Archiv der Kategorie: Bilderstrecke

Hinter den Kulissen des MPI für Sonnensystemforschung

Im Rahmen der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft in Göttingen war letzte Woche auch eine eingehende Besichtigung des MPS möglich:

Eine Vakuumtestkammer für Satelliten-Instrumente, denen über einen Heliostaten auf dem Dach direktes Sonnenlicht zugeführt werden kann – dessen Spektrum in all seinen Feinheiten lässt sich schlicht nicht nachmachen.

Das Ground Reference Model des COSIMA-Instruments auf Rosetta steckt weiterhin in einer kleinen Vakuumkammer, um während der Analyse der Daten des echten Instruments noch Tests durchführen zu können.

Und nebenan steht das Flight Model COSIMAs, das eigentlich zum Kometen fliegen sollte und im letzten Moment gegen das Flight Spare ausgetauscht worden war. Später nutzte man Teile daraus für das Ground Reference Model.

Auch das Ground Reference Model von einem Philae-Instrument harrt weiter der Analyse der chemischen Daten auf dem Kometenkern.

Arbeit am Flight Space für den Polarimetric and Helioseismic Imager (PHI) auf dem Solar Orbiter der ESA in einem besonders cleanen Reinraum.

In einem anderen wartet das Sunrise-Ballonteleskop auf seinen dritten Flug.

MPS-Geschichte: die CCDs der Halley Multicolor Camera von Giotto. Und ein makabres „Glücksrad“:

[Daniel Fischer]

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Leuchtende Nachtwolken über Bonn (von Königswinter aus)

In Nord- und Ostdeutschland waren die NLC der Nacht 2./3. Juli 2017 bereits spektakulär gewesen – und das hier gab es zu sehen, als sie endlich auch über dem Süden von NRW ‚aufgingen‘, von Königswinter-Heisterbacherrott aus Richtung Bonn gesehen. Die Wolken – weitere Bilder – blieben flach, waren aber strukturreich und wiesen große Helligkeitsunterschiede auf; v.a. ein sehr helles schmales Band stach heraus:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: 2 Bilder größer]

Der Himmel über Patagonien!

So sieht er aus, der Sternhimmel zwischen den weit verstreuten Kleinstädten der Provinz Chubut im Süden Argentiniens – wenn man mal eben die Ruta Nactional 40 (hier zwischen Tecka und Esquel, bei 43°S und 71°W) auf eine Nebenstraße verlässt und eine olle Bridgekamera auf’s Autodach legt und bei ISO 1600, Blende 2.8 und maximalem Weitwinkel 60 Sekunden lang belichtet. Oben der „Money Shot“ mit Kreuz des Südens und Co. oben und den beiden Magellanschen Wolken unten; zum Zeitpunkt der Aufnahme in der Nacht 26./27. Februar während der Rückkehr von von der Sonnenfinsternis war die Orientierung allerdings zum 90° verdreht, wie in den folgenden Aufnahmen (die dritte ist ein Ausschnitt aus der zweiten, ansonsten ist durch Anklicken jeweils eine viel größere Version zu bekommen bzw. über das Album dazu):

Und in der Gegenrichtung steht – im Nordwesten! – der Orion Kopf, mit dem Großen Hund hoch darüber (im 2. Bild zum Vergleich auch mit 800 ISO); ganz unten der Lichtkegel von Esquel:

[Daniel Fischer]

Ring-SoFi über Patagonien – Korona, Protuberanz & Chromosphäre inklusive!

