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Merkur und Plejaden in der Abenddämmerung

Die Helligkeit Merkurs in der laufenden Abendsichtbarkeit ist bereits auf +0.4 mag. gefallen, aber dank einer Elongation von 19.7° war er heute bei sehr klarem Himmel in der fortschreitenden nautischen Dämmerung etwa eine Dreiviertelstunde mit bloßem Auge zu sehen – bis er für diesen Beobachter in Königswinter-Heisterbacherrott hinter dem Weilberg unterging. Das war bei einer Sonnendepression von ~12° knapp vor dem Beginn der astronomischen Dämmerung, und die nahen Plejaden waren für das bloße Auge noch nicht sichtbar geworden, wohl aber für die Kamera. Und hier noch Aldebaran, Hyaden, Plejaden und Merkur beim ‚Aufsetzen‘ in einem Bild:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein Bild größer und mehr vom Abend]

Drei Planeten, drei Tage, dreimal klar …

Das Dreieck aus Venus, Jupiter und Mars, drei Tage in Folge über Königswinter-Heisterbacherrott, von der größten Annäherung von Venus und Jupiter am 26. Oktober (5 Bilder) über einen besonders klaren Morgen am 27. Oktober (4 Bilder) bis zur Ausformung eines ungefähr gleichschenkligen Dreicks am 28. Oktober (2 Bilder). Der besonders klare 27. erlaubte es auch, gleich vier Planeten in einem Bild festzuhalten: Wenn man das dritte von unten anklickt, erscheint es in voller Auflösung, und ganz unten links hängt deutlich der Merkur über dem Horizont. Auch interessant: Obwohl es am 27. deutlicher klarer als am 26. war, war der Himmelshintergrund mit dem Löwen etwas heller – weil ihm genau gegenüber nun der Vollmond stand, der dritte „Supermond“ des Jahres übrigens. Zum Vergleich auch Aufnahmen derselben drei Tage aus Berlin. [Daniel Fischer]

Dämmerungs-„Forschung“ mit Jupiter und Merkur

Wie sich die Kontraste von – v.a. tief stehenden – Himmelsobjekten in Abhängigkeit von Dämmerungstiefe und Höhe über dem Horizont verändern, wurde hier schon letztes Jahr anhand von PANSTARRS, Merkur & Venus und der Sommer-Milchstraße untersucht: hier nun Experimente zur Frage, bei welcher Sonnendepression sich das Planetenpaar Jupiter (hoch: ganz oben links) und Merkur (tief, Elongation 21.3°, -0.2 mag.: ganz unten rechts) am besten zusammen aufnehmen lassen würde. Die Aufnahmen entstanden heute Abend sei sehr klarer Luft in Witten-Herbede, die Kamera balancierte auf einer Mauer, die Brennweite lag bei 50 bis 55 mm Kleinbild-Äquivalent, für maximale Auflösung hier jeweils leichte Ausschnitte.

22:26:30 MESZ: Merkurhöhe 6.8°, Sonnentiefe 8.7°; 1/5 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 400

22:33:00 MESZ: Merkurhöhe 6.0°, Sonnentiefe 9.3°; 1/1.3 Sekunde bei Blende 3.6 und ISO 200

22:49:00 MESZ: Merkurhöhe 4.0°, Sonnentiefe 10.9°; 2.5 Sekunden bei Blende 3.2 un ISO 200

22:57:30 MESZ: Merkurhöhe 2.9°, Sonnentiefe 11.7°; 3.2 Sekunden bei Blende 3.3 und ISO 200

23:01:00 MESZ: Merkurhöhe 2.5°, Sonnentiefe 12.0°; 5 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 200

Etwa bei einer Sonnentiefe von 10 bis 11 und einer Merkurhöhe von 5 bis 3 Grad war es demnach fotografisch am besten möglich, beide Planeten gleichzeitig aufzunehmen: Der Kontrastgewinn durch die rapide fortschreitende Himmelsverdunklung – man beachte die immer längeren Belichtungszeiten – überwog etwas den Extinktionsverlust. Für das bloße Auge, das dem Planeten unter den gegebenen Umständen rund eine Stunde lang folgen konnte, war der beste Merkurkontrast allerdings schon deutlich früher erreicht, nänlich bereits bei einer Sonnentiefe von weniger als 9° und einer Merkurhöhe von über 7°, d.h. etwa zum Zeitpunkt der ersten Aufnahme hier oder sogar noch davor. [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein weiteres Bild, von 22:42 MESZ in höherer Auflösung: Merkurhöhe 4.8°, Sonnentiefe 10.2°]

