Amüsante Space Night auf der Kabarettbühne

Nach der Vorpremiere im Oktober in Sankt Augustin, spielte Paul Hombach gestern Abend das Programm „Ab ins All“ auf seiner Haus- und Hofbühne in der Bonner Springmaus. Denn der Musiker und Hobbyastronom ist schon seit 21 Jahren Ensemble-Mitglied des Impro-Theaters Springmaus, das diesen Monat 30 Jahre alt wird. Und dass der Sternfreund auch ohne seine Bühnenkollegen einen amüsanten Abend bereiten kann, hat er bei seinem ersten Solo-Springmaus-Auftritt auf jeden Fall bewiesen. Der Theatersaal war gut gefüllt und sogar Astronaut Reinhold Ewald befand sich unter den Besuchern. In der Zwei-Stunden-Show, die mit dem Star-Trek-Intro begann, hat Paul Hombach wunderbar gezeigt, dass die Astronomie sehr wohl gut unterhalten und u.a. auch mit schwarzem Flügel und Keyboard musikalisch zu Gehör gebracht werden kann. Und um die Verklanglichung – die Sonifikation – von astronomischen Daten ganz simpel zu erklären, wurde erstmal der Geburtstag einer Dame im Publikum – die auch noch runden Geburtstag feierte – sonifiziert und sofort am Klavier hörbar gemacht.

Besonders im ersten Teil des Abends gab es Beispiele astronomischer Sonifikationen zu hören. Es wurden Osterdaten und Venustransits vertont, dem Sonnensystem wurde ein 800 Millionen Kilometer langes Keyboard in den Weg geschmissen, ein Komponist traf sich mit seinem Asteroiden bei „Beethoven in Space“ oder die Pulsare gaben als kosmische Taktgeber den Beat gleich selber vor. Die hörbaren Funk-, Jazz- und Dance-Pulsare zeigen, dass diese winzigen und kompakten Sternleichen tatsächlich ordentlich Rhythmus im Neutronensternplasma haben.

Beim Thema Venustransit durfte natürlich der Hombach’sche Datenpunkt auf der südafrikanischen Transit-Sonderbriefmarke nicht fehlen.

Im zweiten Programmteil, in dem nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde, wurde nichts weniger als das gesamte Universum (mit seinen 70 Trilliarden Sternen) in tausender Schritten vermessen. Nach dem Eifelturm als Startpunkt ging es durch die Atmosphäre, wo uns gleich ein Überschall-Österreicher entgegen kam, direkt in Richtung Mond. Nach einer maßstabsgetreuen Darstellung der Sonne neben Erde und Mond …

… folgte ein Besuch bei Mars inkl. Curiosity und abstrakten Landschaftsgemälden in der rostfarbenen Steinwüste.

Auf der Reise verblasste der blaue Planet Erde sehr schnell zu einem Lichtpunkt hinter den  Saturnringen und viele Milliarden Lichtjahre weiter entfernt, gewissermaßen am Rand des Universums, tauchte das Grundgerüst des Kosmos auf. Während der Hobbyastronom am Klavier spielte und dazu die rätselhafte Dunkle Materie umschrieb, flog das gesamte Publikum durch die in Filamenten angeordneten Superhaufen, die den Synapsen in einem Gehirn ähneln.

„Ab ins All“ war ein kompletter astronomischer Rundumschlag: Angefangen vom aktuellen Sternhimmel mit Sternbildmythen, über Himmelsmechanik, unser Sonnensystem, Astronomiegeschichte sowie Sternphysik und bis zu Themen der Raumfahrt und Kosmologie war quasi der Astronomieunterricht eines ganzen Schuljahres dabei. Und egal ob tanzende Polarlichter über den Lofoten, dunkle Nächte in Kärnten, das kosmische Synapsen-Netzwerk oder die Bach’sche Venus-Komposition – alles wurde wunderbar mit Klavier oder Keyboard untermalt. Die amüsante Space Night bot auf jeden Fall den richtigen Mix aus Unterhaltung, Information, Astronomie und Musik – bestes Astrotainment eben.

Übrigens: Am 04. Dezember wird Paul Hombach mit dem Thema Sonifikation die Vortragsreihe „Der musikalische Himmel“ im Deutschen Museum Bonn abschließen. [Nico Schmidt]

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Veröffentlicht am 20. November 2012, in Astronomie & Musik, Veranstaltungsbericht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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