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Eine Sonnenfinsternis … zum Anfassen!

Die Sonne ist 400-mal so weit weg wie der Mond, der 1/400 ihrer Größe hat, und deswegen bedeckt er sie für jemand auf der Erde genau – fertig ist die totale Sonnenfinsternis. Das sagt sich leicht und stimmt auch ganz gut – aber das Ganze im Druck oder auf dem Bildschirm maßstabsgerecht darzustellen, ist nicht leicht, und da werden die relativen Zahlen gerne mal krass verändert, um es passend zu machen. Dass es auch ganz anders geht mit der SoFi-Didaktik hat im Februar auf dem Segundo Workshop de Difusión y Enseñanza de la Astronomía im südargentinischen Esquel im Vorfeld der ringförmigen Sonnenfinsternis in Patagonien der Physiker Ricardo A. Bernatene von der argentischen Universidad Tecnológica Nacional demonstriert: mit einem maßstabsgerechten Modell des Erde-Mond-Systems, das das Phänomen SoFi auf mehrfache Weise demonstrieren kann (und Mondfinsternisse und Mondphasen überdies):

Der Mond ist hier 1 cm groß, die Erde entsprechend 3.7 cm – und 111 cm von der Erde entfernt. Peilt man über diese hinweg den „Mond“ an, hat er genau das halbe Grad Winkeldurchmesser wie der echte. Und wenn man ihn vor die Sonne schiebt (natürlich mit SoFi-Brille auf der Nase), dann kommt es tatsächlich zu einer präzisen partiellen oder totalen Sonnenbedeckung, eine zunächst durchaus verblüffende Erfahrung:

Alternativ kann die Konstruktion aber auch den Schatten des „Mondes“ auf die „Erde“ fallen lassen: Das ist dann zwar streng genommen nicht mehr maßstabsgerecht, weil die Sonne eigentlich nur 430 m weit entfernt sein müsste, aber ihr Licht ist so oder so praktisch parallel – und ihr Winkeldurchmesser stimmt ja. Und so erscheinen auf der „Erde“ ein realistischer Halb- und Kernschatten:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: Bernatenes komplettes Poster auf der Tagung – und einer von mehreren Nachbauten, die dieser Artikel inspiriert hat!]

Ring-SoFi über Patagonien – Korona, Protuberanz & Chromosphäre inklusive!

So sah’s aus, wenn man eine olle Bridge-Kamera mit maximalem Zoom ohne Filter auf die nahezu ringförmig verfinsterte Sonne am 26. Februar richtete: Zwischen den beiden ‚Hörnern‘ der natürlich gnadenlos überbelichteten Photosphären-Sichel spannte sich der Bogen der erstaunlich hellen Chromosphäre, auf dem mit Fortschreiten der Finsternis die ‚Lichtperlen‘ der Photosphäre (Baily’s Beads) erschienen, bevor sich der Ring schloss. Die Erwartung solch einer Show (die nur auf dem Kameradisplay sicher beobachtet werden kann) hatte diesen Blogger nach guten Erfahrungen mit chemischer Fotografie beim Saros-Vorgänger 1999 in Australien und auch 2005 in Tunesien ins südliche Argentinien gelockt, wo solche Aufnahmen zum ersten Mal mit einer Digitalkamera versucht werden sollten. Die Reise ist in fünf frei zugänglichen FB-Alben hier, hier, hier, hier (alles Gesehen rund um die SoFi im Detail) und hier sowie in Tagesberichten ab hier, weiter mit Links u.r. dokumentiert.

Der Beobachtungsort ist gefunden, am Vortag der SoFi: an der Ruta National 40 in der Nähe von Facundo in der Provinz Chubut: nahe dem Nordrand der Annularitätszone aber etwas innerhalb. Das zu erwartende Muster der Baily’s Beads wird für die Koordinaten einer besonders günstig gelegenen Stelle am Straßenrand mit High-End-Software simuliert und für gut befunden.

Die SoFi im Frühstücksfernsehen, während ein anderer SoFi-Jäger im Hotel in Rio Mayo (etwas südlich der Annularitätszone) noch an seinem Filter bastelt.

Am Beobachtungsplatz, zwei Stunden vor der SoFi: Das Wetter ist – wie übrigens schon tagelang prognostiziert – perfekt, mit tiefblauem Himmel und keiner drohenden Wolke.