Noch mehr Himmels-Feuer, Abschied von Merkur – und was das alles mit ISON zu tun hat

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1/8 Sekunde bei Blende 4.2 und ISO 400, KB-Äquivalent-Brennweite 383 mm, leichter Ausschnitt, freihändig (an eine Wand angelehnt)

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1/6 Sek. bei Bl. 4.5 und ISO 400, Äquiv.-Brennw. 418 mm, leichter Ausschnitt, freihändig

Krepuskularstrahlen und andere Lichteffekte heute beim Sonnenuntergang von Witten-Herbede-Ruhrhöhe aus über Bochum verfolgt – und das Merkur-Venus-Paar um 22:56 und 22:57 MESZ, als ersterer 3.3° über und die Sonne 7.8° unter dem Horizont stand, also in der frühen nautischen Dämmerung. Das war ein wichtiger „Test“ für die Sichtbedingungen für Komet ISON in den ersten Dezembertagen, wenn er bei ähnlicher Dämmerung ähnlich hell ähnlich hoch am (allerdings morgendlichen) Himmel stehen wird: Der – im Gegensatz zur Kometenkoma – punktförmige +0.7 mag. helle Merkur war (anders als natürlich die 4.5 mag. hellere Venus) trotz sehr klaren Himmels mit bloßem Auge nicht zu sehen, in einem kleinen Feldstecher dagegen präsent aber nicht brilliant. Bei ISON wird also alles darauf ankommen, ob er dann wirklich einen langen & flächenhellen Schweif hat, der auch weit über den Horizont ragt, wenn die schlappe Koma auf oder gar unter dem Horizont sitzt und die die Dämmerung höchstens eine astronomische solche ist. [Daniel Fischer]

Das Planeten-Trio – knapp aber erfolgreich

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22:19 MESZ, Sonne -6.7°, 1/20 Sekunde, Blende 5.6, ISO 400

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22:21 MESZ, Sonne -6.9°, 1/15 Sekunde, Blende 5.6, ISO 800

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22:21 MESZ, Sonne -6.9°, 1/15 Sekunde, Blende 4.5, ISO 800

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22:24 MESZ, Sonne -7.2°, 1/13 Sekunde, Blende 5.2, ISO 800

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22:27 MESZ, Sonne -7.5°, 1/6 Sekunde, Blende 4.0, ISO 400

Zwei Tage nach einem Erfolg im Landkreis Neuwied (RP) kann dieser Blogger heute auch einen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis (NRW) vermelden: Das Trio von Witten-Herbede aus über Bochum – stur den Wolkenstreifen trotzend, wenn auch Venus und Merkur mit arger Extinktion. Aber es geht – und mal wieder ohne Stativ aus der freien Hand … [Daniel Fischer. NACHTRAG: das mittlere Bild größer]

Planetentrio über dem KBA-Land angekommen

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Überraschend ist es Rolf Hempel gestern in Buchholz im Westerwald gelungen, das abendliche Planeten-Trio mit bloßem Auge zu sichten und spontan abzulichten: „Ich hatte mich gar nicht darauf vorbereitet. Als ich gegen 22:00 Uhr aus dem Fenster sah, guckte mich plötzlich Jupiter an. Kurz darauf fand ich auch Venus und Merkur mit dem bloßen Auge. Erst da dämmerte es mir, daß ich ja auch ein Photo machen könnte. Leider reichte die Zeit nicht mehr, mein großes Gitzo-Stativ aus dem Keller zu holen und das Tele-Zoom zu montieren. So mußte ich es mit dem Standard-Zoomobjektiv, das gerade an der Kamera war, aus der Hand versuchen. Ich war froh, daß überhaupt etwas daraus geworden ist. Aber die Jupiter-Monde sucht man unter diesen Umständen leider vergeblich.“ Parallel Bilder aus Bremen – und Arizona. [Rolf Hempel]

