Schwarze Löcher ganz neu … in Bochum

Es war einmal eine Show des Clark Planetariums in Salt Lake City, die sich 2006 mit damals noch revolutionärer Fulldome-Animation dem Phänomen Schwarzes Loch näherte: Auch in Bochum ist jahrelang eine deutsche Fassung gelaufen. Zum 10. Geburtstag dieser „Black Holes“ – und zugleich dem 100. Geburtstag der Allgemeinen Relativitätstheorie 2015/16 – hatte Clark die Show letztens noch einmal neu produziert:

Und seit heute ist auch davon eine – nochmals gründlich überarbeitete – deutsche Fassung in Bochum zu sehen: Wie auf einer nahrhaften Pressekonferenz zur Premiere (ganz unten) zu erfahren war, sind die Bilder mit der neuen US-Version identisch, aber es gibt zusätzlich einen 16-minütigen Bochumer Einführungsteil, der auch reichlich den optomechanischen Sternenprojektor mit seinen nadelscharfen Sternen einsetzt. Die Musik ist vollständig neu komponiert worden (von Tim Heinrich, im Bild rechts), während der Text von Planetariumsleiterin Susanne Hüttemeister (oben links) an diversen Stellen aktualisiert wurde.

Das ziemlich rasante Bochumer Intro ist eine Reise durch Sonnensystem und Galaxie, die die Frage nach der Sternentwicklung motiviert: Nur die schwersten können als Schwarze Löcher enden. Die Utah-Show – ob man Fulldome-Produktionen als „Film“ bezeichnen soll, ist in der Szene umstritten – greift den Faden quasi auf und zeigt den Endzustand Pulsar und dann natürlich Schwarzes Loch, unschwer zu erkennen an extremen Gravitationslinsen-Effekten an seinem ‚Rand‘.

Ein Raumschiff (mit der Seriennummer 37; was wohl aus den ersten 36 wurde …), eine ausgesetzte Sonde und ein unglücklich spaghettifizierter Astronaut demonstrieren dann diverse Effekte der Allgemeinen Relativität. Auch die supermassereichen Schwarzen Löcher in Galaxienkernen werden in dem informationsgeladenen Programm thematisiert und zum Schluss die hypothetischen Wurmlöcher als theoretische Abkürzungen durch die Raumzeit. Leider mühsam in der Herstellung und dann auch noch prinzipiell instabil – aber man möge in der Physik niemals nie sagen.

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: bei der Premierenfeier am Abend – und eine Pressemitteilung]

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Bürgerforscher vs. Bonner Nacht

Die Volkssternwarte Bonn hatte geladen, und eine Pressemitteilung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (sowie der Uni Bonn) zu ihren Highlights der Physik 2019 war in alle Welt gegangen: Der Saal war gut gefüllt, als am 18. März …

… der Star-Wissenschafter in Sachen Lichtverschmutzung in Deutschland, der kanadische Physiker Christopher Kyba vom Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, …

… vorgestellt vom Wissenschaftskommunikator Jens Kube, …

… eloquent über die Problematik der Lichtverschmutzung im Allgemeinen, die Nachtbilder der Erde von NPP Suomi (und ihre bedauerliche Unempfindlichkeit für das Licht blauer LEDs), den darauf basierenden 2016-er World Atlas of Artificial Night Sky Brightness und das ganz neue Tool Radiance Light Trends sowie den Forschungsverbund Verlust der Nacht referierte. Der Anlass aber war Werbung für das Bürgerforschungsprojekt Bonner Nachthimmel, das in den kommenden Wochen im Vorfeld der Highlights der Physik (die selbst im September stattfinden) Daten erheben soll.

