Archiv für den Monat September 2014

Zum 125. auf der Sternwarte von Bamberg

So sieht es heute auf der Dr. Karl Remeis-Sternwarte in Bamberg aus, der einzigen in Deutschland, die komplett durch eine Stiftung – den Nachlass eben jedes Remeis – zustande kam. Und vor 125 Jahren, im Oktober 1889, eröffnet wurde: ein Anlass, die Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft in der Stadt und das Kolloquium des AK Astronomiegeschichte in der AG auf der Sternwarte selbst abzuhalten. Deren beide Kuppeln heute – zum Missfallen manches Astro-Historikers – ganz moderne Teleskope enthalten, die für Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden: Mit letzterem Einsatz wird ebenfalls dem letzten Willen von Remeis entsprochen.

Geschichte gibt es vor Ort aber noch reichlich, v.a. in dem langen Gang, der die eigentliche Sternwarte mit dem Verwaltungsgebäude verbindet – eine Auswahl der Highlights:

Ein Coelostat der Münchner Firma Linhoff mit bewegter Vergangenheit: 1874 nahm er an einer Venustransit-Expedition zu den Aucklandinseln teil, dann kaufte ihn 1899 die Remeis-Sternwarte und setzte ihn bis 1950 für einen 100-mm-Heliographen ein, mit dem 1350 Sonnenaufnahmen zur Untersuchung der Flecken entstanden.

Ein Schröder-Refraktor – den Remeis selbst 1882 nach dem Konkurs der Firma günstig erworben hatte: Objektivdurchmesser 264 mm, Brennweite 3870 mm.

Eine Original-Schmidt-Kamera, die Bernhard Schmidt in Hamburg um 1930 baute; der Durchmesser der Korrektorplatte beträgt 120 mm.

Eine lichtstarke Weitwinkel-Kamera mit einem Ernostar-Objektiv (135 mm Öffnung, 240 mm Brennweite): Laut Beschriftung war es genau diese Kamera, mit der als Hauptinstrument von 1926 bis 1962 in Bamberg selbst insgesamt 6400 Fotoplatten aufgenommen wurden. Auf dem Kolloquium wurde aber vom Abtransport des Originals nach dem 2. WK in die Ukraine berichtet, wo es sich heute noch befände: Das stehe eindeutig in einem sowjetischen Dokument. Huh?

Eine Dreifach-Weitwinkelkamera, die 1963-1974 am Boyden Observatory in Südafrika für die Himmelsüberwachung eingesetzt wurde und 16 x 16 cm große Platten belichtete. Öffnung jeweils 100 mm, Brennweiten 610 mm; insgesamt wurden 22 solcher Bausch-and-Lomb-Optiken in Südafrika, Argentinien und Neuseeland verwendet.

Die wahren Schätze der Remeis-Sternwarte befinden sich in diesem Nebengebäude, das es schon vor dem Bau der Sternwarte gab (und in dem ein Astro-Fan gehaust haben musste, denn alte Fotos zeigen mehrere Refraktoren auf den Balkonen): insgesamt 40’000 Fotoplatten von der Bamberger wie den südlichen Sternwarten, die derzeit gerade digitalisiert werden. Besonders wertvoll ist die Sammlung, weil – im Gegensatz zu vielen anderen – zahlreiche Metadaten der Aufnahmen auf Karteikarten und in Kladden erhalten sind:

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24./25.10.: Fachtagung zur Lichtverschmutzung im Sternenpark Eifel

