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Astronomiegeschichte beim DLR-Astroseminar 2015

Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten gilt traditionell dem DLR-Astroseminar, das dieses Jahr unter dem Titel „Wegbereiter der modernen Astrophysik“ steht. Vom 14. April bis zum 19. Mai wird sich in den sechs Vorträgen jeweils sechs sehr interessanten Persönlichkeiten der Astronomiegeschichte gewidmet. Jeder dieser Naturwissenschaftler hat unser Verständnis von der Physik der Sterne oder der Entwicklung im bzw. des Kosmos geprägt. Dazu zählen auch der Philosoph Immanuel Kant und der Priester Georges Lemaître, die für ihre damalige Zeit ebenfalls neuartige Vorstellungen über das Universum hatten. In den Fachvorträgen werden als wichtige „Wegbereiter der modernen Astrophysik“ Isaac Newton (14. April), William Herschel (21.April), Immanuel Kant (28. April), Karl Schwarzschild (05. Mai), Georges Lemaître (12. Mai) und Carl Friedrich von Weizsäcker (19. Mai) vorgestellt. Das 21. DLR-Astroseminar wird wie üblich im Casino auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz stattfinden, die Vorträge beginnen jeweils um 15:30 Uhr. Wichtige Hinweise zur Anmeldung sowie ausführliche Informationen zu den Referenten und ihren Vorträgen sind hier nachzulesen. [Nico Schmidt]

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Zu Besuch bei Philaes Freunden in Köln – einen Monat danach

Am Rande von Dreharbeiten vor dem Lander Control Center im MUSC des DLR in Köln, wo letzten Monat die Landung Philaes überwacht wurde, ein paar Impressionen (größere Bilder hier, hier und hier) des weitgehend verwaisten Kontrollraums, …

… der dortigen Glücksbringer, die immerhin teilweise „funktioniert“ haben, …

… diverser mysteriöser Kurven auf den vielen weiter aktiven Displays von heute (oben) und der Landetage (deren Skala in °C war), …

… 1:1-Modellen von Philae und dem viel kleineren Asteroidenlander MASCOT, …

… dem elektrischen Bodenmodell von Philae, mit dem Prozeduren in echt durchgespielt werden können, …

… und dem MASCOT-Logo, das bereits neben dem Philae-Kontrollraum hängt, der 2018 auch für diesen Lander zuständig sein wird:

[Daniel Fischer]

SpaceBot Cup: 10 Weltraumroboter im DLR-Wettbewerb bei Bad Honnef

Dort, wo normalerweise PS-starke Motorräder den Untergrund durchpflügen und ordentlich Staub aufwirbeln, ist heute und morgen (11. und 12. November) der Austragungsort des ersten deutschen SpaceBot Cups (PDF, Twitter-Hashtag: #SpaceBot oder #SpaceBotCup), für den sich die Supercrosshalle in Bad Honnefs Nachbargemeinde Rheinbreitbach in eine Planetenlandschaft verwandelt hat. Der Weltraumrobotik-Wettbewerb, ein in dieser Form bislang einzigartiger Wettbewerb, wird von der Abteilung Raumfahrtmanagment des DLR veranstaltet und jedes der 10 Teams wurde mit 50.000 Euro gefördert. 10 Teams aus Informatikern, Softwareentwicklern, Elektrotechnikern, Mechatronikern und sonstigen Robotik-Tüftlern – sowohl Studenten als auch wissenschaftliche Mitarbeiter – schicken ihre BAER, STEVE oder SEAR genannten innovativen Planetenerkunder in den SpaceBot Cup. Denn „die Zukunft wird robotisch sein. Den ersten Schritt in der Raumfahrt macht immer ein Roboter.“ So äußerte sich heute Vormittag Dr. Gerd Gruppe, Vorstandsmitglied des DLR-Raumfahrtmanagments, zur Eröffnung des SpaceBot Cups.

