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Mondsichel vs. Felswand

Alex Tudorică

Die öffentliche Beobachtung am vergangenen Samstag, 31. Mai, wurde wegen der am Abend aufgezogenen Bewölkung leider zur Geduldsprobe. Einige Sternfreunde vor dem astronomischen Institut in Bonn-Endenich hofften zusammen mit einigen Besuchern auf entsprechende Wolkenlücken und tatsächlich waren zumindest die Planeten Jupiter, Mars und Saturn kurz in den aufgebauten Teleskopen sichtbar, und es war mehr Zeit für nette Gespräche. Der drei Tage alte Mond schien jedoch eher diffus durch die Zirren, dagegen hieß es zur gleichen Zeit 600 Kilometer weiter östlich nur: Mondsichel voraus! Denn es hat tatsächlich den Anschein, als könnte die schmale Mondsichel jeden Moment an der steilen Felswand der Bastei zerschellen. Dieses stimmungsvolle Dämmerungsfoto machte Alex Tudorică, Astronomiestudent, Blogger sowie Natur- und Astrofotograf aus Bonn, der zurzeit zum Wandern in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist – vermutlich als Ausgleich zur Doktorarbeit über Galaxienhaufen. [Nico Schmidt]

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Konjunktion mit Schwierigkeiten

Drei Tage nach Neumond heute endlich eine Sichtung des jungen Mondes, zusammen mit dem Jupiter, nachdem sich – einzige Attraktion war zunächst ein überraschendes Feuerwerk gewesen – kurz vor dem Untergang des ersteren beide bequemten, von Witten-Herbede aus gleichzeitig durch Wolkenlücken über Bochum zu scheinen (Zeit von oben nach unten). Zum Vergleich die Mondsichel heute aus Japan (auch mit Sternen), gestern aus den USA und Italien und vorgestern aus Brasilien, Kalifornien und Texas. [Daniel Fischer]

Dämmerungs-„Forschung“ mit Jupiter und Merkur

Wie sich die Kontraste von – v.a. tief stehenden – Himmelsobjekten in Abhängigkeit von Dämmerungstiefe und Höhe über dem Horizont verändern, wurde hier schon letztes Jahr anhand von PANSTARRS, Merkur & Venus und der Sommer-Milchstraße untersucht: hier nun Experimente zur Frage, bei welcher Sonnendepression sich das Planetenpaar Jupiter (hoch: ganz oben links) und Merkur (tief, Elongation 21.3°, -0.2 mag.: ganz unten rechts) am besten zusammen aufnehmen lassen würde. Die Aufnahmen entstanden heute Abend sei sehr klarer Luft in Witten-Herbede, die Kamera balancierte auf einer Mauer, die Brennweite lag bei 50 bis 55 mm Kleinbild-Äquivalent, für maximale Auflösung hier jeweils leichte Ausschnitte.

22:26:30 MESZ: Merkurhöhe 6.8°, Sonnentiefe 8.7°; 1/5 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 400

22:33:00 MESZ: Merkurhöhe 6.0°, Sonnentiefe 9.3°; 1/1.3 Sekunde bei Blende 3.6 und ISO 200

22:49:00 MESZ: Merkurhöhe 4.0°, Sonnentiefe 10.9°; 2.5 Sekunden bei Blende 3.2 un ISO 200

22:57:30 MESZ: Merkurhöhe 2.9°, Sonnentiefe 11.7°; 3.2 Sekunden bei Blende 3.3 und ISO 200

23:01:00 MESZ: Merkurhöhe 2.5°, Sonnentiefe 12.0°; 5 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 200

Etwa bei einer Sonnentiefe von 10 bis 11 und einer Merkurhöhe von 5 bis 3 Grad war es demnach fotografisch am besten möglich, beide Planeten gleichzeitig aufzunehmen: Der Kontrastgewinn durch die rapide fortschreitende Himmelsverdunklung – man beachte die immer längeren Belichtungszeiten – überwog etwas den Extinktionsverlust. Für das bloße Auge, das dem Planeten unter den gegebenen Umständen rund eine Stunde lang folgen konnte, war der beste Merkurkontrast allerdings schon deutlich früher erreicht, nänlich bereits bei einer Sonnentiefe von weniger als 9° und einer Merkurhöhe von über 7°, d.h. etwa zum Zeitpunkt der ersten Aufnahme hier oder sogar noch davor. [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein weiteres Bild, von 22:42 MESZ in höherer Auflösung: Merkurhöhe 4.8°, Sonnentiefe 10.2°]

Beim letzten Abendmahl auf 37° Nord …

Sonnendepression 12.0°, 6 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 200

Sonnendepression 8.9°, 1 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

Sonnendepression 8.1°, 1/2.5 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 400