„Uns, die wir in hellerleuchteten Städten leben und, wenn wir reisen, im Expreßzug sicher unsere Schienenstraße zwischen Telegraphendrähten entlanglaufen, kommt das Sternenband der Milchstraße nur selten zu Gesicht. Wir müssen es suchen, um es zu finden. Uns Kindern der Kultur ist zwischen Bogenlampe und Laternenpfahl der Glanz der Sterne entschwunden, und der Silbergürtel der Milchstraße gehört nicht zu den Schönheiten unserer täglichen Betrachtung. […] Was sind uns die Sterne?“ Das ist nicht etwa ein Satz aus 2014, er stammt aus Fritz Kahns “Die Milchstraße” von 1914. In den Städten war die Milchstraße schon vor 100 Jahren durch die Lichtverschmutzung verschwunden und sie wächst immer noch weiter, selbst vor ländlichen Regionen macht das zunehmende künstliche Lichtermeer nicht mehr Halt. Selbst in der Eifel muss man mittlerweile den wirklichen dunklen Himmel suchen. Erleben kann man die ganze Schönheit der Nacht beispielsweise noch im Nationalpark Eifel, der vor einem halben Jahr zum „Sternenpark Eifel“ erklärt wurde. Allein mit einem Titel ist es jedoch noch nicht getan, denn der Nachthimmel muss in dieser Region dauerhaft geschützt werden.

Für diesen Schutz setzt sich seit Jahren der Kölner Hobbyastronom Harald Bardenhagen ein, der zusammen mit der Natur- und Umwultschutzakademie NRW (NUA NRW) am 24. und 25. Oktober zu einer Lichtverschmutzungs-Fachtagung in den „Sternenpark Eifel“ einlädt. Zur Veranstaltung heißt es: „Mitten im noch jungen „Sternenpark Nationalpark Eifel“ thematisiert die zweitägige Veranstaltung die durch künstliches Licht hervorgerufenen Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und uns Menschen. Sie stellt Potenziale, „Best Practice“ und Forschungsdesiderate für ein nachhaltiges Lichtmanagement zur Diskussion und gibt konkrete Handlungsempfehlungen. Außerdem wird der Entwicklungsprozess zu einem grenzübergreifenden „Sternenreservat“ in der Nationalparkregion Eifel vorgestellt. Dieses Vorhaben wird zusammen mit den umliegenden Gemeinden und Kommunen durchgeführt. Im Anschluss werden mehrere Best-Practice-Beispiele für ein nachhaltiges Lichtmanagement und für Positiveffekte im Bereich Natur- und Artenschutz, Klimaschutz und in der Gesundheitsvorsorge vorgestellt und diskutiert.“ Die Tagung „Künstliches Licht in der Nacht“ wird also die gesamte Bandbreite der Problematik Lichtverschmutzung behandeln.

Der Veranstaltungsort am 24. Oktober ist das Kulturkino im Besucherzentrum des Forum Vogelsang, am 25. Oktober ist es ein Tagungsraum im Gemünder Park Restaurant. Zum zweitägigen Programm informiert ausführlich die Seite 2 dieses Flyers. Beim Veranstalter Natur- und Umwultschutzakademie NRW (NUA NRW) kann man sich hier oder unter der E-Mail poststelle@nua.nrw.de anmelden, der Anmeldeschluss ist der 09. Oktober. [Nico Schmidt]

Öffentliche Beobachtungen zur großen Ausstellung „Outer Space – Faszination Weltraum“

Hobbyastronomen auf dem Museumsdach; Paul Hombach

Bereits 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie (IYA) stiegen Bonner Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) der Bundeskunsthalle auf’s Dach und boten an einem wolkenlosen Frühlingsabend für etwa 100 Leute eine öffentliche Himmelsbeobachtung an. Das wollte ich sehr gerne im Rahmen der großen Weltraum-Ausstellung „Outer Space“ wiederholen und setzte mich mit dem Museum in Verbindung und vor zwei Wochen erhielt ich schließlich die erhoffte positive Rückmeldung. Somit können diesmal auf dem Museumsplatz quasi direkt neben dem aufgebauten Ariane-5-Raketenmodell drei öffentliche Beobachtungen stattfinden. Direkt am Eröffnungstag (03. Oktober) wird es von 11 bis 14 Uhr eine Sonnenbeobachtung geben und für ein Halloween-Familiennachmittag (31. Oktober) bzw. vor einem Space-Konzert mit dem WDR-Funkhausorchester (29. November) soll jeweils zwischen 18 und 20 Uhr eine Mondbeobachtung stattfinden; der Teleskopaufbau beginnt eine halbe Stunde vorher. Natürlich finden diese Beobachtungstermine nur bei entsprechend klarem Himmel statt und da bleibt mir nur zu sagen: Clear Skies! [Nico Schmidt]

