Archiv für den Monat Oktober 2012

Eindrücke vom Tag der offenen Tür 2012 der Volkssternwarte Bonn

„Veronika, der Lenz ist da“. Für das vergangene Wochenende mit Temperaturen bis zu 25 Grad traf das noch zu, aber zum gestrigen Tag der offenen Tür schaufelten die Tiefs Veronika und Ursula ordentlich polare Kaltluft nach NRW. Doch trotz der gerade einmal 5 Grad zur Mittagsstunde kamen bei schönstem Sonntagswetter die Besucher – geschätzt zwischen 250 und 300 – zur Volkssternwarte Bonn (VSB).

Der Hochnebel vom Morgen war anfangs noch recht zäh, aber ab 13 Uhr taten sich die ersten größeren Lücken auf, so dass sich ein Blick durch die direkt unter dem 170 Jahre alten Argelander-Turm aufgebauten Sonnenteleskope lohnte. Während im Weißlicht drei Sonnenfleckenregionen sichtbar waren, offenbarte die Beobachtung des roten Lichts der Wasserstofflinie H-alpha eine turbulente Chromosphäre mit vielen Einzelheiten sowohl auf der Oberfläche als auch am Rand, wo sich deutlich einige sehenswerte Protuberanzen tummelten.

Die Besucher – sogar Christian Preuß von den „Sternfreunden Siebengebirge“ schaute vorbei – konnten sich im Kuppelraum der Volkssternwarte informieren: die Stellwände zeigten u.a. Fotos von der Öffentlichtkeitsarbeit, Einsteiger-Bücher waren ausgelegt, auf der neuen Leinwand wurde Stellarium vorgeführt und die Hobbyastronomen beantworteten alle möglichen Fragen. Es gab auch einige Führungen hoch in den kleinen Beobachtungsturm der Alten Sternwarte, wo Argelander und seine Kollegen vor mehr als 150 Jahren eine als „Bonner Durchmusterung“ berühmt gewordene Himmelsvermessung durchgeführt haben. Die geschichtlichen Hintergründe dieses Ortes vermittelte außerdem der noch rechtzeitig fertig gestaltete Argelander-Flur, in dem Texte und historische Abbildungen ausgestellt sind. Ebenfalls gut besucht waren die angebotenen Vorträge, so auch meiner (über interessante Sterne am Herbsthimmel), der bis auf den letzten Platz besetzt war.

Nach dem der letzte Vortrag gegen 18 Uhr endete, konnten die Besucher kurz vor ihrem Nachhauseweg noch einen Fernrohrblick auf den fast vollen Mond mit den jetzt gut sichtbaren Strahlenkratern werfen. Natürlich wurden auch wieder Handys gezückt, um sich gleich als Mondfotograf zu versuchen. Meinen kleinen 80mm-Refraktor richtete ich zwischendurch mal auf die Leier, um kurz den Ringnebel M 57 zu zeigen. Das war natürlich viel unspektakulärer, aber angesichts der kleinen Öffnung und des Stadthimmels war doch immerhin ein Nebelfleckchen sichtbar. Gegen 19 Uhr endete schließlich der Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn zum diesjährigen 40. Geburtstag des Vereins. [Nico Schmidt]

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Ein Flur für die Bonner Astronomiegeschichte

Äußerlich sieht die alte Bonner Sternwarte fast immer noch so aus wie zur Fertigstellung 1845/1846, doch nachdem das Institut für Kommunikationsforschung 1975 dort einzog, erinnert heute im Gebäudeinneren leider nichts mehr an das wichtige Stück Astronomiegeschichte, das in einem kleinen Beobachtungsturm geschrieben wurde. Denn schließlich wurde hier mit dem „kleinsten Fernrohr das größte astronomische Werk geschaffen“, wie es bei seinem Bonn-Besuch 1913 der Harvard-Astronom Charles Pickering formulierte. In sieben Jahren und einem Monat (1852 bis 1859) wurden in 625 klaren Nächten die Positionen und Helligkeiten von über 324.000 Sterne bestimmt; der Astronom Argelander machte mit der „Bonner Durchmusterung“ die junge Universitätsstadt am Rhein unter den Astronomen weltweit berühmt.

