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26. November: 28. Raumfahrt-Kolloquium in Aachen

So sieht es auf einem Blick aus, das Programm an Fachvorträgen des 28. Raumfahrt-Kolloquiums der Fachhochschule Aachen. Dieses Jahr steht es unter dem Titel „Leben im Universum!?“ und widmet sich somit vielen Aspekten der Astrobiologie. Dabei wird sich vor allem auf das Sonnensystem mit den faszinierenden Eismonden Europa und Enceladus konzentriert, außerdem werden raumfahrttechnische Möglichkeiten vorgestellt. Aber auch über den aktuellen Stand der Suche nach der Erde 2.0 wird berichtet. Das 28. Raumfahrt-Kolloquium wird am 26. November vom Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen veranstaltet und findet im FH-Gebäude Hohenstaufenallee 6 (Raum 00201) statt. Die Teilnahme ist kostenlos, weitere Informationen finden sich im Flyer. [Nico Schmidt]

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Die Rückkehr der „Bundesbiene“ nach Bonn

Am Ende steckte sie auf der A 59 beim Europäischen Astronautenzentrum in Porz im Stau und erreichte ihren Bestimmungsort mit einer halben Stunde Verspätung, doch heute ist die berühmte Bundesbiene tatsächlich in die Bonner Bundeskunsthalle (und die aktuelle Ausstellung „Outer Space“) zurück gekehrt, auf deren Dach sie einst lebte und wo sie – das wird man nicht müde zu betonen – eines natürlichen Todes gestorben war. Die Reise war dann per Soyuz zur ISS und nach einem halben Jahr wieder zurück zur Erde gegangen – wo man sie dann versehentlich nach Houston expedierte, so dass sie Alexander Gerst bei seiner Party leider noch nicht mitbringen konnte. Das holte nun sein Astronauten-Vorgänger Reinhold Ewald nach, der sie – assistiert von der Ausstellungs-Kuratorin, dem Kunsthallen-Intendanten und zwei weiteren (TV-bekannten) Teilnehmern einer späteren Podiumsdiskussion – im ersten Saal des „Outer Space“ zur letzten Ruhe bettete. Der übrigens gestern ihren 100’000. Besucher begrüßen konnte und noch bis zum 22. Februar zu sehen ist. Dann ist allerdings abrupt Schluss: keine Finissage (denn an Sonntagen herrscht ohnehin schon ein Riesenandrang), und die 90 Leihgeber wollen ihre Objekte rasch zurück – den lange als erster Blickfang dienenden Rubens hat dieses Schicksal sogar schon erreilt. Die Bundesbiene wird am Schluss in die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz weiter fliegen, die ein wichtiger Leihgeber war. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: der historische Moment größer und Artikel hier, hier und hier]

28. Mai: Public Viewing in Köln zum Start von Alexander Gerst

Links: Alexander Gerst (GCTC), rechts: Logo zu seiner Mission „Blue Dot“ (ESA)

Genau zwei Wochen bevor der deutsche Astronaut Alexander Gerst an Bord einer Sojus-Kapsel zur Raumstation ISS abheben wird, gab die ESA bekannt, dass in Deutschland drei Veranstaltungen zum Start am 28. Mai geplant sind. Neben Oberpfaffenhofen und Frankfurt steht auch Köln auf dem Programm: Dort soll nahe des Rathauses ein Public Viewing auf dem Alter Markt stattfinden. Die Liveübertragung soll von 20:00 bis 22:15 Uhr gehen (21:56 Uhr ist der derzeitige Startzeitpunkt) und von ESA-Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 zwei Wochen auf der Mir verbrachte, kommentiert werden. Natürlich lässt sich der Start auch leicht im Web verfolgen: Beispielsweise zeigt dlr.de das in Oberpfaffenhofen stattfindene Event, während auf dlr.de/next die Übertragung des NASA-TV zu sehen sein wird. Der NASA-Stream soll außerdem auch in einer Berliner Veranstaltung in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte gezeigt werden.

