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„Argelanders Erben“ im Universitätsmuseum Bonn

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Noch bis zum 31. Juli zeigt die Ausstellung „Argelanders Erben“ im Uni-Museum einen Querschnitt durch 200 Jahre Astronomie an der Bonner Universität – angefangen mit dem Original des ersten Bonner Uni-Fernrohrs überhaupt, einem 83-mm-Dollond, mit dem von Münchow am 5. Mai 1832 einen Merkur-Durchgang beobachtete. (Dahinter eine Mondaufnahme eines seiner Nachfolger, worüber auch dieses und speziell dieses Video berichten.)

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Argelanders 77-mm-Kometensucher von der Bonner Durchmusterung darf ebenso wenig fehlen wie die Beobachtungsbücher von Julius Schmidt, eine kaum bekannte Kostbarkeit, …

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… das Okularmikrometer des letzten Bonner Meridian-Kreises oder das Objektivprisma des Bonner Spektralatlasses. Beschlossen wird die kleine aber feine Ausstellung – mehr Bilder und auch Videos von der Eröffnung heute – von zwei geodätischen Instrumenten, mit denen die Bonner Astronomen des 19. Jh. auch zu arbeiten hatten, wie anlässlich einer früheren Ausstellung hier beschrieben wurde („Links eine weitere Leihgabe aus Bonn …“):

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[Daniel Fischer] NACHTRAG – der Beitrag des Universitäts-Fernsehens:

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Das 150. Mal: Herzlichen Glückwunsch an den „Bonner Sternenhimmel“

Es war am 07. Januar 2000 bzw. gestern vor 14 Jahren, als in Bonn-Endenich die allererste Veranstaltung des „Bonner Sternenhimmels“, eine gemeinsame Kooperation der Volkssternwarte Bonn (VSB) und des Argelander-Instituts (AIfA), stattfand. Und wie Peter Oden, Vorstandsmitglied des Vereins, berichtet, konnten in dieser Zeit fast 5.000 Besucher zu astronomischen Vorträgen mit – wenn’s der Himmel mal zulässt – anschließender Beobachtung begrüßt werden. Zudem feierte die beliebte Veranstaltungsreihe kürzlich am 20. Dezember ihr 150. Jubiläum. Dem „Bonner Sternenhimmel“ gratulierte überraschenderweise sogar der Bonner Sternenhimmel höchstpersönlich – mit einem wolkenlosen Abend.

Wie der Titel „Die kosmische Zahl 150“ schon verrät, ging es diesmal zum Jubiläumsvortrag nicht um handfeste Forschung, sondern eher um eine unterhaltsame Spurensuche nach der Zahl 150. Sie reichte von der Astronomischen Einheit (AE = 150 Millionen Kilometer) über 150 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien bis zum berühmtesten Astronomen Bonns. Denn vor genau 150 Jahren veröffentlichte Argelander seine bekannte „Bonner Durchmusterung“ (Bild 3); auch die ebenfalls 1863 stattgefundene Gründung der Astronomischen Gesellschaft (AG), an die Argelander nicht unerheblichen Anteil hatte, fand Erwähnung. Und da die Veranstaltung zur „Kometenzeit in Bonn“ gehörte, durften natürlich die Kometen nicht fehlen (Bild 4), wobei auf dem Flur eine Ausstellung mit vielen schönen Bildern von Schweifsternen gezeigt wurde. Anschließend ging es in zwei Gruppen hoch zum 50cm-Teleskop auf dem Institutsdach. Nach dem ersten Objekt gab es dann leider schwere Probleme mit der Kuppel- und Teleskoptechnik, während durch den Spalt die Sterne funkelten. Die Wartezeit wurde mit Humor genommen oder man kam ins Gespräch und astronomische Fragen wurden gestellt, bis das Teleskop endlich Jupiter ansteuerte.