Fortschritt der Partialität, mal mit der Brige-Kamera durch einen visuellen Baader-Filter, mal mit der Hand auf’s Expeditionsfahrzeug (bei den horrenden Mietkosten kann man den Chevy mal so nennen) projiziert. Und dann die kritischen Minuten rund um die Ringphase, mal ohne, mal mit Filter (und immer freihändig) – zu sehen sind das Erscheinen der inneren Korona hinter dem Mondrand und von einer Protuberanz, dann kommt die Chromosphäre von beiden Seiten, und zum Schluss tauchen immer mehr Baily’s Beads auf:

Wie man sieht, hat die olle Kamera trotz der heftig überstrahlenden Sonnensichel die Korona und die Protuberanz gut und die Chromosphäre schon fast zu hell eingefangen – trotz minimal möglicher Belichtung. Die Lichtperlen sind dann indes deutlich zu hell: Das war der Dynamik-Umfang des chemischen Films dann doch besser. Wegen einer Störung der arg betagten Kamera gibt’s keinen schönen Ring und Beads und Chromosphäre nach dem 3. Kontakt, dafür aber nochmal Korona zum Abschied. Weitere Bilderserien gibt es außer im o.g. Link auch hier, hier (Instant-Bildverarbeitung Minuten nach dem 3. Kontakt, als es in der Pampa noch schön dunkel war) und hier – und eins der Bilder ist auch in diesem Artikel zu sehen. Nach dem 4. Kontakt ging’s dann noch nach Facundo (wo sich laut diesem Artikel die Bevölkerung glatt verfünffacht hatte) zur Feier des Erfolgs; auf dem Wandbild steht unten in der Sprache der Mapuche „Sonne“ und „Mond“:

[Daniel Fischer]

Ein „Düsterer Tag“ in Belgien – zur Nachahmung empfohlen!

Die belgische Riesen-Volkssternwarte Urania in Hove bei Antwerpen – die z.B. über einen beachtlichen Astro-Shop verfügt – war heute zum wiederholten Mal Gastgeber von „De Duistere Dag“ (Der Finstere Tag): eines ganztägigen Treffens zum Thema Sonnenfinsternisse, das seit über 20 Jahren in unregelmäßigen Abständen nach wichtigen SoFis veranstaltet wird.

Zum nunmehr zehnten Düsteren Tag waren neben zwei deutschen Gästen rund 20 Einheimische gekommen, alle aus Flandern. Schwerpunkt war natürlich die SoFi vom März: Mit zwei dramatisch geschnittenen Videos und einem mitreißenden (und völlig bildlosen!) Vortrag wurden die nervenaufreibenden Erlebnisse der Urania-Expedition auf die Färöer – man hatte sogar einen eigenen Reisebus mitgebracht! – regelrecht körperlich spürbar. Man war zunächst völlig clouded out – bis sich kurz vor Totalitätsende die Korona in einem winzigen Wolkenloch zeigte. Und just zu diesem Zeitpunkt war der Reiseleiter live im belgischen Radio zu hören: Was er da auf Flämisch konkret brüllte, brauchte man gar nicht zu verstehen. Zwei weitere 2015-Vorträge handelten von Beobachtungen der SoFi aus der Luft, aus der Stratosphäre und von einem der deutschen Flüge von Eclipse-Reisen.

Letzteres war dann bereits der dritte Vortrag dieses Bloggers auf dem Meeting, der zuvor über die SoFi in Uganda und die Jagd nach Bildern des SoFi-Kometen von 1948 berichtet hatte – und Minuten zuvor in der Urania-Bibliothek eine etwas bessere Reproduktion der bisher einzigen identifizierten Aufnahme aufgetrieben hatte (in einer niederländischen Astrozeitschrift von 1983). Zum abwechslungsreichen Programm des gut sieben Stunden währenden Treffens – das Veranstalter Kris Delcourte auch den deutschen Nachbarn zur Nachahmung empfiehlt – gehörten auch u.a. auch Beiträge von E. van Loo über die érfolgreiche Extremjagd nach einem Wolkenloch bei der SoFi 1999 in Frankreich bis unmittelbar vor dem 2. Kontakt und von J. Schoppmeyer über Finsternisse im Auf- und Untergang, mit dem Nachweis von innerer Korona und Protuberanzen kurz vor der Ringphase in Australien 2013, als der Fast-Ring noch komplett hinter einer Wolkenbank verborgen war:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder des Veranstalters]

