Archiv der Kategorie: Beobachtungshinweis

Mond, Venus & Mars über Bochum

Sehenswerte Konstellationen in der Abenddämmerung über dem Bochumer Planetarium: Drei-Tages-Mond und Venus – und später auch noch oben links der Mars dazu:

[Daniel Fischer. NACHTRÄGE: zwei der späteren Bilder auch größer hier und hier bzw. hier – und wie es am nächsten Abend und noch zwei Abende drauf weiter ging]

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Merkurtransit mit Minimal-Technik: So geht’s!

Im Gegensatz zu Durchgängen der fetten Venus vor der Sonnenscheibe oder gar partiellen Sonnenfinsternissen sind Merkur-Durchgänge wie am 9. Mai nicht mit bloßem Auge + Sonnenfinsternis-Brille oder Projektion mit Lochblende und/oder kleinem Spiegel sichbar: Mit nur 12 Bogensekunden Durchmesser ist der Planet einfach zu winzig, wie auch dieses Foto von 2006 neben einem größeren Sonnenfleck zeigt. Die dunkle Umbra des zur Zeit sichtbaren Flecks Nr. (1)2533 ist jedoch mit rund 15 Bogensekunden nur wenig größer als der Merkur, der wiederum – da perfekt schwarz – einen höheren Kontrast hat: Damit lässt sich am aktuellen Fleck, nun auf dem Weg zur Sonnenmitte, perfekt Technik für Beobachtungen des Merkurtransits testen und insbesondere auch die minimal erforderliche herausfinden.

Hier der Fleck heute in Projektion mit einem 25-Euro-Fernglas (10×50, auf einem Blumenkasten aufgestützt, eins der Objektive abgeklebt) über etwas einen Meter hinweg in den Schatten bei klarem Himmel und 35° Sonnenhöhe: Er ist ohne weiteres zu erkennen, so wie es mit ähnlicher Methodik auch der Merkur beim Transit 2003 war. Wichtig sind eine halbwegs stabile Lage des Feldstechers – dem natürlich niemand ins Okular schauen darf – und seine sorgfältige Fokussierung, auch darf das Bild nicht zu weit von der optischen Achse entfernt sein, sonst kommt es zu Verzerrungen. Die Demonstration hier holt nicht das Optimum heraus, es ging nur – in einer Wolkenlücke – um’s Prinzip. Auf jeden Fall ist die Beobachtung in Projektion einfacher, angenehmer und „sozialer“ (es können mehrere gleichzeitig gucken) als der direkte Blick durch ein Fernglas oder kleines Teleskop, für das erst ein zertifizierter Filter besorgt und sicher vor dem Objektiv montiert werden muss – das kostet extra, und der Laie kann mehr falsch machen und seine Augen in Gefahr bringen. Schwierig wird es – allerdings für alle Beobachtungstechniken gleichermaßen – bei schlechter Transparenz oder tief stehender Sonne, aber manchmal ist es so klar, dass Fernglas-Projektion selbst bei wenigen Grad Sonnenhöhe noch möglich ist.

Eine ganz andere Beobachtungstechnik „mit Hausmitteln“ bietet sich noch an, wenn eine Kamera mit starkem (auch eingebautem) Zoomobjektiv vorhanden ist und eine alte Sonnenfinsternis-Brille. Diese sicher vor dem Objektiv angebracht – wenn dies einen größeren Durchmesser hat: mit einem Papprahmen, so dass kein ungefiltertes Licht auf die Linse fällt! – erlaubt Fotos der Sonne wie z.B. dieses heute ein paar Stunden vor den obigen Experimenten. Verwendet wurden eine 5 Jahre alte „Superzoom“-Kamera (Panasonic Lumix FZ-48) mit maximalem Zoom und eine SoFi-Brille mit metallbedampfter Mylar-Folie, die ein besonders helles Bild liefert. Leider unterscheiden sich die heute und früher gehandelten SoFi-Brillen gewaltig in der Bildhelligkeit, und die heute verfügbaren Black-Polymer-Brillen sind für Fotografie zu dunkel (und selbst visuell nicht mehr ideal): Glücklich diejenigen, die noch ältere, hellere Brillen besitzen, bevor australische Paranoia vor der 2012-er SoFi in Queensland zu der ‚Verdunklung‘ des Marktes führte.