Planeten-Trio – es wird nicht leicht …

Das Dreieck aus Venus, Jupiter und Merkur Ende des Monats wirft schon seinen Schatten voraus, sind doch solcherlei Trios eine Rarität, vor allem wenn die drei aktuell hellsten Planeten des Himmels mitspielen. Doch leicht zu sehen sein wird es leider nicht: Zwar haben die Planeten alle negative Helligkeiten (Venus -3.9 mag., Jupiter -1.9 mag., Merkur -1.0 bis -0.5 mag.), aber dafür stehen sie mit Elongationen von nur ~15° selbst am Ende der bürgerlichen Dämmerung (Sonne 6° unter dem Horizont) wegen der Neigung der Ekliptik zum Horizont nur etwa 5° hoch und sind damit auch bei klarstem Himmel schon einiger Extinktion ausgesetzt. Hier ist der Fahrplan für die interessanteste Woche, in der die drei vom 25. bis 27. Mai ein kompaktes Dreieck bilden und am 30. eine schräge Linie, bei der die Venus von Merkur und Jupiter flankiert wird – für 50° nördliche Breite jeweils mit Datum und Venus-, Jupiter- und Mars-Helligkeiten und -höhen bei 6° Sonnentiefe:

24. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 6° / Merkur -1.0 mag. und 5°
25. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 6° / Merkur -0.9 mag. und 6°
26. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 5° / Merkur -0.8 mag. und 6°
27. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 5° / Merkur -0.7 mag. und 7°
28. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 4° / Merkur -0.6 mag. und 8°
29. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 4° / Merkur -0.6 mag. und 8°
30. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 3° / Merkur -0.5 mag. und 8°

Die Erfahrung mit Komet PANSTARRS in der Abenddämmerung im März hat gezeigt, dass es jeweils einen – nur wenige Minuten währenden – Zeitraum gab, in dem das Verblassen der Dämmerung und die Zunahme der Exinktion zur besten Sichtbarkeit führten, während die Bedingungen vor- und nachher für visuelle Beobachtungen wie auch Fotografie signifikant schlechter waren. Diesmal haben wir es mit Punktquellen zu tun, die auch allesamt deutlich heller sind als es PANSTARRS‘ Koma je wurde, dafür spielt sich aber alles in noch deutlich geringerer Höhe über dem Horizont und damit durch noch viel mehr Luft hindurch ab. Erste Sichtungen der Venus zu Beginn ihrer Abendsichtbarkeit hat es aber schon jetzt gegeben, die derzeit bei 6° Sonnentiefe nur 2° hoch steht. Das regt zu Beobachtungen schon jetzt an: Heute Abend z.B.steht der junge Mond zwischen Venus und Jupiter, der bereits gestern (in Kalifornien) neben der Venus gesichtet wurde – kurioserweise am lokal selben Kalendertag wie die australische SoFi, wenn auch real fast 30 Stunden nach dieser. [Daniel Fischer. NACHTRAG: In Spanien hat einer das Jupiter/Mond/Venus-Foto geschafft]

Kosmisches Dreieck „seitenverkehrt“

Nachdem Mars zwischen Saturn und Spica hindurch gezogen ist (14.8.), steht er jetzt östlich. Das Trio passt noch schön ins Gesichtsfeld eines Fernglases.

Saturn-Mars-Spica am 18.8.

Auch am Morgenhimmel lockt ein Trio: Eine Kette gebildet aus Jupiter-Venus-Merkur. Merkur ist z.Z. nach 5:30 mit freiem Auge gut in der Morgendämmerung zu finden. [Paul Hombach]

Merkur am Morgen des 19.8.

Ein himmlisches Wochenende (11./12.08.2012)

Eigentlich hatte ich mir für das vergangene Wochenende lediglich vorgenommen, am späten Samstagabend nach den alljährlichen Perseiden Ausschau zu halten. Immerhin waren die Wetteraussichten vielversprechend. Dann entdeckte ich, dass am Samstag 2 günstige ISS-Überflüge und 2 helle Iridium-Flares stattfinden würden. Somit würde die Beobachtungssession etwas ausgedehnter werden. Doch wie sich dann zeigte, hielt das Wochenende noch einiges mehr an Himmelsereignissen bereit, übrigens nicht nur für mich. So wurde aus Norddeutschland eines der bislang jahreszeitlich spätesten NLC-Displays gemeldet. Zudem konnte in 2 Nächten (11./12. und 12./13.08.12) erneut grünes Airglow nachgewiesen werden. Und nicht zuletzt gelangen eindrucksvolle Aufnahmen von Perseiden-Meteoren.

Hinweis: alle Aufnahmen wurden mit einer Panasonic DMC-FZ18 angefertigt. Die Belichtungsdaten gehen aus der jeweiligen EXIF-Datei hervor.