Auch Wissenschaftler der Gruppe Autonome Intelligente Systeme (AIS) der Uni Bonn nehmen mit einem sechsrädrigen Rover an dem Wettbewerb teil (siehe Video oben); hier werden alle 10 Teams einzeln vorgestellt. Und wie ihre fahrenden, laufenden oder fliegenden Hightech-Systeme den Hindernisparcours autonom erfassen werden und die gestellten Aufgaben meistern können, kann beide Tage via Live-Übertragung verfolgt werden. Das Siegerteam wird morgen gegen 17 Uhr gekürt. [Nico Schmidt]

Tolle Sonnenbeobachtung beim DLR – auch ohne Sonne

„Es ist immer wieder beeindruckend in die unzähligen begeisterten Gesichter zu blicken, die mit Neugier durch unsere offenen Türen strömen“, freute sich DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner am Sonntag, und ergänzte: „Der Tag der Luft- und Raumfahrt 2013 war ein voller Erfolg.“ Vorab wurden zwar 70.000 bis 80.000 Leute erwartet, letztlich kamen rund 30.000 Besucher trotz Wahlsonntag zum DLR nach Köln-Porz. Klein und Groß, Jung und Alt konnten von 10 bis 18 Uhr Luft- und Raumfahrt hautnah erleben und sprichwörtlich Astronauten über die Schulter schauen (Bild oben). So stellte z.b. Alexander Gerst seine sechsmonatige Mission auf der Raumstation ISS vor, die im Mai 2014 beginnen wird. Und bei all der Technik aus Luft- und Raumfahrt (z.b. sind es nur noch 14 Monate bis zur Kometenladung von Rosetta) konnte man auch schon mal ein paar fiktiven Figuren aus dem Star-Wars-Universum über den Weg laufen.

Am Standort 130 hatten wir Sternfreunde unser Lager aufgeschlagen. Organisiert von der VdS (Vereinigung der Sternfreunde) trafen sich hier zur Sonnenbeobachtung Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA), der Volkssternwarten Bonn (VSB) und Köln und der Sternfreunde Erftststadt. Insgesamt standen acht Sonnenteleskope, zwei Spektroskope und ein Sonnen-Projektorkasten bereit …

… und sogar vor dem offiziellen Beginn kam schon der erste Besuch. Heinrich Sommerkorn von den Sternfreunden Erftstadt hatte statt ein Fernrohr mehrere Schautafeln dabei, um so die großen Zusammenhänge zwischen den Sternen, der Erde und dem Leben zu erläutern. Für ihn ist allein die Betrachtung der Natur ein Wunder und allgegenwärtig.

Wie ich vorab noch geschrieben hatte sah die Wetterprognose für die Sonnenbeobachtung eigentlich ganz gut aus, aber in den acht Stunden gab es leider nur 10 Sonnenminuten. Eine kleine Wolkenlücke mit 10 Minuten Sonnenschein und Schattenfall. Ansonsten konnte sie einfach nicht die graue Wolkendecke über dem Rheinland auflösen. Einzig mein ausgeliehenes Handspektroskop und der DADOS-Spektrograf an einem Teleobjektiv konnten genug Tageslicht sammeln, um ein paar Fraunhoferlinien zu zeigen. So wurden  Kinder zu Chemikern der Sonne und sahen z.b. Natrium, Eisen und Magnesium in den bunten Regenbogenfarben, während man den Eltern etwas von Spektralanalyse in der Astrophysik, von Doppler-Effekt und Atomphysik und der Schlüsselentdeckung durch Fraunhofer vor 200 Jahren erzählen konnte.

Aber an den acht Sonnenteleskopen schlug die Stimmung nie in Trübsal um, denn auch ohne Sonnenschein kamen den ganzen Tag über sehr viele interessierte Leute vorbei. Über Teleskoptechnik, Astrofotografie und den Einstieg ins Hobby bis zu kosmologischen und selbst philosophischen Fragen wurde sich unterhalten; auch die astronomischen Vereine konnten sich so ausführlich vorstellen. Die Sonnenbeobachter in spe schwenkten stattdessen auf entfernte terrestrische Ziele, erklärten Fotos oder zeigten etwas digitale Astronomie auf dem Tablet oder Smartphone.