„Sternstunde“ plant SoFi-Livestream aus der Region

Das Produktionsteam der Astronomiesendung Sternstunde wird morgen Vormittag eine Live-Übertragung der SoFi ins Internet stellen. Standort ist Leverkusen. Wer zuschauen will, sollte morgen auf die Sternstunde Facebook-Seite gehen bzw. diesen direkten Link probieren. Die Übertragung findet in jedem Fall statt – ob man was sehen kann, ist natürlich vom örtlichen Wetter abhängig…SoFiJan2011PHEin Bild von der letzten „hiesigen“ SoFi (Januar 2011, Bild: PH)

Bonner Hobbyastronomen laden zur Sonnenfinsternis-Beobachtung ein

Ob es am Freitagvormittag zur partiellen Sonnenfinsternis auch einen so schönen blauen Himmel gibt, wie auf dem obigen Foto von letzter Woche? Das GFS-Modell (siehe auch Grafik unten) sieht derzeit die besten Chancen, aber auch die anderen Wettermodelle sehen nicht so schlecht aus, immerhin wird das Maximum in Bonn erst um 10:37 Uhr erreicht. Wie auch immer das Wetter in zwei Tagen aussieht, ob es dann Wetter-Glück oder Wetter-Frust heißt, halten die Hobbyastronomen in der Volksternwarte Bonn (VSB, direkt neben der Argelander-Sternwarte) die Stellung. Selbst wenn der Himmel wolkenverhangen sein sollte, sind alle Sonnenfinsternis-Interessierten herzlich willkommen, denn ab um 9:00 Uhr werden die Türen der Volkssternwarte geöffnet. Die Sonnenfinsternis findet von 9:29 bis 11:49 Uhr statt und in der goldenen Mitte liegt 10:37 Uhr, der Zeitpunkt der maximalen Abdeckung der Sonne – immerhin 77 Prozent (Zahlen für Bonn)!

Im Schlechtwetterfall soll die beliebte Planetariumssoftware „Stellarium“ vorgeführt und/oder Livebilder der zahlreichen Sonnenfinsternis-Liveübertragungen gezeigt werden. Unter anderem sollen auf BBC One in einer „Stargazing Live“-Sondersendung (von 10:00 bis 11:00 Uhr) Livebilder aus einem Flugzeug über dem Nordatlantik ausgestrahlt werden. Und vielleicht gibt es sogar zeitnah Fotos vom Bonner Sonnenfinsternisflug, der ebenfalls die Totalitätszone über dem Nordatlantik zum Ziel hat. Und bei klarem Himmel (sollte es auch nur eine Chance auf Wolkenlücken geben) stehen draußen vor der Volkssternwarte natürlich Sonnenfernrohre bereit, mit der eine sichere Beobachtung der Sonne möglich ist. Teleskopunterstützung wird es auch durch den Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) geben, eventuell auf der Poppelsdorfer Allee.

Wie das Wetter-Lotto am Freitagvormittag auch ausgehen wird, Sie können auf jeden Fall vorbeikommen und etwas sehen. Denn die nächste Sonnenfinsternis mit einem ähnlich großen Bedeckungsgrad gibt’s erst im August 2026 – dann sogar mit 88 Prozent für Bonn! Dann bleibt mir nur noch zur Sonnenfinsternis 2015 zu sagen: clear skies!! [Nico Schmidt]

Eine SoFi mit einem Taschenspiegel projizieren: So geht’s richtig!

Keine zertifizierte SoFi-Brille zur Hand – und eine (partielle) Sonnenfinsternis naht? Kein haushaltsüblicher Gegenstand stellt einen sicheren Filter für die direkte visuelle Beobachtung der Sonne dar: Da hilft nur Projektion! Dafür reicht schon eine Lochkamera – nur so einfach wie in vielen Grafiken dazu, etwa hier, hier oder hier, ist es leider nicht. Denn das Sonnenbild erscheint vom Loch aus natürlich unter demselben 1/2°-Winkel wie die Sonne am Himmel, und das Bild ist winzig klein (aus einem SoFi-Bericht von 1998; dito in dieser Papp-Konstruktion) – außer die Projektionsdistanz ist riesig. Dann aber ist die Helligkeit des Bildes gering und der Kontrast auf der Projektionsfläche schwach bis gar nicht mehr vorhanden.