Die beiden hier beschriebenen Beobachtungsmethoden sind übrigens nur dann erste Wahl, wenn keine Volkssternwarte mit öffentlicher Beobachtung des Transits mit größerem Gerät – nur dann wird der 12-Bogensekunden-Merkur bei hoher Vergrößerung als eindeutiges kreisförmiges Scheibchen sichtbar – zur Verfügung steht. Auch dabei bietet sich wieder Projektion an, im obigen Beispiel beim Venus-Transit 2004 in Südafrika mit einem fetten Newton realisiert, der sogar unter freiem Himmel ein kontrastreiches und großes Bild der Venus vor der Sonne bot. Auch der nur 1/5 so große Merkur sollte mit dieser Technik für hinreichendes Aufsehen sorgen. Derzeit entstehen hier alphabetisch und hier nach Postleitzahlen zwei ausführliche Tabellen mit Veranstaltern öffentlicher Beobachtungen. Und wenn das Wetter gar nicht mitspielen will: Es werden immer mehr Webcasts angekündigt, zur Not sogar aus dem Weltraum vom Solar Dynamics Observatory. Nicht gucken geht also gar nicht. [Daniel Fischer]

So findet man den Kometen 252P/LINEAR!

Seine Helligkeit ist inzwischen auf 6. Größe gefallen, und das Licht verteilt sich auf eine riesige Fläche von rund 45 Bogenminuten Durchmesser – aber weil der Komet 252P/LINEAR im März der Erde bis auf 5 Mio. km nahe kam und jetzt erst dreimal weiter entfernt ist, lohnt sich schon ein Blick auf den exotischen Besucher, wenn der Himmel ausreichend dunkel ist: Dieser Blogger erspähte ihn heute gegen 3 Uhr MESZ als sehr diffuses Wölkchen problemlos mit einem 11×70-Feldstecher. Und die danach entstandenen Fotos oben mit einer Bridge-Kamera auf einem Stativ zeigen zusammen mit dieser Karte, wo’s lang geht: vom Saturn über Epsilon Ophiuchi die Linie vier weitere Male um deren Distanz verlängert, um zu Beta Oph zu kommen – und dann wieder einen dieser Schritte zurück. Die Aufnahme oben (ISO 800, 60 Sekunden bei Blende 3.2; hier größer zu sehen) zeigt neben dem unten rechts marginal erkennbaren und in der kontrastverstärkten Version darunter markierten Kometen oben links Beta und darunter Gamma Ophiuchi und ganz oben in der linken Ecke auch den Sternhaufen IC 4665, der zugegebnermaßen im Fernglas beeindruckender als der Komet aussieht … [Daniel Fischer]

Venus trifft Jupiter

Ein tolles Schauspiel in der Abenddämmerung erlebt sein Finale: Schon seit Tagen kann man beobachten, wie sich die beiden hellen Planeten Venus und Jupiter über dem Westnordwesthorizont näher kommen. Venus ist die hellere und schnellere des Duos. Der Abendstern wird heute und morgen Abend nur 0,5° – das entspricht dem scheinbaren Durchmesser des Mondes am Himmel – südlich an Jupiter vorbei ziehen. Ein Fest für Astrofotografen! Bereits gestern betrug der gegenseitige Abstand der Himmelsstars weniger als 1°. Ein echter „Hingucker“ für schöne Sommerabende! PH