Danach gab ich noch vor der Eingangstür des Instituts einem Vater mit seinem Sohn einen kleinen Einführungskurs in Sachen Teleskopbedienung. In ihrem 130mm-Spiegelteleskop zeigte ich ihnen den Mond mit unzähligen Kratern, den Orionnebel, das Siebengestirn und natürlich Jupiter mit zwei Wolkenbändern und seinen Monden. Dieser klare und scharfe Anblick des Riesenplaneten überraschte mich, denn am großen 0,5-Meter-Teleskop auf dem Dach waren auf Jupiter selbst keinerlei Einzelheiten erkennbar, nicht einmal seine Abplattung. Vater und Sohn zeigten sich sehr begeistert und waren überrascht, was ihr Fernrohr trotz des störenden Umgebungslichts alles zeigen kann, wovon sich auch andere Leute überzeugten.

Und noch ein Programmhinweis: Am kommenden Freitag, 10. Dezember, findet die Abschlussveranstaltung zur „Kometenzeit in Bonn“ statt. Sie findet im Rahmen des 151. „Bonner Sternenhimmels“ statt und beginnt um 19 Uhr.

Allgemeine Termininformationen zur erfolgreichen Reihe „Bonner Sternenhimmel“ finden sich wie gewohnt hier und hier. [Nico Schmidt]

Radioastronomen zu Gast bei den optischen Hobbyastronomen

Mit einem ungewohnten „very warm welcome“ begrüßte Peter Oden gestern Abend insgesamt 31 Gäste in der Volkssternwarte Bonn, denn das Publikum bestand aus vorwiegend englischsprachigen Mitarbeitern der Arbeitsgruppe „Radioastronomische Fundamentalphysik“ des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR). Ab halb 6 trafen die ersten Leute ein, denen ich in meinem kleinen 80mm-Refraktor noch die Venussichel dicht über einer Dachkante zeigen konnte. Danach hielt Peter Oden zunächst einen Vortrag über den großen Bonner Astronomen Argelander und die historische Sternwarte in Poppelsdorf, wo in den 1850er Jahren die bekannte Bonner Durchmusterung durchgeführt wurde. Im Anschluss folgten Führungen in das alte Sternwartengebäude, wobei ich eine Gruppe in den großen Heliometer-Turm und – einen astronomiegeschichtlichen Flur hindurch – in den Argelander-Turm begleitete und die Bedeutung dieser Orte den Doktoranden und anderen Radioastronomen näher brachte. Dabei entdeckte ich, dass sich sogar Michael Kramer, Direktor am MPIfR und Leiter der Forschergruppe, unter den Besuchern befand.

Sowohl oben im kleinen Turm als auch anschließend an den unten aufgestellten Teleskopen versuchte man sich sogar mit Handys und Kameras am Okular als Mondfotografen (wegen Autofokus ist mein Foto oben etwas überbelichtet) oder staunten ganz einfach über die eindrucksvollen Schatten der Krater und Mondgebirge. Da M 57 zusammen mit dem Lichtdunst der Stadt und dem hellen Halbmond kaum noch zu sehen war, zeigte ich stattdessen den Kleiderbügel-Asterismus und den farbigen Doppelstern Albireo und nebenbei kam man noch etwas mit den theoretisch oder praktisch arbeitenden Radioastronomen ins Gespräch. So erzählte mir z.b. ein Astroteilchenphysiker vom Nachweis von Radiostrahlung von Teilchenschauern der Kosmischen Strahlung. Mit einem Dankeschön für Vorträge, Führungen und Mondbeobachtung endete schließlich der fast zweistündige Ausflug der mit Meterwellen arbeitenden Fachastronomen zu den Hobbyastronomen mit dem Nanometer-Wellenlängenbereich. [Nico Schmidt]

