Zum 125. auf der Sternwarte von Bamberg

So sieht es heute auf der Dr. Karl Remeis-Sternwarte in Bamberg aus, der einzigen in Deutschland, die komplett durch eine Stiftung – den Nachlass eben jedes Remeis – zustande kam. Und vor 125 Jahren, im Oktober 1889, eröffnet wurde: ein Anlass, die Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft in der Stadt und das Kolloquium des AK Astronomiegeschichte in der AG auf der Sternwarte selbst abzuhalten. Deren beide Kuppeln heute – zum Missfallen manches Astro-Historikers – ganz moderne Teleskope enthalten, die für Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden: Mit letzterem Einsatz wird ebenfalls dem letzten Willen von Remeis entsprochen.

Geschichte gibt es vor Ort aber noch reichlich, v.a. in dem langen Gang, der die eigentliche Sternwarte mit dem Verwaltungsgebäude verbindet – eine Auswahl der Highlights:

Ein Coelostat der Münchner Firma Linhoff mit bewegter Vergangenheit: 1874 nahm er an einer Venustransit-Expedition zu den Aucklandinseln teil, dann kaufte ihn 1899 die Remeis-Sternwarte und setzte ihn bis 1950 für einen 100-mm-Heliographen ein, mit dem 1350 Sonnenaufnahmen zur Untersuchung der Flecken entstanden.

Ein Schröder-Refraktor – den Remeis selbst 1882 nach dem Konkurs der Firma günstig erworben hatte: Objektivdurchmesser 264 mm, Brennweite 3870 mm.

Eine Original-Schmidt-Kamera, die Bernhard Schmidt in Hamburg um 1930 baute; der Durchmesser der Korrektorplatte beträgt 120 mm.

Eine lichtstarke Weitwinkel-Kamera mit einem Ernostar-Objektiv (135 mm Öffnung, 240 mm Brennweite): Laut Beschriftung war es genau diese Kamera, mit der als Hauptinstrument von 1926 bis 1962 in Bamberg selbst insgesamt 6400 Fotoplatten aufgenommen wurden. Auf dem Kolloquium wurde aber vom Abtransport des Originals nach dem 2. WK in die Ukraine berichtet, wo es sich heute noch befände: Das stehe eindeutig in einem sowjetischen Dokument. Huh?

Eine Dreifach-Weitwinkelkamera, die 1963-1974 am Boyden Observatory in Südafrika für die Himmelsüberwachung eingesetzt wurde und 16 x 16 cm große Platten belichtete. Öffnung jeweils 100 mm, Brennweiten 610 mm; insgesamt wurden 22 solcher Bausch-and-Lomb-Optiken in Südafrika, Argentinien und Neuseeland verwendet.

Die wahren Schätze der Remeis-Sternwarte befinden sich in diesem Nebengebäude, das es schon vor dem Bau der Sternwarte gab (und in dem ein Astro-Fan gehaust haben musste, denn alte Fotos zeigen mehrere Refraktoren auf den Balkonen): insgesamt 40’000 Fotoplatten von der Bamberger wie den südlichen Sternwarten, die derzeit gerade digitalisiert werden. Besonders wertvoll ist die Sammlung, weil – im Gegensatz zu vielen anderen – zahlreiche Metadaten der Aufnahmen auf Karteikarten und in Kladden erhalten sind:

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Veröffentlicht am 26. September 2014 in Ausflugsbericht, Bilderstrecke, Veranstaltungsbericht und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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