In Eigenregie haben nun Wilfried Bongartz von der Volkssternwarte Bonn (VSB) und ich vom Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) versucht etwas von der vergessenen Geschichte an den Ort zurückzuholen. So gibt es seit heute in der Alten Sternwarte neben dem Argelander-Turm quasi auch einen Argelander-Flur, in dem Bilderrahmen mit Texten und historischen Abbildungen zu der Bonner Astronomiegeschichte und der Arbeit an der hier vor über 150 Jahren durchgeführten Himmelsvermessung infomieren sollen. Einen direkten Museumscharakter hat das zwar noch nicht, aber ein Anfang ist getan und Pläne für die Erweiterung der „Ausstellung“ gibt es bereits.

Zum morgigen Tag der offenen Tür der Volkssternwarte (auch der Generalanzeiger Bonn berichtete heute) sind neben den Vorträgen und der Sonnenbeobachtung (klarer Himmel ist angekündigt!) natürlich auch Führungen in den Argelander-Turm mit dem neu gestalteten Flur geplant.

[Nico Schmidt]

Sternfreunde Siebengebirge erblicken das Licht der Welt

(C) Wolfgang Schneider, mit freundlicher Genehmigung

Liebe Sternfreunde, der Naturpark Siebengebirge ist um eine neue Initiative reicher. Am 12.10.2012 erblickten die Sternfreunde Siebengebirge, mit Sitz in Bad Honnef, das Licht der Welt. Bei der Initiative handelt es sich um einen freien Zusammenschluss von Sternfreunden, Sternguckern und erfahrenen Amateurastronomen. Initiator der neuen Gemeinschaft bin ich, der Bad Honnefer Amateurastronom und langjährige Sternfreund aus Leidenschaft, Christian Preuß. Ich habe die Sternfreunde Siebengebirge ins Leben gerufen, weil ich mit meiner Familie seit 40 Jahren in Bad Honnef lebe, das Siebengebirge liebe und mich dafür stärker engagieren möchte, dass unser Naturpark eine Aufwertung erfährt. Die Begeisterung für Sterne und Weltraum möchte ich hier, zusammen mit Gleichgesinnten und Unterstützern, in die Öffentlichkeit tragen und so ein tieferes Interesse für die Amateurastronomie wecken. Mitmachen können alle Sternfreunde aus der Region Siebengebirge, den angrenzenden Kommunen und all jene, die sich dem Naturpark Siebengebirge verbunden fühlen und sich mit unseren Zielen identifizieren können.

Unsere 31 MitmacherInnen (Stand: 25.10.2012) sind zwischen 18 und 77 Jahren jung und kommen bis jetzt aus Unkel, Rheinbreitbach, Bad Honnef, Königswinter, Oberdollendorf, Bonn, Bornheim, Ockenfels, Herzogenrath, Oberhofen (Österreich) und sogar aus Los Angeles (USA). Die Sternfreunde teilen alle den selben Himmel – von Nord und Süd, einer unterschiedlichen Lichtverschmutzung und dem Seeing einmal abgesehen. In unserer Region verstehen wir uns nicht etwa als Ersatz für andere Gemeinschaften dieser Art, die sich in alle Himmelsrichtungen an das Siebengebirge anschließen. Im Gegenteil: Die teils schon langjährige Arbeit aller anderen Initiativen und Vereine ist natürlich ebenso wichtig für die Amateurastronomie als Ganzes! Daher kooperieren wir in Zukunft auch gerne und tauschen unsere Erfahrungen aus.

Die Sternfreunde Siebengebirge sind noch eine ganz junge Vereinigung. Wir werden zunächst eine Gemeinschaft aufbauen, die sich natürlich auch erst finden muss. Das braucht Zeit, schafft Identität und macht es so erst möglich, unsere Ziele zu erreichen. Ob AnfängerIn, EinsteigerIn, SternenfreundIn oder erfahrene/r AmateurastronomIn, Frau oder Mann, Kind (ab 10 J.), Mama, Papa, Oma, Opa (bis 100 plus). Ob Sie noch ohne optische Hilfsmittel, mit einem Fernglas oder dem eigenen Teleskop ausgestattet sind: Sie alle sind herzlich willkommen. Allen Sternfreunden, die noch auf der Suche nach einem eigenen Teleskop sind, oder ihr bestehendes Instrumentarium erweitern möchten, werde ich meinen Rat und meine Hilfe anbieten. Wir sind ein freier Zusammenschluss ohne Zwänge. Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben.