Am Eröffnungstag im Bonner Universitätsmuseum

Wie vor 10 Tagen berichtet, öffnete heute zum ersten Mal das neue Universitätsmuseum Bonn seine Türen (Presseechos gibt’s hier, hier sowie hier, und wie man sieht, war das Uni-TV auch vor Ort). Und da steht es nun, das heute einzigartige Heliometer. Nachdem es vor 170 Jahren in Poppelsdorf in der Bonner Sternwarte aufgestellt wurde, ist es hier nun erstmals dauerhaft für die Öffentlichkeit ausgestellt. Wie auf Hochglanz poliert steht es fast zentral im großen Museumsraum und wirkt so tatsächlich wie ein technisches „Prunkstück“, wie es Thomas Becker, Leiter des Archivs der Uni Bonn und „spiritus rector“ (die Ansprache des Rektors) bzw. Vater des Universitätsmuseums, in einem Interview bemerkte. Seit „fast 20 Jahren“ hatte er den Traum eines Museums, das die Universität selbst zum Thema hat.

Räumlich gesehen ist es zwar nur ein „ein Raum tiefes Museum“, aber auf der Zeitachse bietet es gebündelt die fast 200-jährige Geschichte der Universität Bonn; in einem kleineren Vorraum ist derzeit die Wechselausstellung zum Hofgarten, „Bonns schönster Liegewiese“, zu sehen. Großartig fand ich vor allem, dass der warme hölzerne Look der ehemaligen Studentenbücherei beibehalten und in das moderne Design des Museums integriert wurde. An den Wänden werden die einzelnen Fakultäten und die Geschichte der 1818 gegründeten Universität vorgestellt: Von der 1827 aufgesetzten Verfassung, über einen mehr als 100 Jahre alten prachtvollen Rektor-Talar, Heinrich Heines Urkunde zur Ehrendoktorwürde bis zu Exmatrikeln und Reisepässen ausländischer Studenten. Die Wand an der Kopfseite ist der Platz von Bonns berühmtesten Studenten. Beispielsweise finden sich hier Karl Marx (eine Karzerstrafe wegen „nächtlichen ruhestörenden Lärmens und Trunkenheit“ ist auf seiner Exmatrikel vermerkt), Konrad Duden, Friedrich Nietzsche, Karlheinz Stockhausen und Norbert Blüm. Und mit den beim Sofa liegenden Tablets lassen sich einige Clips (u.a. ein kurzer Beitrag vom Sternenfest 2009 mit Ranga Yogeshwar über die Hobbyastronomie) ansehen.

In 10 großen Tischvitrinen als „Schaufenster der Wissenschaft“ werden einzelne große Forschungsarbeiten vorgestellt; auf ausziehbaren Tafeln kann man weitere Hintergründe nachlesen. Hier findet man etwa August Kekulé und die Entschlüsselung eines Moleküls bzw. wie er durch einen Traum einer sich in den Schwanz beißenden Schlange auf den Aufbau des Benzol-Rings kam, und Wolfgang Paul, einer von zwei Nobelpreisträgern (in fünf Jahren) der Universität. Zum Teilchenphysiker Wolfgang Paul und seiner Erfindung, der sog. Ionen-Falle, wird es im Deutschen Museum Bonn in der Ahrstraße vom 13. November 2013 bis zum 24. August 2014 eine Sonderausstellung geben: „Der Teilchenfänger – Die Welt der Atome erleben und verstehen“. Und dann begegnet man zwischen Lotus-Effekt und Benzol-Ring natürlich noch Professor Argelander und seine „Bonner Durchmusterung“. Es wird das schrittweise Entstehen des Sternkatalogs, der nach 11 Jahren Arbeit 1863 veröffentlicht wurde, gezeigt und im Text heißt es, dass von um 1870 erst 20 bekannten Sternentfernungen 4 mit dem Bonner Heliometer gemessen wurden. Will man also Bonner Wissenschaftsgeschichte oder einfach die 200-jährige Geschichte der Universität entdecken, dann lohnt sich das „ein Raum tiefe Museum“ auf jeden Fall. [Nico Schmidt]

