Blog-Archive

60 Jahre Sternwarte Hoher List: So wurde in Bonn gefeiert …

… gestern und heute, wo Michael Geffert erst zu einem öffentlichen Vortrag und dann zu einem Ehemaligen-Treffen geladen hatte und auch eine kleine Ausstellung gestaltete: viele weitere Bilder gibt es hier und hier zu sehen. Oben Luftbilder des Hohen Lists nach dem Ende der 1. Bauphase, das dieser Tage vor 60 Jahren erreicht war, und im Endzustand.

Über hundert Jahre älter dagegen diese Zeichnung des in zwei Teile zerbrochenen Kometen Biela aus den Beobachtungsbüchern von Julius Schmidt, die erst kürzlich wieder aufgetaucht waren (hier in inverser und kontrastverstärkter Darstellung).

Aus dem Vortrag des Sohnes des Sternwarten-Gründers Hans Schmidt seltene Fotos vom Beginn der Bauarbeiten, bei denen zunächst der „Turm 3“ errichtet wurde, in den ein Cassegrain parallel montiert mit einem Merz-Refraktor kam, …

… dessen kuriose Vorgeschichte Jörg Stegert von der VSW Bonn (bei der beide Geräte ihr Zuhause gefunden haben) heraus fand: Der Auftraggeber hatte das in einem ungewöhnlich großen Tubus installierte 20-cm-Objektiv weniger astronomische als vielmehr für mysteriöse Kommunikations-Experimente verwendet.

Großer Andrang bei der Veranstaltung, von mehreren Generationen Hohe-Listler.

Eine Vision für die Zukunft der derzeit ruhenden Sternwarte von M. Althaus und ein Gruppenbild – während des Treffens ergab sich spontan der Beschluss, die quasi geheime Geschichte des Hohen Lists von Hans Schmidt zusammen mit Fotos aus seinem Nachlass in Buchform zu publizieren, zusammen auch mit Beiträgen aus dem Treffen, das damit in die astronomische Literatur Eingang finden wird. Und sich außerdem alle ein bis zwei Jahre wiederholen soll. [Daniel Fischer]

Advertisements

Bonner Astronomen erinnern an das Observatorium Hoher List

Mit einem Vortrag und der Eröffnung einer kleinen Ausstellung am Freitag, den 21. November um 19 Uhr im Argelander-Institut, Auf dem Hügel 71, in Bonn-Endenich, erinnert Dr. Michael Geffert an das Observatorium Hoher List bei Daun in der Vulkaneifel. Diese astronomische Beobachtungsstation entstand nach dem zweiten Weltkrieg, weil für professionelle Beobachtung der Bonner Nachthimmel für die Astronomen der Universität zu hell geworden war. In dem Vortrag werden Teleskope und Arbeitsgebiete der Sternwarte allgemeinverständlich dargestellt. Im Anschluss an den Vortrag ist eine kleine Ausstellung mit Material und Bildern des Observatoriums zu sehen. Bei klarem Himmel bieten Mitglieder des Köln-Bonner Astrotreffs ab 18.30 Uhr Fernglasbeobachtungen von Sternbildern an. Der Eintritt zur gesamten Veranstaltung ist frei. Die Ausstellung ist noch bis Ende Dezember nach Vereinbarung (geffert@astro.uni-bonn.de) zu besichtigen.

Das Observatorium Hoher List galt als eine der wenigen professionellen Sternwarten auf deutschem Boden. Von 1952 bis 1954 errichteten Astronomen der Bonner Universität eine astronomische Beobachtungsstation auf einem Berg bei Schalkenmehren/Daun in der Vulkaneifel. Vier Teleskope ermöglichten den Bonner Forschern den Blick ins Weltall und die Vermessung von Planeten, Sternen und Galaxien. In den Jahren 1965 bis 1967 kamen als weitere Fernrohre der alte Bonner Doppelrefraktor und ein neues Cassegrain-Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von mehr als einem Meter hinzu. Dieses Fernrohr war seinerzeit das größte astronomische optische Fernrohr der Bundesrepublik Deutschland. In klaren Nächten erforschten Wissenschaftler Sternhaufen und veränderliche Sterne und untersuchten die Struktur der Milchstraße. Auch als Ausbildungsstätte für Studenten machte sich das Observatorium Hoher List einen Namen.