Noch in der nautischen Dämmerung sollte am 11.08.12 gegen 22:10 MESZ ein Überflug der ISS erfolgen. Ich bin einige Minuten vorher zum Rheinufer hinuntergegangen, um die Station beim Abflug nach Osten über dem Rhein zu fotografieren. Dies hat auch gut geklappt, wie der nachstehenden Aufnahme zu entnehmen ist:

Überflug der ISS (11.08.2012, 22:12 MESZ)
Abb. 1: Überflug der ISS (11.08.2012, 22:12 MESZ)

Noch während die Kamera belichtete, wurde links außerhalb des Bildausschnitts in der Beueler Ortsmitte eine Feuerwerksbatterie abgefeuert, von der ich allerdings nur den Widerschein auf Hauswänden sehen konnte. Das irdische Feuerwerk war gerade zu Ende als genau über der gleichen Stelle die erste Perseide horizontnah nach unten fiel; sie war recht hell, etwa -2 mag. Das animierte dann zu dem Versuch, mit weitwinkeligen Langzeitbelichtungen vielleicht eine Schnuppe einzufangen. Es blieb allerdings beim Versuch. Immerhin konnte ich gegen 22:30 MESZ eine weitere recht helle Perseide horizontnah über Beuel visuell sichten. Kurz danach wurde irgendwo in Beuel noch ein weiterer Feuerwerkskörper abgefeuert, wie ich aus einem entsprechenden Knall schloss.
Ich bin dann erstmal ins Büro zurückgegangen und habe mich etwas mit historischen Sonnenfinsternissen in Australien beschäftigt. Gegen 23:40 bin ich dann in den stockdunklen Garten hinaus, um den zweiten ISS-Überflug zu beobachen, welcher gegen 23:45 anstand. Doch zunächst bemerkte ich tief über den Häusern der Südstadt und hinter den Bäumen eine ganz andere Art von Leuchtobjekten, welche ich zuletzt vor etwa 2 Jahren beobachtet hatte: Asiatische Himmelslaternen. Eine ziemlich große Flotte, höchstens 300 Meter entfernt. Seit dem Verbot im Jahr 2010 (oder war es schon 2009), macht sich die einstige Königin der UFOs ja recht rar. Inzwischen hatten sich meine Augen gut adaptiert, und ich konnte zumindest in Zenitnähe die Mikchstraße sehr gut sehen. Angesichts meines Standortes nur wenige hundert Meter südlich der lichdurchfluteten Bonner Innenstadt sprach das für ausgezeichnetes Seeing. Als nächstes stand um 23:55:23 MESZ ein Flare (-7mag) von Iridium 25 an, den ich im folgenden Foto festgehalten habe:

Iridium-Flare (11.08.2012, 23:55 MESZ, -7mag)
Abb. 2: Iridium-Flare (11.08.2012, 23:55 MESZ, -7mag)

Nur 8 Minuten später, um 00:03:09, flarte und enttäuschte Iridium 94. Bei Heavens Above mit -6mag prognostiziert schaffte er lediglich gute -1mag. Zwischen den Auftritten der Satelliten und der Himmelslaternen zählte ich 4 eher mittelhelle Perseiden.

Um 00:10 Uhr bin ich dann wieder rein, habe meine Sachen zusammengepackt und bin zum Auto gegangen. Das stand auf einem ziemlich dunklen Parkplatz und ein kurzer Rundum-Blick brachte die nächste Schnuppe. Ein weiteres ziemlich helles Exemplar konnte ich gleich an der ersten Ampel aus dem Auto heraus beobachten. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit und der Flugrichtung war das sicher keine Perseide, eher eine Kappa Cygnide.

Zu Hause angekommen, bin ich sofort auf die Terrasse heraus gegangen, hab nach oben geschaut und erst einmal Bauklötze gestaunt. Neben Atair standen 2 helle Sterne, etwa -1mag. Nach der ersten Verwirrung sah ich dann, dass sie sich bewegten, recht langsam und hintereinander auf genau der gleichen Bahn von Südwest nach Nordost, wobei sie allmählich verblassten. Der nächste Blick ging routinemäßig zur Uhr: 00:34 MESZ. Um diese Zeit sind nur sehr hoch fliegende Satelliten noch im Sonnenlicht. Dass die Objekte sich in sehr großer Höhe bewegten, ergab sich auch aus der geringen Winkelgeschwindigkeit. Spontan dachte ich an NOSS-Satelliten, da diese in Paaren (früher sogar in Tripletts) fliegen und bisweilen flaren können. Wie sich dann am Sonntag herausstellte, hatten andere Beobachter die Objekte sogar fotografiert und sich um Klärung bemüht. Es war tatsächlich ein NOSS-Paar gewesen. Ein Blick bei Heavens Above zeigte mir, dass dieser Überflug für Bonn mit einer Helligkeit von 3.5mag angekündigt war; es hatte sich also um recht beachtliche Flares gehandelt.
Obwohl ich noch eine gute halbe Stunde auf der Terrasse blieb, zeigte sich lediglich noch ein weiteres Meteor. Übrigens konnte man selbst hier mitten in der City die Milchstraße erkennen.