Bonner Heliometer reif für neues Universitätsmuseum

Universität Bonn, uni-bonn.tv

170 Jahre nachdem das Bonner Heliometer nach Poppelsdorf in die damals noch im Bau befindliche Sternwarte kam, hat das historische  Instrument einen neuen Stammplatz bekommen. Viele Jahre stand es vor dem großen Vorlesungsraum im Argelander-Insitut für Astronomie (AIfA) in Endenich, für die Öffentlichkeit war das imposante Fernrohr bisher nur bei seltenen Ausstellungen wie 1975 und 2009/2010 zu sehen, doch nun erhält es endlich einen Platz, den es auch verdient – als Mittelpunkt im neuen Universitätsmuseum (www.museum.uni-bonn.de). In 10 Tagen wird es eröffnet und steht damit ab dem 26. Juni ab 11 Uhr für Besucher offen. An vier Tagen in der Woche erhält man dann im Hauptgebäude der Universität untergebrachten Museum Einblicke in „die akademische Tradition und Geschichte der Forschungsuniversität Bonn“, die fast 200 Jahre zurückgeht. Neben der Dauerausstellung werden hier auch wechselnde Ausstellungen – aktuell zur Hofgartenwiese im Wandel der Zeit – angeboten. Das Team von uni-bonn.tv war bei den letzten Arbeiten dabei und außerdem sieht man, wie sechs Leute und ein Kran für die Aufstellung des großen Heliometer-Fernrohrs nötig waren.

Mit dem beeindruckenden wenn auch längst museumsreifen Heliometer, das über ein Jahrhundert lang im Hauptturm der von Argelander in Poppelsdorf errichteten Bonner Sternwarte stand, hat das Universitätsmuseum ein wahres Stück Astronomiegeschichte zu bieten. 1838 gelang mit einem identischen Gerät die erste Entfernungsbestimmung eines Sterns. Erst mit dieser Messung wusste man wie unvorstellbar weit die Sterne tatsächlich entfernt sind. Dieses Instrument wurde allerdings zerstört, so dass diese alte Beobachtungskunst und der damit verbundene Meilenstein heute nur noch mit Argelanders Heliometer lebendig wird. Es stammt aus der Werkstatt Fraunhofers, wurde 1842 nach Bonn verschickt und wenig später mit der Fertigstellung des Sternwartenbaus im Hauptturm aufgestellt. Unter Argelanders Leitung wurden mit diesem 6-Zoll-Fernrohr ebenfalls einige der ersten Sternentfernungen gemessen, durchgeführt von den Astronomen Winnecke und Krüger. [Nico Schmidt]

Kometenzeit in Bonn

Schon seit grauer Vorzeit übt der Kosmos eine erstaunliche Faszination auf den Menschen aus. Dem einen reicht es, gelegentlich einen Blick auf den die Erde umkreisenden Mond werfen zu können. Andere sind fasziniert vom Sternenhimmel und dem Ruf des Kosmos, der darin liegt.

Von Zeit zu Zeit kommt nun aus den Tiefen des Alls ein Komet der Erde so nahe, dass er mit seinem in Sonnennähe entstehenden Schweif sichtbar wird. Auf der einen Seite steht dann eindeutig der Reiz der optischen Erscheinung dieses Kometen. Auf der anderen Seite dagegen gibt es Fragen, die von der Entstehungsgeschichte solcher Himmelsphänomene bis hin zu der möglicherweise von ihnen ausgehenden Gefahr reichen.

Zum kommenden Komet ISON (C/2012 S1), der nach heutigem Kenntnisstand ein beachtliches Spektakel bieten könnte, haben das Argelander Institut für Astronomie der Universität Bonn und die Volkssternwarte Bonn e.V. gemeinsam ein umfangreiches Programm „Kometenzeit in Bonn“ für die interessierte Bonner Bevölkerung ins Leben gerufen. Die unterschiedlichsten Vorträge und Seminare werden über den Kometen unter allen nur denkbaren Blickwinkeln berichten und informieren; Aktionen für Kinder, ein Science Café für Erwachsene und Beobachtungsveranstaltungen für alle runden das Gesamtprogramm ab.