Die offensichtliche Lösung: Projektion in einen dunklen Raum hinein! Und das geht am besten, wenn das Licht gleichzeitig aus der Antisolarrichtung umgelenkt wird, in eine besonders schattige Zone des Gebäudes. Ist der dazu verwendete Spiegel klein genug, stellt er gleich selbst die Lochblende dar, und keine weitere Bastelei ist erforderlich. Dieser hier ist zwar etwas zu groß, eignet sich aber gut um – in diesem Fall bei tief stehender Sonne, ähnlich der Situation am 20. März – das Prinzip zu demonstrieren: Im unteren Bild sieht man vorne den einfach auf dem Boden sitzenden und abgestützten Spiegel und viele Meter weit entfernt (wenn auch durch die perspektivische Stauchung näher erscheinend) ein kontrastreiches Bild der Sonne!

Besonders scharf ist es allerdings nicht: Hier ist Experimentieren angesagt, wobei es schon genügt, unterschiedlich große Löcher in Blätter Papier zu reißen. Ein zu großes Loch liefert – v.a. bei kurzen Projektionsdistanzen von nur 1 bis 2 Metern – ein völlig unscharfes Bild, im Extremfall sogar einfach den Schattenriss der Öffnung, ohne den gewünschten Lochkameraeffekt. (Obacht: Wer’s zum ersten Mal probiert, könnte das direkte Bild des Lochs irrtümlich für eins der Sonne halten – und wundert sich dann, wo denn der Mond bleibt! Manche „Instruktionen“ zum Bau von Lochkameras, die dieser Blogger über die Jahren in Zeitungen vor SoFis gesehen hat, mit nur Dezimetern Projektionsdistanz und Zentimeter-großen Löchern, führen genau dazu.) Für die vielleicht 10 Meter weite Projektion bei diesem Test entlang eines dunklen Flurs erwies sich ein Zentimeter-Loch als ideal, wie die Nahaufnahme des Sonnenbildes an der Wand zeigt; bei Projektionen innerhalb eines Zimmers über nur ~2 Meter hinweg lieferten Löcher von wenigen Millimetern Durchmesser die besten Bilder. Und eine weitere Erkenntnis: Der Umlenkwinkel liegt idealerweise bei etwa 90° – ist er zu groß und quasi streifend, nimmt die Bildhelligkeit erheblich ab (so ist die Physik halt).

Der Blick zurück auf den Versuchsaufbau aus der Nähe der Wand, auf die projiziert wird: Von dort aus ist das „Loch“ de facto ein Punkt, wenn auch ein gleißend heller. Da aber keine optischen Vergrößerungselemente im Spiel sind und man auch nur einen kleinen Ausschnitt der Sonnenscheibe sieht, stellt ein versehentlicher Blick in diese Richtung kein Risiko dar. Einen entsprechenden Aufbau sah dieser Blogger 2011 auf einer SoFi-Tagung in Indien demonstriert, vor allem aber motivierte der hier und hier beschriebene Erfolg der Beobachtung des Venus-Durchgangs 2004 mit einer Spiegel-Lochkamera und langer Projektionsdistanz in ein Gebäude hinein zu den Versuchen hier. Selbst wissenschaftlich auswerten lassen sich solcherlei Experimente. Und es wurde – wiederum anhand einer Sonnenfinsternis – 2006 in Ägypten demonstriert (unten auf der Seite), dass mit einer genau abgestimmten Lochkamera und einem Staubsaugerrohr sogar ganz ordentliche Fotos möglich sind. [Daniel Fischer. NACHTRAG: das ganze nochmal erzählt in der März-Ausgabe des TV-Magazins „Sternstunde“]

SoFi-Safari in Uganda (2/3): Ins Herz der Finsternis

Zwei Wochen sind seit der superkurzen totalen Sonnenfinsternis in Uganda vergangen – zusätzlich zu den Quick-Look-Bildern vom selben Abend und dem Bilder-Album danach hier noch mal die ganze Geschichte des 3. November 2013 …

Ein Banner in der Kleinstadt Pakwach im Nordwesten Ugandas, das auf die Finsternis hinweist – und das Kommen des Präsidenten ankündigt, als „Chief Viewer“ derselben.

Und schon der erste fliegende Händler … neben allerlei SoFi-Memorabilia leider auch im Angebot: gefälschte SoFi-Brillen, aus Billig-Sonnenbrillen mit aufgeklebten Filmschnipseln, und das zum Wucherpreis von 6 Dollar. Der Blogger konnte ein Beweisstück sicher stellen.