Die Teilnahme kostet keinen Cent und Mitmacher sind zu nichts verpflichtet. Die Liebe zu den Sternen, die Begeisterung und Leidenschaft für die Amateurastronomie im Siebengebirge stehen im Vordergrund. Hinzu kommen der Spaß und das Engagement für unsere gemeinsamen Aktionen und Ziele. Unsere Ziele sind ehrgeizig: wir möchten einen Planetenwanderweg realisieren (ein maßstabsgetreues Modell unseres Sonnensystems als Wanderroute durch das Siebengebirge und den beteiligten Kommunen), setzen uns für eine geringere „Lichtverschmutzung“ durch zu viel künstliches Licht ein, streben mittelfristig das Label „Sternenpark“ der Starlight-Initiative mit Unterstützung der UNESCO an, und wollen langfristig eine eigene Sternwarte aufbauen, die auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Planetenwanderweg, Sternenpark und die eigene Sternwarte sind auch eine neue und sinnvolle Ergänzung zum „Masterplan Tourismus und Naturerlebnis Siebengebirge“ (ein Artikel und ein 104-Seiten-PDF) und einem geplanten Geo-Park. Der »Masterplan« begreift sich als in die Zukunft gerichtetes Planungsinstrumentarium, das die Erholung des Menschen im Einklang mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen festschreibt. Der Schutz des natürlichen Sternenhimmels, der nachtaktiven Tiere und des gesunden Schlafs der Menschen im Siebengebirge ist die logische Fortführung dieses Gedankens. [Christian Preuß, Sternfreunde Siebengebirge. Berichte gab es u.a. schon im General-Anzeiger, Kölner Stadt-Anzeiger und HonnefShopping, plus ein Grußwort des AIfA. Bild: Blick vom Rodderberg auf das Siebengebirge]

Zeitschrift der „Vereinigung der Sternfreunde“

Die VdS (Vereinigung der Sternfreunde), zu der auch diverse Mitglieder der Volkssternwarte Bonn gehören, stellt ihre älteren Hefte zum kostenlosen Download bereit. Verfügbar sind derzeit die Hefte 1 (1997) bis 37 (II/2011). Der Link ist http://journal.fg-vds.de/1.pdf für Heft 1. Für andere Hefte wird die 1 einfach durch die Heftnummer ersetzt.

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Es ist manchmal erstaunlich zu sehen, was sich in zehn bis fünfzehn Jahren alles so verändert hat, was aber auch geblieben ist. Fast schon rührend wirken die letzten Ausläufer der Diskussionen der Astrofotografen, bei denen es um Film- oder Digitaltechnik ging. Manche Astrofotografen mit Filmtechnik haben der Digitaltechnik da durchaus eine Nischenberechtigung in der Zukunft zugesprochen…. Schön aber auch ein Bericht vor rund 10 Jahren von Paul Homach zur 100 (!) Sternstunde (damals noch im Bürgerfunk von Radio Bonn/Rhein-Sieg, heute als TV-Sendung im Internet).

Viel Spaß beim Lesen

[Peter Oden]

Sonne und Mond am 21. 10. 2012

Bei richtig schönem Himmel habe ich am 21. Oktober die Sonne beobachtet, auf der sich jetzt wieder erfreulich viele große Sonnenflecken tummeln. Das folgende Foto vermittelt einen kleinen Eindruck davon (mit dem iPhone auf dem 15mm-Okular eines 80/440mm Refraktors.

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Nach der Rückkehr abends von einem Besuch zeigte der prüfende Himmelsblick auf der Terrasse auf den ersten Blick reichlich Wolken, auf den zweiten Blick aber wunderschöne farbige Wolkenränder im Bereich um den Halbmond.