Die „Kometenzeit in Bonn“ wird im Rahmen des Tags der Offenen Tür der Volkssternwarte Bonn am 03. November 2013 gemeinsam vom Argelander Institut für Astronomie und der Volkssternwarte Bonn eröffnet und dauert bis zum 10. Januar 2014. Freuen Sie sich bereits jetzt auf viele hochinteressante und spannende Einzelveranstaltungen!

Der Schatz von Karl Friedrich Küstner

Während andere am 21. Dezember den Nicht-Weltuntergang gefeiert haben – etwa bei einer ausverkauften Show im Planetarium Bochum -, war ich bei dem Vortrag “15000 Himmelsaufnahmen – der Schatz der Erben Argelanders” aus der Bonner-Sternenhimmel-Reihe (Termine unten links), die regelmäßig im Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) stattfindet. Im weihnachtlich geschmückten Hörsaal des Instituts zeigte Andreas Maul von der Volkssternwarte Bonn (VSB) zu Beginn mit einer alten drehbaren Sternkarte am Overhead-Projektor den aktuellen Winterhimmel. Danach übernahm der Bonner Astronom Michael Geffert, der von der Eigenbewegung der Sterne und der langen Tradition der Positionsastronomie, die in Bonn vor 175 Jahren mit Argelanders Ruf in die junge Universitätsstadt begann und bis heute in Form von Schülerpraktika zu finden ist, berichtete. Hauptsächlich ging es in dem Vortrag um Karl Friedrich Küstner, der nach Schönfelds Tod 1891 neuer Direktor der Bonner Sternwarte wurde. 1882 war Küstner (im Bild vordere Reihe ganz rechts) sogar als Leiter der deutschen Venustransit-Expedition dabei, die die Astronomen ins kalte Punta Arenas an der Magellanstraße zwischen Chile und Feuerland führte.

Küstner brachte die Astrofotografie an die Bonner Sternwarte und veranlasste gleich die Anschaffung eines entsprechenden Instruments. Wegen der Größe des 1899 gebauten Doppelrefraktors musste neben Argelanders alter Sternwarte in Poppelsdorf ein separater Kuppelbau errichtet werden. Mit 2 etwa 30 Zentimeter großen Linsen und mit über 5 Metern Brennweite war es das größte Fernrohr in Bonn – bis es 1965 in der Eifel im Observatorium Hoher List (OHL) aufgestellt wurde und nach der Schließung im letzten Sommer immer noch dort steht.

Die Abbildung zeigt das ehemalige Kuppelgebäude des großen Doppelrefraktors, in das die Sternfreunde der Volkssternwarte Bonn (VSB) in den 70er Jahren eingezogen sind.

Küstners Vermächtnis, das für den Referenten sogar ein „richtiger Schatz“ ist, ist das 15.000 Fotografien umfassende Plattenarchiv, das vor 100 Jahren hier in Bonn entstand. Sorgfältig wurde alles dokumentiert und auf vielen der 16x16cm-Fotoplatten schrieb der Astronom sogar seinen Namen oder die Initialen, …

… so auch auf seinen Mondbildern, die man hier auf Youtube sehen kann.

Über den Museumswert hinaus besitzen die am Bonner Doppelrefraktor entstandenen historischen Himmelsaufnahmen tatsächlich noch wissenschaftlichen Nutzen, wie ein Beispiel darstellen sollte.

