Archiv für den Monat April 2013

Würzburger Frühjahrstagung – the next generation

Seit drei Jahren hat die traditionsreiche aber auch durch manchen Wandel gegangene „Würzburger Frühjahrstagung“ der Vereinigung der Sternfreunde im Friedrich-Koenig-Gymnasium ein neues Zuhause gefunden, dessen Naturwissenschaftliches Labor die Tagung auch tatkräftig unterstützt – nicht nur mit energischen temporären Umbauten von Foyer und Aula, sondern diesmal auch mit umfassendem Catering, das großen Zuspruch fand!

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Rund 90 Teilnehmer lockte die 37. Tagung an, die ein breit gefächertes Vortragsprogramm geboten bekamen. In Vertretung des verunfallten – aber auf dem Weg der Besserung befindlichen – Keynote-Sprechers Hanns Ruder machte Dominik Elsässer vom Lehrstuhl für Astronomie der Uni Würzburg Werbung für Multi-Wellenlängen-Astronomie im Allgemeinen, die MAGIC-Gamma-Teleskope im Speziellen (deren Daten frei verfügbar sind) und die Einbeziehung von Schülern nämlichen Gymnasiums in Programme damit im Besonderen. Und für das ROTAT in Südfrankreich, das Wissenschaft, Schulen und Outreach gleichermaßen dient.

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In weiteren Vorträgen ging es u.a. um Oppositionseffekte im Sonnensystem (dass der Referent dabei möglicherweise als erster Amateur überhaupt klar die Uranusringe nachweisen konnte, ging etwas unter), Reisen nach Australien zwecks SoFi und Skandinavien zwecks Venus-Transit und Aurora und immer wieder Zeitraffer-Videos – und um die Vielfalt und Freuden der Amateur-Spektroskopie, für die Lothar Schanne energisch die Werbetrommel rührte.

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Mit besonderer Spannung war Uwe Pilz von der Fachgruppe Kometen (hier mit dem aktuellen Tagungsorganisator Otto Guthier) erwartet worden, der zwar klar stellte, dass das weitere Verhalten des angeblichen Jahrhundertkometen ISON zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht vorhergesagt werden kann, aber doch einigen Optimismus verbreitete:

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Die erhoffte große Helligkeit von Koma und Schweif erlaube und erfordere deutlich andere Methoden als bei der Beobachtung „normaler“ Kometen: So sei eine Tag-Sichtbarkeit im Perihel dicht neben der Sonne ziemlich wahrscheinlich, was natürlich besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordert (am besten aus garantiertem Schatten heraus beobachten). Auch die Anschaffung eines engbandigen Natrium-Filters könne sich als sinnvoll erweisen, schließlich wurde so ein ausgeprägter Natrium-Schweif bei Hale-Bopp gefunden.

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Besonderes Aufsehen erregten auf der Tagung nicht zuletzt diese Jung-Astrophysiker des gastgebenden Gymnasiums, die – mit ihrem Mentor Elsässer (rechts) – derzeit Helligkeitsschwankungen aktiver Galaxienkerne mit einem 50-cm-Teleskop verfolgen. Schon ist der Ruf zu hören, künftig verstärkt derartigen Schul-AGs auf amateurastronomischen Tagungen ein Forum zu bieten. Zum neuen Schwung der Würzburger Frühjahrstagungen haben sie jedenfalls schon beigetragen; die nächste dürfte im April 2014 stattfinden. [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein Bericht der VdS selbst]

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Animierte Mondfinsternis vom 25.04.2013

Diese Animation entstand aus 740 Einzelaufnahmen die in 185 Minuten aufgenommen wurden. Fotografiert mit einer Canon EOS 400D und einem 300mm Teleobjektiv.

[Wilfried Bongartz]

Eine Astronomiestunde für Bonner Viertklässler

Die gab es heute Vormittag in der Aula der Till-Eulenspiegel-Schule in der Bonner Südstadt, denn neben den Profiastronomen des Argelander-Instituts (AIfA) werden auch die Hobbyastronomen der Volkssternwarte Bonn (VSB) gerne gefragt. So brachte Peter Oden die Astronomie schon in mehrere Schulen, wenn auch – so wie heute – nur für eine knappe Unterrichtsstunde.Heute stellte er das Sonnensystem mit all seinen Planeten und anderen Objekten vor, wobei die mehr als 20 Kinder vor allem über die Größenverhältnisse hörbar staunten.

