Archiv für den Monat März 2017

Venus-Party vor dem Planetarium Bochum

Nach einer gelungenen Generalprobe gestern konnte die Venus heute von 18:30 bis 19:00 MEZ etlichen Besuchern des Planetariums mit einem Celestron 90 (Brennweite 1000 mm) und 18- und 12-mm-Okularen als brilliante Sichel gezeigt werden – auf dem Stativbein übrigens der Ausdruck eines heutigen Venus-Bilds von Oliver Schneider:

So präsentierte sich die Venus bei etwas fortgeschrittener Dämmerung an unserem Himmel:

Und so sah sie durch’s 12-mm-Okular (oben und unten) bzw. direkt mit maximalem Zoom aufgenommen aus – 55.1″ Durchmesser, 6.5% Beleuchtung, Elongation 20.9°:

[Daniel Fischer]

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Eine Sonnenfinsternis … zum Anfassen!

Die Sonne ist 400-mal so weit weg wie der Mond, der 1/400 ihrer Größe hat, und deswegen bedeckt er sie für jemand auf der Erde genau – fertig ist die totale Sonnenfinsternis. Das sagt sich leicht und stimmt auch ganz gut – aber das Ganze im Druck oder auf dem Bildschirm maßstabsgerecht darzustellen, ist nicht leicht, und da werden die relativen Zahlen gerne mal krass verändert, um es passend zu machen. Dass es auch ganz anders geht mit der SoFi-Didaktik hat im Februar auf dem Segundo Workshop de Difusión y Enseñanza de la Astronomía im südargentinischen Esquel im Vorfeld der ringförmigen Sonnenfinsternis in Patagonien der Physiker Ricardo A. Bernatene von der argentischen Universidad Tecnológica Nacional demonstriert: mit einem maßstabsgerechten Modell des Erde-Mond-Systems, das das Phänomen SoFi auf mehrfache Weise demonstrieren kann (und Mondfinsternisse und Mondphasen überdies):

Der Mond ist hier 1 cm groß, die Erde entsprechend 3.7 cm – und 111 cm von der Erde entfernt. Peilt man über diese hinweg den „Mond“ an, hat er genau das halbe Grad Winkeldurchmesser wie der echte. Und wenn man ihn vor die Sonne schiebt (natürlich mit SoFi-Brille auf der Nase), dann kommt es tatsächlich zu einer präzisen partiellen oder totalen Sonnenbedeckung, eine zunächst durchaus verblüffende Erfahrung:

Alternativ kann die Konstruktion aber auch den Schatten des „Mondes“ auf die „Erde“ fallen lassen: Das ist dann zwar streng genommen nicht mehr maßstabsgerecht, weil die Sonne eigentlich nur 430 m weit entfernt sein müsste, aber ihr Licht ist so oder so praktisch parallel – und ihr Winkeldurchmesser stimmt ja. Und so erscheinen auf der „Erde“ ein realistischer Halb- und Kernschatten:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: Bernatenes komplettes Poster auf der Tagung – und einer von mehreren Nachbauten, die dieser Artikel inspiriert hat!]

Der Himmel über Patagonien!

So sieht er aus, der Sternhimmel zwischen den weit verstreuten Kleinstädten der Provinz Chubut im Süden Argentiniens – wenn man mal eben die Ruta Nactional 40 (hier zwischen Tecka und Esquel, bei 43°S und 71°W) auf eine Nebenstraße verlässt und eine olle Bridgekamera auf’s Autodach legt und bei ISO 1600, Blende 2.8 und maximalem Weitwinkel 60 Sekunden lang belichtet. Oben der „Money Shot“ mit Kreuz des Südens und Co. oben und den beiden Magellanschen Wolken unten; zum Zeitpunkt der Aufnahme in der Nacht 26./27. Februar während der Rückkehr von von der Sonnenfinsternis war die Orientierung allerdings zum 90° verdreht, wie in den folgenden Aufnahmen (die dritte ist ein Ausschnitt aus der zweiten, ansonsten ist durch Anklicken jeweils eine viel größere Version zu bekommen bzw. über das Album dazu):

Und in der Gegenrichtung steht – im Nordwesten! – der Orion Kopf, mit dem Großen Hund hoch darüber (im 2. Bild zum Vergleich auch mit 800 ISO); ganz unten der Lichtkegel von Esquel:

[Daniel Fischer]

Ring-SoFi über Patagonien – Korona, Protuberanz & Chromosphäre inklusive!

