Archiv der Kategorie: Veranstaltungsbericht

Eine Sonnenfinsternis … zum Anfassen!

Die Sonne ist 400-mal so weit weg wie der Mond, der 1/400 ihrer Größe hat, und deswegen bedeckt er sie für jemand auf der Erde genau – fertig ist die totale Sonnenfinsternis. Das sagt sich leicht und stimmt auch ganz gut – aber das Ganze im Druck oder auf dem Bildschirm maßstabsgerecht darzustellen, ist nicht leicht, und da werden die relativen Zahlen gerne mal krass verändert, um es passend zu machen. Dass es auch ganz anders geht mit der SoFi-Didaktik hat im Februar auf dem Segundo Workshop de Difusión y Enseñanza de la Astronomía im südargentinischen Esquel im Vorfeld der ringförmigen Sonnenfinsternis in Patagonien der Physiker Ricardo A. Bernatene von der argentischen Universidad Tecnológica Nacional demonstriert: mit einem maßstabsgerechten Modell des Erde-Mond-Systems, das das Phänomen SoFi auf mehrfache Weise demonstrieren kann (und Mondfinsternisse und Mondphasen überdies):

Der Mond ist hier 1 cm groß, die Erde entsprechend 3.7 cm – und 111 cm von der Erde entfernt. Peilt man über diese hinweg den „Mond“ an, hat er genau das halbe Grad Winkeldurchmesser wie der echte. Und wenn man ihn vor die Sonne schiebt (natürlich mit SoFi-Brille auf der Nase), dann kommt es tatsächlich zu einer präzisen partiellen oder totalen Sonnenbedeckung, eine zunächst durchaus verblüffende Erfahrung:

Alternativ kann die Konstruktion aber auch den Schatten des „Mondes“ auf die „Erde“ fallen lassen: Das ist dann zwar streng genommen nicht mehr maßstabsgerecht, weil die Sonne eigentlich nur 430 m weit entfernt sein müsste, aber ihr Licht ist so oder so praktisch parallel – und ihr Winkeldurchmesser stimmt ja. Und so erscheinen auf der „Erde“ ein realistischer Halb- und Kernschatten:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: Bernatenes komplettes Poster auf der Tagung – und einer von mehreren Nachbauten, die dieser Artikel inspiriert hat!]

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Das Ende der Dinos in der zeitgenössischen Presse …

… (Anklicken liefert die ‚Zeitungen‘ größer; die Sidebars sind auch nett) in der Ausstellung „MeerErleben“, die speziell für Einkaufszentren konzipiert wurde, dort seit 2009 schon 7 bis 8 Millionen Besucher gehabt haben soll und nun bis voraussichtlich April 2017 im Deutschen Museum in Bonn zu sehen ist:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: noch zwei weitere „Zeitungen“ hier und hier]

Was ich beim Merkurdurchgang 2016 gelernt habe

Neues über den Merkur an sich, die Dimensionen des Sonnensystems oder sonst etwas Astrophysikalisches gehörte nicht zu den Lektionen, die aus einem neunstündigen Live-Event im & am Planetarium Bochum zum gestrigen Merkurtransit – über das auch ‚live‘ hier berichtet worden war – gezogen werden können. Aber eine Menge über praktische Astronomie, die Durchführung öffentlicher Beobachtungen und minimal notwendige Methoden, wenn es um „Kleinkram“ auf der Sonne geht, den weder SoFi-Brillen noch Projektion per Lochkamera zeigen können, die nur die Sonnenfinsternisse, Venus-Transite und große Flecken geeignet sind.

  • Um größere Besuchergruppen gleichzeitig „unterhalten“ zu können, ist Sonnenprojektion das ideale Beobachtungsverfahren (Bilder 1, 2 und 5): Alle haben einen mehr oder weniger guten Blick auf das große Bild, an dem auch direkt etwas gezeigt werden kann. Zum Beispiel beim ‚Zelebrieren‘ des Merkur-Eintritts.

