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Saftiger Polarlicht-Sturm … jetzt in fünf deutschen (Planetariums-)Kuppeln

Seit heute ist sie in fünf deutschen Planetarien zu sehen, die erste Show mit realistischem großem und dynamischem Polarlicht über dem Aurora Village in Kanada in Echtzeit: Von der koreanischen Produktion „Aurora – Lights of Wonder“ hatte soeben eine neue deutsche Fassung in Bochum Premiere, wo sie nun mehrmals in der Woche zu sehen ist. Erstellt und erweitert wurde sie am Planetarium Mannheim und ist auch schon in Freiburg und Wolfsburg zu sehen, während in Hamburg eine andere deutsche Version gezeigt wird.

„Aurora – Wunderbares Polarlicht“ ist das Werk des Astrophoto- und Videographen Kwon O Chul, der schon lange Erfahrung mit spektakulären Zeitraffer-Aufnahmen des Tag- und Nachthimmels hatte: oben ein Best-Of, bei Vimeo jede Menge mehr Sequenzen. Aber beim Polarlicht ärgerte ihn schon länger, dass bei der klassischen Astrofotografie die schnellen Details verwischen (Vergleich unten) – und mit Hilfe eines Clusters aus 5 empfindlichen DSLR-Kameras eines bekannten Herstellers fand er nun die Lösung: 4K-Fulldome-Aurora mit hinreichender Durchbelichtung in Echtzeit, wobei die stellare Grenzgröße nach Rauschreduktion bei knapp 4 mag. liegt. Im Programm sind – neben allerlei Historie und Hintergrund zum Aurora-Phänomen – einige Minuten Echtzeit-Substurm enthalten, viel längere Sequenzen aus dem besonders ergiebigen März 2015 im kanadischen Yellowknife sind z.B. hier, hier, hier, hier und hier zu sehen. An Aurora für’s Planetarium haben sich nur wenige getraut (unten zwei gute Beispiele), aber die Lights of Wonder sind ein großer Schritt nach vorne:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: eine PM der Stadt Bochum]

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Erster Auftritt in Deutschland: Das „Museum of the Moon“ gastiert(e) in der Essener Fußgängerzone

In zwanzig Ländern war das „Museum of the Moon“ des britischen Künstlers Luke Jerram schon zu Gast, aber noch nie in Deutschland – das hat sich jetzt geändert: Bis heute noch ist eins der vielen Exemplare des aufgeblasenen 7-Meter-Monds 5 Meter hoch in der Fußgängerzone von Essen aufgehängt, in der Kettwiger Straße 300 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Und wenn man sich von dort nähert, ist auch quasi Vollmond …

… während man beim Unterschreiten – direkt unter dem Südpol hindurch – abrupt auf die Mondrückseite wechselt. Der Mond ist ziemlich wetterfest, musste aber doch einmal kurz ab- und gleich wieder aufgebaut werden, als Sturm drohte.

Ein paar Details, in der Mitte ein großer Krater in der Nähe des Südpols und eine Weitwinkel-Polansicht. In Dunkeln leuchtet der Kunstmond übrigens selbst, quasi Vollmond von allen Seiten, aber im Hellen ist er – auch dank eher dunkler Tönung – durchaus realistischer.

Bedruckt ist der Kunstmond mit der Mondkarte aus den Aufnahmen der Weitwinkel-Kamera des Lunar Reconnaissance Orbiters mit 100 Metern pro Pixel, was bei einem Maßstab von rund 1:500’000 eine Auflösung von 120 dpi ergibt. Der Autor hielt heute neben dem Mond einen kurzen Vortrag, u.a. mit den (eigen dafür berechneten) Zahlen, dass das Lunar Module auf dem Kunst-Mond mit seinen 4.3 Metern Durchmesser rund 1/100 mm groß wäre, 1/800’000 des Monddurchmessers oder 1/400 Bogensekunde. Schauplatz der Ansprache eine Hebebühne, zwar im Ruhezustand aber doch etwas erhaben, mit diesem Blick:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder größer]

„Astronomy on Tap“: ein neuer Stern am populären Astro-Himmel von Bonn

Rund 80 Besucher drängten sich heute im dicht besetzten Obergeschoss eines irischen Pubs beim zweiten „Astronomy on Tap Bonn“, einer für das junge Projekt von Bonner Fachastronomen beindruckend routinierten zweistündigen Bühnenshow (oben der aufgezeichnete Live-Stream), dank vier Flachbildschirmen und guter PA überall gut zu verfolgen. Geboten wurden wie stets ein englisch- und ein deutschsprachiger je ca. 20 Minuten langer Vortrag und dazwischen ein Quiz, bei dem auch von den in erheblicher Zahl anwesenden Profiastronomen keiner mehr als 8 von 10 Fragen schaffte:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: eine Nebenwirkung …]

