Archiv für den Monat Dezember 2013

Am Fenster zum Hof: Mein Hitchcock-Mond

Am Sonntag und Montag konnte ich nicht nur eine wunderschöne Venus in rotem Abendkleid fotografieren, sondern auch einen sich schnell verändernden Hof (Strahlenkranz, Aureole) um den Vollmond, was abwechslungsreiche Motive bot. Am Fenster verfolgte ich eine ganze Zeitlang wie immer neue Ansichten entstanden: Mal war der farbige Ring in eine impressionistische Wolkenlandschaft eingebettet, mal ergab sich eine dramatische Szenerie mit vorbeiziehenden dunklen Wolkenfetzen. [Nico Schmidt]

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Venus in malerischem Abendrot

Nach Sonnenuntergang lässt sich in diesen Wochen Richtung Südwesten wieder sehr schön unser Nachbarplanet Venus als strahlender Abendstern beobachten; der Abstand zur Sonne beträgt jedoch nur noch 34 Grad und verringert sich weiter. Als gestern Abend Richtung Osten der fast volle Mond oft hinter dunkelgrauen Wolken verschwand, lockte ihm gegenüber der Westhimmel mit wunderschönen Dämmerungsfarben, in denen die heller werdende Venus funkelte. Und während ich englisch mit chinesischem Akzent aus dem Laptop-Lautsprecher hörte (Chinas Politiker feierten ihre erfolgreiche Mondlandung), stand ich am Velux-Fenster und machte einige Bilder dieser malerisch eingefärbten Abendstimmung – quasi mit Venus in rotem Abendkleid. Die als Stern erscheinende Venus ist jeweils in der unteren Bildhälfte erkennbar; das erste Foto gibt’s zusätzlich in einer farbintensiveren Version, auch wenn ich sonst nichts mit Bildbearbeitung am Hut habe. [Nico Schmidt]

Komet Lovejoy: Eine Zeichnung und ein Foto von heute früh

Michael Hillen

Ausgerechnet am Freitag, den 13. hatte ich endlich mein Wetterglück – ein morgendlicher Sternhimmel ohne Hochnebelsuppe oder Wolken – und noch dazu war ich um halb 6 ohne Wecker aufgewacht. Ich öffnete das Dachfenster, staunte über den hohen Stand der Frühlingssternbilder und sah bei frostigen Temperaturen zum ersten Mal den ISON-Ersatzkometen Lovejoy (C/2013 R1). Bei einem Schwenk mit dem 10×50-Fernglas über den Eckstern zeta Her fiel die relativ helle Koma sofort auf; ihre Helligkeit schätzte ich auf rund 6,0mag. Schwächer aber dennoch ohne Schwierigkeiten erkennbar war der lange Gasschweif, der visuell über eine Länge von 1 Grad sichtbar war (bis zur Hälfte der Strecke in Richtung des nächsten hellen Sterns), mit indirektem Sehen und leichtem Wackeln des Fernglases sogar noch etwas weiter. Gegen 6 entschied ich mich für eine Zeichnung, wobei ich zunächst eine grobe Skizze machte und später am Tag eine fertige Illustration meines Anblicks im Fernglas erstellte.

Während ich heute früh eher zu Bleistift und Papier griff, machte etwa zeitgleich KBA-Sternfreund Michael Hillen eine sehr schöne Übersichtsaufnahme von Lovejoy. Farbeindrücke sind für visuelle Beobachter nicht wahrnehmbar, dagegen zeigt das Foto wunderbar den eindrucksvoll grünlich – vermutlich durch C2-Moleküle verursacht – leuchtenden Kopf des Schweifsterns. [Nico Schmidt]

Drei Jahrzehnte deutsche Kometenforschung live auf der Bühne

Veteranen der deutschen Kometen-Forschung vor Ort bis in die Halley-Tage zurück gaben sich gestern auf dem 26. Raumfahrt-Kolloquium an der FH Aachen – hier eröffnet von deren Rektor M. Baumann – die Klinke in die Hand, das den Bogen von den direkten Besuchen bei Kometenkernen seit 1986 bis zu den großen Erwartungen an die Rosetta-Mission spannte: Die sieben ausführlichen Vorträge erwiesen sich als geradezu komplementär zu den Präsentationen auf dem ESA-Briefing zu Rosetta zwei Tage früher und förderten manch neuen Aspekt zutage.

Den Anfang machte Diedrich Möhlmann, früher beim Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin und noch früher eine treibende Kraft der Planetenforschung in der DDR – und immer noch aktiv: Nächstes Jahr erscheint ein Buch von ihm zur Rosetta-Mission, in dem, so Möhlmann geheimnisvoll zu diesem Blog, auch Wurzeln der aktuellen Mission in der DDR aufgezeigt werden sollen.