Wunderbar war auch die Einbindung der kleinen Schüler, die sich schon zur ersten Powerpoint-Folie (Bild 1) bei Fragen und auch sonst (wie der Junge ganz links) eifrig meldeten, wobei ich wieder über das Wissen von Kindern staunte. Sie kannten schon Jupiters Großen Roten Fleck, konnten fehlerfrei Planetenmerksätze, wussten woraus die Saturnringe bestehen und das die Sonne ein Gasball ist. Zum Abschluss wurde noch etwas zu Merkur- und Venustransits und zu Finsternissen erzählt. Natürlich wurde hier auch ein erst 13 Stunden altes Foto der Mini-Mondfinsternis von gestern Abend eingebaut (Bild 2). Die war nicht nur Ziel von Hobbyastronomen wie Peter Oden (Bilder hier und hier), sondern wurde selbst von einigen Schülern gesehen. [Nico Schmidt]

Die Saturnringe ohne Teleskop fotografieren …?

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1/20 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 200 mit 735 mm KB-Äqv.-Brennweite

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1/50 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 200 mit 735 mm KB-Äqv.-Brennweite

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1/40 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 200 mit 735 mm KB-Äqv.-Brennweite

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Schon während der Mondfinsternis gestern Abend hatte sich bei kühnen freihändigen Aufnahmen des nahen Saturn mit maximaler Brennweite der „Superzoom“-Kamera (108 mm, was 735 mm Kleinbild entspricht) der Planet meist ist ungefähr der „richtigen“ Ovalform gezeigt. Das animierte zu systematischeren Versuchen vier Stunden später mit dem Planeten nahe der Kulmination (oben und unten Impressionen der Konstellation mit dem verdeckten Mond), der weit geöffnete und durch den Oppositionseffekt aufgehellte Ringe präsentiert. Jedes der Einzelbilder, aus denen hier jeweils rund 100 Pixel breite Streifen „aufgeblasen“ wurden, sieht anders aus – aber wenn man etwas Abstand (zum Bildschirm) gewinnt, drängt sich der Eindruck auf, dass auch eine Kamera mit eingebautem Zoomobjektiv heute in der Lage sein kann, in einem Sekundenbruchteil mehr aufzunehmen als was Galilei in seinem besten Teleskop sehen konnte … [Daniel Fischer]

Mini-MoFi bei perfekten Bedingungen

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21:43 MESZ – Halbschatten oben links schon deutlich

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21:47 MESZ – Fokus nun auf dem Mond

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21:52 MESZ – die Partialität steht kurz bevor

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21:59 MESZ – Partialität hat begonnen (bestes Bild)

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22:08 MESZ – die maximale Phase …

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22:13 MESZ – links Saturn

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22:25 MESZ – Partialität vorbei

Impressionen der Miniatur-Mondfinsternis vom 25. April 2013, die gerade einmal – und das auch noch in nur 9 bis 12 Grad Höhe – 27 Minuten Partialität gebracht hat. Aber das in Königswinter bei brilliant klarem Himmel und mit dem Saturn (drei Tage vor der Opposition) als Zugabe. Alle Aufnahmen mit einer Panasonic DMC-FZ48 bei unterschiedlichem – meist maximalem – optischem Zoom und ISO 100 oder 200, teilweise von einem Leicht-Stativ, mitunter auch freihändig. Hier noch fünf weitere Aufnahmen aus dem Web, die in den ersten Minuten einliefen: eins, zwei, drei, vier und fünf. Wer’s nicht gesehen hat: Im Feldstecher war der Kontrast viel geringer als auf all diesen Fotos, aber für das bloße Auge das Angefressensein des Mondes schon sehr auffällig. [Daniel Fischer]

Neuer Internetauftritt der Volkssternwarte Bonn

Am Abend des 21. April 2013 fand der Relaunch des Internet-Auftritts der Volkssternwarte Bonn statt.

Das neue in dezenten Farben gehaltene Design stellt eine Mischung aus Blog und festen Seiten dar, um sowohl aktuelle Themen jederzeit aufgreifen zu können als auch wiederkehrende Themen dauerhaft positionieren zu können.

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 Volkssternwarte Bonn

Die „Bonner Sterne“ wünschen der Volkssternwarte Bonn weiter viel Erfolg bei den zahlreichen neuen Projekten!