So sah’s aus, wenn man eine olle Bridge-Kamera mit maximalem Zoom ohne Filter auf die nahezu ringförmig verfinsterte Sonne am 26. Februar richtete: Zwischen den beiden ‚Hörnern‘ der natürlich gnadenlos überbelichteten Photosphären-Sichel spannte sich der Bogen der erstaunlich hellen Chromosphäre, auf dem mit Fortschreiten der Finsternis die ‚Lichtperlen‘ der Photosphäre (Baily’s Beads) erschienen, bevor sich der Ring schloss. Die Erwartung solch einer Show (die nur auf dem Kameradisplay sicher beobachtet werden kann) hatte diesen Blogger nach guten Erfahrungen mit chemischer Fotografie beim Saros-Vorgänger 1999 in Australien und auch 2005 in Tunesien ins südliche Argentinien gelockt, wo solche Aufnahmen zum ersten Mal mit einer Digitalkamera versucht werden sollten. Die Reise ist in fünf frei zugänglichen FB-Alben hier, hier, hier, hier (alles Gesehen rund um die SoFi im Detail) und hier sowie in Tagesberichten ab hier, weiter mit Links u.r. dokumentiert.

Der Beobachtungsort ist gefunden, am Vortag der SoFi: an der Ruta National 40 in der Nähe von Facundo in der Provinz Chubut: nahe dem Nordrand der Annularitätszone aber etwas innerhalb. Das zu erwartende Muster der Baily’s Beads wird für die Koordinaten einer besonders günstig gelegenen Stelle am Straßenrand mit High-End-Software simuliert und für gut befunden.

Die SoFi im Frühstücksfernsehen, während ein anderer SoFi-Jäger im Hotel in Rio Mayo (etwas südlich der Annularitätszone) noch an seinem Filter bastelt.

Am Beobachtungsplatz, zwei Stunden vor der SoFi: Das Wetter ist – wie übrigens schon tagelang prognostiziert – perfekt, mit tiefblauem Himmel und keiner drohenden Wolke.

Fortschritt der Partialität, mal mit der Brige-Kamera durch einen visuellen Baader-Filter, mal mit der Hand auf’s Expeditionsfahrzeug (bei den horrenden Mietkosten kann man den Chevy mal so nennen) projiziert. Und dann die kritischen Minuten rund um die Ringphase, mal ohne, mal mit Filter (und immer freihändig) – zu sehen sind das Erscheinen der inneren Korona hinter dem Mondrand und von einer Protuberanz, dann kommt die Chromosphäre von beiden Seiten, und zum Schluss tauchen immer mehr Baily’s Beads auf:

Wie man sieht, hat die olle Kamera trotz der heftig überstrahlenden Sonnensichel die Korona und die Protuberanz gut und die Chromosphäre schon fast zu hell eingefangen – trotz minimal möglicher Belichtung. Die Lichtperlen sind dann indes deutlich zu hell: Das war der Dynamik-Umfang des chemischen Films dann doch besser. Wegen einer Störung der arg betagten Kamera gibt’s keinen schönen Ring und Beads und Chromosphäre nach dem 3. Kontakt, dafür aber nochmal Korona zum Abschied. Weitere Bilderserien gibt es außer im o.g. Link auch hier, hier (Instant-Bildverarbeitung Minuten nach dem 3. Kontakt, als es in der Pampa noch schön dunkel war) und hier – und eins der Bilder ist auch in diesem Artikel zu sehen. Nach dem 4. Kontakt ging’s dann noch nach Facundo (wo sich laut diesem Artikel die Bevölkerung glatt verfünffacht hatte) zur Feier des Erfolgs; auf dem Wandbild steht unten in der Sprache der Mapuche „Sonne“ und „Mond“:

[Daniel Fischer]

Ein Astronaut am Argelander-Institut

Der in Bad Godesberg wohnhafze Astronaut Gerhard Thiele gestern in Bonn bei einem Vortrag im AIfA für die Jungen Europäischen Föderalisten, die v.a. durch energische Flugblatt-Werbungen in den Bonner Mensen den Großen Hörsaal mit jungem Publikum füllten – die angeregte Diskussion hätte noch Stunden weiter gehen können …

[Daniel Fischer

Venus und Saturn in Dämmerungs-Konjunktion

18:38 MESZ – Sonnendepression 5.1° (nur die Venus zu sehen)