Planetenduo am 29.6. Bild: PH

Planetenduo am 29.6. Bild (c) P. Hombach

Bonner Hobbyastronomen laden zur Sonnenfinsternis-Beobachtung ein

Ob es am Freitagvormittag zur partiellen Sonnenfinsternis auch einen so schönen blauen Himmel gibt, wie auf dem obigen Foto von letzter Woche? Das GFS-Modell (siehe auch Grafik unten) sieht derzeit die besten Chancen, aber auch die anderen Wettermodelle sehen nicht so schlecht aus, immerhin wird das Maximum in Bonn erst um 10:37 Uhr erreicht. Wie auch immer das Wetter in zwei Tagen aussieht, ob es dann Wetter-Glück oder Wetter-Frust heißt, halten die Hobbyastronomen in der Volksternwarte Bonn (VSB, direkt neben der Argelander-Sternwarte) die Stellung. Selbst wenn der Himmel wolkenverhangen sein sollte, sind alle Sonnenfinsternis-Interessierten herzlich willkommen, denn ab um 9:00 Uhr werden die Türen der Volkssternwarte geöffnet. Die Sonnenfinsternis findet von 9:29 bis 11:49 Uhr statt und in der goldenen Mitte liegt 10:37 Uhr, der Zeitpunkt der maximalen Abdeckung der Sonne – immerhin 77 Prozent (Zahlen für Bonn)!

Im Schlechtwetterfall soll die beliebte Planetariumssoftware „Stellarium“ vorgeführt und/oder Livebilder der zahlreichen Sonnenfinsternis-Liveübertragungen gezeigt werden. Unter anderem sollen auf BBC One in einer „Stargazing Live“-Sondersendung (von 10:00 bis 11:00 Uhr) Livebilder aus einem Flugzeug über dem Nordatlantik ausgestrahlt werden. Und vielleicht gibt es sogar zeitnah Fotos vom Bonner Sonnenfinsternisflug, der ebenfalls die Totalitätszone über dem Nordatlantik zum Ziel hat. Und bei klarem Himmel (sollte es auch nur eine Chance auf Wolkenlücken geben) stehen draußen vor der Volkssternwarte natürlich Sonnenfernrohre bereit, mit der eine sichere Beobachtung der Sonne möglich ist. Teleskopunterstützung wird es auch durch den Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) geben, eventuell auf der Poppelsdorfer Allee.

Wie das Wetter-Lotto am Freitagvormittag auch ausgehen wird, Sie können auf jeden Fall vorbeikommen und etwas sehen. Denn die nächste Sonnenfinsternis mit einem ähnlich großen Bedeckungsgrad gibt’s erst im August 2026 – dann sogar mit 88 Prozent für Bonn! Dann bleibt mir nur noch zur Sonnenfinsternis 2015 zu sagen: clear skies!! [Nico Schmidt]

Eine SoFi mit einem Taschenspiegel projizieren: So geht’s richtig!

Keine zertifizierte SoFi-Brille zur Hand – und eine (partielle) Sonnenfinsternis naht? Kein haushaltsüblicher Gegenstand stellt einen sicheren Filter für die direkte visuelle Beobachtung der Sonne dar: Da hilft nur Projektion! Dafür reicht schon eine Lochkamera – nur so einfach wie in vielen Grafiken dazu, etwa hier, hier oder hier, ist es leider nicht. Denn das Sonnenbild erscheint vom Loch aus natürlich unter demselben 1/2°-Winkel wie die Sonne am Himmel, und das Bild ist winzig klein (aus einem SoFi-Bericht von 1998; dito in dieser Papp-Konstruktion) – außer die Projektionsdistanz ist riesig. Dann aber ist die Helligkeit des Bildes gering und der Kontrast auf der Projektionsfläche schwach bis gar nicht mehr vorhanden.

Die offensichtliche Lösung: Projektion in einen dunklen Raum hinein! Und das geht am besten, wenn das Licht gleichzeitig aus der Antisolarrichtung umgelenkt wird, in eine besonders schattige Zone des Gebäudes. Ist der dazu verwendete Spiegel klein genug, stellt er gleich selbst die Lochblende dar, und keine weitere Bastelei ist erforderlich. Dieser hier ist zwar etwas zu groß, eignet sich aber gut um – in diesem Fall bei tief stehender Sonne, ähnlich der Situation am 20. März – das Prinzip zu demonstrieren: Im unteren Bild sieht man vorne den einfach auf dem Boden sitzenden und abgestützten Spiegel und viele Meter weit entfernt (wenn auch durch die perspektivische Stauchung näher erscheinend) ein kontrastreiches Bild der Sonne!

