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Merkurtransit mit Minimal-Technik: So geht’s!

Im Gegensatz zu Durchgängen der fetten Venus vor der Sonnenscheibe oder gar partiellen Sonnenfinsternissen sind Merkur-Durchgänge wie am 9. Mai nicht mit bloßem Auge + Sonnenfinsternis-Brille oder Projektion mit Lochblende und/oder kleinem Spiegel sichbar: Mit nur 12 Bogensekunden Durchmesser ist der Planet einfach zu winzig, wie auch dieses Foto von 2006 neben einem größeren Sonnenfleck zeigt. Die dunkle Umbra des zur Zeit sichtbaren Flecks Nr. (1)2533 ist jedoch mit rund 15 Bogensekunden nur wenig größer als der Merkur, der wiederum – da perfekt schwarz – einen höheren Kontrast hat: Damit lässt sich am aktuellen Fleck, nun auf dem Weg zur Sonnenmitte, perfekt Technik für Beobachtungen des Merkurtransits testen und insbesondere auch die minimal erforderliche herausfinden.

Hier der Fleck heute in Projektion mit einem 25-Euro-Fernglas (10×50, auf einem Blumenkasten aufgestützt, eins der Objektive abgeklebt) über etwas einen Meter hinweg in den Schatten bei klarem Himmel und 35° Sonnenhöhe: Er ist ohne weiteres zu erkennen, so wie es mit ähnlicher Methodik auch der Merkur beim Transit 2003 war. Wichtig sind eine halbwegs stabile Lage des Feldstechers – dem natürlich niemand ins Okular schauen darf – und seine sorgfältige Fokussierung, auch darf das Bild nicht zu weit von der optischen Achse entfernt sein, sonst kommt es zu Verzerrungen. Die Demonstration hier holt nicht das Optimum heraus, es ging nur – in einer Wolkenlücke – um’s Prinzip. Auf jeden Fall ist die Beobachtung in Projektion einfacher, angenehmer und „sozialer“ (es können mehrere gleichzeitig gucken) als der direkte Blick durch ein Fernglas oder kleines Teleskop, für das erst ein zertifizierter Filter besorgt und sicher vor dem Objektiv montiert werden muss – das kostet extra, und der Laie kann mehr falsch machen und seine Augen in Gefahr bringen. Schwierig wird es – allerdings für alle Beobachtungstechniken gleichermaßen – bei schlechter Transparenz oder tief stehender Sonne, aber manchmal ist es so klar, dass Fernglas-Projektion selbst bei wenigen Grad Sonnenhöhe noch möglich ist.

Eine ganz andere Beobachtungstechnik „mit Hausmitteln“ bietet sich noch an, wenn eine Kamera mit starkem (auch eingebautem) Zoomobjektiv vorhanden ist und eine alte Sonnenfinsternis-Brille. Diese sicher vor dem Objektiv angebracht – wenn dies einen größeren Durchmesser hat: mit einem Papprahmen, so dass kein ungefiltertes Licht auf die Linse fällt! – erlaubt Fotos der Sonne wie z.B. dieses heute ein paar Stunden vor den obigen Experimenten. Verwendet wurden eine 5 Jahre alte „Superzoom“-Kamera (Panasonic Lumix FZ-48) mit maximalem Zoom und eine SoFi-Brille mit metallbedampfter Mylar-Folie, die ein besonders helles Bild liefert. Leider unterscheiden sich die heute und früher gehandelten SoFi-Brillen gewaltig in der Bildhelligkeit, und die heute verfügbaren Black-Polymer-Brillen sind für Fotografie zu dunkel (und selbst visuell nicht mehr ideal): Glücklich diejenigen, die noch ältere, hellere Brillen besitzen, bevor australische Paranoia vor der 2012-er SoFi in Queensland zu der ‚Verdunklung‘ des Marktes führte.

