Archiv für den Monat Februar 2020

Spektren selbst erlebt: eine faszinierende Improvisation

„Die Farben des Weltalls“ war das Thema der Rothenfelser Sternstunden 2020 an diesem Wochenende, die schon über ein Jahrzehnt lang jedes Jahr ein inzwischen vierköpfiges Kernteam auf Burg Rothenfels im Spessart abhält (hinter deren Bergfried und alter Linde sich hier im Morgennebel bereits ein wenig atmosphärische Optik zu manifestieren versucht): Nach dem bedauerlichen kurzfristigen Ausfall just jenes Co-Referenten, der dieses Thema vorgeschlagen hatte, wurde gleichwohl in einer teilweise ganz spontan organisierten Mischung aus High- & Low-Tech eine Menge auf die Bühne gezaubert, um das Wesen der Spektroskopie erlebbar zu machen.

Martin Fischer nimmt hier mit einem DADOS-Spaltspektrografen und einer Schwarzweiß-CCD-Kamera ein Spektrum des – von Wolken gestreuten und durch ein Fenster in den Hörsaal fallenden – Sonnenlichts auf, das in der weiteren Reduktion mit der Software BASS so manche Fraunhofer-Linie zeigt. In der Nacht lieferte er den Seminarteilnehmern auch Sternspektren direkt im Okular durch einen Star Analyzer an einem 5-Zoll-Refraktor. Mehrere Absorptionslinien im Spektrum des Sirius enthüllte übrigens ebenfalls recht überzeugend eine ganz simple Pappbrille mit gekreuztem Beugungsgitter beim Blick durch einen größeren Feldstecher; beides hatte Pater Christoph von der Klostersternwarte mitgebracht.

Durch nämliche Brille fotografiert – wie alle Bilder hier mit einem Uralt-Handy – eine Balmer-Röhre mit Wasserdampf: Neben H-Alpha bis -Gamma macht sich u.a. auch eine Linie des Sauerstoffs bemerkbar, mit der wir (irrtümlich von reinem Wasserstoff ausgehend) nicht gerechnet hatten, deren Natur aber durch eine Messung des Spektrums mit dem DADOS klar erkannt werden konnte – Schade, kein neues Element Rothenfelsium …

Und hier noch fünf weitere Spektrallampen im Einsatz, diesmal mit Helium, Neon, Cadmium, Natrium und Thallium gefüllt, die durch den Star Analyzer bzw. die Brille ein wahres Kaleidoskop entfachten, …

… mit dem DADOS – nun aber einer DSLR-Kamera von Christoph (die per WLAN mit einem Laptop sprach …) – beeindruckende farbige Linien-Spektren der diversen Elemente live auf die Leinwand zauberten, wobei nunmehr die Wellenlänge von links nach rechts abnimmt:

[Daniel Fischer – noch mehr und größere Bilder hier, zeitlich ungefähr rückwärts. NACHTRAG: ein Bericht über das Seminar insgesamt]