Nach dem Start wird Gerst ein halbes Jahr auf der ISS verbringen und im Rahmen seiner „Blue Dot“ genannten Mission ist er zusammen mit seinen Kollegen an rund 160 Experimenten beteiligt. Viele Einzelheiten zu „Blue Dot“ und dem dazugehörigen Motto „Shaping the future“ lassen sich hier in der 25-seitigen Broschüre zur Mission nachlesen. Sehr interessant ist auch diese Aufzeichnung einer Pressekonferenz im EAC des DLR in Köln-Porz vom 17. März, bei der der Astronaut ausführlich über die zurückliegenden Vorbereitungen, aktuelle Arbeiten und seine anstehende sechsmonatige Mission zur ISS berichtete. [Nico Schmidt. NACHTRAG: Wie nun im Blog des Astronauten zu lesen ist, wird das Public-Viewing-Event in Köln von einem Moderatorenduo des Radiosenders 1Live moderiert, außerdem soll NDW-Ikone Peter Schilling mit seinem Hit von 1983 – natürlich „Major Tom“ – auftreten.]

12. Dezember: Ein Rosetta-Kolloquium in Aachen

Sonde Rosetta und Lander Philae beim Kometenkern

Nach einem überaus spannenden Kometenjahr 2013, das in einem unglaublichen Krimi zur Sonnenpassage von ISON gipfelte, geht es 2014 mit waghalsiger Kometenforschung weiter. Denn am 20. Januar wird die europäische Sonde Rosetta aus ihrem langen Winterschlaf geholt und soll dann im Mai – nach 10 Jahren und 2 Monaten Flugzeit – in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko einschwenken und schließlich soll danach am 11. November ein dreibeiniger Lander namens Philae auf dem Kometenkern aufsetzen. Das klingt nach einer sehr spannenden Raumfahrtmission (Übersicht für 2014/2015), auch wenn es aktuell noch einige Unwägbarkeiten zu Rosetta und der ersten Landung auf einem Schweifstern gibt.

11 Monate vor der spektakulären Kometenlandung auf einem keine 5 Kilometer großen Kern ist Rosetta das große Vortragsthema des 26. Raumfahrt-Kolloquiums, das diesen Donnerstag, 12. Dezember, stattfindet. Die Fachtagung mit dem Titel „Kometen und die Mission Rosetta“ wird vom Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen veranstaltet und findet von 13 bis 20 Uhr statt. [Nico Schmidt]

„Argelanders Astro-Abend“ aus 1,4 Milliarden Kilometern

NASA, JPL-Caltech, SSI, Gordan Ugarkovic

NASA, JPL-Caltech, SSI, Jason Major

Das sind die ersten verarbeiteten Bilder, die die Saturnsonde Cassini in der Nacht von Freitag auf Samstag aufgenommen hat, wobei der kleine bläuliche Lichtpunkt unter dem majestätischen Ringsystem unser Heimatplanet Erde in 1,44 Milliarden Kilometer Entfernung ist. Währenddessen fand unsere „Argelanders Astro-Abend“ genannte spontane Saturn-Party mit Beobachtung in Bonn-Endenich statt und natürlich wurde dann in den 15 Minuten der „Winkt dem Saturn“-Aktion auch Cassini zugewunken und für die interplanetare Fotosession freundlich gelächelt. Hier gibt’s jede Menge Fotos unseres lauen Sommerabends mit Wink-Effekt. Die zwischen 23:27 und 23:42 Uhr losgeschickten Photonen unserer Saturnbeobachtung erreichten schließlich 80 Minuten später Cassini hinter dem Saturn und es entstand das oben gezeigte Foto. Das zweite Bild zeigt die Erde mit Mond als 1,4 Milliarden Kilometer entfernter „Doppelstern“.

Das offizielle Saturnpanorama der NASA wird vermutlich erst in Wochen veröffentlicht, aber Saturn-Fans wie Gordan Ugarkovic haben die online verfügbaren Cassini-Rohbilder schon längst für einen ersten Eindruck zusammengesetzt. Weitere Ergebnisse von Amateuren sind hier und hier zu sehen. [Nico Schmidt]

ATV „Albert Einstein“ nur 3 ½ Stunden nach dem Start

Letzte Nacht startete um 23:52 MESZ mit einer Ariane-Rakete das mittlerweile vierte ATV (Automated Transfer Vehicle), ein automatisches Frachtraumschiff der ESA, zur Raumstation ISS. Das ATV-4 namens „Albert Einstein“ wurde 2012 bei Astrium in Bremen zusammengebaut und den finalen Tests unterzogen, bevor die 450 Millionen Euro teure Mission in Südamerika vor einem farbenfrohen Dämmerungshimmel in die Umlaufbahn geschossen wurde (Bild 3). Die Ankunft bei der Raumstation soll am 15. Juni nachmittags stattfinden und bis dahin können ATV wie ISS mehrmals pro Nacht verfolgt werden; die Überflüge sind im Web am besten mit Heavens-Above oder Calsky abrufbar.

