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Ein Astronaut am Argelander-Institut

Der in Bad Godesberg wohnhafze Astronaut Gerhard Thiele gestern in Bonn bei einem Vortrag im AIfA für die Jungen Europäischen Föderalisten, die v.a. durch energische Flugblatt-Werbungen in den Bonner Mensen den Großen Hörsaal mit jungem Publikum füllten – die angeregte Diskussion hätte noch Stunden weiter gehen können …

[Daniel Fischer

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Die Rückkehr der „Bundesbiene“ nach Bonn

Am Ende steckte sie auf der A 59 beim Europäischen Astronautenzentrum in Porz im Stau und erreichte ihren Bestimmungsort mit einer halben Stunde Verspätung, doch heute ist die berühmte Bundesbiene tatsächlich in die Bonner Bundeskunsthalle (und die aktuelle Ausstellung „Outer Space“) zurück gekehrt, auf deren Dach sie einst lebte und wo sie – das wird man nicht müde zu betonen – eines natürlichen Todes gestorben war. Die Reise war dann per Soyuz zur ISS und nach einem halben Jahr wieder zurück zur Erde gegangen – wo man sie dann versehentlich nach Houston expedierte, so dass sie Alexander Gerst bei seiner Party leider noch nicht mitbringen konnte. Das holte nun sein Astronauten-Vorgänger Reinhold Ewald nach, der sie – assistiert von der Ausstellungs-Kuratorin, dem Kunsthallen-Intendanten und zwei weiteren (TV-bekannten) Teilnehmern einer späteren Podiumsdiskussion – im ersten Saal des „Outer Space“ zur letzten Ruhe bettete. Der übrigens gestern ihren 100’000. Besucher begrüßen konnte und noch bis zum 22. Februar zu sehen ist. Dann ist allerdings abrupt Schluss: keine Finissage (denn an Sonntagen herrscht ohnehin schon ein Riesenandrang), und die 90 Leihgeber wollen ihre Objekte rasch zurück – den lange als erster Blickfang dienenden Rubens hat dieses Schicksal sogar schon erreilt. Die Bundesbiene wird am Schluss in die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz weiter fliegen, die ein wichtiger Leihgeber war. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: der historische Moment größer und Artikel hier, hier und hier]

Welcome Home, Alex – in der Bonner Bundeskunsthalle!

Schon seinem Start hatte man ein regelrechtes Volksfest in Köln gewidmet, und auch zur Rückkehr von Alexander Gerst nach einem halben Jahr im Orbit ließ sich die deutsche Raumfahrt nicht lumpen: Einen knappen Monat nach der Landung in Kasachstan („Alex Gerst und Co. sind bereits auf der Rückreise …“) hieß es in der Bundeskunsthalle in Bonn gestern Abend „Welcome Home“ – wo Gerst zunächst, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aber von einem Pressetross, Gewinnern eines Radio-Preisausschreibens und u.a. dem DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner (oben, rechts) und dem ersten deutschen Raumfahrer Sigmund Jähn (davor) begleitet, einen Blick in die aktuelle Ausstellung „Outer Space“ werfen und dabei auch mal in das Kugel-Planetarium mit den 30’000 Sternen steigen konnte. Dort würde er gerne mal – mit einem Glas Wein – übernachten, ließ er wissen.

Mehrere Mini-Pressekonferenzen in der Ausstellung – in die Gerst die ins All mitgenommene „Bundesbiene“ leider noch nicht wieder zurück bringen konnte. Auch er wurde erst einmal wieder „versteckt“, während im sich mit rund 300 Gästen – darunter viel deutsche Raumfahrtprominenz, inklusive des Philae-Chefs S. Ulamec! – füllenden Kunsthallen-Foyer die Kometen rockten.

Auch während der ersten halben Stunde des Bühnenprogramms ließ sich Gerst noch nicht blicken: Stattdessen traten – nach dem Kunsthallen-Direktor Rein Wolfs – immerhin sechs andere deutsche Astronauten auf, angeführt von Jähn und seinem westlichen Gegenstück Ulf Merbold.

Es war dann allerdings an Wörner, der den Auftritt sehr zu genießen schien und demnächst wohl einen ungewöhnlich volksnahen ESA-Generaldirektor abgeben wird, …

… Gerst auf die Bühne zu bitten, begleitet von tosendem Beifall. (Viele weitere Bilder dieses Bloggers gibt es auch hier, hier und hier und Bilder anderer hier, hier, hier und hier sowie einen Artikel und ein TV-Interview am Rande.)