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[Peter Oden]

28.10.: Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn

Wie jedes Jahr hat die Volkssternwarte Bonn (VSB) auch dieses Mal ihren Tag der offenen Tür auf den letzten Sonntag im Oktober gelegt und heißt bereits in wenigen Tagen am 28. Oktober alle Interessierte am Refraktorium (siehe Bild) hinter der Alten Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee 47 willkommen. Von 11:00 bis 18:00 Uhr können Sie uns besuchen, sich an den aufgestellten Posterwänden informieren oder den historischen Beobachtungsturm von Argelanders Sternwarte ansehen, natürlich uns Sternfreunde mit Fragen löchern und bei hoffentlich sonnigem Wetter die Sonne beobachten.

Das abwechslungsreiche Vortragsprogramm beginnt um 11:30 Uhr und wird mit einem 90-minütigen Astronomie-Workshop für Kinder ab 6 Jahren eröffnet. Danach folgen jeweils halbstündige Beiträge zu den Themen Eismonde  (13:30 Uhr, Helge Baer), interessante Sterne am Herbsthimmel (14:30 Uhr, Nico Schmidt), Planetenaufnahmen 2012 (15:30 Uhr, Peter Oden), Radioastronomie (16:30 Uhr, Joachim Wallasch) und Satellitenbeobachtung (17:30 Uhr, Wilfried Bongartz).

Wenn ein wolkenloser Abendhimmel lockt, ist aber der Tag der offenen Tür um 18:00 Uhr längst nicht vorbei. Denn da an diesem Sonntag mit der Uhrumstellung die Winterzeit beginnt, wird es wieder eine Stunde früher dunkel, so dass wir hoffentlich mit den Teleskopen noch einen Blick auf den Mond und andere Himmelsobjekte werfen können.

[Nico Schmidt]

Die „Bonner Durchmusterung“ als Klangexperiment

Die „Bonner Durchmusterung“ ist nicht nur ein vor 150 Jahren in drei Bänden veröffentlichter Sternkatalog und das größte astronomische Werk Bonns, sondern auch der Name eines Klangexperiments des Komponisten Marcus Schmickler und des Audio-Informatikers Alberto de Campo. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Musikprojekt entstand 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie und wurde von Dr. Michael Geffert, Bonner Astronom am Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) und Dr. Kerstin Jaunich vom Deutschen Musikrat initiiert.

Im Rahmen der Klangkunstreihe „sonarisationen“ kann man sich aktuell auf der Homepage des Deutschlandradio Kultur einen einstündigen Beitrag anhören, in dem die Sound-Tüftler über die Arbeit an ihrer persönlichen „Bonner Durchmusterung“ berichten. Herausgekommen sind zehn Stücke abstrakter elektronischer Musik voller experimenteller Klanglandschaften, die auf der Projektseite www.durchmusterung.org veröffentlicht worden sind.

Übrigens widmet sich dem Thema Sonifikation von astronomischen Daten ein Vortrag am 04. Dezember im Deutschen Museum Bonn. [Nico Schmidt]

Irisierende Wolken über Köln (aus einem fahrenden Zug)

Diese Aufnahmen einer irisierenden Wolken-Kante gelangen mir gestern aus einem fahrenden Zug in Köln durch eine nicht gerade saubere Scheibe – deswegen ‚durften‘ auch Kontrast und Farbsättigung gesteigert werden. Das Phänomen ist ziemlich häufig und mir z.B. auch schon in Königswinter (Übersicht) oder dem Ruhrgebiet vor die Linse geraten. Die spektakulärste Show gab es allerdings im Juli 2010 in Norden Argentiniens (wo das auch keine Neuigkeit ist): Das Bild unten ist Zeitschritt Nr. 5 aus einer langen Serie, mit Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3, Nr. 4 und Nr. 6 – in diesem Fall war die Farbenpracht in der Realität sogar größer als auf den Fotos. [Daniel Fischer]

Ein Paradigmen-Wechsel der Physik … verkündet in Bergisch-Gladbach

Wir hatten einmal ein „sauberes Universum“, aber dann zwangen die Beobachtungen die Kosmologen, Inflation, Dunkle Materie und Dunkle Energie dazu zu packen: Jetzt ist das „Bild schmuddelig“, und in der Teilchenphysik ist es nicht viel anders. Und deswegen ist in der Physik der nächste große „Paradigmen-Wechsel“ absehbar, der „zu einem neuen Bild des Universums“ führend wird, „viel, viel sauberer“. Sagt Jocelyn Bell Burnell, 69, Entdeckerin der Pulsare vor 45 Jahren, beim Nobelpreis übergangen, heute eine der profiliertesten Figuren der britischen Astronomie – und diese Woche Stargast auf der Konferenz „from quantum to cosmos 5“ in Bergisch-Gladbach wie auch dem zugehörigen Pressegespräch „Die Zukunft der Astronomie“ am 11. Oktober.