Die – eigens für das Ereignis her gerichtete – Straße von Pakwach nach Norden in die nur 18.5 km breite Finsterniszone: Während einer Erkundungsfahrt viele Stunden vor der SoFi herrscht schon reger Betrieb, mit eindeutiger Marschrichtung.

Im winzigen Dorf Pokwero, das bis vor einem Monat noch niemand kannte – aber die Regierung hatte die dortige Grundschule zum besten Platz auf dem Planeten für die Finsternis erklärt …

… was zur Entstehung eines gewaltigen Volksfestes und blockierten Straßen führte: An freie Bewegung zur SoFi-Zeit war nicht zu denken, die angesichts der unsicheren Wetterbedingungen in der (Kleinen) Regenzeit aber ziemlich sinnvoll erschien.

Ein Denkmal für die Finsternis auf dem Gelände der Schule …

… und freudige Erwartung daselbst: Diese Kinder konnten sich immerhin glücklich schätzen, …

… echte SoFi-Brillen ergattert zu haben. Wobei die Schule zwar praktisch auf der Zentrallinie lag, …

… wegen den zackigen Mondrandprofils der Ort mit der längsten Totalität (19 statt 18 Sekunden) aber noch etwas weiter die Straße entlang nach Norden zu finden sein würde. Nur etwa 600 m in dieser Richtung, wie der GPS-Empfänger anzeigt, doch das Dorf und der anschwellende SoFi-Trubel – übrigens überwiegend von Einheimischen und nicht Touristen frequentiert – machten ihn schlicht unzugänglich. Also Plan B: von Pakwach gen Osten Richtung Gulu! (Kurioserweise gibt es einen Song von BAP genau dieses Inhalts, wenn auch mit sehr anderem Kontext aus glücklicherweise vergangener Zeit.)

Noch vor dem Erreichen eines Platzes entlang der sich im Totalitätsstreifen schlängelnden Straße, der 15 Sekunden Totalität versprach, wurden wir erst einmal vom Autokonvoi des Präsidenten unsanft zur Seite gedrängt: Der Herr „Chief Viewer“ reist gern mit hoher Geschwindigkeit und vor allem auf der Mitte der Straße …

Die Wolkensituation am Zielort (ca. 31°37’50“ Ost, 2°34’10“ Nord), rund zwei Stunden vor der Totalität, gen Westen: Die auf 2.5° Nord nahezu senkrecht untergehende Sonne schien – angesichts der Regenzeit überraschend gute – Chancen zu haben, bei den 17° Totalitätshöhe in einer klaren Zone zu stehen.

16:24:06 Ortszeit = UTC + 3 Stunden: In der Tat alles bestens; eine Aufnahme mit maximalem Zoom durch eine alte Baader-SoFi-Brille, die auch ein paar Sonnenflecken zeigt. Noch eine Stunde bis zur Totalität!

Während sich die Cumuli auflösen und ein Gewittertürmchen rechts keine Gefahr darstellt, beginnt sich leider – 16:40 Ortszeit, 42 Minuten vor der Totalität – von rechts eine höhere, halb transparente Wolke vor die Sonne zu schieben …

… von der um 17:01 Uhr (21 Minuten vor der Totalität) klar ist, dass sie nicht verschwinden wird. Wie schon länger vorbereitet, setzt sich darauf hin eines unserer Fahrzeuge weiter gen Gulu in Bewegung, in der Hoffnung, die Sonne in den entscheidenden Sekunden wenigstens nicht hinter dem dicksten Teil der Wolke zu haben.

Die Fahrt dauert bis wenige Minuten vor der Totalität und endet an der Koordinate 31°45’20“ Ost und 2°33’28“ Nord, dann geht alles ganz schnell: Um 17:20:15 Uhr, 2 1/2 Minuten vor dem 2. Kontakt, steht das Stativ und dieses Panorama kommt zustande, mit der Sonne tatsächlich noch oberhalb des dicken Wolkenstreifens.

17:22:28 Uhr, etwa 12 Sekunden vor dem – theoretisch, für einen glatten Mond geltenden – zweiten Kontakt zeichnet sich der kleine Mondschatten markant in Atmosphäre und Wolken ab …

… dito um 17:22:31 Uhr. Die Intensität und Dramatik der Himmelsfarben mit ihrer rasanten Entwicklung gibt diese Darstellung nur sehr unvollkommen wieder.