  • Um dabei Sicherheitsrisiken durch versehentlich dem projizierenden Okular zu nahe kommende Besucher-Kleidung, -Finger oder gar -Augen zu verhindern, kann über das Okular eine Pappröhre gestülpt werden (Bilder 2 und 5), die die Projektion nicht be- aber jede Annäherung an die ‚Augenlinse‘ verhindert.

  • Projizierte Sonnenbilder eignen sich auch für das Ablichten mit Kameras aller Art, wovon die Besucher in Bochum regen Gebrauch machten (Bild 2). Allerdings versagt oft der Autofokus: Da hilft es, entweder mit dem Finger auf das Motiv zu zeigen (Bild 4) oder auf den Rand des Projektionsschirms scharf stellen zu lassen und dann zum Objekt zu schwenken.

  • Als ebenfalls sehr gut für öffentliche Beobachtungen des Transits geeignet erwies sich ein PST (Bilder 5 und 6) – aber nicht in der H-Alpha-Linie, sondern so weit daneben, dass alle Chromosphärenstruktur verschwindet und nur (knallrot und deutlich heller) die Photosphäre zu sehen ist: Gegen sie zeichnete sich der Merkur brilliant ab. Auch bei sehr tief stehender Sonne (Bild 6): Die Rötung und Dämpfung der Sonne durch die zunehmende Extinktion, die irgenwann zu einem Verschwinden des projizierten Bildes führt, schlägt kaum zu.

  • Ideal war die Verwendung eines Zoom-Okulars für das PST: Je nach Bildhelligkeit und – durch schwankende Bewölkung modulierten – Kontrast konnte die Bildgröße optimal angepasst werden. Wobei der Merkur dann immer in einem bestimmten ’sweet spot‘ am deutlichsten zu sehen war. Auch in nur noch ca. 4 Grad Sonnenhöhe (Bild 6) war der Anblick famos – trotz nur 40 mm Öffnung und hoher Vergrößerung!

  • Auch für das PST sind Smartphones (und Kompaktkameras mit kleinen Objektiven) als ‚Photonen-Schnorrer‘ geeignet, im Gegensatz ’normalen‘ Kameras: In direkter Tuchfühlung mit der Augenmuschel erfassen die Mini-Optiken einen größeren Teil des Gesichtsfeld, und ein paar Besuchern gelang so tatsächlich die Abbildung Merkurs.

  • Ein preiswertes Fernglas genügt ohne Weiteres, um den Merkur klar sichtbar zu machen: entweder in Projektion, wie bereits im Vorfeld Experimente mit einem Sonnenfleck nahegelegt hatten – das ging sogar freihändig. Oder man montierte – sicher und ohne Licht-Lecks natürlich! – eine Polymer-SoFi-Brille vor ein Objektiv (und klebte das andere zu): Das gab bei einem 10×50 ein gestochen scharfes Bild mit sehr auffälligem Merkur.

  • Besagte SoFi-Brille war auch für die Fotografie der halbwegs hoch stehenden Sonne mit einer simplen Kamera – hier einer alten Lumix FZ-48 – gut geeignet (Bild 3), wobei sich der knackscharfe Merkur besser als mancher Sonnenfleck ähnlicher Dimension durchsetzte. Seltsamerweise funktionierte eine Black-Polymer-Brille (der helleren, alten Art) diesmal besser als eine Aluminized-Mylar-Brille, sonst ist es oft umgekehrt. Bei nur noch wenige Grad hoch stehender Sonne waren allerdings alle SoFi-Brillen zu duster für gute Bilder: Dann lieferte „fotografische“ Sonnenfolie die besten Resultate (Bild 7).

  • Auch eine frappierende Erkenntnis über die Erdatmosphäre lieferte der Merkurtransit 2016: Beim Eintritt war in großer Sonnenhöhe das Seeing ziemlich schlecht gewesen (wozu auch die notwendige Beobachtung über Teile des Planetariumsgebäudes hinweg beigetragen haben mag) – aber am Spätnachmittag war die Luftruhe bei nur halb so hoher Sonne dramatisch besser. Der Merkur war jetzt ein scharfes rundes Scheibchen und der Sonnenrand glatt(Bild 4), und viele ’neue‘ Flecken wurden sichtbar. Also: Die Sonnenhöhe ist für ein überzeugendes Bild viel weniger wichtig als andere Faktoren.

All diese technischen ‚Errungenschaften‘ verblassten aber vor der Begeisterung vieler der Besucher, die mitunter im Laufe des Tages mehrfach wieder kamen und in einigen Fällen auch eine der beiden anderen öffentlichen Beobachtungen in Bochum aufgesucht hatten: Die „Bedeutung“ des Ereignisses, das weniger durch seine visuelle Dramatik als seine große Seltenheit auffällt, wurde regelrecht aufgesogen. Auch die kosmischen Dimensionen, die in dem Live-Transit-Bild stecken, wurden goutiert Der heutzutage wichtige ‚Event-Charakter‘ stellte sich bei den meisten ganz von selbst ein – und mit am häufigsten wurde gefragt, wann’s denn das nächste Mal was zu sehen gäbe … [Daniel Fischer]

„Argelanders Erben“ im Universitätsmuseum Bonn

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Noch bis zum 31. Juli zeigt die Ausstellung „Argelanders Erben“ im Uni-Museum einen Querschnitt durch 200 Jahre Astronomie an der Bonner Universität – angefangen mit dem Original des ersten Bonner Uni-Fernrohrs überhaupt, einem 83-mm-Dollond, mit dem von Münchow am 5. Mai 1832 einen Merkur-Durchgang beobachtete. (Dahinter eine Mondaufnahme eines seiner Nachfolger, worüber auch dieses und speziell dieses Video berichten.)

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Argelanders 77-mm-Kometensucher von der Bonner Durchmusterung darf ebenso wenig fehlen wie die Beobachtungsbücher von Julius Schmidt, eine kaum bekannte Kostbarkeit, …

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… das Okularmikrometer des letzten Bonner Meridian-Kreises oder das Objektivprisma des Bonner Spektralatlasses. Beschlossen wird die kleine aber feine Ausstellung – mehr Bilder und auch Videos von der Eröffnung heute – von zwei geodätischen Instrumenten, mit denen die Bonner Astronomen des 19. Jh. auch zu arbeiten hatten, wie anlässlich einer früheren Ausstellung hier beschrieben wurde („Links eine weitere Leihgabe aus Bonn …“):

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[Daniel Fischer] NACHTRAG – der Beitrag des Universitäts-Fernsehens:

Kampf um das Deutsche Museum in Bonn

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So sah sie aus und hörte sie sich an, die Demonstration vor dem Großen Ratssaal in Bonn heute gegen die geplante Schließung des Deutschen Museums vor einer Sitzung des Ausschusses für u.a. Wissenschaft, wo die Debatte über die unglückliche Lage eine Stunde dauerte:

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[Daniel Fischer. NACHTRAG: noch mehr Bilder und Videoclips!]

WISSENschaf(f)t SPASS im Deutschen Museum Bonn

Am 3. November gab es im Deutschen Museum Bonn einen doppelten Grund zum Feiern: Zum einen beging das beliebte Bonner Museum sein 20-jähriges Bestehen. Zweites fand die Gründungsparty des Fördervereins WISSENschaftSPASS statt. Moderiert von Ranga Yogeshwar wurde den Gästen aus Wirtschaft, Forschung und Politik ein unterhaltsamer Überblick zu den zahlreichen Aktivitäten des Museums gegeben, phantasievoll umrahmt von Experimenten, Musik und Wissenschaftstheater, dargeboten von Schülerinnen und Schülern einer Bonner Gesamtschule. Der Förderverein ist eine Initiative von Unternehmern aus der Region, die damit gesellschaftliches Engagement zeigen und gleichzeitig in die naturwissenschaftliche Ausbildung junger Menschen in der Region investieren. Mehr als 400 Veranstaltungen pro Jahr, ein Vortrags- und Ausstellungsportfolio, um das man Bonn getrost bundesweit beneiden darf so wie gut 80000 Besucher pro Jahr (das sind umgerechnet auf die Ausstellungsfläche fünfmal mehr als im Haupthaus des Museums in München!) – mit Hilfe des Fördervereins sollte es gelingen, diesen zentralen Baustein der Bonner Bildungs- und Wissenschaftslandschaft langfristig zu erhalten. Übrigens: Die nächste Gelegenheit zu einem Vortrag im Museum bietet sich am Dienstag, den 10. November, wenn das „Portable Planetarium“ wieder auf dem Programm steht, bei klarem Wetter inklusive einer Live-Himmelsbeobachtungen mit Sternfreunden der Volkssternwarte Bonn und dem Köln-Bonner Astrotreff. PH

