu sehen. [Michael Geffert. NACHTRAG: viele weitere Bilder der Ausstellung im Detail]

Das war die Bonner Mondfinsternis 2015!

Perfektes Wetter heute früh für die letzte komplett total an dunklem Himmel über Bonn sichtbare Mondfinsternis bis 2029: eine erste Auswahl von Aufnahmen der vielen Phasen des grandiosen Spektakels mit einer alten Bridge-Kamera, 14-mal vom AIfA in Bonn-Endenich bei einer öffentlichen Beobachtung und zum Schluß freihändig vom Bonner Bahnhof aus. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: eine längere Bilderstrecke mit 49 Zeitschritten und weitere Bilder sowie ein dynamischer Zeitraffer ebenfalls vom AIfA aus]

In die Steinzeit … auf dem Venusberg

Man weiß nicht, was sie über die Welt dachten und ob sie alle gleich waren oder einem Häuptling folgten – und auch nicht, was sie (oder ihn) bewogen hat, genau hier vor knapp 6000 Jahren einen beachtlichen Wall mit Graben anzulegen, der einen Geländesporn auf dem Venusberg in Bonn auf der flachen Seite vom Rest der Welt abtrennte. Dieser Abschnittswall – 1.80 Meter sind’s heute vom tiefsten Grabenteil bis zur Wallkrone, damals waren es 2.90 Meter – tritt auf dem Radarbild aus der Luft (dem farblich Höheninformation überlagert ist) sehr deutlich hervor: dort, wo die weiße Linie unterbrochen ist, die die natürliche Abgrenzung des Sporns nachzieht. Vor Ort fällt der Wall in einem Waldstück mehr oder weniger auf – und seit dem 20. Juli ist er zum zweiten Mal nach den 1980-er Jahren Gegenstand einer archäologischen Ausgrabung, die heute im Rahmen eines gut besuchten Pressetermins besucht werden konnte.

Die Ausgrabungsleiter Silviane Scharl und Erich Claßen im Schnitt durch den von neuerem Erdreich auf der rechten Seite teilweise verschnütteten Wall, dessen Profil durch eine etwas dunklere und rötlichere Färbung des Erdreichs auffällt. Anhand von Holzkohlenstückchen konnte per C14-Methode der frühere Befund bestätigt werden, dass der Wall der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur zuzuordnen ist, allerdings gibt es keine Hinweise auf mehrere Bauphasen mehr: Oben wie unten ist er aus dem Zeitraum 3960 bis 3795 v.u.Z. Vage Hinweise gibt es auf einen Palisadenzaun oben drauf, weiter nicht die geringsten jedoch auf den Sinn der gezielten Isolation des Geländesporns mit 15 bis 20 Hektar Fläche: Schutz einer Siedlung darauf, von Viehbeständen, eines Handels- oder Ritual-Platzes? Auch Hinweise auf einen Eingang fehlen, allerdings sind die westlichen Teile des ca. 140 m langen Walls durch moderne Bauten zerstört. Trotzdem ist er unter den steinzeitlichen Erdwerken des Rheinlandes ein Unikat, denn überall sonst hat die Landwirtschaft Wälle aus dieser Zeit komplett eingeebnet. Und für Bonn ist er das älteste Zeugnis fester Besiedlung.

Etwas mehr Licht ins Dunkel der Michelsberger Kultur könnte der zweite Teil der insgesamt 30 Meter langen Grabung senkrecht zum Wall bringen, die den Graben davor untersucht, doch leider haben sich – wie auch bei der alten Grabung – bislang nicht die kleinsten Artefakte finden lassen, wie sie sich gerne mal in solchen Gräben ansammeln. Während gerade im Rheinischen Landesmuseum eine große Ausstellung zur Jungsteinzeit begonnen hat, kann die Ausgrabung am Samstag, dem 12. September, zwischen 10 und 13 Uhr auch von der Öffentlichkeit besichtigt werden (mit Führungen um 10, 11 und 12 Uhr; Anmeldung im LVR-Amt für Bodendenkmlpflege im Rheinland unter 0228/98341743 oder bei sabine.hermesdorff@lvr.de): Sie liegt direkt an der Einmündung des Bodelschwinghwegs in die Robert-Koch-Straße, nahe der Bushaltestelle Casselsruhe. Dies wird auch schon die letzte Chance sein, denn nach Abschluss der Grabungen Ende des Monats wird alles wieder zugeschüttet! Noch aber arbeitet man sich im Graben-Bereich in 10-cm-Schritten vor – abwechselnd wird dokumentiert und vermessen und dann weiter gegraben, rund 50 cm bis zum Grabengrund liegen noch vor dem Team:

[Daniel Fischer]

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