Auf eine fulminante Reise zu den fünf Kometenkernen, derer im Vierteljahrhundert 1986 bis 2010 Sondenkameras aus der Nähe ansichtig wurden, nahm Horst Uwe Keller (jetzt TU Braunschweig) das Publikum mit, der selbst die Kamera von Giotto konstruiert hatte – für die mehr Software erforderlich war als für die Sonde selbst und alle anderen Instrumente zusammen, musste sie noch von einem rotierenden und 70 km/s schnellen Raumfahrzeug aus auf den Kometenkern nachführen. Der Erkenntnisgewinn von Mission zu Mission war groß, aber die offen gebliebenen Fragen – v.a. zum Innenleben und Verhalten der Kometenkerne – sind es auch.

Eine völlig andere Perspektive auf moderne Planetenforschung bot Klaus Wittmann, der eigentlich im Ruhestand immer noch Vorlesungen zum Management von Missionen an der FH hält – und in der Anfangsphase für jenes verwegene Projekt zuständig war, aus dem nach manchen Wirrungen der Kometenlander Philae auf Rosetta wurde: Nicht oft benutzt ein (ehemals führender) Manager eines laufenden Raumfahrtunternehmens das Adjektiv „chaotisch“ in einem öffentlichen Vortrag, verschwanden doch immer wieder Projektpartner und traten neue dem Konsortium bei.

Wie auch Keller betonte Martin Hilchenbach (MPI für Sonnensystemforschung), dass sich die wissenschaftlichen Fragestellungen für Rosetta verschoben haben, seit insbesondere die von Stardust mitgebrachten stark erhitzten Kometen-Staubteilchen bewiesen, dass keineswegs nur unveränderte Urmaterie des Sonnensystems in Kometenkernen zu finden sein wird – namentlich denjenigen der Jupiter-Familie, die sich wegen ihrer bekannten Bahnen und häufigen Wiederkehr als einzige für Sondenbesuche eignen.

Koen Geurts vom DLR in Köln, wo wesentliche Steuer-Aufgaben für Philae erledigt werden sollen, erläuterte die Herausforderungen der ersten Kometenlandung – wenn der Komet denn auch „feindlich“ sein muss – und die detaillierte Planung: So soll während des mehrstündigen Abstiegs des Landers tatsächlich Kontakt mit Rosetta gehalten werden.

Wiederum ein Veteran aus Giotto-Tagen – und langjähriger Mission Manager von Rosetta – war Gerhard Schwehm, der über künftige Asteroiden- und Kometen-Missionen sprach: ein gemischtes Thema, da erstere zwar von mehreren Ländern vorangetrieben (aber in den USA zunehmend in Planungen der bemannten Raumfahrt aufgesaugt) werden, während nennenswerte Kometenmissionen nach Rosetta nicht in Sicht sind.

Zum Schluss ging noch die Patin der deutschen Exobiologie, Gerda Horneck (früher DLR Köln) auf die mögliche Rolle von Kometen bei der Entstehung des Lebens hier & anderswo ein: Zumindest der Masseneintrag organischer Materie durch abstürzende Kometenkerne ist enorm, doch wann, warum und wie der Funke des Lebens zündet, ist so unklar wie eh und je. In einem Jahr wird ein Großteil der Rosetta-Mission schon Geschichte sein und sicher auch bald wieder Thema der alljährlichen Aachener Kolloquien, wo die Mission auch schon in vergangenen Jahren mehrfach eine Rolle spielte – auch das ein Zeichen für ihre Bedeutung in der europäischen Raumfahrt.

Radioastronomen zu Gast bei den optischen Hobbyastronomen

Mit einem ungewohnten „very warm welcome“ begrüßte Peter Oden gestern Abend insgesamt 31 Gäste in der Volkssternwarte Bonn, denn das Publikum bestand aus vorwiegend englischsprachigen Mitarbeitern der Arbeitsgruppe „Radioastronomische Fundamentalphysik“ des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR). Ab halb 6 trafen die ersten Leute ein, denen ich in meinem kleinen 80mm-Refraktor noch die Venussichel dicht über einer Dachkante zeigen konnte. Danach hielt Peter Oden zunächst einen Vortrag über den großen Bonner Astronomen Argelander und die historische Sternwarte in Poppelsdorf, wo in den 1850er Jahren die bekannte Bonner Durchmusterung durchgeführt wurde. Im Anschluss folgten Führungen in das alte Sternwartengebäude, wobei ich eine Gruppe in den großen Heliometer-Turm und – einen astronomiegeschichtlichen Flur hindurch – in den Argelander-Turm begleitete und die Bedeutung dieser Orte den Doktoranden und anderen Radioastronomen näher brachte. Dabei entdeckte ich, dass sich sogar Michael Kramer, Direktor am MPIfR und Leiter der Forschergruppe, unter den Besuchern befand.