Besonders scharf ist es allerdings nicht: Hier ist Experimentieren angesagt, wobei es schon genügt, unterschiedlich große Löcher in Blätter Papier zu reißen. Ein zu großes Loch liefert – v.a. bei kurzen Projektionsdistanzen von nur 1 bis 2 Metern – ein völlig unscharfes Bild, im Extremfall sogar einfach den Schattenriss der Öffnung, ohne den gewünschten Lochkameraeffekt. (Obacht: Wer’s zum ersten Mal probiert, könnte das direkte Bild des Lochs irrtümlich für eins der Sonne halten – und wundert sich dann, wo denn der Mond bleibt! Manche „Instruktionen“ zum Bau von Lochkameras, die dieser Blogger über die Jahren in Zeitungen vor SoFis gesehen hat, mit nur Dezimetern Projektionsdistanz und Zentimeter-großen Löchern, führen genau dazu.) Für die vielleicht 10 Meter weite Projektion bei diesem Test entlang eines dunklen Flurs erwies sich ein Zentimeter-Loch als ideal, wie die Nahaufnahme des Sonnenbildes an der Wand zeigt; bei Projektionen innerhalb eines Zimmers über nur ~2 Meter hinweg lieferten Löcher von wenigen Millimetern Durchmesser die besten Bilder. Und eine weitere Erkenntnis: Der Umlenkwinkel liegt idealerweise bei etwa 90° – ist er zu groß und quasi streifend, nimmt die Bildhelligkeit erheblich ab (so ist die Physik halt).

Der Blick zurück auf den Versuchsaufbau aus der Nähe der Wand, auf die projiziert wird: Von dort aus ist das „Loch“ de facto ein Punkt, wenn auch ein gleißend heller. Da aber keine optischen Vergrößerungselemente im Spiel sind und man auch nur einen kleinen Ausschnitt der Sonnenscheibe sieht, stellt ein versehentlicher Blick in diese Richtung kein Risiko dar. Einen entsprechenden Aufbau sah dieser Blogger 2011 auf einer SoFi-Tagung in Indien demonstriert, vor allem aber motivierte der hier und hier beschriebene Erfolg der Beobachtung des Venus-Durchgangs 2004 mit einer Spiegel-Lochkamera und langer Projektionsdistanz in ein Gebäude hinein zu den Versuchen hier. Selbst wissenschaftlich auswerten lassen sich solcherlei Experimente. Und es wurde – wiederum anhand einer Sonnenfinsternis – 2006 in Ägypten demonstriert (unten auf der Seite), dass mit einer genau abgestimmten Lochkamera und einem Staubsaugerrohr sogar ganz ordentliche Fotos möglich sind. [Daniel Fischer. NACHTRAG: das ganze nochmal erzählt in der März-Ausgabe des TV-Magazins „Sternstunde“]

Ein Stern wird kommen … Fahrplan für den „Weihnachtskometen“ Lovejoy

So dramatisch wie auf diesem Bild, aufgenommen vor drei Tagen von Martin Mobberley mit einem ferngesteuerten 51-cm-Teleskop in Australien, wird er natürlich für visuelle Beobachter nicht am Himmel über Deutschland stehen, aber der Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) ist schon etwas Besonderes: Nach einem seit Monaten stabilen Trend sollte er Mitte Januar 4. Größe erreichen – und dabei 40 bis 60 Grad hoch an dunklem und mondfreiem Nachthimmel stehen! Ohne künstliche Himmelsaufhellung müsste er, mutmaßlich als diffuses Scheibchen, auch mit dem bloßen Auge, auf jeden Fall aber mit jeder Art Feldstecher zu finden sein. Nachdem die letzten leidlich hellen Kometen alle aus der Abend- oder Morgendämmerung gefischt werden mussten, ist Lovejoy eine ausnehmend benutzerfreundliche Alternative, die auch Sternfreunde außerhalb der Kometenszene interessieren sollte und womöglich gar die breite Öffentlichkeit. Und kurioserweise öffnet sich das hiesige Sichtfenster für den bislang nur südlicheren Beobachtern zugänglichen Kometen just zu Weihnachten, mit der besten Show dann im Januar.