First (ashen) light …

1/6 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

Zweieinhalb Monate nach der Anschaffung wurde die Panasonic Lumic DMC-FZ300 heute zum ersten Mal des Erdscheins – alias „ashen glow“ – auf dem Mond ansichtig: völlig ungeplant, weshalb diese Aufnahmen (vom Hügel, auf dem das Bochumer Planetarium steht) komplett freihändig gemacht werden mussten, auch ohne Aufstützen irgendwo. Die technischen Daten der Bilder – nur Cropping, aber keinerlei Drehen am Gamma – weisen den Weg für spätere Experimente, wenn die Ekliptik steiler steht … und ein Stativ zur Hand ist:

1/125 Sekunde bei Blende 4 und ISO 200

1/4 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

1/5 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 800

1/5 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

1/8 Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 3200

Die letzten drei Aufnahmen entstanden bei maximaler Zoom-Brennweite von 108 mm, was einem Kleinbild-Äquivalent von 735 mm entspricht; vielleicht jedes dritte solcher Freihand-Bilder war leidlich scharf. Der Stern unterhalb der Mondsichel hat übrigens 7.3 mag., der links neben ihm und etwas tiefer 7.6 mag. und der ganz links 6.3 mag. Ein paar der Bilder in größer gibt’s auch hier und hier. Gegen Ende der Dämmerung verschwand der tiefe Mond dann leider schon in horizontnahem Dunst, so dass keine weitere Aufnahmen des Erdscheins möglich waren:

1/8 Sekunde bei Blende 3.2 und ISO 200

[Daniel Fischer]

Lier, Flandern, Belgien: die umwerfenden astronomischen Uhrwerke des Louis Zimmer

In der belgischen Kleinstadt Lier südöstlich von Antwerpen wartet – unentdeckt vom üblichen Flandern-Tourismus – ein wahres Kleinod des astronomischen Uhren-Wesens und der Astronomie-Didaktik der Vergangenheit auf die Entdeckung: der Zimmertoren (Zimmer-Turm), ein mittelalterliches Relikt der einstigen Stadtmauer, das der Uhrmacher und Mathematiker Louis Zimmer 1930 in ein außergewöhnliches astronomisches Anzeige-Instrument verwandelte. Dargestellt werden z.B. die Zeitgleichung (Anzeige auf „zwei Uhr“, offenbar kaputt), die Epakten („ein Uhr“) oder die Gezeiten („zehn Uhr“) in Lier.

Angetrieben wird „die Jubiläums-Uhr“ (1930 war Belgien 100 Jahre unabhängig) durch ein ausgeklügeltes mechanisches Uhrwerk, das dem Vernehmen nach seit nunmehr 88 Jahren ohne Unterbrechung läuft und zweimal am Tag aufgezogen werden muss.

Und dasselbe Uhrwerk treibt noch mehr Anzeigen an: Im Inneren des Turms richtete Zimmer bald nach Vollendung der Uhr ein „astronomisches Studio“ ein, das zahlreiche weitere astronomische Sachverhalte darstellt – bis hin zu rotierenden Planetengloben! Zimmer war zu der Erkenntnis gekommen, dass der Allgemeinheit an astronomischen Grundwissen fehlt, und da wollte er Abhilfe schaffen. Klingt irgendwie modern …

In einem Museum direkt neben dem Turm – dort bitte vor Betreten des Turms eine Eintrittskarte lösen! – sind noch weitere Zimmer-Uhren zu sehen: insbesondere die für Weltausstellungen in den 1930-er Jahren konstruierte „Wunderuhr“ mit Zifferblättern auch für laaaangsame astronomische Zyklen bis zur Präzession (und einem elektrischen Motor als Antrieb).

Und eine Spezialuhr anlässlich der Mondlandungen. Der Zimmerturm fügt sich in das attraktive Stadtbild Liers ein (nur 10 km von Hove mit der hier und hier vorgestellten Urania entfernt, von der auch der Tipp stammte) – und ist eines ihrer Wahrzeichen:

[Daniel Fischer]

Sonnenuntergang in der Nordsee

Der heutige Sonnenuntergang von Blankenberge an der belgischen Nordseeküste aus gesehen – mit trotz etwas Wolken am Horizont derart greller Sonne, dass für die meisten Aufnahmen 1/16’000 Sekunde bei Blende 8 und ISO 100 verwendet werden musste … was am Anfang immer noch nicht kurz genug war:

Ab jetzt in identischem Maßstab das Verschwinden der Sonne – als zum Schluss roter Strich, der dann zerbricht – auf dem Horizont, mit nur marginalen grünen Segmentchen:

Und noch ein paar Ansichten „der Lage“ danach:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder größer in diesem Album]

Middelburg: Astronomie-Geschichte lebt

Zwei Jahre nach dem letzten Besuch heute zum dritten Mal in Middelburg im niederländischen Zeeland, wo 1608 das Fernrohr erfunden wurde – und natürlich von Hans Lipperhey und auch nicht genau dort, wo die mithin gleich dreifach falsche aber auch selbst schon wieder historische Gedenktafel an der Abteikirche (mit dem Langen Jan) Ziel der schon traditionellen ‚Pilgerfahrt‘ wurde …

… und dann Volkssternwarte Philippus Lansbergen nunmehr an ihrem neuen Ort direkt am Rathaus. Mit einer bemerkenswerten Tür des Teleskoplagers – da waren mal Akten der Stadt drin.