Sowohl oben im kleinen Turm als auch anschließend an den unten aufgestellten Teleskopen versuchte man sich sogar mit Handys und Kameras am Okular als Mondfotografen (wegen Autofokus ist mein Foto oben etwas überbelichtet) oder staunten ganz einfach über die eindrucksvollen Schatten der Krater und Mondgebirge. Da M 57 zusammen mit dem Lichtdunst der Stadt und dem hellen Halbmond kaum noch zu sehen war, zeigte ich stattdessen den Kleiderbügel-Asterismus und den farbigen Doppelstern Albireo und nebenbei kam man noch etwas mit den theoretisch oder praktisch arbeitenden Radioastronomen ins Gespräch. So erzählte mir z.b. ein Astroteilchenphysiker vom Nachweis von Radiostrahlung von Teilchenschauern der Kosmischen Strahlung. Mit einem Dankeschön für Vorträge, Führungen und Mondbeobachtung endete schließlich der fast zweistündige Ausflug der mit Meterwellen arbeitenden Fachastronomen zu den Hobbyastronomen mit dem Nanometer-Wellenlängenbereich. [Nico Schmidt]

12. Dezember: Ein Rosetta-Kolloquium in Aachen

Sonde Rosetta und Lander Philae beim Kometenkern

Nach einem überaus spannenden Kometenjahr 2013, das in einem unglaublichen Krimi zur Sonnenpassage von ISON gipfelte, geht es 2014 mit waghalsiger Kometenforschung weiter. Denn am 20. Januar wird die europäische Sonde Rosetta aus ihrem langen Winterschlaf geholt und soll dann im Mai – nach 10 Jahren und 2 Monaten Flugzeit – in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko einschwenken und schließlich soll danach am 11. November ein dreibeiniger Lander namens Philae auf dem Kometenkern aufsetzen. Das klingt nach einer sehr spannenden Raumfahrtmission (Übersicht für 2014/2015), auch wenn es aktuell noch einige Unwägbarkeiten zu Rosetta und der ersten Landung auf einem Schweifstern gibt.

11 Monate vor der spektakulären Kometenlandung auf einem keine 5 Kilometer großen Kern ist Rosetta das große Vortragsthema des 26. Raumfahrt-Kolloquiums, das diesen Donnerstag, 12. Dezember, stattfindet. Die Fachtagung mit dem Titel „Kometen und die Mission Rosetta“ wird vom Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen veranstaltet und findet von 13 bis 20 Uhr statt. [Nico Schmidt]

Kometen-Sonntag mit Lovejoy statt ISON

Wilfried Bongartz

Peter Oden

Michael Hillen

Nach einem erfolgreichen Beobachtungsflug zum Kometen PANSTARRS im März, plante das astronomische Reisebüro in der Bonner Südstadt einen weiteren Flug von Köln/Bonn nach Köln/Bonn mit Zwischenstopp Komet ISON. Doch das dieser Hoffnungsträger unter den Schweifsternen die extrem dichte Sonnenpassage nicht bzw. nur in Einzelteilen überleben sollte (und 10 Tage nach dem Perihel gibt es immer noch keine erdgebundene Aufnahme von ISONs sehr diffuser Staubwolke), konnte vor einem halben Jahr niemand ahnen. Und trotzdem hob der Kometenflieger heute früh um 5:15 MEZ vom Flughafen Köln/Bonn ab, allerdings wurde nun während des geplanten ISON-Flugs der „Ersatzkomet“ Lovejoy mit Fernglas beobachtet und fotografisch festgehalten. Wie man anhand den obigen ersten drei Aufnahmen sieht, waren wie schon im Frühjahr erneut einige Mitglieder der Volkssternwarte Bonn (VSB) dabei. Weitere Impressionen gibt es hier und hier von Stefan Krause und auch Peter Oden berichtet vom Kometenflug in 12.500 Metern Höhe. Das letzte Bild zeigt Stefan Erbschwendner, der ebenfalls im Kometenflieger saß und dann am Nachmittag bei einer „Kometenzeit in Bonn“-Veranstaltung Kindern seine Erlebnisse schilderte, wobei er auch zeigte, welche unbequemen Posen zum Teil die Astrofotografen im Flugzeug für ein gutes Bild von Lovejoy eingenommen hatten.

Mitte Dezember wird sich das Beobachtungsfenster von Fernglaskomet Lovejoy langsam schließen, eine letzte öffentliche Beobachtung ist dennoch bei klarem Himmel geplant und findet am kommenden Samstag, 14. Dezember, ab 6:00 MEZ am Alten Zoll in Bonn statt. [Nico Schmidt]