Sonnendepression 5.8°, 1/25 Sekunde bei Blende 3.1 und ISO 400

Sonnenhöhe 1.0°, 1/400 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 100

… konnten nach einem farbenfrohen Sonnenuntergang heute Abend die türkischen Dämmerungs-Experimente mit noch geringerer Sonnendepression anhand der abendlichen Planeten und der Ekliptik-Sternbilder fortgesetzt werden. Von links zu sehen sind im letzten, obersten Bild der Kopf des Skorpions mit Antares (+1.0 mag., durch Extinktion +1.6) und von oben Acrab (+2.6/+3.1), Dschubba (eigentlich +2.4/+2.9, aber immer noch deutlich ‚zu hell‘) und Pi Sco (+2.9/+3.5), der Mond (-10/-9.5), Zubenelgenubi (+2.8/+3.4), der Saturn (+0.9/+1.7) und die Venus (-3.6/-2.1). Hier lag die Kamera auf einer Mauer, die 8 Aufnahmen davor entstanden freihändig. Lektionen für ISON(s Koma) in der Dämmerung? Man wird – in weniger als drei Monaten! – sehen … [Daniel Fischer]

Dämmerungs-Studien auf 37° Nord – vielleicht von Relevanz für ISON in 3 Monaten …

21:06 EEST (UTC+3), Sonne 19° tief, Nacht: 60 Sekunden bei 800 ISO

20:54 EEST, Sonne 17° tief, späte astronomische Dämmerung: 60 Sek. bei ISO 800

20:42 EEST, Sonne 14.5° tief, mittlere astronomische Dämmerung: 50 Sekunden bei IsO 800

20:37 EEST, Sonne 13.5° tief, frühe astronomische Dämmerung: 40 Sekunden bei ISO 800

20:31 EEST, Sonne 12.5° tief, kurz nach Beginn astronomische Dämmerung: 40 Sek. bei ISO 200

Am gleichen Standort wie gestern – 37°N 27.5°O – mit gleicher Technik bei gefühlt geringfügig schlechterer Transparenz der heutige Südblick während der (von unten nach oben) fortschreitenden Abenddämmerung, alles mit 25 mm KB-Äquivalentbrennweite (leichte Beschneidung) und Blende 2.8. Der Kontrastgewinn der Milchstraße mit jedem zusätzlichen Grad Sonnendepression während der ersten Hälfte der astronomischen Dämmerung ist erstaunlich – vielleicht im Dezember von ISONischer Relevanz, falls der Komet einen langen Schweif entwickeln sollte: Es könnte sich lohnen, mit der Koma noch unter dem Horizont aber tieferer Dämmerung zu schauen und zu fotografieren, was z.B. auch bei McNaught in seinen besten Tagen der Fall war. [Daniel Fischer]

PANSTARRS über Deutschland: Es geht los!

panstarrs-visibility_bonnstern

Jedenfalls theoretisch, denn ab dem 6. März steht der sehnlich erwartete Komet, der bereits heller als 2.0 mag. geworden ist, erstmals nach Sonnenuntergang noch über dem Horizont – für 50° nördliche Breite, was für den Köln-Bonn-Königswinteraner und relativ gut auch für den gesamten deutschen Sprachraum gilt. Dieses Diagramm ergänzt die Tabelle in diesem Artikel und basiert auf einer präziseren Version dieser Tabelle: Als aufeinder getürmte Säulen dargestellt ist für jeden der 15 Tage vom 6. bis 20. März, wie lang der Komet jeweils in der bürgerlichen (0 bis 6 Grad Sonnendepression; weiß), nautischen (6 bis 12 Grad Sonnendepression; einfach schraffiert) und astronomischen Dämmerung (12 bis 18 Grad Sonnendepression; doppelt schraffiert) sowie in der Nacht (schwarz) über dem abendlichen Westhorzont steht; die Gradzahlen nennen die Kometenhöhe bei den Übergängen zwischen den Dämmerungsphasen. Ob und wann sich der Komet jeweils für das bloße Auge, optische Hilfsmittel und/oder Kameras – evtl. mit speziellen Filtern – aus der Dämmerung schält, wird man sehen; zu beachten ist auch, dass seine Helligkeit gegen Ende des dargestellten Zeitraums schon deutlich zurück gehen dürfte, während der Mond am 17. März einen Beleuchtungsgrad von 30% überschreitet und zu stören beginnen könnte, auch wenn sein Winkelabstand vom Kometen von 50° auf 80° ansteigt. [Daniel Fischer. NACHTRAG: das Diagramm jetzt auch in schöner …]

Ein himmlischer Empfang in der Toskana …

… erwartete die Italien-‚Expedition‘ des Chefbloggers heute nach fast neunstündiger und meist Regen- und Stau-reicher Fahrt vom Südtiroler Grödnertal bis südlich von Siena: Dort rissen wie auf Kommando die Wolken auf, während es noch regnete und ließen einen lehrbuchreifen Regenbogen erstrahlen. (Das obige Bild wurde aus zwei 25-mm-Äquivalent-Horizontal-Bildern mit autostitch produziert und ist hier in größer zu sehen [NACHTRAG: und hier und hier – während Rainbow-Fans das Bild hier und hier feiern], das untere zeigt auch einen schönen Oppositionseffekt über dem Kopf des Fotografen.)

Am Ziel Pentolina angekommen gleich noch ein spektakulärer Sonnenuntergang als Bonus …

… und ein recht klarer Blick auf das Mars/Saturn/Spica-Dreieck, zwar schon wieder ziemlich länglich geworden aber auf 43.2° Nord und mit schönen Westhorizont immer noch problemlos zu sehen ist, auch mit dem bloßen Auge.