Die letzten Helligkeits-Schätzungen geben Lovejoy in den letzten Tagen um 5.5 mag., unter dunklem Himmel wird er bereits seit einer Woche mit dem bloßen Auge gesichtet („Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) jetzt für’s bloße Auge sichtbar!“), und Astrofotografen genießen den strukturreichen Plasmaschweif (Bilder in „Komet 15P/Finlay …“), der sich ständig verändert: Die Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier zeigen ihn gestern mit verschiedenen Optiken. Die kommenden Wochen beschreiben z.B. Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie dieses detaillierte PDF, die mit Aufsuchkarten aller Art aufwarten – aber hier ein übersichtlicher Fahrplan, gerechnet für Bonn. Nach den Erfahrungen mit dem – 2 mag. helleren – Kometen PANSTARRS von 2013 (und ersten südeuropäischen Ergebnissen mit Lovejoy) wird eine Mindesthöhe von 5° über dem Horizont ‚verlangt‘. Die schafft Lovejoy zum ersten Mal knapp in der Nacht 22./23. Dezember (die beste Sicht ist im Dezember immer gegen Mitternacht MEZ), und die 7°-Marke wird erstmals in der Weihnachtsnacht 24./25. Dezember geknackt.

Erstes Sichtfenster – 24. bis 29. Dezember 2014: Lovejoy wandert aus der Taube (lernt man dieses Sternbild auch mal kennen) in den Hasen südlich des Orion, die Kulminationshöhe steigt von 8° auf 13°. Mit einer Sonnen-Elongation von fast 130° steht der Komet in Rektaszension praktisch in Opposition zur Sonne, so dass die beste Beobachtungszeit gegen Mitternacht liegt; in der letzten Nacht geht der zunehmende Halbmond unmittelbar vorher unter, vorher stört gar kein Mond. Die Helligkeit Lovejoys dürfte zuletzt nahe 5.0 mag. liegen: bei der noch geringen Höhe vermutlich ein Feldstecherobjekt.

Mond-Pause – 29. Dezember 2014 bis 7. Januar 2015: Obwohl sich die Sichtgeometrie Lovejoys mit der fortwährenden Nordbewegung des Kometen dramatisch verbessert, gibt es eine gute Woche lang keine Intervalle mit Lovejoy über und dem hellen (am 5. Januar vollen) Mond unter dem Horizont, was aber zumindest Astrofotografen nicht aufhalten sollte. Die Kulminationshöhe des Kometen, der vom Hasen weiter in den Eridanus zieht, steigt nämlich auf 35°, wobei die höchste Stellung zuletzt schon gegen 22:00 MEZ erreicht wird. Und die Helligkeit dürfte bis auf 4.6 mag. steigen.

Zweites und bestes Sichtfenster – 7. bis 27. Januar 2015, fast drei mondlose Wochen mit dem Kometen in Stier, Widder und Dreieck und der Elongation immer noch über 100°: Während Lovejoy um dem 9. Januar mit etwa 4.5 mag. seine größte Helligkeit erreichen dürfte, steigt die Kulminationshöhe immer noch, auf 40° an diesem Tag, 50° am 13. Januar, 60° am 17. Januar und 70° am 23. Januar. Dabei rückt die höchste Stellung auch noch in immer frühere Abendstunden, um an diesem Tag das Ende der Dämmerung zu erreichen. Und ebenfalls am 23. Januar taucht auch der noch zunächst schmale Mond wieder auf: Falls er zu sehr stört, kann noch einige Tage lang immer später in der Nacht nach seinem Untergang beobachtet werden, da Lovejoy erst gegen 2:00 MEZ unter der 5°-Höhe sinkt. Seine Helligkeit dürfte dann auch wieder knapp unter 5.0 mag. gesunken sein.