Und zwar mit dem etablierten Daten-Sammel-System Globe at Night während der ersten Leo-Kampagne 2019 vom mondlosen 27. März bis 6. April: Über die Himmelskarten auf der Web-App wird anhand der Sternen-Sichtbarkeit im Löwen die visuelle Grenzgröße abgeschätzt und nebst Zeit, Ort und Umständen online gemeldet. Dazu eingeladen ist jeder, ob erfahren oder nicht (Fehler mitteln sich erstaunlich gut heraus), aus Bonn und Umgebung, wobei deren Außenrand nicht definiert ist – und das Ergebnis (mindestens ein Mittelwert der Grenzgröße für das Stadtgebiet, vielleicht auch komplexere Erkenntnisse) wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Highlights auf großer Bühne präsentiert. Für diese (in die nur schwer hinein zu kommen ist) können zudem Eintrittskarten gewonnen werden, indem Screenshots von der Dateneingabe oder – auch bei schlechtem Wetter – Fotos von schlechter oder auch guter Stadtbeleuchtung per E-Mail eingeschickt werden.

Kyba stellte in seinem Vortrag und kurz in der Praxis auch noch ein weiteres digitales Tool für eine genauere Bestimmung der visuellen Grenzhelligkeit vor: die „Verlust der Nacht“-App, die den Benutzer von Stern zu Stern leitet, der gesehen wird oder auch nicht. Das erfordert allerdings mehr technischen und zeitlichen Einsatz und spielt bei der Aktion für die Highlights eine untergeordnete Rolle (dafür können aber schon ab dem 24. März Daten eingegeben werden, da das System selbstständig die Abwesenheit de Mondes – wie auch der Dämmerung – prüft). Dass das Thema Lichtverschmutzung inzwischen eine erstaunliche Bedeutung erlangt hat, konnte man übrigens gleich am nächsten Tag feststellen – als die WAZ ihr den Aufmacher und einen großen Teil der Seite 3 widmete:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder größer, plus Datumsangaben gemäß dieser Info präzisiert]

Rosetta im Planetarium: eine neue Show (nicht nur) für Kinder

Während die Rosetta- und Philae-Missionen zum Kometen Churyumov-Gerasimenko ließ die ESA eine Serie von kurzen Zeichentrick-Filmen, „Once upon a time“, produzieren, um ein breites Publikum für die bei weitem aufwändigste interplanetare Reise Europas zu interessieren.

Dabei wurden der Orbiter und der Lander zu anthropomorphen Personen, ein Stil, den die japanische JAXA für ihre Missionen schon lange pflegte (wo dann Kinder mitunter als Forschungssonden verkleidet auf die Straße gehen) – und auch in Europa kam es an, wie es ein langer Artikel der Macher beschreibt.

Am Ende wurde alles Material zu dem knapp halbstündigen Kurzfilm „The amazing adventures of Rosetta and Philae“ zusammen geschnitten – der wiederum auf Initiative des Verkehrshauses Luzern (Seite 6) und mit finanzieller Unterstützung vieler weiterer Häuser in eine Version für Fulldome-Planetarien transformiert wurde. „Die Abenteuer von Rosetta und Philae“ hat nun wiederum das Planetarium Bochum – maßgeblich Renate Heinrichs – zur Show „Große Kometenjagd“ erheblich erweitert.

Eine ausführliche Einleitung liefert den Kontext für den ESA-Cartoon: Entstehung und hauptsächliche Wohnorte der Kometen am Rand des Sonnensystems und in der Galaxis werden vorgestellt, wobei auch der optomechanische Projektor Universarium mit seinen nadelscharfen Sternen zum Einsatz kommt.

