Archiv des Autors: skyweek

NRW im Mondfieber: eine Übersicht

Mit dem Nahen des 50. Jahrestages der ersten bemannten Mondlandung häufen sich allerorten Veranstaltungen rund um den Mond: Da gibt es z.B. eine Ringvorlesung an der RUB in Bochum, der Mond ist Thema bei Brötchen und Borussia an der TU Dortmund (oben der heutige Vortrag „Der Mond – Erzgrube oder Tor zur eigenen Entstehungsgeschichte?“ von Christian Wöhler) und dem DLR-Astroseminar in Köln, es gibt einen „Mondsommer“ im Planetarium Münster, und im Planetarium Bochum beginnt heute der „Summer of Moon“ mit zahlreichen Events. Eine Auswahl:

Die Vorträge an der RUB finden übrigens, den Titeln zum Trotz, überwiegend in deutscher Sprache statt. Außerdem interessant: mehrere Apollo-bezogene Sonderausstellungen bereits in Münster (bis 23. Juni, ab 30. Juni in Bergkamen) und Lennestadt und ab dem 5. Juli in Paderborn. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: die obige Tabelle wird fortwährend ergänzt – Vorschläge willkommen!]

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Bonn feiert das Schwarze Loch in M 87

Zwanzig Tage nach der Veröffentlichung des ersten Bildes eines Schwarzen Lochs vom Event Horizon Telescope wurde heute am maßgeblich an diesem internationalen Projekt beteiligten MPI für Radioastronomie in Bonn dieser epochale Durchbruch der Radioastronomie ausgiebig gewürdigt und mit einem Empfang gefeiert. Erst umriss Silke Britzen das Projekt eine halbe Stunde für die nicht-astronomischen Mitarbeiter des Instituts, dann ging es fast zwei Stunden lang in einer regelrechten Mini-Konferenz ans Eingemachte.

Mehrere Mitarbeiter berichteten detailliert und unterhaltsam, wie sie die Hälfte der am Event Horizon Telescope beteiligten Radioteleskope mit neuer Hardware fit gemacht (hier ein Doktorand als Packesel bei APEX in Chile … und der Lohn der Mühe, Kisten voller Festplatten) und dann in den kritischen zwei Wochen im April 2017 die koordinierten Messungen durchgeführt hatten (am LMT in Mexiko wegen der harten Bedingungen im Zwei-Schicht-Betrieb). Und mit dem ALMA Phasing Project auch dafür sorgten, dass das Riesen-Interferometer quasi als ein Einzelteleskop mitmachen konnte.

Die Berge von Festplatten landeten schließlich bei zwei Korrelatoren, in Massachussets und in Bonn – hier nur Meter vom Hörsaal entfernt. Das musste man doch mal nachschauen …

Ein kleiner Teil der Regale mit Festplatten aus aller Welt, natürlich nicht nur vom EHT, einige aktuelle benutzte Platten in einem Rack mit Laufwerken – und der eigentliche Computer, der aber optisch wenig her macht: Hier, im Aquarium hinter den Pulten, „entsteht“ quasi ein Radioteleskop von der Größe der Erde.

Und das Ergebnis: Eine der vier völlig unabhängig arbeitenden Auswerter-Gruppen feiert letzten Sommer ihre Version des Bildes, später auch in einem Lokal, wo der Wirt gleich eine Runde ausgab …

Der weitere Verlauf der Auswertung – vor allem die Teleskope in Chile und Europa waren wichtig, um ordentliche Bilder zu bekommen – und die Grundlagen dahinter, …

… und was bereits aus dem Bild gelernt wurde: Alle Variationen zwischen verschiedenen Versionen und Zeitpunkten gelten als insignifikant, aber allein in den paar Pixeln des kombinierten Bildes von M87* (über den Status der Auswertung der parallel gewonnenen Daten von Sgr A* wurde eisern geschwiegen) steckt eine Menge, …

… was sich in die moderne Physik bestens einfügt. Ganz am Schluss wurden noch Gratulationsschreiben des MPI-Präsidenten und der Bundes-Forschungsministerin verlesen – und dieser Blogger erwähnt, der in der Nacht vor der Veröffentlichung das zweite von zwei „Lecks“ entdeckte, über die jeder das Bild schon hätte sehen können, und dessen Alarm-Mail zu dessen schneller Stopfung führte. Zur Belohnung gab es ein tolles 3D-Modell von Lichtstrahl-Wegen an einem Schwarzen Loch:

[Daniel Fischer]

Astronomie über einem Osterfeuer

Bei fortschreitender Abenddämmerung über dem heutigen Osterfeuer in Witten-Herbede-Vormholz – jede Menge mehr und größere Bildern – tauchten nach und nach Teile des entschwindenden Winter-Sechsecks auf: zuerst der Sirius (hier oben rechts), …

… dann der Procyon hoch über ihm …

… und schließlich Beteigeuze (für Rigel reichte es nicht mehr), der mit den anderen beiden ein markantes Dreieck bildete. Und hoch drüber schließlich noch Castor und Pollux:

[Daniel Fischer]