Keine mondlosen Intervalle gibt es anschließend bis zum 6. Februar 2015, wenn der vielleicht 6.0 mag. helle Komet nach Ende der Abenddämmerung immer noch 70° hoch – jetzt in der Andromeda – steht: Das dritte dunkle Fenster dauert dann bis zum Monatsende, wenn der in den Perseus weiter gezogene Komet auf rund 7.0 mag. gesunken sein dürfte. Aber jetzt heißen wir das kosmische Weihnachtsgeschenk erst einmal willkommen – mit einer „handgemalten“ und nicht besonders präzisen Horizont-Karte, die Stuart Atkinson in ein eigenes Foto gezeichnet hat und die das erste Sichtfenster und die Mondpause umfasst. Danach, so darf gehofft werden, ist Lovejoy so auffällig, dass man gar keine Karten mehr braucht und der Fahrplan hier schon ausreicht, um ihn zu finden … [Daniel Fischer]

Noch sieben Wochen bis zur großen* ISON-Show

* Alle die Zukunft betreffenden Angaben zu ISON – außer zur reinen Bahn-Geometrie des Kometen – natürlich ohne Gewähr … 😉

Heute sind es noch genau 49 Tage bis zum Beginn der einen Woche, in der der seit einem Jahr mit Spannung erwartete Komet C/2012 S1 (ISON) eine beachtliche Erscheinung am Himmel werden könnte, wenn er sich drei Tage nach dem extrem sonnennahen Perihel ab dem 1. Dezember wieder aus der Morgendämmerung schält und bevor er sich schon wieder abgekühlt hat. Derzeit hat ISON ziemlich genau 10 mag. (oben ein Bild von Michael Jäger von heute Morgen aus den Bergen) und folgt damit ziemlich gut der Ephemeride hier – und auch dem in diesem Blog vor 5 Monaten erschienenen „Fahrplan“. Von einem nahen Ende des Kometen, das ihm seit Monaten unterbelichtete Webseiten oder auch ein kurioser Astronom in Kolumbien andichten wollen, kann keine Rede sein, denn keines der drei Indizien für einen Zerfall des Kerns ist da: Weder hat sich die Lichtkurve (mittlere Grafik: nur zuverlässige Helligkeits-Meldungen) abgeflacht, noch sieht man bei hoher Vergrößerung Splitter neben dem Kern fliegen, noch weicht dessen Bahn durch nichtgravitative Kräfte von einer rein Kepler’schen ab, was bei einem Aufbrechen in Kleinteile der Fall wäre.

Die anfängliche Lichtkurve ISONs war tatsächlich erklärungsbedürfig, stieg die Helligkeit des Kometen doch in der ersten Jahreshälfte 2013 kaum an: Das hatte auch unter Kometen-Profis für Verwirrung gesorgt („Ist Komet ISON etwa nur ein eisarmer Klumpen aus Staub?“). Doch eine Erklärung für die erst steil angestiegene und dann flach gewordene Lichtkurve könnte ein viele Monate dauernder Ausbruch eines sehr flüchtigen Gases wie CO sein, der auf einer normalen Entwicklung drauf saß und nun vorbei ist: Dieses Szenario wurde bereits Anfang August auf einem ISON-Workshop präsentiert (oberste Grafik & Text darunter) und danach auch in diesem Paper. Der lange Ausbruch dauerte demnach von Ende 2011 – man fand ISON-Bilder von bis zu einem Jahr vor seiner Entdeckung – bis Juni 2013, mit einem Maximum im Januar 2013. Seither steigt die Helligkeit ISONs wieder normal weiter – wobei man sich übrigens nicht von den Datenwolken in Darstellungen wie hier oder hier irritieren lassen darf: Die vielen „zu niedrigen“ Datenpunkte stammen von CCD-Fotometrie mit kleinen Blenden oder sind erratische Abfallprodukte von Astrometrie-Software. In der Regel gibt die obere Hüllkurve den wahren Helligkeitsverlauf wieder: eine Erkenntnis schon aus Halley-Tagen