18:46 MESZ – Sonnendepression 6.3° – Saturnhöhe 7.8°

Ein paar Stunden vor der größten Annäherung von 3.0° zwischen den Planeten Venus und Saturn Beobachtungen bei sehr klarem Abenddämmerungshimmel vom Bochumer Planetarium aus sowie freihändige Fotos mit Telebrennweiten, hier bis auf leichte Ausschnitte gänzlich unbearbeitet. Auch gegen Ende der bürgerlichen Dämmerung war der Saturn mit bloßem Auge nicht zu sehen (während die Venus schon extrem auffällig war) und nur fotografisch nachweisbar, im zweiten Bild nahe des oberen Randes. Ab etwa der Mitte der nautischen Dämmerung war der Saturn dann für’s Auge erkennbar aber nie auffällig, da die zunehmende Extinktion den Kontrastgewinn durch den dunkler werdenden Himmel wieder auffraß, während das Paar – zu dem sich in vier Tagen noch die Mondsichel gesellen wird – fotografisch kein Problem mehr war:

19:04 MESZ – Sonnendepression 9.0° – Saturnhöhe 5.9°

19:05 MESZ – Sonnendepression 9.2° – Saturnhöhe 5.7°

19:10 MESZ – Sonnendepression 10.0° – Saturnhöhe 5.2° [Daniel Fischer]

Die große Reise der Fleckengruppe (1)2585

Sachen gibt’s … während der gesamten Rotation der Aktivitätsregion 2585 über die Sonnenscheibe – vom 1. bis 11. September 2016 – hatte dieser Blogger in Nordrhein-Westfalen jeden Tag klaren Himmel oder zumindest eine hinreichend lange Wolkenlücke für ein „Beweisfoto“ mit der alten Bridgekamera Panasonic DMC-FZ48 mit maximalem Zoom (735 mm KB-Brennweite entsprechend) und durch einen Schnipsel fotografischen Baader-Folienfilter auf einem Papprahmen wie unten zu sehen. Die Bilder (mehr Versionen vom 1., 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9., 10. und 11. September) wurden mit IrfanView ungefähr parallel gedreht, beschnitten, in Schwarzweiß konvertiert, im Kontrast leicht angehoben und etwas verkleinert und dabei gleichzeitig leicht geschärft. Der rauschfreudige Sensor und die unkontrollierbare Bild-‚Verbesserungs‘-Software der Kamera treiben soetwas natürlich hart an die Grenzen, aber das kombinierte Souvenir vom absteigenden Ast des Sonnenzyklus mit solcher Minimaltechnik, an beliebigen Orten mal so nebenbei (inklusive einem Musikfestival) und ohne irgendein Stativ entstanden, hat schon was, oder? [Daniel Fischer]

Da nimmt aber einer ab …

Der abnehmende Mond in einer spätsommerlichen Phase schönen Wetters am Morgen des 23., 24., 25., 26. und 27. August 2016 immer freihändig mit einer Panasonic Lumix DMC-FZ48 mit Weißabgleich „Tageslicht“ jeweils recht hoch am Himmel aufgenommen, das erste und das letzte Bild über Witten-Herbede, die anderen über Königswinter-Heisterbacherrott. Aus den Roh-JPGs wurden jeweils ~900 Pixel breite Ausschnitte auf 604 Pixel verkleinert und dabei leicht geschärft und geringfügig im Kontrast gesteigert. Über die Links sind jeweils auch Ausschnitte in voller Auflösung und (außer beim heutigen) ohne jedwede weitere Verarbeitung zu finden, immer ganz oben auf den Seiten. [Daniel Fischer]

Weltraum über Walcheren

Die niederländische Halbinsel Walcheren in der Provinz Zeeland hatte während einer Reise in der 2. August-Woche 2016 astronomisch einiges zu bieten – inklusive mehrerer pittoresker Sonnenuntergänge von Domburg über der Nordsee. Oder gleich mitten rein:

Gleich nach der Ankunft am 7. August war die Sonne bis zum Horizont zu verfolgen, inklusive subtiler grüner Segmente, während die Sonne am 9. August und 12. August wolkenhalber nicht so weit kam.