Dieses „klassische“ Planetarium mündet dann in den ESA-Trickfilm, der mit hoher Informationsdichte die Geschichte der Kometenforschung, den Verlauf der Rosetta-Mission und ihre wichtigsten Erkenntnisse präsentiert, inklusive Astro-Konferenz-Setting: Die Optik mag kindgerecht sein, der Inhalt hat es aber in sich. Da gleichwohl die Zahl der gezeigten echten Rosetta-Bilder des Kometen nur gering ausfällt, endet die Bochumer Extended Version mit abermals einem zusätzlich produzierten Finale, das die „Große Kometenjagd“ endgültig zu einem Muss für Rosetta-Fans jeden Alters macht:

[Daniel Fischer, auch die „Domeshots“ von der heutigen Premiere; weitere Bilder: Planetarium Bochum]

Großer Andrang bei Karnevals-Astrovortrag im Deutschen Museum Bonn

Mondfinsternis 2019 Paul Hombach

Stand im Fokus des Vortrags: Der Mond, hier ein Bild der totalen MoFi vom 21. Januar 2019 (P. Hombach)

Rekordverdächtige Besucherzahl bei der mittlerweile 7. Karnevalsausgabe von »Pauls portablem Planetarium« im Deutschen Museum Bonn: Rund 200 Menschen füllten schon lange vor Beginn des Vortrags die Ränge.

In diesem Jahr des Mondlandungs-Jubiläums bildete der Mond einen Themenschwerpunkt. Auch ein Rückblick auf die totale Mondfinsternis vom 21. Januar 2019 durfte nicht fehlen. Am Ende der »Astrotainment«-Show gab es sogar ein improvisiertes Karnevalslied zum Thema Milchstraße.

Der nächste ppp-Termin am Sa., den 18. Mai 2019 um 15:30 Uhr richtet sich besonders an Kinder und Familien, danach folgt die Reiseausgabe am Do., den 27. Juni um 19:00. Dann können sich die Gäste den Anblick des Sternhimmels an ihrem Urlaubsort live simulieren lassen. Und natürlich wird der bevorstehende 50. Jahrestag der Apollo-11-Mission gewürdigt.

Die Reihe »Pauls portables Planetarium« findet seit 2010 im Deutschen Museum Bonn statt. Bei klarem Wetter wird vor oder nach den Vorträgen von Sternfreunden der Volkssternwarte Bonn und des Köln-Bonner-Astrotreffs eine Live-Himmelsbeobachtung angeboten.

 

Merkur über Witten

18:52 MEZ, Höhe 8.5°, Sonnentiefe 8.0°, 1/8 Sekunde Blende 3.5, ISO 400

18:53 MEZ, Höhe 8.4°, Sonnentiefe 8.1°, 1/5 Sekunde, Blende 3.5, ISO 400

18:54 MEZ, Höhe 8.2°, Sonnentiefe 8.3°, 1/6 Sekunde, Blende 3.5, ISO 400

19:15 MEZ, Höhe 5.0°, Sonnentiefe 11.5°, 1 Sekunde, Blende 2.8. ISO 800

19:17 MEZ, Höhe 4.7°, Sonnentiefe 11.9°, 1/1.3 Sekunde, Blende 2.8, ISO 800

Nicht mehr ganz so transparenter Himmel wie gestern, dafür schönere Dämmerungsfarben – Helligkeit des Planeten -0.55 mag. [Daniel Fischer. NACHTRAG: Bilder größer hier, hier und hier – und noch viel mehr Merkur am Folgetag vom selben Ort]

Merkur über Bochum

Gegen 18:40 MEZ in ~10° Höhe beim Übergang bürgerliche / nautische Dämmerung bereits entdeckt, aber noch nicht zu einfach, war der einsam auf weiter Flur stehende Merkur eine Viertelstunde später (oben) schon ziemlich und eine weitere Viertelstunde später (unten) dann beim Übergang zur astronomischen Dämmerung in ~5° Höhe schon ausgesprochen auffällig:

Iwamoto über Königswinter

20:28 MEZ, KB-Äquivalent-Brennweite 666 mm, 5 Sekunden, Cropping

20:30 MEZ, 721 mm, 6 Sekunden, weniger Cropping

20:31 MEZ, 721 mm, 8 Sekunden, stärkeres Cropping

Der Komet C/2018 Y1 mit heute Abend laut COBS nur noch etwa 7.8 mag. mit der Panasonic FZ300 bei ISO 6400 und Blende 2.8 noch problemlos vom Stativ aus – im Auriga über 70° hoch bei klarem mondlosem Himmel – zu erwischen (während er gleichzeitig in einem 11×70-Fernglas auch mit dunkelangepasstem Auge nicht mal indirekt zu sehen war). Auch zusammen mit Messier 36 und 37 (ein Zufallstreffer, noch beim Starhoppen zum Kometen) ging’s – mit dem Kometen links in der Mitte bzw. oben und den Sternhaufen jeweils unten rechts:

Mit M 36: 20:40 MEZ, 274 mm, 6 Sekunden, kaum Cropping

Mit M 37: 20:21 MEZ, 162 mm, 3.2 Sekunden, viel Cropping

[Daniel Fischer]

Iwamoto über Witten

Extrem klarer Himmel erlaubte trotz 10 Tage alten Mondes erstaunlich kontrastreiche Aufnahmen des Kometen am Morgen des 15. Februar zwischen Löwen-Kopf und Krebs.

Als der Mond dann untergegangen war, mit dem Goldenen Henkel bis zuletzt, war Iwamoto leider genau in eine Sterngruppe hinein gewandert:

[Daniel Fischer]

Der Himmel über Rothenfels

Trotz bescheidenen Wetters waren während der Sternstunden 2019 auf Burg Rothenfels mehrfach Himmelsbeobachtungen möglich. Am 8. Februar ganz sporadisch (hier aus einem Fensters des Saals 300) die gegenüber dem Vortag etwas dickere Mondsichel …

… und am 9. Februar dann schon Mond für alle plus etwas Deep Sky – und später nochmals, sogar mit dem Kometen Iwamoto (in Fernglas und -rohr aber wegen mangelnder Transparenz nicht eindeutig zu fotografieren) unter dem Löwen über dem Main:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein Artikel über die Sternstunden 2019 mit weiteren Bildern]

Saftiger Polarlicht-Sturm … jetzt in fünf deutschen (Planetariums-)Kuppeln

Seit heute ist sie in fünf deutschen Planetarien zu sehen, die erste Show mit realistischem großem und dynamischem Polarlicht über dem Aurora Village in Kanada in Echtzeit: Von der koreanischen Produktion „Aurora – Lights of Wonder“ hatte soeben eine neue deutsche Fassung in Bochum Premiere, wo sie nun mehrmals in der Woche zu sehen ist. Erstellt und erweitert wurde sie am Planetarium Mannheim und ist auch schon in Freiburg und Wolfsburg zu sehen, während in Hamburg eine andere deutsche Version gezeigt wird.

„Aurora – Wunderbares Polarlicht“ ist das Werk des Astrophoto- und Videographen Kwon O Chul, der schon lange Erfahrung mit spektakulären Zeitraffer-Aufnahmen des Tag- und Nachthimmels hatte: oben ein Best-Of, bei Vimeo jede Menge mehr Sequenzen. Aber beim Polarlicht ärgerte ihn schon länger, dass bei der klassischen Astrofotografie die schnellen Details verwischen (Vergleich unten) – und mit Hilfe eines Clusters aus 5 empfindlichen DSLR-Kameras eines bekannten Herstellers fand er nun die Lösung: 4K-Fulldome-Aurora mit hinreichender Durchbelichtung in Echtzeit, wobei die stellare Grenzgröße nach Rauschreduktion bei knapp 4 mag. liegt. Im Programm sind – neben allerlei Historie und Hintergrund zum Aurora-Phänomen – einige Minuten Echtzeit-Substurm enthalten, viel längere Sequenzen aus dem besonders ergiebigen März 2015 im kanadischen Yellowknife sind z.B. hier, hier, hier, hier und hier zu sehen. An Aurora für’s Planetarium haben sich nur wenige getraut (unten zwei gute Beispiele), aber die Lights of Wonder sind ein großer Schritt nach vorne:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: eine PM der Stadt Bochum]