Sonne, Grunge und Mond

Sonnenuntergang vor dem, Gig von Ausfahrt – Urban Jazz Grunge im und trübe Mondsichel wieder vor dem Planetarium Bochum. [Daniel Fischer]

Astronomietag 2019 am Planetarium Bochum

Mit Ad-Astra-Teleskopen und -Crew vor der Kuppel, inklusive Live-Sendung des WDR, ISS-Transit und InstaStory-Aufnahme – noch mehr Bilder ‚live‘ gepostet hier, hier, hier, hier und hier. [Daniel Fischer. NACHTRAG: InstaStories hier und hier – Instagram-Account erforderlich]

Schwarze Löcher ganz neu … in Bochum

Es war einmal eine Show des Clark Planetariums in Salt Lake City, die sich 2006 mit damals noch revolutionärer Fulldome-Animation dem Phänomen Schwarzes Loch näherte: Auch in Bochum ist jahrelang eine deutsche Fassung gelaufen. Zum 10. Geburtstag dieser „Black Holes“ – und zugleich dem 100. Geburtstag der Allgemeinen Relativitätstheorie 2015/16 – hatte Clark die Show letztens noch einmal neu produziert:

Und seit heute ist auch davon eine – nochmals gründlich überarbeitete – deutsche Fassung in Bochum zu sehen: Wie auf einer nahrhaften Pressekonferenz zur Premiere (ganz unten) zu erfahren war, sind die Bilder mit der neuen US-Version identisch, aber es gibt zusätzlich einen 16-minütigen Bochumer Einführungsteil, der auch reichlich den optomechanischen Sternenprojektor mit seinen nadelscharfen Sternen einsetzt. Die Musik ist vollständig neu komponiert worden (von Tim Heinrich, im Bild rechts), während der Text von Planetariumsleiterin Susanne Hüttemeister (oben links) an diversen Stellen aktualisiert wurde.

Das ziemlich rasante Bochumer Intro ist eine Reise durch Sonnensystem und Galaxie, die die Frage nach der Sternentwicklung motiviert: Nur die schwersten können als Schwarze Löcher enden. Die Utah-Show – ob man Fulldome-Produktionen als „Film“ bezeichnen soll, ist in der Szene umstritten – greift den Faden quasi auf und zeigt den Endzustand Pulsar und dann natürlich Schwarzes Loch, unschwer zu erkennen an extremen Gravitationslinsen-Effekten an seinem ‚Rand‘.

Ein Raumschiff (mit der Seriennummer 37; was wohl aus den ersten 36 wurde …), eine ausgesetzte Sonde und ein unglücklich spaghettifizierter Astronaut demonstrieren dann diverse Effekte der Allgemeinen Relativität. Auch die supermassereichen Schwarzen Löcher in Galaxienkernen werden in dem informationsgeladenen Programm thematisiert und zum Schluss die hypothetischen Wurmlöcher als theoretische Abkürzungen durch die Raumzeit. Leider mühsam in der Herstellung und dann auch noch prinzipiell instabil – aber man möge in der Physik niemals nie sagen.

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: bei der Premierenfeier am Abend – und eine Pressemitteilung]

Bürgerforscher vs. Bonner Nacht

Die Volkssternwarte Bonn hatte geladen, und eine Pressemitteilung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (sowie der Uni Bonn) zu ihren Highlights der Physik 2019 war in alle Welt gegangen: Der Saal war gut gefüllt, als am 18. März …

… der Star-Wissenschafter in Sachen Lichtverschmutzung in Deutschland, der kanadische Physiker Christopher Kyba vom Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, …

… vorgestellt vom Wissenschaftskommunikator Jens Kube, …

… eloquent über die Problematik der Lichtverschmutzung im Allgemeinen, die Nachtbilder der Erde von NPP Suomi (und ihre bedauerliche Unempfindlichkeit für das Licht blauer LEDs), den darauf basierenden 2016-er World Atlas of Artificial Night Sky Brightness und das ganz neue Tool Radiance Light Trends sowie den Forschungsverbund Verlust der Nacht referierte. Der Anlass aber war Werbung für das Bürgerforschungsprojekt Bonner Nachthimmel, das in den kommenden Wochen im Vorfeld der Highlights der Physik (die selbst im September stattfinden) Daten erheben soll.

Und zwar mit dem etablierten Daten-Sammel-System Globe at Night während der ersten Leo-Kampagne 2019 vom mondlosen 27. März bis 6. April: Über die Himmelskarten auf der Web-App wird anhand der Sternen-Sichtbarkeit im Löwen die visuelle Grenzgröße abgeschätzt und nebst Zeit, Ort und Umständen online gemeldet. Dazu eingeladen ist jeder, ob erfahren oder nicht (Fehler mitteln sich erstaunlich gut heraus), aus Bonn und Umgebung, wobei deren Außenrand nicht definiert ist – und das Ergebnis (mindestens ein Mittelwert der Grenzgröße für das Stadtgebiet, vielleicht auch komplexere Erkenntnisse) wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Highlights auf großer Bühne präsentiert. Für diese (in die nur schwer hinein zu kommen ist) können zudem Eintrittskarten gewonnen werden, indem Screenshots von der Dateneingabe oder – auch bei schlechtem Wetter – Fotos von schlechter oder auch guter Stadtbeleuchtung per E-Mail eingeschickt werden.