K. Kinkel, A. Niehaus, W. Heckl, R. Yogeshwar, S. Wimmers und das NaCl-Theater

Bürgermeisterin A. M. Kappel, Ex-Außenminister K. Kinkel, Museumsleiterin A. Niehaus, Generaldirektor W. Heckl, Moderator R. Yogeshwar, W. Grießl von der IHK Bonn/Rhein-Sieg (v.r.n.l.) und das NaCl-Theater

 

Der Schirmherr des Fördervereins, Ranga Yogeshwar und der Generaldirektor des Deutschen Museums Wolfgang M. Heckl

Der Schirmherr des Fördervereins, Ranga Yogeshwar und der Generaldirektor des Deutschen Museums Wolfgang M. Heckl

 

 

Oktober Ausgabe der Sternstunde mit Mondfinsternis!

Die Oktober-Sternstunde ist soeben erschienen. Sie entstand während der totalen Mondfinsternis am 28. September. Gedreht wurde im und am Argelander Institut für Astronomie in Bonn Endenich. Neben der MoFi geht es um neue Bilddaten der Pluto-Sonde New Horizons und um Gravitationslinsen. Viel Spaß beim Gucken! PH

Das war die Bonner Mondfinsternis 2015!

Perfektes Wetter heute früh für die letzte komplett total an dunklem Himmel über Bonn sichtbare Mondfinsternis bis 2029: eine erste Auswahl von Aufnahmen der vielen Phasen des grandiosen Spektakels mit einer alten Bridge-Kamera, 14-mal vom AIfA in Bonn-Endenich bei einer öffentlichen Beobachtung und zum Schluß freihändig vom Bonner Bahnhof aus. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: eine längere Bilderstrecke mit 49 Zeitschritten und weitere Bilder sowie ein dynamischer Zeitraffer ebenfalls vom AIfA aus]

In die Steinzeit … auf dem Venusberg

Man weiß nicht, was sie über die Welt dachten und ob sie alle gleich waren oder einem Häuptling folgten – und auch nicht, was sie (oder ihn) bewogen hat, genau hier vor knapp 6000 Jahren einen beachtlichen Wall mit Graben anzulegen, der einen Geländesporn auf dem Venusberg in Bonn auf der flachen Seite vom Rest der Welt abtrennte. Dieser Abschnittswall – 1.80 Meter sind’s heute vom tiefsten Grabenteil bis zur Wallkrone, damals waren es 2.90 Meter – tritt auf dem Radarbild aus der Luft (dem farblich Höheninformation überlagert ist) sehr deutlich hervor: dort, wo die weiße Linie unterbrochen ist, die die natürliche Abgrenzung des Sporns nachzieht. Vor Ort fällt der Wall in einem Waldstück mehr oder weniger auf – und seit dem 20. Juli ist er zum zweiten Mal nach den 1980-er Jahren Gegenstand einer archäologischen Ausgrabung, die heute im Rahmen eines gut besuchten Pressetermins besucht werden konnte.

