Archiv für den Monat Juni 2014

Ab 30. Juni kann man auf einem Schiff in Bonn Schwarzen Löchern lauschen

Das ist das 100 Meter lange Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ (Homepage, Facebook) welches vom 30. Juni bis 02. Juli zwischen Altem Zoll und Kennedybrücke Halt machen wird. Als Teil des Wissenschaftsjahres mit dem Thema „Digitale Gesellschaft“ wird die sprichwörtliche Wanderausstellung „Digital unterwegs“ noch bis Ende September in insgesamt 38 Städten in Deutschland und Österreich zu sehen sein. In einzelnen Ausstellungsbereichen auf 530 Quadratmetern können kleine und große Besucher erleben, wie das digitale Zeitalter  verschiedenste Bereiche der Wissenschaft – von Medizin, Biologie bis zur Elementarteilchenphysik usw. – und unsere Gesellschaft verändert. Mit einer Station stellt sich unter dem Stichwort „Schwarzen Löchern lauschen“ das Projekt Einstein@Home, an dem maßgeblich auch Forscher aus Hannover beteiligt sind, vor. Für die Analyse der mit speziellen Detektoren empfangenen großen Datenmengen stellen mittlerweile hunderttausende Freiwillige die Reichenleistung ihrer Computer zur Verfügung. So wird jeder User Teil der Suche nach Gravitationswellen von kompakten Sternleichen oder Schwarzen Löchern, die sogar auch in Töne umgewandelt werden können.

Die „MS Wissenschaft“ verlässt heute Oberhausen und gastiert dann die nächsten drei Tage in Duisburg. Danach legt sie am Montag in Höhe der Bonner Oper an. Das Ausstellungsschiff ist am Montag von 15 bis 19 Uhr und am 01. und 02. Juli jeweils von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei. [Nico Schmidt]

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Kometen-Fachgruppe traf sich in Leipzig

Einer Einladung der VdS-Fachgruppe Kometen waren vom 20. bis 22. Juni rund 20 zum ersten Mal nach Leipzig gefolgt, wo in einer Gaststätte im Stadtteil Gohlis auf hohem Niveau über Kometen-Beobachtung, -Auswertung und -Archivierung diskutiert wurde.

Workshop von Uwe Pilz zur Anwendung seines Java-Programms zur Simulation von Kometen-Staubschweifen, hier erprobt an einer aktuellen Aufnahme von Komet C/2012 K1 (PANSTARRS).

Thomas Lehmann über Fotometrie von Kometen mit DSLR-Kameras: Bei C/2013 R1 (Lovejoy) liefern die digitalen Daten – blau – eine saubere obere Hüllkurve der visuellen Schätzungen, bei anderen aktuellen Kometen passen die Datentypen weniger zusammen.

Andere Vorträge handelten von einer La-Palma-Reise für ISON, dem kometaren CV von Pilz‘ Vorgänger als Fachgruppenleiter, der vergeblichen Suche nach Bildern des letzten „Finsterniskometen“ – und der Beobachtung des Kometen Seki-Lines im Jahr 1962 durch Helmut Denzau (vorne). Energisch diskutiert wurde hernach noch über die Archivierung von Kometenfotos bei der Fachgruppe und anderswo …

… während die letzten noch zum frostigen Open-Air-Public-Viewing von Deutschland – Ghana vor der Gaststätte ausharrten. Heute Vormittag gab es dann noch eine spannende Stadtführung durch Pilz, die auf dem Panorama Tower Leipzig in 120 Metern Höhe ihren erhabenen Abschluss fand; viele weitere Impressionen hier! In jeweils ein paar Jahren Abstand sollen sich die FG-Treffen in Leipzig ab jetzt wiederholen, aber jedes Jahr kommen die Kometenbeobachter auch im Rahmen der Planetentagung zusammen, das nächste Mal schon im November in Rothenfels. [Daniel Fischer. NACHTRAG: noch mehr Bilder]

Leuchtende Nachtwolken auf 51.5° Nord

Die gab es heute Morgen zwischen 2:30 und 3:00 MESZ von Witten-Herbede aus genau nach Norden zu sehen – genauer gesagt ihren oberen Teil, denn horizontnäher waren sie durch eine troposphärische Wolkenbank, erhellt von Bochum und Co., abgedeckt. Nach zunächst sehr schwachem Beginn waren die NLCs dieser Nacht plötzlich für Auge wie Kamera sehr auffällig geworden, bevor sie wieder strukturloser wurden und schließlich in der Dämmerung entschwanden. Vom selben Standort aus waren auch letztes und vorletztes Jahr NLCs beobachtet worden, wenn auch nie mit einem solch kuriosen Wolkenvorhang im Vordergrund. Aufgenommen wurde mit ISO 400 und Blenden um 4 mit unterschiedlichen Brennweiten und Belichtungszeiten von 5 bis 10 Sekunden. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: Bilder auch aus Nordirland, England und Rostock – und Zeitraffervideos aus Dänemark und Kiel]

15. Juni: Ein astronomischer Nachmittag für Kinder

Das Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) in Bonn-Endenich lädt am kommenden Sonntag, 15. Juni, wieder Familien mit Kindern zu einem astronomischen Nachmittag ein. Es wird einen kindgerechten Vortrag geben, das große Teleskop auf dem Institutsdach wird besichtigt und es gibt eine Bastelecke, wo man u.a. eigene Sternbilder erfinden kann. Und natürlich können auch die kleinen Besucher den Astronomen Schwarze Löcher in den Bauch fragen. Außerdem werden bei sonnigem Wetter sicher draußen auch Teleskope für die Beobachtung der Sonne aufgebaut.