Die neue Einrichtung wird – vermutlich kommendes Jahr – eine erstaunliche Zugabe bekommen: Hinter dieses Fenster kommt ein 50-cm-Teleskop, das automatisch weit hinaus fährt und dann einen Großteil des Himmels überblicken kann. Der dann via Kamera dem Publikum gezeigt wird, während über den Schalter links eine besonders störende Straßenlampe abgeschaltet wird! Auch sonst steht massig Didaktik bereit, inklusive eines Mini-Planetariums.

Das Besondere an der Middelburger Volkssternwarte ist aber das integrierte Museum für Teleskopgeschichte, mit vielen erstaunlichen Originalen und selbst erstellten Modellen – etwa von Lipperheys Werkstatt.

Eine allerdings bald verschwindende Schau zum bedeutenden Amateurastronomen Piet Meesters mit etlichen seiner Teleskope.

Und wieder aus der Dauerausstellung ein Modell zur Navigation und Vitrinen zu Leben und Werk der Lokal-Astronomen …

Cornelis Tevel (der an die 1000 Sonnenzeichnungen anfertigte) und Jan de Munck:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: die Erfindungsgeschichte des Fernrohrs]

Halo über dem Ennertwald

W#hrend eines Marsches zum Skywalk an der Rabenlay oberhalb von Bonn-Oberkassel wurde gegen 17:30 bis 17:45 MESZ ein Halo mit mehreren Komponenten gesichtet, gemäß der ‚amtlichen‘ Grafiken Nebensonnen, der 22°-Kreis, der obere Berührungsbogen und der Zirkumzenitalbogen:

Und hier noch Wolkenschatten über der rechten Nebensonne, als die Show zuende ging:

[Daniel Fischer]

Die Himmelsgloben von Wien

Das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek in der Wiener Innenstadt besitzt eine der größten Sammlungen der Welt, darunter auch mehr spektakuläre Himmelsgloben an einem Ort als mutmaßlich irgendwo sonst – treten wir ein paar Exemplaren näher, allesamt im Kontrast verstärkt und hier chronologich sortiert. Den Anfang macht ein 41-cm-Globus von Gerard Mercator, Leuven, 1551 (Kartenbild handcolorierter Kupferstich):

34-cm-„Sphaera Stellifera“ von Willem Janszoon Blaeu, Amsterdam, nach 1621:

Astronomisches Instrument mit Uhrwerk und drehbarem 21-cm-Globus, Daniel Scheyrer, Steyr (?), 1624:

50-cm-Globus von Matthäus Greuter, Rom, 1636:

68-cm-Globus von Willem Janszoon Blaeu, Amsterdam, nach 1645:

110-cm-und 15-cm-Globen von Vincenzo Coronelli, Venedig, um 1693:

34-cm-„Globo Celeste“ von Giovanni Maria Cassini, Rom, 1792:

Und zum Schluss ein 33-cm-Globus von James Wilson & Cyrus Lancaster, Albany (NY), 1845:

[Daniel Fischer]

Zweimal ein Hauch von NLC – und eine schwere Konjunktion

Scheinbar viel versprechende NLC am Abend des 7. Juli („Mit einer Drohne …“ – „NLC in der vorletzten Nacht …“), von Witten aus weit im Osten und daher noch schlecht beleuchtet – am Morgen war da leider nichts mehr. Und von einem weiteren schönen Display in der Nacht 13./14. Juli war nur dies aus schlechter Transparenz zu erhaschen, ein paar Minuten lang am Morgen gegen 3:40 MESZ:

Der Streifen ist auch auf Sauerland-Webcams hier und hier (in 10-Minuten-Schritten vor & zurück über die Buttons o.r.) und wohl auch auf diesem niederländischen Bild zu sehen; bessere Sicht z.B. (auch schon am Abend) hier und hier, hier, hier und dann wieder hier (Buttons!), hier, hier und hier.

Am Abend schließlich die verblüffend einfache 41 Stunden alte Mondsichel in der hellen Dämmerung – und auf zwei Bildern ist auch der auf 0.5 mag. gefallene Merkur daneben zu sehen (hier das bessere); Bilder in größer u.a. hier, hier und hier und Artikel zu den Mond-Planeten-Besuchen und der Parade der Planeten in der Nacht. Und noch der Untergang der Mondsichel:

[Daniel Fischer]