Die beiden hier beschriebenen Beobachtungsmethoden sind übrigens nur dann erste Wahl, wenn keine Volkssternwarte mit öffentlicher Beobachtung des Transits mit größerem Gerät – nur dann wird der 12-Bogensekunden-Merkur bei hoher Vergrößerung als eindeutiges kreisförmiges Scheibchen sichtbar – zur Verfügung steht. Auch dabei bietet sich wieder Projektion an, im obigen Beispiel beim Venus-Transit 2004 in Südafrika mit einem fetten Newton realisiert, der sogar unter freiem Himmel ein kontrastreiches und großes Bild der Venus vor der Sonne bot. Auch der nur 1/5 so große Merkur sollte mit dieser Technik für hinreichendes Aufsehen sorgen. Derzeit entstehen hier alphabetisch und hier nach Postleitzahlen zwei ausführliche Tabellen mit Veranstaltern öffentlicher Beobachtungen. Und wenn das Wetter gar nicht mitspielen will: Es werden immer mehr Webcasts angekündigt, zur Not sogar aus dem Weltraum vom Solar Dynamics Observatory. Nicht gucken geht also gar nicht. [Daniel Fischer]

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Bonner Hobbyastronomen laden zur Sonnenfinsternis-Beobachtung ein

Ob es am Freitagvormittag zur partiellen Sonnenfinsternis auch einen so schönen blauen Himmel gibt, wie auf dem obigen Foto von letzter Woche? Das GFS-Modell (siehe auch Grafik unten) sieht derzeit die besten Chancen, aber auch die anderen Wettermodelle sehen nicht so schlecht aus, immerhin wird das Maximum in Bonn erst um 10:37 Uhr erreicht. Wie auch immer das Wetter in zwei Tagen aussieht, ob es dann Wetter-Glück oder Wetter-Frust heißt, halten die Hobbyastronomen in der Volksternwarte Bonn (VSB, direkt neben der Argelander-Sternwarte) die Stellung. Selbst wenn der Himmel wolkenverhangen sein sollte, sind alle Sonnenfinsternis-Interessierten herzlich willkommen, denn ab um 9:00 Uhr werden die Türen der Volkssternwarte geöffnet. Die Sonnenfinsternis findet von 9:29 bis 11:49 Uhr statt und in der goldenen Mitte liegt 10:37 Uhr, der Zeitpunkt der maximalen Abdeckung der Sonne – immerhin 77 Prozent (Zahlen für Bonn)!

Im Schlechtwetterfall soll die beliebte Planetariumssoftware „Stellarium“ vorgeführt und/oder Livebilder der zahlreichen Sonnenfinsternis-Liveübertragungen gezeigt werden. Unter anderem sollen auf BBC One in einer „Stargazing Live“-Sondersendung (von 10:00 bis 11:00 Uhr) Livebilder aus einem Flugzeug über dem Nordatlantik ausgestrahlt werden. Und vielleicht gibt es sogar zeitnah Fotos vom Bonner Sonnenfinsternisflug, der ebenfalls die Totalitätszone über dem Nordatlantik zum Ziel hat. Und bei klarem Himmel (sollte es auch nur eine Chance auf Wolkenlücken geben) stehen draußen vor der Volkssternwarte natürlich Sonnenfernrohre bereit, mit der eine sichere Beobachtung der Sonne möglich ist. Teleskopunterstützung wird es auch durch den Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) geben, eventuell auf der Poppelsdorfer Allee.

Wie das Wetter-Lotto am Freitagvormittag auch ausgehen wird, Sie können auf jeden Fall vorbeikommen und etwas sehen. Denn die nächste Sonnenfinsternis mit einem ähnlich großen Bedeckungsgrad gibt’s erst im August 2026 – dann sogar mit 88 Prozent für Bonn! Dann bleibt mir nur noch zur Sonnenfinsternis 2015 zu sagen: clear skies!! [Nico Schmidt]

Fotoversuche an der H-alpha-Sonne

Am Freitagnachmittag erhielt ich einen Überraschungsbesuch von einem KBA-Sternfreund und da er auch ein 60mm-Lunt-Teleskop dabei hatte, bauten wir kurzerhand das Sonnenteleskop auf der Terrasse auf. Der blaue Himmel lachte, die Sonne lachte noch viel mehr. So konnte ich zum ersten Mal bewusst die H-alpha-Sonne mit einem Bino-Ansatz genießen. Der Anblick mit den unzählig vielen Details und ganz feinen Einzelheiten war einfach umwerfend, obwohl die Sonne schon ordentlich auf die Stirn knallte. Zwei ausgeprägte Gasbögen waren zu beobachten (Bild 1 und 2), weitere kleinere Proteranzen mit unterschiedlichen Formen waren ebenfalls sichtbar; das Seeing war gut. Ich konnte mich wirklich kaum sattsehen, aber dann griff ich doch mal zur TZ31-Kompaktkamera und versuchte mein Glück. Die Fotografie der H-alpha-Sonne einfach mit einer ans Okular gehaltenen Kamera ist ja sowieso eine Herausforderung (erst recht die Gesamtsonne), aber drei vorzeigbare Fotoversuche zeigen doch schon erstaunlich viel Details. [Nico Schmidt]