Ausstellung „Outer Space – Faszination Weltraum“ beginnt nächste Woche

Zwischen den beiden Fotos liegen drei Wochen und dokumentieren die zumindest äußerlich sichtbaren Vorbereitungen zu der bereits am 03. Oktober beginnenden Bonner Weltraum-Ausstellung „Outer Space“ in der Bundeskunsthalle. Am 29. August (die Ankunft in Bonn war bereits am Vorabend) konnte man durch die Containertüren schon einen ersten kleinen Blick auf die Mercury-Kapsel Liberty Bell 7 werfen, die für mich durch ihre sehr interessante bzw. „versunkene“ Geschichte und die nicht weniger interessante wie tragische Geschichte ihres Piloten und Astronauten Gus Grissom eines der Highlights der Ausstellung darstellt. In die Ausstellungsräume wurde das aus Kansas eingeschiffte (eine Videobotschaft dazu) Raumschiff erst am 08. September gebracht, wo es jetzt auf die zahlreichen Besucher wartet.

Tanja von Stegmann

Und nachdem E.T. angekommen ist, die ISS durch die Lobby fliegt, ein 6 Meter langes Sci-Fi-Raumschiff zusammengebaut wurde und viele andere Weltraum-Exponante in Bonn eingetroffen sind, ist der Schatten, den die Ausstellung voraus wirft, am vergangenen Donnerstag noch um einiges länger geworden – angesichts einer auf dem Museumsplatz aufgebauten 12 Meter hohen Ariane-5-Rakete. Das ist zwar nur ein Modell im Maßstab 1:5, aber auf jeden Fall aktuell der Blickfang des Weltraumbahnhofs Bonn. Quasi direkt daneben werden auch die drei von mir organisierten öffentlichen Beobachtungen stattfinden. Dazu, was den Besucher von „Outer Space – Faszination Weltraum“ ab nächster Woche erwartet, haben die beiden Kuratoren vorab schon bei einem Pressetermin etwas verraten und ab dem 03. Oktober bis zum 22. Februar kann sich jeder kleine und große Weltraum-Fan endlich selbst ein Bild davon machen. [Nico Schmidt]

Ein Stern wird kommen – und untergehen … save the date: 21. Oktober, Köln!

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Weihnachten ist dieses Jahr schon am 21. Oktober – denn am Abend dieses Dienstags wird der amerikanische Physiker und Spezialist für Wissenschaftsgeschichte Aaron Adair bei den Skeptics in the Pub Köln in einem Restaurant in Köln-Ehrenfeld die Geschichte des angeblichen Sterns von Bethlehem auseinander nehmen: „The Cosmic Christmas: History, Science, UFOs, and the Star of Bethlehem“ heißt sein Vortrag in englischer Sprache, und der Eintritt ist frei. (Um eine Spende zur Deckung der Unkosten und reichlich Verzehr wird natürlich gebeten.) Durch einen fundamentalen Fachartikel – leider hinter einer Paywall verborgen [NACHTRAG: aber hier frei zu lesen] – und ein darauf folgendes populärwissenschaftliches Buch empfiehlt sich Adair als vielleicht der Kenner der Problematik des SvB-Komplexes (oder wie die Amerikaner zweideutig sagen: dieses SoB) in der Gegenwart. Und seine Teilnahme an einer Tagung zum Thema in Groningen ist auch der Grund für Adairs Europa-Reise, in deren Rahmen er zuvor auch in unsere Gegend kommt (oben ein Bild von der vorangegangen Veranstaltung der Reihe): Dieser Blogger freut sich, dies vermittelt haben zu können und hofft nun auf rege Teilnahme. [Daniel Fischer]