Beide orbitalen Objekte hat der Blogger und Sternfreund Daniel Fischer bereits kurz nach dem Start des ATV am Himmel über Königswinter fotografisch festgehalten. Bild 1 zeigt die Strichspur von „Albert Einstein“ durch das Sternbild Adler um 3:21 MESZ, bei Bild 2 ist die ebenfalls 40 Sekunden lang belichtete und 3 ½ Größenklassen hellere ISS um 3:03 MESZ zu sehen. [Nico Schmidt]

2013: Ein Jahr für die Luft- und Raumfahrt in Köln

Die „Kölner Wissenschaftsrunde“, ein Zusammenschluss von DLR sowie Kölner Universität und Hochschulen, hat das Jahr 2013 zu einem Themenjahr für die Luft- und Raumfahrt ernannt. Das bisher veröffentlichte Programm könnte vielseitiger nicht sein. Neben öffentlichen Vorträgen (zu Themen der Luftfahrt, Weltraumforschung und Astronomie) und Fachveranstaltungen finden u.a. auch ein „Monat der Schulastronomie“, eine Science-Fiction-Literaturnacht und ein Elektronik-Musik-Konzert statt. Außerdem nehmen das Literaturfestival lit.Cologne und die KölnerKinderUni das Raumfahrt-Themenjahr in ihr Programm auf und zusätzlich wird am 22. September der DLR-Standort in Köln-Porz erneut einen Tag der offenen Tür veranstalten. Wie schon 2011, als dort die Flugzeug-Sternwarte SOFIA gastierte (siehe Foto) und das DLR rund 85.000 Besucher zählte, werden sicher auch diesmal wieder wir Bonner Sternfreunde mit unseren Teleskopen bei hoffentlich sonnigem Wetter dabei sein.

Alle Veranstaltungen – auch wenn noch nicht alle Termine feststehen –  im Überblick gibt’s auf der Homepage des Wissenschaftsportals. [Nico Schmidt]

Wenn einer vom DLR nur (über) Müll erzählt … :-)

Einen guten Überblick über die Problematik des Weltraummülls – aber kaum konkrete Ausblicke auf baldige Lösungen – gab heute im Deutschen Museum Bonn Manuel Metz vom DLR-Raumfahrtmanagement in Oberkassel; einige seiner Visuals stammten wohl aus dieser NASA-Galerie (hier in größer), viele Grafiken (wie die modifizierte obige) aus den Orbital Debris Quarterly News oder von den Braunschweiger Müll-Forschern. Deren bekannte – und alle paar Jahre mal wieder durch die Presse geisternde – Modellrechnung, nach der sich die Zahl der Schrott-Teilchen im LEO immer schneller vermehren werde, selbst wenn man heute gar keine neuen Satelliten mehr startete, präzisierte er später: Dieser Punkt sei erst in 50 bis 100 Jahren erreicht. Aber handeln sollte man schon jetzt, wobei dem gezielten Abfischen bestimmter größerer inaktiver Satelliten – mit Satelliten wie DEOS, der das Prinzip demonstrieren soll – eine Schlüsselrolle zu käme.

Denn das Entfernen dieser Ziele für künftige gravierende Kollisionsereignisse sei viel wertvoller, um dem Braunschweiger Runaway entgegen zu wirken, als Kleinkram per Laser zu bremsen (was andere DLR-Forscher für eine coole, nee, heiße Idee halten). International bindende Vorschriften zur Vermeidung unnötigen Raumschrotts (etwa indem Tanks geleert, Satelliten in Friedhofsorbits verschoben oder bestimmte splitterfreudige Werkstoffe vermieden werden) gibt es nicht, nur Willenserklärungen einzelner Weltraumagenturen: So besteht das DLR, wenn es bei der Industrie Satelliten bestellt, auf der Einhaltung entsprechender Empfehlungen. In Frankreich, so Metz, sei man schon weiter mit einem Weltraum-Gesetz, das die Lizensierung jedweder Orbit-Aktivität erzwingt. Aber in Deutschland sei dergleichen inzwischen auch in Vorbereitung. [Daniel Fischer]