23. Mai: Sonnenbeobachtung zur Bonner Wissenschaftsnacht

Am 22. und 23. Mai wird die 9. Bonner Wissenschaftsnacht (Facebook-Seite) mit dem Motto „Digitale Gesellschaft“ diesmal zur Wissenschaftsn@acht – in Anlehnung an das Wissenschaftsjahr 2014. An verschiedenen Orten, beispielsweise im großen Wissenschaftszelt (am Freitag bis Mitternacht geöffnet) auf dem Münsterplatz sowie im Universitäts-Hauptgebäude, präsentieren sich viele unterschiedliche wissenschaftliche Bereiche; das Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) stellt sich in der Garderobenhalle im Hauptgebäude vor, entgegen der Ankündigung ist das geplante mobile Kleinplanetarium allerdings nicht dabei. Astronomisch soll es außerdem auch auf der Wiese der Poppelsdorfer Allee zugehen. Auf Höhe der Hausnummer 47 wollen sich am Freitag zwischen 14 und 18 Uhr ein paar Bonner Hobbyastronomen mit ihren Teleskopen für eine öffentliche Sonnenbeobachtung treffen. Kommen Sie einfach vorbei, löchern Sie uns mit Fragen und werfen dabei noch einen Blick auf die aktive Oberfläche unseres Heimatsterns. Aktuell sehen die Wetteraussichten zwar nicht so freundlich aus, aber es sind ja noch ein paar Tage bis Freitag. Auf jeden Fall findet die Aktion natürlich nur bei lohnenswertem Himmel statt, wie etwa bei unserer Sonnenbeobachtung an einem frühlingshaften Freitag im März. [Nico Schmidt]

Warum einmal, wenn’s auch doppelt geht?

Gleich zweimal am selben Nachmittag zeigten Bonner Sternfreunde heute Präsenz als Rahmenprogramm astronomischer Veranstaltungen: …

… erst vor dem Deutschen Museum in Bad Godesberg vor (und z.T. auch nach) …

… einer Sonderausgabe des Portablen Planetariums zu familiengerechter Zeit, …

… und gleichzeitig bzw. danach vor dem AIFA in Endenich (die Protuberanzen was schärfer) …

… vor einem Vortrag von Fabian Schneider über extreme Sterne im Tarantelnebel.

Bonus: eine Sichtung des Merkur danach in Königswinter. [Daniel Fischer]

Eine Sternwarte für den dunklen „Sternenpark Eifel“

Während andere auf Ostereier-Suche waren, bot Harald Bardenhagen, Hobbyastronom und Kämpfer gegen die Lichtverschmutzung, am vergangenen Wochenende mitten im Nationalpark Eifel eine öffentliche Sonnenbeobachtung an. Bei teilweise sonnigem Wetter am Karsamstag, Ostersonntag und Ostermontag konnten die Besucher des am Urftsee gelegenen Vogelsang-Areals (25 Autominuten ab der A1-Autobahn-Abfahrt Wißkirchen) hier nicht nur unseren Heimatstern im Weißlicht und H-alpha-Licht bestaunen und in einem Vortrag Wissenswertes über die Sonne erfahren, der Kölner Sternfreund klärte zudem über den Verlust der Nacht und die damit zusammenhängende Lichtverschmutzung, denn ein natürlicher Sternhimmel lässt sich längst nur noch weit entfernt der immer heller werdenen Gemeinden, Städten und Großstädten erleben. So mancher Sonnenbeobachter fragte auch nach dem seltsamen Messgerät, welches auf dem Dach von Bardenhagens Auto montiert ist. Außerdem werden aktuell im Truppenkino des Vogelsang-Besucherzentrums zum Thema der unnötigen Lichtverschmutzung ein Film und eine Ausstellung mit vielen Schautafeln gezeigt. Auch über den Sternenpark Eifel und die weiteren Pläne informierte der Kölner Hobbyastronom, denn Mitte Februar wurde der Nationalpark Eifel als zweiter Sternenpark Deutschlands ausgezeichnet. Der Plan einer Sternwarte auf dem Vogelsang-Gelände steht zwar schon fest, nun arbeitet Bardenhagen aber erstmal an der konkreten Umsetzung. Entstehen soll sie am südlichen Ende des länglichen Areals (zwischen Einfahrt und den Parkplätzen); das letzte Bild zeigt das Vogelsang-Gebiet mitten im dunklen Nationalpark (gelb umrandet). Derzeit hofft der Schützer des Nachthimmels, dass die Sternwarte bereits im Laufe des Sommers ihren Betrieb aufnehmen kann. [Nico Schmidt]

Astronomie zum Anfassen für fast 600 Kinder

Heute vor einer Woche öffnete am Tag der deutschen Einheit das Argelander-Institut in Bonn-Endenich seine Türen vor allem für kleine Entdecker und Sternfreunde. Der Maustag, zu dem fast 600 Kinder kamen, fand aber nicht nur in den Institutsräumen statt. Draußen bei viel Sonnenschein wurde spielerisch das Sonnensystem nähergebracht, wobei ein kleiner aber maßstabsgerechter Planetenpfad abgelaufen und anschließend die unterschiedlichen Umlaufzeiten der inneren Planeten (darum standen Saturn und Co. am Rand) aktiv verdeutlicht wurden. Über den Sonnenschein freute sich auch Jörg Stegert, der als einziges Mitglied von der Volkssternwarte Bonn an der Veranstaltung mitmachte und ab 10 Uhr die Stellung an zwei Sonnenteleskopen hielt. Sehr viele Kinder und ihre Eltern, sogar die kleine Mondastronautin Amelie Armstrong, konnten so einen kurzen Blick auf unseren Stern im Weißlicht mit einigen kleinen Sonnenflecken werfen oder sahen eine Eruption auf der roten Sonne im H-alpha-Licht. Und nebenbei wurden allerhand Fragen zu Sonne, Mond und Sternen, von Schwarzen Löchern, außerirdischem Leben bis zum Fernrohrkauf beantwortet. Das Wetterglück hielt erstaunlich lange und erst gegen 17 Uhr, eine Stunde vor dem Ende des Maustags, wurden die Teleskope wegen aufkommender dichterer Bewölkung abgebaut.

Schlange stehen hieß es nicht nur vor dem großen Teleskop auf dem Institutsdach, schon am Eingang musste man Wartezeiten in Kauf nehmen. Drinnen konnten die Kinder dann an mehreren nach griechischen Musen benannte Stationen auf Entdeckungsreise gehen. Besonders im mit Planeten dekorierten großen Hörsaal waren Kometen das Hauptthema. Neben vielen historischen Kometendarstellungen hingen hier auch von Kindern gezeichnete Kometenbilder und es konnten sogar Schweifsterne gebastelt werden, außerdem wurde in Vorträgen auf die schon am 03. November startende “Kometenzeit in Bonn” hingewiesen. An anderen Stationen erfuhr man beispielsweise etwas zum All-Tag der Astronauten auf der Raumstation ISS, bei „Klio“, der Muse der Geschichte, konnte man „Märchen des Himmels“ zuhören und bei der Muse der Tragödie ging es natürlich um den Ex-Planeten Pluto. Die Station der Muse der Musik war ideal mit Astronom und Posaunist Michael Geffert, der längst durch seine vielen Vorträge bekannt ist, besetzt. Hier konnte man ultraschnellen Radiopulsen von Pulsaren lauschen oder am Keyboard eine Sternkarte – mit Notenschlüssel – der „Bonner Durchmusterung“ hörbar machen. Klopfzeichen und ein Fadenkreuz am Bildschirm sollten die 7-jährige Arbeitsweise verdeutlichen, mit der dieser bekannte Bonner Sternkatalog unter Arelanders Leitung entstanden ist und 1863 – also vor genau 150 Jahren – herausgegeben wurde. Egal ob spacige Weltraumbuttons ausmalen oder echte Radioastronomen mit Fragen löchern – Spaß werden die kleinen Entdecker auf jeden Fall gehabt haben. [Nico Schmidt]