Um zuverlässige Helligkeitswerte ISONs bemüht sich auch Kometen-Altmeister Zdenek Sekanina in einem neuen ‚lebenden‘ Paper von dieser Woche, das nun im Zwei-Wochen-Rhythmus aktualisiert werden soll: Er hat die Helligkeits-Meldungen seit August 2013 (also nach Ende des postulierten CO-Ausbruchs) auf Standard-Beobachter geeicht – und in der zweiten Grafik mit der Helligkeit von C/1962 C1 (Seki-Lines) gemeinsam aufgetragen. Der wurde mit vielleicht bis -2.5 mag. einer der hellsten Kometen seit 1935 und einer der hellsten von 1800 bis 2000 – und hatte mit 3.4 Sonnendurchmessern eine ISON (mit 1.3) ähnlichere Periheldistanz als jeder andere bekannte Frisch-Komet aus der Oortschen Wolke: Noch scheint ISON auf seiner Spur wandeln zu wollen, wobei der extreme Anstieg Seki-Lines‘ beim Perihel z.T. durch Vorwärtsstreuung des Sonnenlichts am Kometenstaub zustande kam. Aber die blüht ISON auch, mit sogar noch krasseren Phasenwinkeln um 125°. Und erfreulich wenig gemein hat ISON mit dem Kometen C/2002 O4 (Hönig), ebenfalls ein Neuzugang aus der Oort-Wolke, der sich im Perihel einfach auflöste und das schon in größerem Sonnenabstand.

Weiteren Grund zu Optimismus geben neue Erkenntnisse zum Kern ISONs – sowohl beobachtender wie theoretischer Natur. So hat sich der von Hubble am 10. April beobachtete Staub-Jet Richtung Sonne während der 19 Stunden damals überhaupt nicht verändert und lässt sich auch auf Aufnahmen vom Erdboden aus bis heute nachweisen: Stets zeigt er genau auf die Sonne. Daraus lässt sich schließen, dass er an einem Pol des Kerns sitzt und dieser wiederum Richtung Sonne zeigt – und daraus folgt wieder, dass just an den Tagen um’s Perihel erstmals die andere Hemisphäre in der Sonne sein wird: mit frischem Eis, das ganz plötzlich ganz heiß wird. Was das für das Überleben des Kerns bedeuten würde, ist schwer zu sagen – aber detaillierte Computersimulationen von Kometenkernen haben gezeigt, dass ISONs für den Großteil typischer Eigenschaftswerte wie Durchmesser, Dichte und Rotationsrate (die alle noch unbekannt sind) ziemlich gute Chancen haben sollte: Zumindest die Gezeitenkräfte beim Vorbeischießen an der Sonne sollten ihm wenig abhaben können. Nach einer weiteren Studie ist allerdings anzunehmen, dass die Aktivität in Perihelnähe das Rotationsverhalten von ISONs Kern stark verändern wird, was immer das für Folgen haben mag.