Der Nachmittag für die kleinen AstroZwerge, der zum großen Veranstaltungsprogramm „Astronomie für jedermann“ gehört, findet zwischen 14:00 und 17:00 Uhr statt. Bei Interesse einfach unter astronomie2014@astro.uni-bonn.de anmelden. [Nico Schmidt]

Alexander Gerst hat auch Bonn zur ISS mitgenommen … in Form einer Biene

Tania von Stegmann

Heute vor zwei Wochen erreichte Alexander Gerst, der 11. deutsche Astronaut, sein neues Zuhause für die nächsten sechs Monate. Um 5:52 Uhr öffnete sich die Luke zwischen Sojus-Raumschiff und der Raumstation ISS. Seitdem ist der 38-jährige Vulkanforscher mit einem durchorganisierten Forschungs-programm beschäftigt, twittert täglich atemberaubende Ansichten unseres Heimatplaneten, schickt zum heutigen Auftaktspiel WM-Grüße Richtung Erde oder lässt das mitgenommene Mauerstück des Kölner Doms bei einer orbitalen Pressekonferenz schwerelos durch den Raum schweben. Dabei befindet sich unter den irdischen Mitbringseln auch ein Stück Bonn. Das Angebot der ESA wurde vor 10 Monaten an die Bundeskunsthalle gerichtet. Da es nur eine Kleinigkeit sein konnte, entschloss man sich „eine unserer Bundesbienen als Botschafter der Ausstellung zu entsenden“. So umkreist nun alle 90 Minuten zusammen mit Alexander Gerst eine 40 Gramm schwere, in Harz gegossene Bonner Biene unsere blaue Erde. Das Insekt stammt aus dem Bienenvolk, dass im Dachgarten der Bundeskunsthalle angesiedelt wurde; es gibt sogar Führungen, auch zum Museumsmeilenfest in einer Woche.

Nachdem Alexander Gerst im November zur Erde zurückgekehrt ist, soll die kleine Bonner Biene nach ihrer sechsmonatigen Mission an Bord der ISS einen Platz in der ab 03. Oktober laufenden großen Weltraumausstellung „Outer Space“ finden. [Nico Schmidt]

Fotoversuche an der H-alpha-Sonne

Am Freitagnachmittag erhielt ich einen Überraschungsbesuch von einem KBA-Sternfreund und da er auch ein 60mm-Lunt-Teleskop dabei hatte, bauten wir kurzerhand das Sonnenteleskop auf der Terrasse auf. Der blaue Himmel lachte, die Sonne lachte noch viel mehr. So konnte ich zum ersten Mal bewusst die H-alpha-Sonne mit einem Bino-Ansatz genießen. Der Anblick mit den unzählig vielen Details und ganz feinen Einzelheiten war einfach umwerfend, obwohl die Sonne schon ordentlich auf die Stirn knallte. Zwei ausgeprägte Gasbögen waren zu beobachten (Bild 1 und 2), weitere kleinere Proteranzen mit unterschiedlichen Formen waren ebenfalls sichtbar; das Seeing war gut. Ich konnte mich wirklich kaum sattsehen, aber dann griff ich doch mal zur TZ31-Kompaktkamera und versuchte mein Glück. Die Fotografie der H-alpha-Sonne einfach mit einer ans Okular gehaltenen Kamera ist ja sowieso eine Herausforderung (erst recht die Gesamtsonne), aber drei vorzeigbare Fotoversuche zeigen doch schon erstaunlich viel Details. [Nico Schmidt]

Mondsichel vs. Felswand

Alex Tudorică

Die öffentliche Beobachtung am vergangenen Samstag, 31. Mai, wurde wegen der am Abend aufgezogenen Bewölkung leider zur Geduldsprobe. Einige Sternfreunde vor dem astronomischen Institut in Bonn-Endenich hofften zusammen mit einigen Besuchern auf entsprechende Wolkenlücken und tatsächlich waren zumindest die Planeten Jupiter, Mars und Saturn kurz in den aufgebauten Teleskopen sichtbar, und es war mehr Zeit für nette Gespräche. Der drei Tage alte Mond schien jedoch eher diffus durch die Zirren, dagegen hieß es zur gleichen Zeit 600 Kilometer weiter östlich nur: Mondsichel voraus! Denn es hat tatsächlich den Anschein, als könnte die schmale Mondsichel jeden Moment an der steilen Felswand der Bastei zerschellen. Dieses stimmungsvolle Dämmerungsfoto machte Alex Tudorică, Astronomiestudent, Blogger sowie Natur- und Astrofotograf aus Bonn, der zurzeit zum Wandern in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist – vermutlich als Ausgleich zur Doktorarbeit über Galaxienhaufen. [Nico Schmidt]