Die Ausgrabungsleiter Silviane Scharl und Erich Claßen im Schnitt durch den von neuerem Erdreich auf der rechten Seite teilweise verschnütteten Wall, dessen Profil durch eine etwas dunklere und rötlichere Färbung des Erdreichs auffällt. Anhand von Holzkohlenstückchen konnte per C14-Methode der frühere Befund bestätigt werden, dass der Wall der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur zuzuordnen ist, allerdings gibt es keine Hinweise auf mehrere Bauphasen mehr: Oben wie unten ist er aus dem Zeitraum 3960 bis 3795 v.u.Z. Vage Hinweise gibt es auf einen Palisadenzaun oben drauf, weiter nicht die geringsten jedoch auf den Sinn der gezielten Isolation des Geländesporns mit 15 bis 20 Hektar Fläche: Schutz einer Siedlung darauf, von Viehbeständen, eines Handels- oder Ritual-Platzes? Auch Hinweise auf einen Eingang fehlen, allerdings sind die westlichen Teile des ca. 140 m langen Walls durch moderne Bauten zerstört. Trotzdem ist er unter den steinzeitlichen Erdwerken des Rheinlandes ein Unikat, denn überall sonst hat die Landwirtschaft Wälle aus dieser Zeit komplett eingeebnet. Und für Bonn ist er das älteste Zeugnis fester Besiedlung.

Etwas mehr Licht ins Dunkel der Michelsberger Kultur könnte der zweite Teil der insgesamt 30 Meter langen Grabung senkrecht zum Wall bringen, die den Graben davor untersucht, doch leider haben sich – wie auch bei der alten Grabung – bislang nicht die kleinsten Artefakte finden lassen, wie sie sich gerne mal in solchen Gräben ansammeln. Während gerade im Rheinischen Landesmuseum eine große Ausstellung zur Jungsteinzeit begonnen hat, kann die Ausgrabung am Samstag, dem 12. September, zwischen 10 und 13 Uhr auch von der Öffentlichkeit besichtigt werden (mit Führungen um 10, 11 und 12 Uhr; Anmeldung im LVR-Amt für Bodendenkmlpflege im Rheinland unter 0228/98341743 oder bei sabine.hermesdorff@lvr.de): Sie liegt direkt an der Einmündung des Bodelschwinghwegs in die Robert-Koch-Straße, nahe der Bushaltestelle Casselsruhe. Dies wird auch schon die letzte Chance sein, denn nach Abschluss der Grabungen Ende des Monats wird alles wieder zugeschüttet! Noch aber arbeitet man sich im Graben-Bereich in 10-cm-Schritten vor – abwechselnd wird dokumentiert und vermessen und dann weiter gegraben, rund 50 cm bis zum Grabengrund liegen noch vor dem Team:

[Daniel Fischer]

Volks-Astronomie mal ganz anders: das Astronomy Café von Rhodos

Annäherung an eine populärastronomische Einrichtung, die es auf der ganzen Welt so kein zweites Mal geben dürfte: das Astronomy Café des griechisch-österreichischen Gastro- und (Amateur-)astronomen Stergos Manolakas auf der griechischen Ägäisinsel Rhodos, südlich von Faliraki auf einer felsigen Anhöhe an der Steilküste mit perfekter Sicht zum Horizont (unten) gelegen. Dieser Blogger genoss diesen Monat das Privileg, den hochprofessionellen Betrieb fast zwei Wochen lang gewissermaßen ‚eingebettet‘ verfolgen zu können.

Das relativ isolierte Grundstück mit Sternwarte, Astro-Garten und Gastronomie ist leicht zu finden, wenn man konsequent den vielen in Faliraki verstreuten Hinweistafeln folgt – auch von manch anderem Berg in Nordost-Rhodos sind die Bauten gut zu sehen, hier vom Hügel mit dem Ex-Kloster Profitis Ammós (Mitte) etwas westlich der Anlage.

So wird der Besucher begrüßt, wenn er das letzte steile Straßenstück und eine kurze Schotterpiste passiert hat (das Loch rechts gehört zu einer langen Visierlinie zum Sonnenuntergang am 21. Juni) – und auch von vielen Stellen der nahen Anthony-Quinn-Bucht aus sind die beiden größten astronomischen Bauten gut zu sehen.