Selbst der 12-jährige Tobias bewies mit seinem Teleskop Ausdauer.

Auch das Handylicht wurde spektroskopiert.

Die Teleskopaktion unter geschlossener Wolkendecke hätte natürlich mit dem erhofften Sonnenscheinanteil noch viel mehr Spaß gemacht, aber dennoch war es ein schöner Veranstaltungstag. Immerhin gab es keinen Regen und dafür sehr viele nette Gespräche. Nach gut 13 ½ Stunden auf den Beinen bin ich um kurz nach 21 Uhr zu Hause angekommen, wo ich endlich die Füße hochlegen konnte und erstmal meine heisere Stimme bemerkte. Und schon jetzt gibt es die ersten Stimmen von denen, die im September 2015 wieder dabei sein wollen. Ich auch.

Während des Abbaus hatten wir übrigens noch eine unheimliche Begegnung der dritten Art, wobei die Interpretation von Higgs-Teilchen bis zu mutiertem Marienkäfer reichte. [Nico Schmidt. NACHTRAG: Ein Bericht von der Volkssternwarte Bonn (VSB) und unser Teleskoppark von oben]

Sonnenbeobachtung beim DLR-Raumfahrttag am Wahlsonntag

„Liebe Sonnenbeobachter, jetzt steht es fest: Die Sonnenbeobachtung am Tag der Luft- und Raumfahrt wird stattfinden!“ Das war der Satz auf den die Hobbyastronomen der Region, die sich erneut für den Tag der offenen Tür des DLR am 22. September organisiert haben, gewartet haben. Bis gestern wurden die Wetterprognosen im Auge behalten und dann folgte die erhoffte Meldung. Derzeit sieht es nach einem guten Sonne-Wolken-Mix für den Wahlsonntag aus und auch wenn es kein optimales Sonnenscheinwetter gibt, freuen sich der Köln-Bonner-Astrotreff (KBA), die Volkssternwarte Bonn (VSB) und andere Sternfreunde auf interessante Gespräche – immerhin wird es diesmal keinen Regen geben. Wie schon vor 2 Jahren werden die Teleskope bei der Nummer 130 auf dem Geländeplan aufgebaut; genau zwischen dem nagelneuen medizinischen Forschungslabor envihab (10) und dem Europäischen Astronauten-Trainingszentrum EAC (12). Also: Morgen nach der Qual der Wahl einfach bei den Hobbyastronomen auf dem DLR-Gelände in die Röhre gucken und die Sonne beobachten. Der Tag der Luft- und Raumfahrt geht von 10 bis 18 Uhr. [Nico Schmidt]

2013: Ein Jahr für die Luft- und Raumfahrt in Köln

Die „Kölner Wissenschaftsrunde“, ein Zusammenschluss von DLR sowie Kölner Universität und Hochschulen, hat das Jahr 2013 zu einem Themenjahr für die Luft- und Raumfahrt ernannt. Das bisher veröffentlichte Programm könnte vielseitiger nicht sein. Neben öffentlichen Vorträgen (zu Themen der Luftfahrt, Weltraumforschung und Astronomie) und Fachveranstaltungen finden u.a. auch ein „Monat der Schulastronomie“, eine Science-Fiction-Literaturnacht und ein Elektronik-Musik-Konzert statt. Außerdem nehmen das Literaturfestival lit.Cologne und die KölnerKinderUni das Raumfahrt-Themenjahr in ihr Programm auf und zusätzlich wird am 22. September der DLR-Standort in Köln-Porz erneut einen Tag der offenen Tür veranstalten. Wie schon 2011, als dort die Flugzeug-Sternwarte SOFIA gastierte (siehe Foto) und das DLR rund 85.000 Besucher zählte, werden sicher auch diesmal wieder wir Bonner Sternfreunde mit unseren Teleskopen bei hoffentlich sonnigem Wetter dabei sein.

