Kein Witz: noch 15 Jahre bis zur nächsten ordentlichen totalen Mondfinsternis in Bonn …

Dieser Monat fiel durch zwei aus europäischer Sicht besonders „sinnlose“ Finsternisse auf, eine totale Mondfinsternis zu Mittag, gefolgt von einer partiellen Sonnenfinsternis um Mitternacht – genau andersherum hätte es sein sollen. Nun liest man ja immer, Mondfinsternisse seien – im Gegensatz zu Sonnenfinsternissen, totalen zumal – jeweils auf einem großen Teil des Planeten zu beobachten: Da kann es ja bis zur nächsten MoFi mit dem Mond total verfinstert hoch am Nachthimmel nicht lange dauern, sollte man meinen. Aber denkste: Wie die Blick auf die erst kürzlich online gegangene ultimative Finsternis-Webseite „Eclipsewise“ zeigt, wird es noch über 15 Jahre dauern, bis das in Europa passiert, während bis dahin sogar zwei totale Sonnenfinsternisse den Kontinent berühren. Zwar gibt es vor 2029 zwei MoFis mit dem total verdunkelten Mond am noch dämmerungsfreien Morgenhimmel, 2015 und 2019, aber nicht mehr besonders hoch: Das tolle Schauspiel einer Totalität hoch am Himmel, wie es in Europa zum letzten Mal im März 2007 (und auch noch ganz gut im Februar 2008) zu sehen war, stellt sich kaum ein. Und ansonsten gibt es nur noch drei Totalitäten komplett in der Abenddämmerung, 2018, 2025 (kaum sichtbar) und 2028. Das also sind die fünf nächsten im Westen Deutschlands zumindest leidlich sichtbaren Totalitäten, wobei die Höhen und Dämmerungen jeweils für Bonn berechnet wurden:

28. September 2015: Totalität 2:12 (Anfang) – 2:48 (Mitte) – 3:24 (Ende) UTC, Höhen 28° – 24° – 19° (nie Dämmerung), trotz der ungünstigen Uhrzeit unbedingt mitnehmen!

27. Juli 2018: Totalität 19:30 – 20:21 – 21:13 UTC, Höhen 0° (bürgerliche Dämmerung) – 7° (nautische Dämmerung) – 12° (astronomische Dämmerung), also nie an dunklem Himmel.

21. Januar 2019: Totalität 4:42 – 5:13 – 5:44 UTC, Höhen 23° – 19° (jeweils noch keine Dämmerung) – 15° (astronomische Dämmerung), geht grad noch. Und dann folgen fast zehn Jahre Pause, denn die Totalität von 2025 endet nur 7° hoch in der nautischen Abenddämmerung!

31. Dezember 2028: Totalität 16:17 – 16:53 – 17:29 UTC, Höhen 6° (bürgerliche Dämmerung) – 10° (nautische Dämmerung) – 15° (astronomische Dämmerung), immerhin besser als 2018.

20. Dezember 2029: Totalität 22:16 – 22:43 – 23:10 UTC, Höhen 58° – 60° – 62° (nie Dämmerung), so muss das …

Das 22 Jahre währende Ausbleiben halbwegs Mitternachts-naher totaler Mondfinsternisse – und nur sie bieten das volle Programm mit dramatisch dunkler werdendem Himmel und aufleuchtender Milchstraße während der Totalität, was ToMoFis erst zu einer richtig großen Show macht – für Europa ist eine Anomalie. In den vergangenen 50 Jahren hatte es zeitlich optimal liegende ToMoFis nämlich 9-mal gegeben (1964, 1975, 1982, 1986, 1992, 1996, 2001, 2003 und 2007), und in den nächsten 50 Jahren werden sie 8-mal eintreten (2029, 2036, 2040, 2043, 2047, 2055 und 2061): macht 17 in 100 Jahren oder im Schnitt alle 6 Jahre eine. Die noch 15 Jahre währende Pause könnte es mithin rechtfertigen, nicht nur für totale Sonnen-, sondern auch mal für totale Mondfinsternisse zu verreisen: Ostasien oder Australien am 31.1.2018, Afrika oder der Nahe Osten am 27.7.2018, Nord- oder Südamerika am 21.1.2019, Südamerika am 16.5.2022 und 14.3.2025 oder Zentralasien am 7.9.2025 bieten sich an. [Daniel Fischer; 2015 die Marginal-MoFis präzisiert und die kaum sichtbare von 2025 durch die etwas bessere von 2018 ersetzt]

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Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 31. Oktober 2014, in Uncategorized. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

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