Die ungewöhnliche Tagung, bei der jetzt Quanten-, Gravitations- und Astrophysiker zum ersten Mal direkt aufeinander los gelassen wurden, empfand sie zwar als anstrengend aber auch höchst stimulierend, und sie hatte sie wohl in ihrer Auffassung bestärkt, dass hinter den großen Rätseln der Gegenwart noch größere Antworten lauern. Insbesondere die Aufklärung der Natur der Dunklen Materie werde entscheidend sein, prognostiziert Bell, auch wenn das vielleicht nicht mehr zu ihren Lebzeiten passieren werde. Denn mit dem Verständnis der – in der kosmischen Balance dominanten – DM würden wir mit einem Schlag „fünfmal mehr Physik lernen“: eine für sie fantastische Aussicht, vor der aber auch so mancher Kollege Angst habe, der dann quasi „wieder auf’s College gehen“ müsse …

Zu dem bunt gemischten Vierer-Panel – dem übrigens genau so viele Pressevertreter gegenüber saßen, dieser Blogger inklusive – gehörten weiterhin (von links)

  • Michael Kramer, Direktor am MPI für Radioastronomie in Bonn, der bestätigte, dass Deutschland noch diesen Monat formell zum Riesenprojekt Square Kilometer Array dazu stoßen werde (die finanzielle Seite wird praktischerweise erst später geklärt) und der es ebenfalls begrüßte, das die Weltraumforscher und Physiker „endlich mal miteinander sprechen,“ schließlich sei der Weltraum ja ein ideales Labor,

  • Fritz Merkle vom Vorstand von OHB, der jetzt Raumfahrtsysteme entwickelt aber vorher maßgeblich bei den neuen Großteleskopen der ESO involviert war und jetzt für die Beteiligung der Industrie an komplexer Grundlagenforschung warb, was „die Königsklasse“ der Aufträge sei aber auch die riskanteste (weshalb zunehmend Innovationen für neue Superteleskope geheim gehalten werden, etwa beim E-ELT), und

  • Hansjörg Dittus, DLR-Vorstandsmitglied für den Bereich Raumfahrtforschung und -technologie: Er machte sich dafür stark, dass Europe in Schlüsselbereichen einfach das Größte haben müsse, um zu beweisen, „dass wir was können“ – die Popularität des nur dadurch auffallenden Airbus A380 sei dafür ein schlagender Beweis. Ein entsprechendes Super-Projekt der Weltraumforschung, das man jetzt angehen solle, wusste er allerdings nicht zu benennen: Die u.a. auch von Kramer gewünschten Satelliten eLISA zum Nachweis von Gravitationswellen, die es dieses Jahr bei der ESA nicht geschafft hatten, sieht er wegen noch fehlender wichtiger Technologien nicht vor dem Jahr 2025 auf der Startrampe.

Einig waren sich alle Panelisten auch darin, dass gerade Astronomie der Wissenschaft ‚gute Presse‘ bringt und das bereits ein Wert an sich sei.

Nach der Pressekonferenz konnte dieser Blogger noch etwas am Konferenzgeschehen in den edlen Räumen des Grandhotels im Schloss Bensberg teilnehmen, von dem aus man tatsächlich – wie versprochen – in der Ferne den Kölner Dom sehen kann. Dabei war u.a. zu erfahren, dass der Satellit LARES die Allgemeine Relativität exzellent bewiesen hat (was vorher wahrscheinlich noch nie öffentlich verkündet worden war), dass für die Zukunft der Exoplaneten-Forscher der Satellit PLATO genau das Richtige wäre – und dass das kaum bekannte Riesen-Röntgenteleskop eROSITA bereits Form angenommen hat, im MPE in Garching, und 2014 tatsächlich starten soll. Und der Blogger traf völlig überraschend einen Klassenkameraden aus Abiturtagen wieder, mit dem er 1983 spontan nach Hamburg gefahren war, um den Teilchenbeschleuniger beim DESY zu besuchen – der ist jetzt ein Quanten-Professor in Wien, wo er mit Verwandten von Schrödingers Katze experimentiert … [Daniel Fischer]