17:22:38 Uhr, theoretisch 2 Sekunden vor dem zweiten Kontakt, dem gemäß diesem Online-Tool eine Totalität von noch 10.1 Sekunden gefolgt wäre – wenn nicht das Mondrandprofil trotz des Standortes ‚eigentlich‘ noch deutlich innerhalb der Totalitätszone dafür gesorgt hätte, dass durchgehend ein paar Baily’s Beads am Mondrand stehen blieben. (1/30 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 100.)

Dem – wenn auch nur Sekunden währenden – „Totalitätsgefühl“ tat dies keinen Abbruch, schrumpften die Beads doch auf (wie hier nicht gezeigte Bilder dokumentieren) wenige Bogensekunden Größe, so dass sie die Sicht- wie Fotografierbarkeit von Chromosphäre, Protuberanzen und inner(st)er Korona selbst mit der Lichtstreuung durch die Vordergrundwolke nicht nehmen konnten: eine Aufnahme um 17:22:53 Uhr (d.h. 2 Sekunden nach dem hypothetischen 3. Kontakt) mit 1/80 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 400.

Und die Szene um 17:22:58 Uhr (7 Sekunden nach dem 2. Kontakt), nunmehr mit 1/320 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 100: Zahlreiche Baily’s Beads reihen sich auf einem langen Chromosphärenbogen auf und bilden tatsächlich die im Deutschen namensgebende ‚Perlschnur‘. Durch die Wolkendämpfung war das Spiel der Beads übrigens mit dem bloßen Auge besser zu sehen als bei völlig klarem Himmel.

17:23:32, eine Dreiviertelminute nach dem hypothetischen 3. Kontakt: ein weiteres Panorama (nicht zu sehen: ein Gewitter-Blitz im Wolkenturm rechts zur Feier des Erfolges), der Mondschatten ist längst Richtung Gulu davon geeilt …

… während die Spannung von den „Ausreißer“-Beobachtern langsam abfällt. Der Gewinn an Himmelstransparenz hatte sich zwar in Grenzen gehalten, aber die Erfahrung, dass so etwas wirklich geht, ist für künftige Finsternisse wertvoll, bei denen es gute Straßen entlang der Zone und dabei garantiert freien Blick auf die Sonne gibt (dessen wir, da wir die Straße tags zuvor befahren hatten, sicher sein konnten).

Auf dem Rückweg zum ursprünglichen Standplatz ein Blick auf die zweite Partialität (ca. 20 Minuten nach der Totalität) durch den Qualm eines isolierten Feuers am Straßenrand …

… und die Wolkensituation 40 Minuten nach der Totalität am alten Platz [NACHTRÄGE: eine Bildmontage und ein Video von dort], wo sie durch die nämliche Wolke ebenfalls zu sehen gewesen war (aus der Nähe des Platzes ein Bild, mehrere Bilder und ein Video sowie dieser und dieser Bericht) – die sich inzwischen natürlich in Wohlgefallen aufgelöst hatte.

18:18:56 Ortszeit daher noch mal – wieder durch den SoFi-Brillen-Filter – ein letzter Blick auf die zu Ende gehende zweite Partialität, eine Stunde nach der Totalität. In Pokwero war die Wolkensituation vor dieser übrigens lange Zeit verzweifelt gewesen, der Chief Viewer verlor fast die Nerven, und einige ergriffen gar die Flucht, doch quasi im letzten Moment hatte ein passendes Wolkenloch Blicke wie diesen, diesen, diesen, diesen oder diesen ermöglicht. Oder man hätte einfach in der Unterkunft der Expedition, knapp südlich der Totalitätszone bleiben können: Dort gab es natürlich durchgehend sehr dicke Baily’s Beads – aber dank klaren Himmels dennoch genau so viel Chromosphäre & Protuberanzen wie an unserem Standort. Auch eine interessante Erfahrung … [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: mehr neue Links und noch mehr zur SoFi – und zwei der Bilder hier waren schon 2 Tage nach der SoFi in einem Vortrag in Bonn (ab 0:58) zu sehen]