Nebenbei wurden aber auch andere neuere Funde aus den Weiten des Institutsarchivs gezeigt. Damit sind Julius Schmidts Beobachtungstagebücher gemeint, die vermutlich die einzige Darstellung des Kometen Colla (C/1845 L1) enthalten – die auch kürzlich im Poppelsdorfer Schloss ausgestellt war. Schmidt hatte den Schweifstern Anfang Juni 1845 unabhängig vom italienischen Kometenbeobachter Antonio Colla entdeckt. Ein Jahr später verließ Schmidt die Sternwarte in Düsseldorf-Bilk und kam an Argelanders Sternwarte, an der er 7 Jahre blieb.

In der anschließenden Fragerunde war ein neugieriger und an Astronomie interessierter Drittklässler, der schon während des Vortrags Fragen parat hatte, fast nicht bremsen und wollte u.a. noch mehr zu den Geffert-Kleinplaneten wissen.

Danach konnte man sich einen kleinen Teil des astronomischen Schatzes unter der Lupe ansehen, denn auf einem Leuchtkasten konnte man sich eine Vergleichsaufnahme (links) neben einer von Karl Friedrich Küstner vor etwa 100 Jahren belichteten 16x16cm-Fotoplatte (rechts) des Kugelsternhaufens M 15 genauer ansehen. Und für die zum Vortrag eingeladenen Schüler gab es noch Informationen zum bevorstehenden Praktikum, in dem sich mit dem Thema der Eigenbewegung anhand der historischen Aufnahmen beschäftigt wird. [Nico Schmidt]

Eindrücke vom Tag der offenen Tür 2012 der Volkssternwarte Bonn

„Veronika, der Lenz ist da“. Für das vergangene Wochenende mit Temperaturen bis zu 25 Grad traf das noch zu, aber zum gestrigen Tag der offenen Tür schaufelten die Tiefs Veronika und Ursula ordentlich polare Kaltluft nach NRW. Doch trotz der gerade einmal 5 Grad zur Mittagsstunde kamen bei schönstem Sonntagswetter die Besucher – geschätzt zwischen 250 und 300 – zur Volkssternwarte Bonn (VSB).

Der Hochnebel vom Morgen war anfangs noch recht zäh, aber ab 13 Uhr taten sich die ersten größeren Lücken auf, so dass sich ein Blick durch die direkt unter dem 170 Jahre alten Argelander-Turm aufgebauten Sonnenteleskope lohnte. Während im Weißlicht drei Sonnenfleckenregionen sichtbar waren, offenbarte die Beobachtung des roten Lichts der Wasserstofflinie H-alpha eine turbulente Chromosphäre mit vielen Einzelheiten sowohl auf der Oberfläche als auch am Rand, wo sich deutlich einige sehenswerte Protuberanzen tummelten.

Die Besucher – sogar Christian Preuß von den „Sternfreunden Siebengebirge“ schaute vorbei – konnten sich im Kuppelraum der Volkssternwarte informieren: die Stellwände zeigten u.a. Fotos von der Öffentlichtkeitsarbeit, Einsteiger-Bücher waren ausgelegt, auf der neuen Leinwand wurde Stellarium vorgeführt und die Hobbyastronomen beantworteten alle möglichen Fragen. Es gab auch einige Führungen hoch in den kleinen Beobachtungsturm der Alten Sternwarte, wo Argelander und seine Kollegen vor mehr als 150 Jahren eine als „Bonner Durchmusterung“ berühmt gewordene Himmelsvermessung durchgeführt haben. Die geschichtlichen Hintergründe dieses Ortes vermittelte außerdem der noch rechtzeitig fertig gestaltete Argelander-Flur, in dem Texte und historische Abbildungen ausgestellt sind. Ebenfalls gut besucht waren die angebotenen Vorträge, so auch meiner (über interessante Sterne am Herbsthimmel), der bis auf den letzten Platz besetzt war.