Nach Jahren erfolgreicher Arbeit wurde die Eifelsternwarte vor zwei Jahren geschlossen, steht aber seit September 2013 unter Denkmalschutz. Das Erbe des Hohen Lists, das gesamte Beobachtungsmaterial, dient heute in Bonn als Grundstock einer Universitätssammlung, der „Sammlung Historischer Himmelsaufnahmen“. [Michael Geffert. Es gibt auch fünf Seiten Detail-Informationen zum OHL, ein Video mit Musik – und einen Artikel über die jüngsten Entwicklungen: Danach könnte die Sternwarte „mit einem Investitionsaufwand von gut acht Millionen Euro ein Besucher- und Bildungszentrum werden. Das ist eine der Optionen, die ein von der Verbandsgemeinde Daun beauftragtes Beratungsunternehmen präsentiert hat. […] Das Beratungsunternehmen hat nun drei Varianten mit Investitionssummen von 4,6 bis 8,2 Millionen Euro vorgestellt“, doch „die Möglichkeiten der Verbandsgemeinde Daun übersteigt ein solches Projekt bei Weitem“]

05.04.: Drei Veranstaltungen in der Region zum Astronomietag 2014

Ob morgen Abend der Blick durch ein Fernrohr wieder Kinderaugen strahlen lässt, lässt sich wegen der angekündigten wechselnden Bewölkung leider nicht sagen. Stattfinden werden die regionalen Veranstaltungen zum diesjährigen bundesweiten 12. Astronomietag aber auf jeden Fall und diesmal sind engagierte Bonner Sternfreunde sogar an gleich drei Orten unterwegs. Zum einen treffen sich Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) auf einer Wiese nahe des Freibads in Sankt Augustin und parallel findet zur gleichen Zeit eine Veranstaltung am Argelander-Institut (AIfA) in Bonn-Endenich statt. Ab 18:00 Uhr gibt es hier die Möglichkeit zur Sonnenbeobachtung und im Anschluss an einen Vortrag wird dann hoffentlich noch der zunehmende Mond sowie der Riesenplanet Jupiter ins Visier genommen. Dieser Programmpunkt ist zugleich der Startschuss für die große und abwechslungsreiche Veranstaltungsreihe „Der Himmel über Bonn – Astronomie für jedermann“, die gemeinsam vom astronomischen Institut und der Volkssternwarte Bonn bis Ende Dezember durchgeführt wird. Die dritte Aktion in der Region zum Astronomietag 2014 findet am Observatorium Hoher List (übrigens finden ab sofort bis Ende Oktober regelmäßig wieder die Mittwochsführungen statt) bei Schalkenmehren in der Vulkaneifel statt. Hier gibt es Vorträge für Kinder und Erwachsene sowie die Möglichkeit den Planeten Jupiter durch ein 1-Meter-Teleskop zu beobachten.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: clear skies für den Astronomietag 2014! [Nico Schmidt]

Observatorium Hoher List lockt mit einwöchigem „Sternensommer“

Harald Simon

Im Observatorium Hoher List (OHL) brennt wieder Licht. Nachdem zum 01. Juli 2012 die Uni Bonn ihre Universitätssternwarte in der Vulkaneifel geschlossen hat, gab es schließlich vergangenen Herbst wieder positive Nachrichten, vor allem dadurch, dass die Sternwartengebäude unter Denkmalschutz gestellt wurden. Nun plant die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel (AVV), vormals Förderverein des OHL, zusammen mit der Verbandsgemeinde Daun einen siebentägigen „Sternensommer“ unter dunklem Landhimmel. Für bis zu 80 Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren soll hier vom 14. bis 20. Juli ein großes Sommerlager stattfinden. „Die Woche der Fantasie und des Miteinanders soll die Möglichkeiten im Eifel-Kosmos aufzeigen. Das wird eine spannende Woche“, verspricht die Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecherin Ruth Ratter (Bündnis 90/Die Grünen), die maßgeblichen Anteil an dem Denkmalschutz für die Bonner Eifel-Sternwarte hat. Für das Jugendcamp ist u.a. derzeit eine Musikaufführung und ein Foto-Workshop eingeplant, als Theater-Vorstellung soll außerdem „Der kleine Prinz“ in einem Zirkuszelt aufgeführt werden. Um den „Sternensommer“ auch so stattfinden zu lassen wie geplant, ist man allerdings noch auf der Suche nach Sponsoren, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Die Gesamtkosten belaufen sich 39.000 Euro, wobei die Hälfte immerhin das Land Rheinland-Pfalz übernimmt. [Nico Schmidt]

Das Observatorium Hoher List ist jetzt ein Kulturdenkmal

Kuppelbau des größten Teleskops am OHL; Michael Geffert

Observatorium Hoher List, südwestlich von Schalkenmehren auf der Kuppe des Hohen List (Denkmalzone): Hauptgebäude mit 3 Kuppeltürmen und Wohnhaus, 1950-54, Staatshochbauamt im Auftrag der Universität Bonn; Erweiterung 1964/65: Wohnhaus, Werkstatt und Labor mit 2 Kuppeltürmen; technische Ausstattung u.a. Teleskope Mitte 19. bis 21. Jh., Messgeräte“

