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Venus und Saturn in Dämmerungs-Konjunktion

18:38 MESZ – Sonnendepression 5.1° (nur die Venus zu sehen)

18:46 MESZ – Sonnendepression 6.3° – Saturnhöhe 7.8°

Ein paar Stunden vor der größten Annäherung von 3.0° zwischen den Planeten Venus und Saturn Beobachtungen bei sehr klarem Abenddämmerungshimmel vom Bochumer Planetarium aus sowie freihändige Fotos mit Telebrennweiten, hier bis auf leichte Ausschnitte gänzlich unbearbeitet. Auch gegen Ende der bürgerlichen Dämmerung war der Saturn mit bloßem Auge nicht zu sehen (während die Venus schon extrem auffällig war) und nur fotografisch nachweisbar, im zweiten Bild nahe des oberen Randes. Ab etwa der Mitte der nautischen Dämmerung war der Saturn dann für’s Auge erkennbar aber nie auffällig, da die zunehmende Extinktion den Kontrastgewinn durch den dunkler werdenden Himmel wieder auffraß, während das Paar – zu dem sich in vier Tagen noch die Mondsichel gesellen wird – fotografisch kein Problem mehr war:

19:04 MESZ – Sonnendepression 9.0° – Saturnhöhe 5.9°

19:05 MESZ – Sonnendepression 9.2° – Saturnhöhe 5.7°

19:10 MESZ – Sonnendepression 10.0° – Saturnhöhe 5.2° [Daniel Fischer]

PANSTARRS extrem – schlechter geht’s nicht :-)

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21:50 MESZ, 10.4° Kometenhöhe, nahe Ende astronomische Dämmerung, 6 Sekunden mit Blende 3.4 bei ISO 800 und 90 mm KB-Äquivalent-Brennweite (alle Bilder zeigen nur Ausschnitte)

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21:59 MESZ, 9.4°, Ende astronomische Dämmerung, 5 s bei 3.8, ISO 800, 184 mm

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22:20 MESZ, 7.6°, „Nacht“, 6 s bei 3.6, ISO 400, 137 mm

Sechs Tage nach der letzten Sichtung war 1. der Mond vom Abendhimmel verschwunden, 2. der Komet auf 3.-4. Größe gesunken und 3. immer näher an M 31 heran gekrochen – aber dieser Blogger heute in Witten zwar am Südrand des Ruhrgebiets doch mit dem Kometen-Azimut direkt in Richtung des Zentrums der Drittelmillionenstadt Bochum (364’000 Ew., im oberen Bild Teile der Ruhr-Universität am Bildrand). Auf Anblicke wie hier, hier oder hier brauchte man da natürlich nicht zu hoffen – aber am Ende (die beste Zeit war gegen Ende der astronomischen Dämmerung) ließen sich mit einem 10×50-Feldstecher und auch der Kamera wenigstens die Innenbereiche von Galaxie (oben) und Komet (unten rechts) schwach aber dank bestimmter Sternmuster eindeutig aus der Suppe fischen. Aufgeben gilt nicht … [Daniel Fischer. NACHTRAG: als ultimatives Kontrastprogramm unten genau dasselbe Motiv, aber nun von Star-Kometograph Michael Jäger in den Alpen aufgenommen …]

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„Chaos and Order“: eine Planetariumsshow ohne Beispiel

Gestern Abend war Premiere, und ab dem 20. Juli kann sie alle paar Wochen im Planetarium Bochum bestaunt werden: „Chaos and Order – A Mathematic Symphony“, eine Fulldome-Video-Show, die völlig aus dem Rahmen fällt. Erdacht und realisiert vom AV-Künstler Rocco Helmchen (in den Premieren-Fotos unten links), der sich selbst als Astronomy-Lover und Geek bezeichnet, hat sie nur am Rande mit dem Weltraum zu tun: Gezeigt werden nacheinander und immer in Bewegung zahlreiche spektakulär raumgreifende mathematische Gebilde und dreidimensionale Visualisierungen (Stills oben), die zwar durch kurze Einblendungen jeweils beim Namen genannt werden, ansonsten aber nur durch ihre Ästhetik wirken – und Teil einer echten Symphonie in vier Sätzen und mit Zwischenspiel sind. In zwei Jahre währendem engem Wechselspiel mit der Umsetzung von Helmchens aufwändigen Computergrafiken schrieb Johannes Kraas (in den Fotos rechts) die Musik dazu und spielte sie auch komplett selbst ein: Der 4-Minuten-Trailer hier mag einen vagen Eindruck von dem Gesamtwerk vermitteln, wobei man sich das runde Bild in eine Halbsphäre projiziert denken muss.

In Worten beschreiben lässt sich „Chaos and Order“ – das bereits eine Auszeichnung gewann – kaum, zu vielfältig sind die mathematischen Konstrukte, die über die Kuppel huschen, und die Ideen bei ihrer visuellen Umsetzung. Die manch verwegene Assoziationen wecken mögen, etwa bei simuliertem Fließen an den flüssigen T-1000 aus „Terminator 2: Judgment Day“ oder im letzten und dramatischsten Satz an die Maschinen aus „The Matrix Revolutions“: Die finalen Flüge durch dreidimensionale Fraktalgebilde in wüst ‚ausgeleuchtetem‘ Science-Fiction-Look würden jedem Kino-Blockbuster zur Ehre gereichen. Das neue Medium Fulldome-Video wird hier bis an die Grenzen ausgereizt und kreiert ein fast beängstigendes Immersions-Erlebnis. Die immer wieder auf’s Neue überraschende Bilderpracht und die facettenreiche Musik harmonieren dabei auf’s Vortreffliche, und etwas Ruhe kehrt nur im Zwischenspiel ein, wenn – jedenfalls in der Bochumer Urfassung – statt der High-End-Videoprojektoren der klassische Sternenprojektor das Sagen hat und mit diversen eingeblendeten Skalen kosmische Mathematik an die Kuppel wirft. Bis das atemberaubende Fulldome-Spektakel auf Neue einsetzt. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: weitere Artikel hier und hier – und ein paar Minuten an der Kuppel abgefilmt!]