Das Dreieck Saturn / Mars / Antares plus Mond am 12. und am 13. August mit dem weiter sehr hellen Delta Scorpii neben dem Mars, dazwischen eine Nebensonne am 13. August. Und Walcheren hat auch selbst ein paar astronomische Sehenswürdigkeiten zu bieten, die meisten in der Stadt Middelburg:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Am astro-historisch bedeutendsten Ort existiert seit dem 17. Mai 1940 nichts Originales mehr, als Bomben u.a. die Onze-Lieve-Vrouwe Abdij samt den Häusern der Kapoenstraat davor in Schutt und Asche legten. Die Nieuwe Kerk der Abtei ist bald wieder aufgebaut worden, und zumindest die Grundmauern sind noch am alten Ort: So kann man ganz gut den Ort bestimmen, wo das Haus jenes Hans Lipperhey stand, in dem er 1608 das Fernrohr erfand (PDF-Seiten 34 und 39). Auf einem Foto von vor 1940 ist die Position markiert, d.h. Lipperheys Haus befand sich ziemlich genau da, wo heute die blauen Parkplatzschilder stehen, wie auch schon 2008 (Reihe 4) ins Bild gesetzt.

Dieses alte Bild wird in der Volkssternwarte von Middelburg gezeigt, die – derzeit als einzige Institution im ganzen Ort – die astronomische Geschichte lebendig hält: mit vielen historischen Instrumenten, der nachgebauten Werkstatt Lipperheys und einer funktionsfähigen Schleifmaschine nach damaliger Bauweise, hier vom Sternwartenleiter Rijk-Jan Koppejan demonstriert. Und das Riesenteleskop im Garten – demnächst wird übrigens in die Innenstadt umgezogen – ist auch so eine Art Denkmal zum 400. Geburtstag des Teleskops gewesen.

Dank einer aus diesem Anlass von Koppejan verfassten und sogar ins Deutsche übersetzten „Wanderroute zu historisch astronomischen Plätzchen in Middelburg“ lassen sich in der Stadt noch weitere Spuren finden: zum Beispiel Sonnenuhren am Rathaus aus dem Jahr 1729 von Jan de Munck (2000 rekonstruiert) und am Giebel der Stadsschuur von 1682 – und das Van de Perrehuis (heute Sitz des Stadtarchivs), wo im 18. Jh. Johan Adriaen van de Perre wohnte und heute auch wieder seine (hier 2008 aufgenommene; Reihen 2+3) prächtige Orrery steht. De Perre hat auch selbst den Himmel beobachtet – auf dem Kasteel Westhove zwischen Domburg und Oostkapelle:

[Daniel Fischer]

Kosmisches Quartett: Vollmond, Mars in Opposition, Saturn & Antares

Die Konstellation in der Nacht 21./22. Mai war vielfach „beworben“ worden, z.B. hier, hier, hier und hier für Europa und hier für die USA: ein schiefes Viereck aus dem Vollmond (erreicht am 21. um 23:14 MESZ), dem Mars in Opposition (am 22. um 13:11 MESZ), dem Saturn und dem ‚Gegenmars‘ Antares. Eine nächtliche Wanderung gegen 2:00 MESZ in Witten-Herbede zwecks Verbesserung des Horizonts brachte die vier nacheinander zum Vorschein (vom Mond im Uhrzeigersinn Mars, Antares und Saturn): Die ersten zwei Bilder entstanden freihändig, die anderen zwei mit der Kamera auf einer Mülltonne balancierend. Auch interessant – der „Voll“-Mond zeigt eine deutliche Phase mit Terminator-Kratern im Süden, da er derzeit weit nördlich der Ekliptik unterwegs ist, die Saturn und Mars ungefähr an den Himmel zeichnen:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: zwei Bilder größer und ein weiterer Artikel zur kosmischen Lage]