SoFi-Safari in Uganda (1/3): eine Reise zum Planet der Affen

Berggorilla (untergeordneter Silberrücken) im Bwindi Impenetrable National Park

Schimpanse (23-jähriges Männchen) im Kibale National Park

Pavian in der Nähe einer Brücke über den Victoria-Nil bei Karuma

Östliche Vollbartmeerkatze im Bigodi-Sumpf

Südliche Grünmeerkatze im Queen Elizabeth National Park

Gestern ging eine zweiwöchige Expedition dieses Bloggers nach Uganda zuende, anlässlich einer superkurzen Sonnenfinsternis – und der überbordenden Artenvielfalt der Fauna dieses ostafrikanischen Landes am Äquator, das insbesondere mit Affen aller Größen aufwarten kann. Hier als kleiner Teaser fünf Porträts, wobei Gorilla, Schimpanse und Vollbartmeerkatze im Rahmen geführter Wanderungen (sogenanntem Tracking) durch dichte Wälter und glitschige Sümpfe aufgespürt wurden, während Paviane und Grünmeerkatzen vielerorts am Wegesrand warten. Die komplette Reise ist nunmehr in acht Alben mit zusammen 656 Bildern dieses Bloggers dokumentiert: der erste Tag mit Tiersichtungen rund um Entebbe am 1.11., die Reise in den Nordwesten in die SoFi-Zone am 2.11. mit Nashörnern und einem SoFi-Festival am 3.11., die SoFi selbst am 3.11., das Schimpansen-Tracking am 6.11., jede Menge Tiere am Kazinga Channel am 8.11., Löwen auf Bäumen am 9.11., das Gorilla-Tracking am 10.11. – und jede Menge weitere Impressionen vom 4.-12.11, u.a. aus den Nationalparks Murchison Falls (dicht neben der SoFi-Zone), Queen Elizabeth und Lake Mburo sowie dem Bigodi-Sumpf.

Während der Reise hatte der bekannte Bonner Veranstalter bereits über den Medienrummel um uns (mehr), Begegnungen in Entebbe (mehr) und eine Geburtstags-Feier im QENP berichtet und ein Gruppenbild (mehr) und einen ausnehmend bunten Vogel verbreitet, während dieser Blogger auch über Twitter aus Köln (mit einer perfekt passenden ‚Fundsache‘ im Web) und Amsterdam (Mond und Sonnenaufgang; 31.10.), Entebbe (auch TV-Rummel, ein schlauer Schimpanse und ein Artikel über uns; 1.11.), der SoFi-Unterkunft (auch fünf Bilder der SoFi selbst; 3.11.), dito (Fazit; 4.11.), Kibale (ein SoFi-Bild von der o.g. Unterkunft aus; 5.11.), dito (Schimpansen-Begegnung), QENP (Äquator-Marker; 7.11.), dito (der bunte Vogel; 8.11.), Bwindi („Konjunktion“ über QENP, auch Baum-Löwen und Venus über dem Nil vor Tagen; 9.11.), dito (Gorilla-Begegnung, auch mit tollen ‚rods‘; 10.11.), Lake Mburo (Hippo-Besuch; 11.11.) und Amsterdam (drei Impressionen vom letzten Tag in Uganda) Bericht erstatten konnte und auch in diesem, diesem und diesem Posting eines Mitreisenden vorkommt. [Daniel Fischer]

Kölner Space-Musik und der Himmel über Hawaii

Michael Wilkes ist nicht nur Kölner Sternfreund des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA), sondern auch als Yog Sothoth in der Elektronikmusik-Szene unterwegs. Er wurde im März 2012 mit dem wichtigen Schallwelle-Preis als Newcomer 2011 ausgezeichnet und gab nach zwei veröffentlichten Alben in diesem Jahr ein erstes Konzert. Und wie man hier sehen kann, passt seine Space-Musik außerdem wunderbar zu bewegten Bildern des Himmels über Hawaii. Im neuesten Zeitrafferfilm von Michael Kunze, Astro- und Naturfotograf aus Moers, wurde der nächtliche Sternhimmel ebenso wie die atemberaubende Natur der Inselgruppe wirklich beeindruckend festgehalten. Ein früheres Ergebnis beider Michaels zeigt ebenfalls großartige Aufnahmen aus Australien mit Ambient-Klängen untermalt: Wolkenschatten auf dem Ayers Rock, sich verfärbende Felsen an einer Steilküste sowie die Kreise ziehenden Magellanschen Wolken und die totale Sonnenfinsternis von November 2012. [Nico Schmidt]