Bereits um kurz vor 5 Uhr klingelte der Wecker wieder, weil ich mir die Konstellation Venus – Mond- Jupiter anschauen wollte.
Praktischerweise ging das vom Schlafzimmer-Fenster aus. Die 3 boten in der tiefblauen Dämmerung einen prachtvollen Anblick. Weniger prachtvoll war das Fotografieren, denn das Streulicht einer Straßenlaterne, welche fast genau in Sichtrichtung stand, störte gewaltig. Ich musste also warten, bis die Dämmerung heller werden würde. Plötzlich fiel mir ein, dass kommende Woche eine Morgensichtbarkeit des Merkur beginnen sollte. Um diese Jahreszeit ist das für mich günstig, weil Merkur dann genau dort steht, wo ich dank einer gegenüberliegenden Seitenstraße bis ziemlich weit zum Horizont hinunter schauen kann. Ein Blick mit dem Fernglas – da war er schon, gerade über ein Hausdach getreten. Das nachstehende Foto habe ich etwas später aufgenommen.

Merkur in der Morgendämmerung (12.08.2012, 05:28 MESZ)
Abb. 3: Merkur in der Morgendämmerung (12.08.2012, 05:28 MESZ)

Alle Bemühungen, den noch relativ lichtschwachen (etwa +0.3mag) Planeten auch mit bloßem Auge zu erspähen, waren vergeblich. Inzwischen war es so hell geworden, dass die Lichtreflexe der Natriumdampflampe beim Fotografieren der anderen Planeten nicht mehr so stören sollten.

Mond, Jupiter und Aldebaran in der Morgendämmerung (12.08.2012, 05:31 MESZ)
Abb. 4: Mond, Jupiter und Aldebaran in der Morgendämmerung (12.08.2012, 05:31 MESZ)

Venus, Mond und Jupiter in der Morgendämmerung (12.08.2012, 05:43 MESZ)
Abb. 5: Venus, Mond und Jupiter in der Morgendämmerung (12.08.2012, 05:43 MESZ)

Ich hatte die ganze Zeit dünn bekleidet am offenen Fenster in der kühlen Morgenluft gestanden; entsprechend war ich jetzt recht munter und schaute noch etwas weiter. Inzwischen war die bürgerliche Dämmerung erreicht, welche mit einem ganz netten Purpurlicht aufwartete.

Purpurlicht (12.08.2012, 05:56 MESZ)
Abb. 6: Purpurlicht (12.08.2012, 05:56 MESZ)

Erstaunlichweise war Jupiter immer noch mühelos mit bloßem Auge zu sehen. Ich beschloss, weiter zu beobachten. Der Sonnenaufgang (den ich allerdings von meinem Fenster aus nicht sehen würde), war unter Berücksichtigung der Refraktion um 06:15 MESZ zu erwarten.

Mond und Jupiter (12.08.2012, 06:04 MESZ)
Abb. 7: Mond und Jupiter (12.08.2012, 06:04 MESZ)

Ein durch vorwärts gestreutes Sonnenlicht gleißend heller Kondensstreifen fesselte jetzt für einige Minuten meine Aufmerksamkeit:

Wolken und Kondensstreifen über dem Sonnenaufgangspunkt (12.08.2012, 06:22 MESZ)
Abb. 8: Wolken und Kondensstreifen über dem Sonnenaufgangspunkt (12.08.2012, 06:22 MESZ)

Als ich obiges Foto aufnahm, war der Sonnenaufgang mit Sicherheit erfolgt – und immer noch war Jupiter als blasser Punkt mit bloßem Auge sichtbar. Ich wartete noch ein paar Minuten – Jupiter blieb. Natürlich halfen sowohl der Mond als Wegweiser als auch die große Horizonthöhe des Planeten und der extrem klare Himmel. Aber dass Jupiter so einfach mit bloßem Auge am Taghimmel sichtbar ist, hätte ich nie für möglich gehalten.