All die genannten Erkenntnisse zusammen lassen hoffen, dass ISONs Kern im und unmittelbar nach dem Perihel ein Feuerwerk veranstaltet – und dabei einen ordentlichen (Staub-)Schweif produziert: Weil der Komet von der Erde aus gesehen von der 3. November- bis 1. Dezember-Woche sehr sonnennah stehen wird, wird seine Koma selbst bei Erreichen 0. Größe kaum zu sehen sein (wie etwa dieser Test am Merkur beweist). Hilft nur, schon bei tieferer Dämmerung zu beobachten, mit der Koma unter dem Horizont aber dem Schweif – hier simuliert – darüber an dunklerem Himmel … Noch neun bookmarkenswerte Webseiten: das ISON-Büchlein u.a. dieses Bloggers komplett online (mit vielen Karten & Grafiken!) / ein lebendiges britisches ISON-Blog (mit zahllosen Grafiken) / die ISON-Kampagne (zuverlässigste Infos) / drei ISON-Portale hier, hier und hier / das News-Blog dieses Autors (kometenlastig) / noch ein ISON-News-Blog v.a. mit Bildern / eine organisierte ISON-Galerie (im Aufbau). Und fünf Vorträge dieses Bloggers zu ISON gibt es am 19.10. in Osnabrück, am 23.10. in Herne, am 18.11. in Bonn, am 20.11. in Bochum und am 27.11. in Berlin. Einen Tag vor dem Perihel … [Daniel Fischer]

5.0 mag. erreicht: eine Nova für’s bloße Auge über dem KBA-Land!

nova-bonn

Sie ist – zumindest im Suburbanen und nach ein paar Minuten Dunkelanpassung – tatsächlich mit dem bloßen Auge zu sehen, steht die ganze Nacht hoch am Himmel ist auch noch sehr leicht zu finden. Vor allem aber ist die Nova Delphini 2013 zwei Nächte nach ihrer Entdeckung in Japan mit 6.8 mag. auf 5.0 Größenklassen geklettert und hat tatsächlich den Himmel „links unterhalb“ des Schwans ein wenig verändert: Mit dem Kopf des Delfins (im Bild von heute Morgen u.l.) und dem Pfeil (u.r.) bildet sie ein Dreieck, und im Bildfeld eines größeren Feldstechers ist sie sogar das hellste Objekt überhaupt. Erst mit einem klapprigen 8×40 gelang es schließlich, auch einen helleren Stern (29 Vul mit 4.8 mag.) mit ins Feld zu holen, um die Nova zwischen einem helleren und einem schwächeren einzukeilen: Die resultierenden 5.0 mag. bestätigen auch viele andere Beobachter. Der ausgebrochene Stern ist eine klassische Nova („Spektrum passt …“), bei der ein Weißer Zwerg von einem Begleiter zu viel Materie abgesaugt hat, was zu einer thermonuklearen Explosion auf seiner Oberfläche führte: Der ursprünglich 17 mag. schwache Stern ist nun 12 Größenklassen oder 60’000-mal heller geworden. Den weiteren Helligkeitsverlauf kann nun jeder durch Vergleich mit diversen Sternen in der Nähe mit verfolgen: Astrophysik live! [Daniel Fischer]

ATV „Albert Einstein“ nur 3 ½ Stunden nach dem Start

Letzte Nacht startete um 23:52 MESZ mit einer Ariane-Rakete das mittlerweile vierte ATV (Automated Transfer Vehicle), ein automatisches Frachtraumschiff der ESA, zur Raumstation ISS. Das ATV-4 namens „Albert Einstein“ wurde 2012 bei Astrium in Bremen zusammengebaut und den finalen Tests unterzogen, bevor die 450 Millionen Euro teure Mission in Südamerika vor einem farbenfrohen Dämmerungshimmel in die Umlaufbahn geschossen wurde (Bild 3). Die Ankunft bei der Raumstation soll am 15. Juni nachmittags stattfinden und bis dahin können ATV wie ISS mehrmals pro Nacht verfolgt werden; die Überflüge sind im Web am besten mit Heavens-Above oder Calsky abrufbar.

Beide orbitalen Objekte hat der Blogger und Sternfreund Daniel Fischer bereits kurz nach dem Start des ATV am Himmel über Königswinter fotografisch festgehalten. Bild 1 zeigt die Strichspur von „Albert Einstein“ durch das Sternbild Adler um 3:21 MESZ, bei Bild 2 ist die ebenfalls 40 Sekunden lang belichtete und 3 ½ Größenklassen hellere ISS um 3:03 MESZ zu sehen. [Nico Schmidt]