So sah’s aus, wenn man eine olle Bridge-Kamera mit maximalem Zoom ohne Filter auf die nahezu ringförmig verfinsterte Sonne am 26. Februar richtete: Zwischen den beiden ‚Hörnern‘ der natürlich gnadenlos überbelichteten Photosphären-Sichel spannte sich der Bogen der erstaunlich hellen Chromosphäre, auf dem mit Fortschreiten der Finsternis die ‚Lichtperlen‘ der Photosphäre (Baily’s Beads) erschienen, bevor sich der Ring schloss. Die Erwartung solch einer Show (die nur auf dem Kameradisplay sicher beobachtet werden kann) hatte diesen Blogger nach guten Erfahrungen mit chemischer Fotografie beim Saros-Vorgänger 1999 in Australien und auch 2005 in Tunesien ins südliche Argentinien gelockt, wo solche Aufnahmen zum ersten Mal mit einer Digitalkamera versucht werden sollten. Die Reise ist in fünf frei zugänglichen FB-Alben hier, hier, hier, hier (alles Gesehen rund um die SoFi im Detail) und hier sowie in Tagesberichten ab hier, weiter mit Links u.r. dokumentiert.

Der Beobachtungsort ist gefunden, am Vortag der SoFi: an der Ruta National 40 in der Nähe von Facundo in der Provinz Chubut: nahe dem Nordrand der Annularitätszone aber etwas innerhalb. Das zu erwartende Muster der Baily’s Beads wird für die Koordinaten einer besonders günstig gelegenen Stelle am Straßenrand mit High-End-Software simuliert und für gut befunden.

Die SoFi im Frühstücksfernsehen, während ein anderer SoFi-Jäger im Hotel in Rio Mayo (etwas südlich der Annularitätszone) noch an seinem Filter bastelt.

Am Beobachtungsplatz, zwei Stunden vor der SoFi: Das Wetter ist – wie übrigens schon tagelang prognostiziert – perfekt, mit tiefblauem Himmel und keiner drohenden Wolke.

Fortschritt der Partialität, mal mit der Brige-Kamera durch einen visuellen Baader-Filter, mal mit der Hand auf’s Expeditionsfahrzeug (bei den horrenden Mietkosten kann man den Chevy mal so nennen) projiziert. Und dann die kritischen Minuten rund um die Ringphase, mal ohne, mal mit Filter (und immer freihändig) – zu sehen sind das Erscheinen der inneren Korona hinter dem Mondrand und von einer Protuberanz, dann kommt die Chromosphäre von beiden Seiten, und zum Schluss tauchen immer mehr Baily’s Beads auf:

Wie man sieht, hat die olle Kamera trotz der heftig überstrahlenden Sonnensichel die Korona und die Protuberanz gut und die Chromosphäre schon fast zu hell eingefangen – trotz minimal möglicher Belichtung. Die Lichtperlen sind dann indes deutlich zu hell: Das war der Dynamik-Umfang des chemischen Films dann doch besser. Wegen einer Störung der arg betagten Kamera gibt’s keinen schönen Ring und Beads und Chromosphäre nach dem 3. Kontakt, dafür aber nochmal Korona zum Abschied. Weitere Bilderserien gibt es außer im o.g. Link auch hier, hier (Instant-Bildverarbeitung Minuten nach dem 3. Kontakt, als es in der Pampa noch schön dunkel war) und hier – und eins der Bilder ist auch in diesem Artikel zu sehen. Nach dem 4. Kontakt ging’s dann noch nach Facundo (wo sich laut diesem Artikel die Bevölkerung glatt verfünffacht hatte) zur Feier des Erfolgs; auf dem Wandbild steht unten in der Sprache der Mapuche „Sonne“ und „Mond“:

[Daniel Fischer]