„Very Kölsch Telescope“ in Köln feierlich eingeweiht

Innerhalb weniger Tage lief mir am Wochenende bereits zum dritten Mal in Folge der Kölner Stadtanzeiger über den Weg, denn am Samstag (29. September) wurde in der Aula des Schillergymnasiums in Köln-Sülz das Doppeljubiläum der Volkssternwarte  gefeiert und zugleich das drei Tage zuvor aufgebaute größte öffentliche Fernrohr in NRW eingeweiht.

Der Verein der Kölner Sternfreunde feiert 2012 ihr 90. Bestehen und außerdem den 50. Geburtstag der „Dachsternwarte“ auf dem Gymnasium und beschenkt wurden sie dabei von den unzähligen Leuten, durch die eine Spendensumme von 125.000 Euro zusammenkam. Nach an der Schule nicht realisierbaren Plänen eines Planetariums entstand so das vermutlich erste Bürgerteleskop Deutschlands und das größte in NRW. Rund 8x leistungsfähiger soll das Cologne Large Telescope (CLT) sein, in das Matthias Wirth, der Vater des neuen Fernrohrs, ungefähr 500 Arbeitsstunden investiert hat.

Hermann-Michael Hahn führte durch den Festakt und u.a. auch durch einen Vortrag zur 90-jährigen Vereinsgeschichte der Kölner Sternfreunde (vor dem Hintergrund unseres Wissens um die Andromedagalaxie M 31), dazu gab es noch reichlich Grußworte von Vertretern der Stadt und Schule.

Auch Matthias Wirth, der seine Teleskopbauer-Karriere als 10-jähriger mit den Gläsern von Großmutters Ersatzbrille begann, wurde kurz auf die Bühne gebeten. Dabei wurde auch Herrn Bongardt gedankt, der seine „Theaterwerkstatt“ für den Fernrohrbauer als „Teleskopwerkstatt“ zur Verfügung stellt.

Gewissermaßen für das Geburtstagsständchen war der Bonner Sternfreund Paul Hombach, der das neue 60cm-Fernrohr als „Very Kölsch Telescope“ bezeichnete, mit zwei Musikblöcken verantwortlich und gab wie üblich am Keyboard abwechslungsreiche Vertonungen astronomischer Daten zum besten. Der Klangkosmos gab so einiges her: Von einer Bach’schen Venus-Fuge, über einen „Gruß aus Bonn“ mit einer Klangcollage aus Beethoven und der Bonner Durchmusterung, bis zu flotten Pulsaren-Rhythmen mit Funk, Blues und Techno im Blut. Von Pauls astronomischen Sonifikationen kann man schon bald mehr auf der Bühne hören.

Nach den 90-minütigen Feierlichkeiten …

Paul im Gespräch mit dem ESA-Astronauten Reinhold Ewald, der wenige Tage zuvor einen Raumfahrt-Vortrag gehalten hatte.

Um 13 Uhr gingen schließlich die ersten Besucher hoch in die Sternwartenkuppel mit dem Kölschen Bürgerteleskop. Hermann-Michael Hahn, Reinhold Ewald und Paul Hombach bestaunen das 60cm-Teleskop.

Mit einem Sektglas in der Hand führte Matthias Wirth ebenfalls sein neues Werk vor.

Außerdem erzählte Wirth, dass seine neueste Arbeit, ein Riesenfernglas mit zwei 12-Zoll-Optiken im Auftrag von Synta bereits fertig ist und bald zu seinem unbekannten Besitzer nach China transportiert werden kann.

Und während man oben binokular mit 270-facher Vergrößerung einen Ausschnitt der Dachantenne des 100 Meter entfernten Hochhauses beobachten konnte, nutzte man unten auf dem Schulhof die Wolkenlücken für ein wenig H-alpha-Sonnenbeobachtung.

Des Weiteren wurde hier über die Veranstaltung gebloggt. Und da bleibt mir nur noch zu sagen: clear skies und immer eine Handbreit bestes Seeing unter’m Tubus!

[Nico Schmidt]