Kyba stellte in seinem Vortrag und kurz in der Praxis auch noch ein weiteres digitales Tool für eine genauere Bestimmung der visuellen Grenzhelligkeit vor: die „Verlust der Nacht“-App, die den Benutzer von Stern zu Stern leitet, der gesehen wird oder auch nicht. Das erfordert allerdings mehr technischen und zeitlichen Einsatz und spielt bei der Aktion für die Highlights eine untergeordnete Rolle (dafür können aber schon ab dem 24. März Daten eingegeben werden, da das System selbstständig die Abwesenheit de Mondes – wie auch der Dämmerung – prüft). Dass das Thema Lichtverschmutzung inzwischen eine erstaunliche Bedeutung erlangt hat, konnte man übrigens gleich am nächsten Tag feststellen – als die WAZ ihr den Aufmacher und einen großen Teil der Seite 3 widmete:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder größer, plus Datumsangaben gemäß dieser Info präzisiert]

Rosetta im Planetarium: eine neue Show (nicht nur) für Kinder

Während die Rosetta- und Philae-Missionen zum Kometen Churyumov-Gerasimenko ließ die ESA eine Serie von kurzen Zeichentrick-Filmen, „Once upon a time“, produzieren, um ein breites Publikum für die bei weitem aufwändigste interplanetare Reise Europas zu interessieren.

Dabei wurden der Orbiter und der Lander zu anthropomorphen Personen, ein Stil, den die japanische JAXA für ihre Missionen schon lange pflegte (wo dann Kinder mitunter als Forschungssonden verkleidet auf die Straße gehen) – und auch in Europa kam es an, wie es ein langer Artikel der Macher beschreibt.

Am Ende wurde alles Material zu dem knapp halbstündigen Kurzfilm „The amazing adventures of Rosetta and Philae“ zusammen geschnitten – der wiederum auf Initiative des Verkehrshauses Luzern (Seite 6) und mit finanzieller Unterstützung vieler weiterer Häuser in eine Version für Fulldome-Planetarien transformiert wurde. „Die Abenteuer von Rosetta und Philae“ hat nun wiederum das Planetarium Bochum – maßgeblich Renate Heinrichs – zur Show „Große Kometenjagd“ erheblich erweitert.

Eine ausführliche Einleitung liefert den Kontext für den ESA-Cartoon: Entstehung und hauptsächliche Wohnorte der Kometen am Rand des Sonnensystems und in der Galaxis werden vorgestellt, wobei auch der optomechanische Projektor Universarium mit seinen nadelscharfen Sternen zum Einsatz kommt.

Dieses „klassische“ Planetarium mündet dann in den ESA-Trickfilm, der mit hoher Informationsdichte die Geschichte der Kometenforschung, den Verlauf der Rosetta-Mission und ihre wichtigsten Erkenntnisse präsentiert, inklusive Astro-Konferenz-Setting: Die Optik mag kindgerecht sein, der Inhalt hat es aber in sich. Da gleichwohl die Zahl der gezeigten echten Rosetta-Bilder des Kometen nur gering ausfällt, endet die Bochumer Extended Version mit abermals einem zusätzlich produzierten Finale, das die „Große Kometenjagd“ endgültig zu einem Muss für Rosetta-Fans jeden Alters macht:

[Daniel Fischer, auch die „Domeshots“ von der heutigen Premiere; weitere Bilder: Planetarium Bochum]

Merkur über Witten

18:52 MEZ, Höhe 8.5°, Sonnentiefe 8.0°, 1/8 Sekunde Blende 3.5, ISO 400

18:53 MEZ, Höhe 8.4°, Sonnentiefe 8.1°, 1/5 Sekunde, Blende 3.5, ISO 400

18:54 MEZ, Höhe 8.2°, Sonnentiefe 8.3°, 1/6 Sekunde, Blende 3.5, ISO 400

19:15 MEZ, Höhe 5.0°, Sonnentiefe 11.5°, 1 Sekunde, Blende 2.8. ISO 800

19:17 MEZ, Höhe 4.7°, Sonnentiefe 11.9°, 1/1.3 Sekunde, Blende 2.8, ISO 800

Nicht mehr ganz so transparenter Himmel wie gestern, dafür schönere Dämmerungsfarben – Helligkeit des Planeten -0.55 mag. [Daniel Fischer. NACHTRAG: Bilder größer hier, hier und hier – und noch viel mehr Merkur am Folgetag vom selben Ort]

Merkur über Bochum

Gegen 18:40 MEZ in ~10° Höhe beim Übergang bürgerliche / nautische Dämmerung bereits entdeckt, aber noch nicht zu einfach, war der einsam auf weiter Flur stehende Merkur eine Viertelstunde später (oben) schon ziemlich und eine weitere Viertelstunde später (unten) dann beim Übergang zur astronomischen Dämmerung in ~5° Höhe schon ausgesprochen auffällig: