Archiv für den Monat Juni 2018

Die ersten NLC der Saison (über Bochum)

Nach bereits stundenlang Jubel im Web [NACHTRÄGE] und endlich aufgelöster Wolken am Morgen gegen 2:00 MESZ deutliche Flach-NLC im Norden zu sehen. Die in den folgenden 1½ Stunden besser sichtbar werden, bevor sie wieder hinter Wolken verschwinden:

[Daniel Fischer]

Advertisements

Aus fünf aktuellen Bonner Ausstellungen (drei laufen noch)

I. Deutschland ist keine Insel

Die Bundesrepublik hat die Sonnenfinsternis von 1999 gekauft! Eine der Erkenntnisse beim Besuch von fünf Ausstellungen in zwei Museen während des Museumsmeilenfests 2018, das heute zuende ging: Die nun ebenfalls beendete Ausstellung „Deutschland ist keine Insel“ in der Bundeskunsthalle mit Neueinkäufen durch die Sammlung zeitgenössischer Kunst des Bundes präsentierte gleich am Anfang Douglas Gordons „August 12, 1999 (Independent, Express, Mail, Mirror, Herald, Guardian, Record, Sun, Times, Telegraph)“, eine Serie von Fotogravüren von 2011, die nun erstmal im Magazin verschwindet – die Sammlung hat kein eigenes Museum.

Die Bilder waren bereits 2014 im selben Haus zu sehen gewesen und können online z.B. hier, hier und hier betrachtet werden. Und das ist damit gemeint:

Weitere Werke in der Ausstellung: Juergen Staak, WEI, 2012, Installation: Sound, Dia, Poster – bemerkenswert die erstaunte bis erschreckte Reaktion eines kleinen Kindes auf den ratternden Karussell-Projektor …

Georges Adéagbo, Les artistes et l’ecriture ..!, 2014, Installation, Mischtechnik – da treffen sich Benin und Deutschland.

II. Nasca. Im Zeichen der Götter

In der bereits hier ausgiebig vorgestellten Ausstellung in der Bundeskunsthalle bis zum 16. September gab es bei einem Wiederbesuch – erst im Rahmen einer hektischen ‚Familienführung‘, dann noch mal in Ruhe – noch vieles mehr zu entdecken:

Topf mit Augenwesen, Ton, Paracas-Stilphase Ocucaje 9, 400-200 CE

Grüner Umhang mit Darstellungen einer reich geschmückten Person, die einen abgetrennten Menschenkopf hält, Baumwollgewebe, mit gefärbter Kamelidenwolle bestickt, Paracas-Stilphase Ocucaje 9, 400-200 BCE

Textilborte mit gestickten dreidimensionalen Kolibris, Baumwollunterlage mit Kamelidenwolle bestickt, Stilphase Nasca 3, 50-300 CE

Doppelausgussflasche in Form einer mythischen Schlange, Ton, Stilphase Nasca 3, 50-300 CE

Antara (tönerne Panflöte), Ton, Stilphase Nasca 3-4, 50-300 CE

Krug mit Menschen fressenden Vögeln, Ton, Stilphase Nasca 3-4, 50-300 CE

Doppelausgussflasche eines Menschen fressenden Vogels, Ton, Stilphase Nasca 4, 300-450 CE

Teller mit dem Antropomorphen Mythischen Wesen in einer kosmischen Komposition, Ton, Stilphase Nasca 5, 300-450 CE

Doppelausgussflasche in Form eines Gebäudes mit einem Figurenpaar, Ton, Stilphase Nasca 6, 450-650 CE

Tasse mit Kameliden, Menschenköpfen und Stufendreieckmotiven, Ton, Stilphase Nasca 7, 450-650 CE

III. Marina Abramović. The Cleaner

Connect the Stars, 1969, gedruckte Einladung – das mit Abstand harmloseste Exponat der ziemlich krassen Dokumentation ihrer Performances bis zum 12. August inklusive Live-Wiederaufführungen.

Das Bonner Publikum schockt offenbar nichts mehr …

The Sun and the Moon, 1987, Polyester, zwei Teile, Hochglanz- und Mattlack

Confession, 2010, Video (Schwarz/Weiß, ohne Ton), 60:00 Min.

Counting the Rice, 2018, eine Re-Performance und zugleich Partizipative Arbeit für die Besucher.

IV. PLANET 3.0

Eine Wanderausstellung der Senckenberg Gesellschaft bis zum 6. Januar 2019 im Museum König, deren einleitender Teil üppig gestaltet – aber in Sprüngen – die Erdgeschichte darstellt.