So lautet der Text aus dem am 26. September aktualisierten „Verzeichnis der Kulturdenkmäler“ (PDF) für den Landkreis Vulkaneifel. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe ist in Rheinland-Pfalz für die Aufnahme von Denkmälern in die sog. Denkmalliste verantwortlich. „Die Eintragung erfolgte nach intensiver Recherche vor Ort und auf der Grundlage von entsprechenden Archivalien und Quellen“, heißt es dazu auf Nachfrage von der Denkmalfachbehörde. Michael Geffert vom Argelander-Institut für Astronomie (AIfA), der schon seit Jahren für den Erhalt des Observatorium Hoher List (OHL) kämpft, erhielt die frohe Nachricht am Donnerstagabend auf der Tagung der Astronomischen Gesellschaft (AG) in Tübingen. Der Bonner Astronom hatte 2006 und 2010 zwei verschiedene Konzepte zur Weiterführung der Universitätssternwarte in der Vulkaneifel veröffentlicht, um dort eine Art Bildungszentrum aufzubauen, doch nach jahrelangem Hin und Her erfolgte im Sommer 2012 die Schließung des Observatoriums. Dass die Gebäude jetzt unter Denkmalschutz stehen, ist ein weiterer Lichtblick für die Zukunft des OHL, denn schon Anfang September gab es ein Lebenszeichen. Die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel am Hohen List e.V. (ehemals der Förderverein des OHL) bietet nämlich wieder Führungen an und veranstaltete bereits einen Tag der offenen Tür. [Nico Schmidt]

Ein Lebenszeichen vom Observatorium Hoher List

Öffentliche Beobachtung am OHL im September 2009

Mit einer kurzen Mitteilung im Newsletter der Uni Bonn wurde im Juli 2012 die Schließung der Bonner Universitätssternwarte in der Eifel, das Observatorium Hoher List (OHL), offiziell verkündet. Das war das „Aus nach 60 Jahren“. Ein Jahr danach folgte ein bundesweites Rundschreiben zum Ausverkauf der Sternwarte. Und vor 2 Wochen konnte man nun diesen Satz lesen: „Es tut sich etwas auf dem Observatorium Hoher List bei Schalkenmehren“, was jedoch im positiven Sinne gemeint ist. Denn wie es in der Meldung heißt, hat sich der Förderverein der Sternwarte (jetzt: Astronomische Vereinigung Vulkaneifel am Hohen List e.V.) zunächst für ein Jahr als Untermieter in einem der Gebäude eingemietet, um zumindest einen Teil des Observatoriums weiter betreiben zu können und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Führungen sollen mittwochs um 14 Uhr stattfinden und beginnen am morgigen 11. September. Außerdem gibt es eine Einladung zu einem Tag der offenen Tür, der bereits am kommenden Samstag, 14. September, ebenfalls ab 14 Uhr stattfinden soll. [Nico Schmidt]

„Aus nach 60 Jahren“: Was wird nun aus dem Observatorium Hoher List?

Was viele schon wussten, ist vor einer Stunde auch ganz offiziell verkündet worden, im Newsletter der Universität Bonn Nr. 7/2012 vom 10.07.2012:

Observatorium Hoher List: Aus nach 60 Jahren

Zum tiefsten Bedauern der Universität Bonn ist das Observatorium Hoher List zum 1. Juli 2012 nach rund 60 Jahren Betrieb geschlossen worden. Obwohl sich Rektor Jürgen Fohrmann zuletzt persönlich für die Erhaltung des Observatoriums eingesetzt hatte, konnte kein tragfähiges Finanzierungskonzept für die Anlage gefunden werden. Noch ist unklar, was aus der Einrichtung wird. Sie ist Eigentum des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW.

Der Unsicherheit entsprechend fehlt auch der in den Newslettern sonst übliche Link zu einer Pressemitteilung mit mehr Details. Die findet man, zumindest was die Vergangenheit und geäußerte Visionen für die Zukunft betrifft, beim AIfA, in einem Papier von Michael Geffert, beim Förderverein des Observatoriums Hoher List e.V. und im Astrotreff. [Daniel Fischer. FOTO: Nico Schmidt, bei einer öffentlichen Beobachtung unter dunklem Eifelhimmel während des IYA 2009]

Ein Astro-Musik-Video … aus dem Hohen List!

Auch wenn die Zukunft des Observatoriums Hoher List nach dem Ausstieg des Bonner Argelander-Instituts weiter ungewiss ist, so macht es nun durch bemerkenswerte Videoclips von sich reden: gerade veröffentlicht diese Live-Aufnahme eines Chores (mit einem Stück aus dem 16. Jh.) in der Kuppel des Doppelrefraktors zu Bildern der Sternwarte. Eine „bemerkenswerte Verbindung von Musik und Astronomie“, lobt der Pressesprecher der Bonner Uni – ob letzterer der Verlust ‚ihrer‘ Sternwarte schon wieder leid tut …? [Daniel Fischer]