[Oden]

A star is born … das erste Konzert

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Nachdem bereits zwei CDs auf dem Markt sind, hat der bekannte Kölner Amateurastronom Michael Wilkes am 20. April nun auch – zusammen mit André Willms als Mystical Light – das erste öffentliche Konzert gegeben, im Rahmen einer gemeinsamen Präsentation von Kunst und elektronischer Musik in den Güterhallen von Solingen: Hier gibt es 24 Bilder von der gelungenen Premiere! [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein Bericht vom Gig („sehr gefällig und variabel“) aus berufenem Munde.

NACHTRAG 2: die beiden Stars im Video-Interview mit dem Autor des o.g. Artikels – in dem man erfährt, dass es auch bald ein Album geben soll.

NACHTRAG 3: das komplette Konzert; zweiter Teil und Playlist]

PANSTARRS und M31

Gestern Abend reizte mich der selten klare Himmel, noch einmal C/PANSTARRS 2011 L4 zu beobachten. Zusammen mit einem Freund entfloh ich dem Bonner Dunst ein wenig Richtung Eifel.

Wir erreichten unseren vorher gewählten Beobachtungspunkt gegen 20:30 Uhr, so dass uns Zeit blieb, in Ruhe ein Stativ zusammen mit dem iOptron SkyTracker sowie meiner Canon EOS 550D mit dem Telezoom 55-250mm aufzubauen und auch noch einen Tee zu trinken.

Gegen 21:30 war es dunkel genug, die ersten Aufnahmen zu machen. Auch wenn der Horizontbereich leider doch noch recht diesig war, hatte der Himmel über uns eine phänomenale Transparenz. Allein für diesen Anblick hat sich unser Ausflug schon gelohnt.

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Anschließend reduzierte ich die Brennweite auf 120mm, um auch M31 mit ins Blickfeld zu bekommen.

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Gegen 22:00 Uhr packten wir alles wieder zusammen und machten uns zufrieden mit dem Ergebnis wieder auf den Heimweg.

[Peter Oden]

PANSTARRS mit der „Dicken Berta“ aufgenommen

Trotz ungünstiger Beobachtungsbedingungen gelang mir heute diese Aufnahme des Kometen Panstarrs. Das Bild entstand aus einer Addition von 7 Einzelaufnahmen von je 20 Sekunden Belichtungszeit mit meinem 17,5 Zoll Newton (Dicke Berta 😉 ) bei 2100mm Brennweite unter Verwendung eines Infrarot-Passfilters. Durch diesen Filter konnten die ungünstigen Sichtbedingungen ein wenig ausgeglichen werden. [Wilfried Bongartz]

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PANSTARRS extrem – schlechter geht’s nicht :-)

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21:50 MESZ, 10.4° Kometenhöhe, nahe Ende astronomische Dämmerung, 6 Sekunden mit Blende 3.4 bei ISO 800 und 90 mm KB-Äquivalent-Brennweite (alle Bilder zeigen nur Ausschnitte)

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21:59 MESZ, 9.4°, Ende astronomische Dämmerung, 5 s bei 3.8, ISO 800, 184 mm

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22:20 MESZ, 7.6°, „Nacht“, 6 s bei 3.6, ISO 400, 137 mm

Sechs Tage nach der letzten Sichtung war 1. der Mond vom Abendhimmel verschwunden, 2. der Komet auf 3.-4. Größe gesunken und 3. immer näher an M 31 heran gekrochen – aber dieser Blogger heute in Witten zwar am Südrand des Ruhrgebiets doch mit dem Kometen-Azimut direkt in Richtung des Zentrums der Drittelmillionenstadt Bochum (364’000 Ew., im oberen Bild Teile der Ruhr-Universität am Bildrand). Auf Anblicke wie hier, hier oder hier brauchte man da natürlich nicht zu hoffen – aber am Ende (die beste Zeit war gegen Ende der astronomischen Dämmerung) ließen sich mit einem 10×50-Feldstecher und auch der Kamera wenigstens die Innenbereiche von Galaxie (oben) und Komet (unten rechts) schwach aber dank bestimmter Sternmuster eindeutig aus der Suppe fischen. Aufgeben gilt nicht … [Daniel Fischer. NACHTRAG: als ultimatives Kontrastprogramm unten genau dasselbe Motiv, aber nun von Star-Kometograph Michael Jäger in den Alpen aufgenommen …]

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