Viele Grüße aus dem Kambrium: ein lebensgroßer Anomalocaris

Hallucigenia Sparsa, vor ~505 Mio. Jahren

Marrella Splendens, auch vor ~505 Mio. Jahren

Arthropleura Armata, Riesen-‚Hundertfüssler‘, vor 318 bis 299 Mio. Jahren (bis 2.5 m lang, nebst Riesenlibelle)

V. Lebendige Landschaften

Ebenfalls im Museum König eine jetzt beendete Ausstellung des Naturfototreffs Eschmar mit immer wieder Polarlicht:

[Daniel Fischer]

Ein Besuch in der „ESO Supernova“ in Garching

Annäherung gestern – einen Monat nach der Eröffnung – an die „ESO Supernova“ rechts neben dem HQ der Europäischen Südsternwarte auf dem Forschungscampus in Garching bei München (nahe der Endhaltestelle der U6), …

… die derzeit übrigens auch eine Wander-Kunstausstellung der ESA (runterscrollen) beherbergt.
.

Auf dem Weg ins Untergeschoss ein „Nachrichten“-Teil, wo Items aus dem Portal to the Universe und Astronomy Picture of the Day eingespielt werden, plus Hinweise auf Weltraum-bezogene Jahrestage.

Wanddekoration beim weiteren Abstieg – vorne wird (ist aber gerade nicht beleuchtet) auch des schon lange stillgelegten La-Silla-Radioteleskops SEST gedacht.

Wechselnde Hinweise auf einem Flachbildschirm – inklusive der Bitte um Spenden. Nun aber zur Dauerausstellung, in der Reihenfolge eines kompletten Rundgangs – in 12 Kapiteln wird der ganz aktuelle Wissenstand der Astronomie dargestellt, v.a. in Form einheitlich gestalteter Tafeln mit dramatischen Bildern und wenig Text (bzw. jeweils rechts etwas mehr für Fortgeschrittene) oder Displays mit jeweils ein paar Seiten zu einem Thema, ebenfalls auf zwei Levels und in Deutsch und Englisch; historische Ausstellungsstücke und interaktive Exponate sind dagegen in der Minderheit:

(In der Planetenabteilung der populäre Schwerkraftvergleich – und auch was ein Planet ist, wird v.a. in der deutschen Fassung pointiert erklärt.)

(Im blauen Kreis kann man sich von oben was erzählen lassen.)

(Keine falsche Scheu auch vor komplexen Grafiken – der Kosmos ist halt so …)

(Eins der wenigen Originale aus der ESO-Geschichte: Teile der ehemaligen Beobachterkabine des 3.6-m-Teleskops auf La Silla – Reinlegen erwünscht.)

(Die „Kulmination“ des sich erst hoch und dann wieder hinunter spiralierenden Rundgangs: Live-Daten aus Chile und Modelle.)

(Hier schwebt eROSITA über den Dingen – das MPI für Astrophysik nebenan hat ein paar verkleinerte Satellitenmodelle spendiert.)

(Mehr echte Hardware: ein Wellenfront-Sensor, ohne nähere Zuordnung zu einem bestimmten Instrument, und das Instrument ISAAC, das 1999 bis 2013 Dienst am VLT tat.)

(Hier kann man Keplersche und Galileische Fernrohre simulieren und an ‚fernen Sternen‘ in der Halle mit der Wechselausstellung testen.)

(Ein Modell des Extremely Large Telescope, ein echtes Spiegelsegment – mit 1.45 m Durchmesser – und die Bahnen von Sternen um Sgr A* im Galaktischen Zentrum in 3D geätzt.)

Kontroverse Themen werden durchaus angesprochen, und die Ausstellung findet meist die richtigen Worte. Astronomiekenner werden am Ende des Rundgangs staunen, wie vieles und Aktuelles hier seinen Platz gefunden hat – Einsteiger wird dagegen bereits die einfache Version der Darstellung und die schiere Materialfülle überfordern („Mein Kopf ist jetzt voll“, war prompt an dieser Stelle zu hören). Da der Großteil der Ausstellung aus Bildern (oft aus dem ESO-eigenen Fundus) und Texten besteht, könnte man erwägen, vieles davon zur Nachbereitung im Web zu präsentieren. Das prächtig gestaltete Ambiente in der originellen Architektur der „Supernova“ – die überdies über ein gut besuchtes Digitalplanetarium mit 109 Plätzen verfügt – dürfte allerdings die Faszination noch zusätzlich fördern. Erst recht, wenn es im letzten Kapitel um die ultimativen Fragen geht – mit einer klaren ‚Handlungsanweisung‘ auf der letzten Tafel:

[Daniel Fischer]