Es war heute vor 30 Jahren … die erste totale SoFi dieses Bloggers

sofi1983Daniel Fischer, verarbeitet von Miloslav Druckmüller

Während einer rustikalen dreiwöchigen Camping-Tour kreuz und quer über die indonesische Hauptinsel Java, die die Sternwarte Neanderhöhe organsiert hatte (und auf die ich kurzfristig über die VdS-Fachgruppe SONNE und insbesondere den niederländischen Beobachter Bob van Slooten, auch hier im Interview, gestoßen war), bin ich heute vor genau 30 Jahren zum ersten Mal in den Kernschatten des Mondes gelangt: im Detail nachzulesen z.B. im SONNE-Heft 27 auf den Seiten 6-12. Der Schauplatz Tanjung Kodok in Lamongan an der Nordküste – heute touristisch stark erschlossen – war damals, bis auf zahlreiche faszinierend bunte Seidenspinnen in ihren riesigen Radnetzen, völlig einsam. Aber nicht an den Tagen rund um den 11. Juni 1983, als sich an diesem „Froschkap“ ein gigantisches Camp von mehreren Profi-Expeditionen wie auch zahllosen Amateurastronomen entwickelt hatte, an das noch heute in Artikeln über die Gegend etwa hier, hier oder hier erinnert wird. Selbst ein Fernsehteam des ZDF hatte sich hierher verirrt, dem unsere Gruppe großzügig Asyl gewährte.

Zahlreiche SoFi-Prominenz war in Tanjung Kodok dabei, etwa Jay Pasachoff, den ich dort kennen lernte, als ich mit einer Journalistengruppe kurzerhand in das scharf bewachte NSF-Camp geschlüpft war, das High Altitude Observatory oder Glenn Schneider (auch hier erwähnt) – oder auch der spätere Kometenentdecker Alan Hale. Obwohl es am Vortag ein Unwetter und sogar einen kleinen Tornado gegeben hatte und der Platz nun „aussah wie Woodstock am Morgen danach“, wie es später in einer trefflichen Reportage von D. Overbye in Discover hieß, war der Himmel während der SoFi weitgehend klar. Zumindest in der ersten Hälfte der 5-Minuten-Totalität war er sogar perfekt transparent, und erst kurz vor dem vierten Kontakt zog es sich zu. Mit zwei Kameras – mit fragwürdigen Teleobjektiven und natürlich noch mit Film gefüllt – machte ich reichlich Gebrauch davon, um nach der Rückkehr die Erkenntnis bestätigt zu finden, dass der Dynamikumfang einer Sonnenkorona unmöglich auf einer einzelnen (Dia-)Aufnahme einzufangen und erst recht nicht auf Foto- oder gar Zeitschriftenpapier zu bringen ist (die vergleichbare Aufnahmeserie hier macht das deutlich).

Energische Experimente folgten, mal wedelnd in der Dunkelkammer, mal die Dias an die Wand projizierend und nachzeichnend (u.a. im o.g. SONNE-Artikel zu sehen), mal mit rudimentärer elektronischer Bildverarbeitung, die aber damals nur neckische Isophoten zustande brachte (siehe SONNE 34 S. 72-73). Zu einem gebührenden Abschluss kam die 1983-er SoFi erst 23 Jahre später, als ich im Sommer 2006 nach der (u.a. Pluto entsorgenden) IAU-Hauptversammlung in Prag noch in Brno den SoFi-Bildverarbeitungs-Crack Miloslav Druckmüller besuchte, sämtliche Originaldias der Java-SoFi im Gepäck. Die scannte er ein – und oben sieht man das Ergebnis der Bemühungen, das sich gar nicht so sehr von der Profi-Aufnahme des HAO am selben Standort unterscheidet und wie diese so gedreht ist wie die Schwarze Sonne damals, vor genau 30 Jahren, am Himmel gestanden hatte. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bislang 16-mal – und bis auf 2 Fälle auch immer bei gutem Wetter – erneuert wurde: 1988 auf den Philippinen, 1990 in Finnland, 1991 in Mexiko, 1994 in Chile, 1995 in Indien, 1997 in Russland, 1998 auf Curacao, 1999 in Bulgarien, 2001 in Zambia, 2002 in Südafrika, 2005 auf dem Pazifik, 2006 in Libyen, 2008 und 2009 in China, 2010 in Argentinien und 2012 in Australien. [Daniel Fischer]