Archiv für den Monat September 2018

Lier, Flandern, Belgien: die umwerfenden astronomischen Uhrwerke des Louis Zimmer

In der belgischen Kleinstadt Lier südöstlich von Antwerpen wartet – unentdeckt vom üblichen Flandern-Tourismus – ein wahres Kleinod des astronomischen Uhren-Wesens und der Astronomie-Didaktik der Vergangenheit auf die Entdeckung: der Zimmertoren (Zimmer-Turm), ein mittelalterliches Relikt der einstigen Stadtmauer, das der Uhrmacher und Mathematiker Louis Zimmer 1930 in ein außergewöhnliches astronomisches Anzeige-Instrument verwandelte. Dargestellt werden z.B. die Zeitgleichung (Anzeige auf „zwei Uhr“, offenbar kaputt), die Epakten („ein Uhr“) oder die Gezeiten („zehn Uhr“) in Lier.

Angetrieben wird „die Jubiläums-Uhr“ (1930 war Belgien 100 Jahre unabhängig) durch ein ausgeklügeltes mechanisches Uhrwerk, das dem Vernehmen nach seit nunmehr 88 Jahren ohne Unterbrechung läuft und zweimal am Tag aufgezogen werden muss.

Und dasselbe Uhrwerk treibt noch mehr Anzeigen an: Im Inneren des Turms richtete Zimmer bald nach Vollendung der Uhr ein „astronomisches Studio“ ein, das zahlreiche weitere astronomische Sachverhalte darstellt – bis hin zu rotierenden Planetengloben! Zimmer war zu der Erkenntnis gekommen, dass der Allgemeinheit an astronomischen Grundwissen fehlt, und da wollte er Abhilfe schaffen. Klingt irgendwie modern …

In einem Museum direkt neben dem Turm – dort bitte vor Betreten des Turms eine Eintrittskarte lösen! – sind noch weitere Zimmer-Uhren zu sehen: insbesondere die für Weltausstellungen in den 1930-er Jahren konstruierte „Wunderuhr“ mit Zifferblättern auch für laaaangsame astronomische Zyklen bis zur Präzession (und einem elektrischen Motor als Antrieb).

Und eine Spezialuhr anlässlich der Mondlandungen. Der Zimmerturm fügt sich in das attraktive Stadtbild Liers ein (nur 10 km von Hove mit der hier und hier vorgestellten Urania entfernt, von der auch der Tipp stammte) – und ist eines ihrer Wahrzeichen:

[Daniel Fischer]

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Sonnenuntergang in der Nordsee

Der heutige Sonnenuntergang von Blankenberge an der belgischen Nordseeküste aus gesehen – mit trotz etwas Wolken am Horizont derart greller Sonne, dass für die meisten Aufnahmen 1/16’000 Sekunde bei Blende 8 und ISO 100 verwendet werden musste … was am Anfang immer noch nicht kurz genug war:

Ab jetzt in identischem Maßstab das Verschwinden der Sonne – als zum Schluss roter Strich, der dann zerbricht – auf dem Horizont, mit nur marginalen grünen Segmentchen:

Und noch ein paar Ansichten „der Lage“ danach:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder größer in diesem Album]

Middelburg: Astronomie-Geschichte lebt

Zwei Jahre nach dem letzten Besuch heute zum dritten Mal in Middelburg im niederländischen Zeeland, wo 1608 das Fernrohr erfunden wurde – und natürlich von Hans Lipperhey und auch nicht genau dort, wo die mithin gleich dreifach falsche aber auch selbst schon wieder historische Gedenktafel an der Abteikirche (mit dem Langen Jan) Ziel der schon traditionellen ‚Pilgerfahrt‘ wurde …

… und dann Volkssternwarte Philippus Lansbergen nunmehr an ihrem neuen Ort direkt am Rathaus. Mit einer bemerkenswerten Tür des Teleskoplagers – da waren mal Akten der Stadt drin.

Die neue Einrichtung wird – vermutlich kommendes Jahr – eine erstaunliche Zugabe bekommen: Hinter dieses Fenster kommt ein 50-cm-Teleskop, das automatisch weit hinaus fährt und dann einen Großteil des Himmels überblicken kann. Der dann via Kamera dem Publikum gezeigt wird, während über den Schalter links eine besonders störende Straßenlampe abgeschaltet wird! Auch sonst steht massig Didaktik bereit, inklusive eines Mini-Planetariums.

Das Besondere an der Middelburger Volkssternwarte ist aber das integrierte Museum für Teleskopgeschichte, mit vielen erstaunlichen Originalen und selbst erstellten Modellen – etwa von Lipperheys Werkstatt.

Eine allerdings bald verschwindende Schau zum bedeutenden Amateurastronomen Piet Meesters mit etlichen seiner Teleskope.

Und wieder aus der Dauerausstellung ein Modell zur Navigation und Vitrinen zu Leben und Werk der Lokal-Astronomen …

Cornelis Tevel (der an die 1000 Sonnenzeichnungen anfertigte) und Jan de Munck:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: die Erfindungsgeschichte des Fernrohrs]

Halo über dem Ennertwald

W#hrend eines Marsches zum Skywalk an der Rabenlay oberhalb von Bonn-Oberkassel wurde gegen 17:30 bis 17:45 MESZ ein Halo mit mehreren Komponenten gesichtet, gemäß der ‚amtlichen‘ Grafiken Nebensonnen, der 22°-Kreis, der obere Berührungsbogen und der Zirkumzenitalbogen:

Und hier noch Wolkenschatten über der rechten Nebensonne, als die Show zuende ging:

[Daniel Fischer]