Mond und Jupiter (12.08.2012, 06:27 MESZ)
Abb. 9: Mond und Jupiter (12.08.2012, 06:27 MESZ)

Nun forderte die Müdigkeit doch ihren Tribut. Als ich gegen 12 Uhr wieder wach wurde, ging es sofort auf die Terrasse. Ich wollte testen, ob Jupiter auch jetzt noch zu sehen sein würde. Doch dieses Unterfangen erwies sich als aussichtslos, weil sich der Himmel inzwischen mit Zirren überzogen hatte. Aber immerhin bot diese Bewölkungssituation Chancen auf Halos. Es dauerte aber noch ein paar Stunden, bis ich gegen 16:30 auf der Fähre von Königswinter nach Mehlem das Segment eines 22°-Halos sichtete. Da ich zu diesem Zeitpunkt die Kamera nicht dabei hatte, musste ich mich mit einem Handy-Foto begnügen, welches ich auf Twitpic hochlud. Als sich 2 Stunden später dann beide Nebensonnen zeigten, war ich wieder vollständig ausgerüstet.

Abb. 10: Linke und rechte Nebensonne (12.08.2012, 18:24 MESZ)
Abb. 10: Linke und rechte Nebensonne (12.08.2012, 18:24 MESZ)

Die Verursacher des Schauspiels waren selber auch recht fotogen:

Zirren über der Bonner Südstadt (12.08.2012, 18:27 MESZ)
Abb. 11: Zirren über der Bonner Südstadt (12.08.2012, 18:27 MESZ)

Eine halbe Stunde später erbrachte ein weitere Kontrollblick auch den bereits erwarteten Zirkumzenitalbogen.

Zirkumzenitalbogen (12.08.2012, 19:06 MESZ)
Abb. 12: Zirkumzenitalbogen (12.08.2012, 19:06 MESZ)

Angesichts der Bewölkungsstruktur war mit einem prächtigen Abendrot zu rechnen – und auch in dieser Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht.

Abendrot über der Bonner Südstadt (12.08.2012, 21:06 MESZ)
Abb. 13: Abendrot über der Bonner Südstadt (12.08.2012, 21:06 MESZ)

Eine weitere Stunde verging, bis sich das Dreigestirn Saturn, Mars und Spika am Dämmerungshimmel über den Gründerzeithäusern zeigte. Aufgrund des „verzirrten“ Himmels war der Anblick mit bloßem Auge sehr bescheiden. Aber immerhin, ich habe mal wieder alle 5 Planeten an einem Tag gesehen.

Saturn, Mars und Spika (12.08.2012, 22:03 MESZ)
Abb. 14: (von oben) Saturn, Mars und Spika (12.08.2012, 22:03 MESZ)

Damit endete denn auch ein wahrhaft himmlisches Wochenende. [Stefan Krause]

Planeten in der Dämmerung

Trotz des vielfach wolkigen Wetters waren in den letzten Tagen die fünf klassischen, mit bloßem Auge beobachtbaren  Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn alle innerhalb weniger Stunden bzw. an einem Tag vom „KBA-Land“ aus zu sehen.

Merkur bietet eine mäßig gute Abendsichtbarkeit – für das bloße Auge zwar eine Herausforderung, mit einem Fernglas bei einigermaßen guter Sicht aber kein Problem. Dieses Bild zeigt Merkur am Abend des 17.6.:

Im Laufe des Abends waren natürlich Mars und Saturn (letzterer z.Z noch oberhalb von Spica) einfach zu beobachten. Am folgenden Morgen des 18.6. gelang dem Autor zwischen 4:30 und 5 Uhr MESZ ein erster Blick auf Jupiter, der nach seiner Konjunktion jetzt wieder am Morgenhimmel aufgetaucht ist.

Erste Berichte von Teleskop-Beobachtern deuten an,  dass sich Jupiters nördliches Äquatorialband (NEB) dramatisch verändert haben könnte – es bleibt  jeden Fall spannend! Wenige Minuten später, Jupiter war schon in den rasch ziehenden Wolken verschwunden, ging Venus auf – es war die erste Beobachtung mit bloßem Auge bei der beginnenden Morgensichtbarkeit. Am Tag zuvor gelang diesem Blogger eine Taghimmelbeobachtung der Venus per GoTo-gesteuertem Teleskop: Die Sichel ist so kurz nach dem Transit immer noch spektakulär schmal.

Im Fernglas (8x Vergrößerung) zeigte sich Venus noch eindeutig mit Phase. [Paul Hombach]