Nun waren’s schon 7 der 11 (bzw. 10 lebenden) deutschen Raumfahrer auf der Bühne – und auch weitere Manager von Gersts Mission durften sich feiern lassen, so Volker Schmid (der zugleich übrigens Science-Fiction-Autor ist, aber das wurde nicht erwähnt). Gerst selbst gab ein paar mehr oder weniger bekannte Anekdoten seiner Mission zum Besten (etwa von einer brachialen Reparatur mit Hilfe von Rasierschaum, damit keine Splitter davon flögen) – und verblüffte viele wohl mit seinem Statement, der Aufenthalt auf der Raumstation sei viel einfacher gewesen, als er es sich vorgestellt hatte. Der Mensch könne halt viel mehr als er selbst oft glaube: Diese Erfahrung hatte er bereits – als Geophysiker in lebensfeindlicher Wildnis – in einem früheren Leben gemacht. Aber das ist für absehbare Zeit vorbei: Noch ist Gersts Terminkalender randvoll, mindestens bis zu einer großen Tour mit der gesamten Soyuz-Besatzung kommendes Frühjahr. Und er bleibt auch bei der ESA im Astronautenteam – um vielleicht eines Tages mit der Orion auf richtig große (Raum-)Fahrt zu gehen. Und dann steht er womöglich in gut zehn Jahren wieder auf der Bühne der Bundeskunsthalle, ein Stück Asteroid im Arm, das er eigenhändig abgesäbelt hat. Mit einem Leatherman und Rasierschaum … [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein Bericht der BKH selbst, ein kompletter Amateur-Film und Soundbites vom Abend]

28. Mai: Public Viewing in Köln zum Start von Alexander Gerst

Links: Alexander Gerst (GCTC), rechts: Logo zu seiner Mission „Blue Dot“ (ESA)

Genau zwei Wochen bevor der deutsche Astronaut Alexander Gerst an Bord einer Sojus-Kapsel zur Raumstation ISS abheben wird, gab die ESA bekannt, dass in Deutschland drei Veranstaltungen zum Start am 28. Mai geplant sind. Neben Oberpfaffenhofen und Frankfurt steht auch Köln auf dem Programm: Dort soll nahe des Rathauses ein Public Viewing auf dem Alter Markt stattfinden. Die Liveübertragung soll von 20:00 bis 22:15 Uhr gehen (21:56 Uhr ist der derzeitige Startzeitpunkt) und von ESA-Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 zwei Wochen auf der Mir verbrachte, kommentiert werden. Natürlich lässt sich der Start auch leicht im Web verfolgen: Beispielsweise zeigt dlr.de das in Oberpfaffenhofen stattfindene Event, während auf dlr.de/next die Übertragung des NASA-TV zu sehen sein wird. Der NASA-Stream soll außerdem auch in einer Berliner Veranstaltung in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte gezeigt werden.

Nach dem Start wird Gerst ein halbes Jahr auf der ISS verbringen und im Rahmen seiner „Blue Dot“ genannten Mission ist er zusammen mit seinen Kollegen an rund 160 Experimenten beteiligt. Viele Einzelheiten zu „Blue Dot“ und dem dazugehörigen Motto „Shaping the future“ lassen sich hier in der 25-seitigen Broschüre zur Mission nachlesen. Sehr interessant ist auch diese Aufzeichnung einer Pressekonferenz im EAC des DLR in Köln-Porz vom 17. März, bei der der Astronaut ausführlich über die zurückliegenden Vorbereitungen, aktuelle Arbeiten und seine anstehende sechsmonatige Mission zur ISS berichtete. [Nico Schmidt. NACHTRAG: Wie nun im Blog des Astronauten zu lesen ist, wird das Public-Viewing-Event in Köln von einem Moderatorenduo des Radiosenders 1Live moderiert, außerdem soll NDW-Ikone Peter Schilling mit seinem Hit von 1983 – natürlich „Major Tom“ – auftreten.]

Astronaut Reinhold Ewald in Köln

Am 25. September gastiert der Astronaut Reinhold Ewald in Köln und wird im Rautenstrauch-Joest-Museum einen Vortrag zur Zukunft der Raumfahrt halten. „50 Jahre bemannte Raumfahrt“ hieß es erst vergangenes Jahr, der Referent wagt jedoch schon einen Blick voraus über die nächsten 50 Jahre: Gibt es bald Teleskope auf dem Mond und wie realistisch sind die Pläne zum Jahrhundertprojekt einer bemannten Marsmission? Weitere Infos zum Vortrag gibt es in der Übersicht des aktuellen Veranstaltungsprogramms der Volkssternwarte Köln.

Das Museum befindet sich in der Nähe des Neumarkts, der abendfüllende Vortrag beginnt um 20:00 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro.

Übrigens begann der Raumfahrer Ewald seine Karriere als Astronom und suchte in der Doktorarbeit mit dem 3m-Radioteleskop der Uni Köln nach Kohlenwasserstoffmolekülen in fernen Sternentstehungsgebieten der Sternbilder Adler und Kepheus. Vor 20 Jahren schloss er schließlich seine Astronauten-Ausbildung ab und flog 1997 als 9. Deutscher in den Weltraum. [Nico Schmidt. BILD: DLR (CC-BY 3.0) via VSW Köln]