Sie stehen in einem didaktischen astronomischen Garten, der in diesem Blog schon vor drei Jahren vorgestellt wurde: Betreten kann ihn – in der Sommer-Saison ab 17:00 Uhr – jeder, der auch nur ein Getränk konsummiert. Womit man sich auch gleich einen Discount für das Herzstück der vielfältigen astronomischen Aktivitäten erkauft: Für 4 (statt sonst 6; Kinder günstiger) Euro gibt es in der Kuppel (Mitte) oder bei besonders großer Hitze mit einem frei stehenden Teleskop eine 15-minütige Live-Tour durch das Universum vom Mond bis zu Galaxien. Der Oberkellner sorgt dafür, dass die Café-Gäste in der Reihenfolge ihres Eintreffens zum Zuge kommen, wobei die Erläuterungen wahlweise in Griechich, Deutsch oder Englisch erfolgen.

Beobachtungen mit dem C 11 in der Kuppel (unten): Nach einem ausgeklügelten Plan werden in der Viertelstunde rund ein halbes Dutzend günstig stehende Himmelsobjekte angefahren, und zwar meist in ihrer azimuthalen Anordnung – so muss die computergesteuerte Montierung weniger schwenken und der Kuppelspalt immer nur in einer Richtung gedreht werden. Wobei er nie in Richtung des Café-Bereichs im Nordwesten zeigt, der meist beleuchtet ist, damit die Wartenden noch ihre Drinks finden – außer wenn Manolakas open air mit einem Laser-Pointer Sternbilder zeigt oder bei einem ISS-Überflug (unten) alle gemeinsam gucken.

Einen ideal dunklen Himmel – wie er in entlegenen Teilen der Insel durchaus zu finden ist – hat das Astronomy Café auch dann nicht zu bieten, wenn nach dem Ende des täglichen Betriebs nach Mitternacht alle Lichter gelöscht sind: Die nahen Städte Rhodos und Faliraki aber auch das südlich gelegene Lindos sorgen für einige Lichtverschmutzung (gegen die sich die Sommer-Milchstraße aber schon noch durchsetzen kann). Der notwenige Komproiss aus Ereichbarkeit und Himmelsqualität, den jede populärastronomische Einrichtung finden muss.

Während das typische Publikum jeden Abend aus Einzelreisenden und v.a. Familien besteht (die durchweg von der ungewöhnlichen Attraktion begeistert sind, wie dieser Blogger auch direkt zu hören bekam), gibt es an vielen Sommer-Sonntagen davor auch ein Sonderprogramm für Kinder aus der Region auf Griechisch, das mit einem Spiel noch im Hellen beginnt und mit Beobachtungen an einem Dobson bei einbrechender Dunkelheit endet: Die schnelle Dämmerung auf 36° Nord macht’s möglich. Und auf besondere Bestellung wird die Anlage auch vormittags geöffnet: Für 35 Euro pauschal gibt es dann eine außergewöhnliche Sonnen- und Licht-Show. Dabei wird das Sonnenlicht über einen zweistufigen Heliostaten auf zwei parallelen Kanälen in eine dunkle Kammer hinter der Aussichtsplattform geleitet:

In dem immerhin anderthalbstündigen Programm – besser als jeder Physikunterricht, so ein deutscher Schüler – wird zunächst die Sonne im weißen Licht projiziert und in H-Alpha per TV-Monitor und in direkter Sicht betrachtet:

Und dann folgen mit dem eingespiegelten Sonnenlicht immer überraschendere Demonstrationen von Spektraleffekten und Strahlengängen, visualiert mit einer Nebelmaschine, raumgreifend und dreidimensional zum Hindurchlaufen – wenn das keine Reise nach Rhodos wert ist, wo es in den Sommermonaten so gut wie nie Wolken gibt, was eine Einrichtung wie das Astronomy Café überhaupt erst möglich gemacht hat:

[Daniel Fischer]