Alle Veranstaltungen – auch wenn noch nicht alle Termine feststehen –  im Überblick gibt’s auf der Homepage des Wissenschaftsportals. [Nico Schmidt]

Ein Astronomie-Professor wie ein US-TV-Comedian

Jedes Frühjahr läd das DLR in Porz-Wahn zu einem öffentlichen „Astroseminar“ auf den Campus, das diesmal unter dem Motto „Himmel und Erde“ stand – und den letzten Vortrag 2012 lieferte gestern Artie Hatzes ab, Direktor der Thüringer Landessternwarte Tautenburg und eigentlich ein Grieche aus Texas. Entsprechend originell fiel auch sein Vortrag aus, sprachlich wie von der Gestik her, die zuweilen an amerikanische TV-Comedians erinnerte. Neben einem Abriss über die Exoplaneten-Forschung hatte Hatzes auch manche Kuriosa zu bieten, so ein Exo-Australien, das er auf einer künstlerischen Darstellung des Planeten CoRoT-7b entdeckt hatte – oder die Bewohner von Planeten anderer Galaxien. Denn Hatzes neigt bei aller Entdeckungsflut eher der Sichtweise zu, dass Planetensysteme wie das unsrige ziemliche Raritäten sind, mit vielleicht nur einem einzigen von Intelligenz bewohnten Planeten pro Galaxie. Und auf die Frage, wie er eigentlich zur Astronomie gekommen sei, holte Hatzes richtig weit aus: Das weiß er nämlich noch ganz genau, 1969 war’s. Damals musste er sich schon im Juni etwas zu Weihnachten wünschen, weil die arme Einwandererfamilie ein halbes Jahr drauf sparen musste, und eigentlich wollte der kleine Rocker unbedingt ein Schlagzeug. Aber die (durch das gerade laufende Apollo-Programm motivierte) Alternative Teleskop schien ihm realistischer – und genau so eins fand er dann unter’m Weihnachtsbaum. Noch heute steht es in Tautenburg in seinem Büro … [Daniel Fischer]

Wenn einer vom DLR nur (über) Müll erzählt … :-)

Einen guten Überblick über die Problematik des Weltraummülls – aber kaum konkrete Ausblicke auf baldige Lösungen – gab heute im Deutschen Museum Bonn Manuel Metz vom DLR-Raumfahrtmanagement in Oberkassel; einige seiner Visuals stammten wohl aus dieser NASA-Galerie (hier in größer), viele Grafiken (wie die modifizierte obige) aus den Orbital Debris Quarterly News oder von den Braunschweiger Müll-Forschern. Deren bekannte – und alle paar Jahre mal wieder durch die Presse geisternde – Modellrechnung, nach der sich die Zahl der Schrott-Teilchen im LEO immer schneller vermehren werde, selbst wenn man heute gar keine neuen Satelliten mehr startete, präzisierte er später: Dieser Punkt sei erst in 50 bis 100 Jahren erreicht. Aber handeln sollte man schon jetzt, wobei dem gezielten Abfischen bestimmter größerer inaktiver Satelliten – mit Satelliten wie DEOS, der das Prinzip demonstrieren soll – eine Schlüsselrolle zu käme.

Denn das Entfernen dieser Ziele für künftige gravierende Kollisionsereignisse sei viel wertvoller, um dem Braunschweiger Runaway entgegen zu wirken, als Kleinkram per Laser zu bremsen (was andere DLR-Forscher für eine coole, nee, heiße Idee halten). International bindende Vorschriften zur Vermeidung unnötigen Raumschrotts (etwa indem Tanks geleert, Satelliten in Friedhofsorbits verschoben oder bestimmte splitterfreudige Werkstoffe vermieden werden) gibt es nicht, nur Willenserklärungen einzelner Weltraumagenturen: So besteht das DLR, wenn es bei der Industrie Satelliten bestellt, auf der Einhaltung entsprechender Empfehlungen. In Frankreich, so Metz, sei man schon weiter mit einem Weltraum-Gesetz, das die Lizensierung jedweder Orbit-Aktivität erzwingt. Aber in Deutschland sei dergleichen inzwischen auch in Vorbereitung. [Daniel Fischer]