Nach dem der letzte Vortrag gegen 18 Uhr endete, konnten die Besucher kurz vor ihrem Nachhauseweg noch einen Fernrohrblick auf den fast vollen Mond mit den jetzt gut sichtbaren Strahlenkratern werfen. Natürlich wurden auch wieder Handys gezückt, um sich gleich als Mondfotograf zu versuchen. Meinen kleinen 80mm-Refraktor richtete ich zwischendurch mal auf die Leier, um kurz den Ringnebel M 57 zu zeigen. Das war natürlich viel unspektakulärer, aber angesichts der kleinen Öffnung und des Stadthimmels war doch immerhin ein Nebelfleckchen sichtbar. Gegen 19 Uhr endete schließlich der Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn zum diesjährigen 40. Geburtstag des Vereins. [Nico Schmidt]

Ein Flur für die Bonner Astronomiegeschichte

Äußerlich sieht die alte Bonner Sternwarte fast immer noch so aus wie zur Fertigstellung 1845/1846, doch nachdem das Institut für Kommunikationsforschung 1975 dort einzog, erinnert heute im Gebäudeinneren leider nichts mehr an das wichtige Stück Astronomiegeschichte, das in einem kleinen Beobachtungsturm geschrieben wurde. Denn schließlich wurde hier mit dem „kleinsten Fernrohr das größte astronomische Werk geschaffen“, wie es bei seinem Bonn-Besuch 1913 der Harvard-Astronom Charles Pickering formulierte. In sieben Jahren und einem Monat (1852 bis 1859) wurden in 625 klaren Nächten die Positionen und Helligkeiten von über 324.000 Sterne bestimmt; der Astronom Argelander machte mit der „Bonner Durchmusterung“ die junge Universitätsstadt am Rhein unter den Astronomen weltweit berühmt.

In Eigenregie haben nun Wilfried Bongartz von der Volkssternwarte Bonn (VSB) und ich vom Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) versucht etwas von der vergessenen Geschichte an den Ort zurückzuholen. So gibt es seit heute in der Alten Sternwarte neben dem Argelander-Turm quasi auch einen Argelander-Flur, in dem Bilderrahmen mit Texten und historischen Abbildungen zu der Bonner Astronomiegeschichte und der Arbeit an der hier vor über 150 Jahren durchgeführten Himmelsvermessung infomieren sollen. Einen direkten Museumscharakter hat das zwar noch nicht, aber ein Anfang ist getan und Pläne für die Erweiterung der „Ausstellung“ gibt es bereits.

Zum morgigen Tag der offenen Tür der Volkssternwarte (auch der Generalanzeiger Bonn berichtete heute) sind neben den Vorträgen und der Sonnenbeobachtung (klarer Himmel ist angekündigt!) natürlich auch Führungen in den Argelander-Turm mit dem neu gestalteten Flur geplant.

[Nico Schmidt]

„Beethoven und die Bonner Durchmusterung“

So etwas wie die Veranstaltung gestern im Deutschen Museum Bonn kann es eigentlich nur in dieser Stadt geben: ein Beethoven-Konzert, gemischt mit lokaler Astronomiegeschichte der letzten 200 Jahre – mit einem Bonner Astronomen (Michael Geffert) am Pult und seinem Bruder (Johannes Geffert, mit Gerald Hambitzer) an einem Broadwood-Piano von 1810 aus dem Besitz des letzteren sowie einer Sängerin (Marie Seidler). Eröffnet von der mitreißenden Klaviersonate für vier Hände D-Dur Op. 6 – die besten online aufzutreibenden Interpretationen von erstem und zweitem Satz – reichte das Spektrum von den Anfängen der Bonner Astronomie, die erst im Zusammenhang mit einer Ausstellung im IYA 2009 intensiv erforscht worden war, bis zu den Asteroidenentdeckungen durch Bonner Astronomen. Den Zusammenhang zum Bonner Star-Komponisten Beethoven stellte dabei der Kleinplanet Nr. 1815 her, allerdings eine Heidelberger Entdeckung und mit 18 mag. Oppositionshelligkeit Ende des Jahres auch keine große Leuchte. [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein weiterer Bericht vom Abend]