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Treffen sich zwei Sicheln…

Venus wird am 11. Januar zwischen Erde und Sonne hindurch ziehen. Anders als bei einem Venustransit (wie zuletzt im Juni 2012) zieht sie aber diesmal von uns aus gesehen etwa 5° oberhalb der Sonne her. In den Tagen vor und nach dieser sogenannten unteren Konjunktion kommt uns die Venus besonders nah und ist entsprechend groß im Teleskop zu sehen. Zudem blicken wir mehr und mehr auf ihre Nachtseite mit der Folge, dass wir nur noch eine feine Sichel ihrer der Sonne zugewandten Tagseite sehen. Heute Abend stand die zunehmende neue Mondsichel oberhalb der Venus in der Abenddämmerung. Um die Venus als Sichel zu sehen, benötigte man allerdings ein gutes Fernglas oder kleines Teleskop. Beide „Sicheln“ zeigen an, aus welcher Richtung das Sonnenlicht kommt. Während die Mondsichel in den nächsten Tagen zunimmt, ist die Venussichel bis zum 11.1. abnehmend. Danach taucht die Venus wieder am Morgenhimmel auf und ihre Sichel erscheint täglich dicker. Venus ist also am Abendhimmel abnehmend und am Morgenhimmel zunehmend – beim Mond ist es genau umgekehrt. So sahen beide heute in der Dämmerung aus, als die Regenwolken sich kurz verzogen:

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Mond und Venus am 2.1.2014 Bild: PH

 

Venus in malerischem Abendrot

Nach Sonnenuntergang lässt sich in diesen Wochen Richtung Südwesten wieder sehr schön unser Nachbarplanet Venus als strahlender Abendstern beobachten; der Abstand zur Sonne beträgt jedoch nur noch 34 Grad und verringert sich weiter. Als gestern Abend Richtung Osten der fast volle Mond oft hinter dunkelgrauen Wolken verschwand, lockte ihm gegenüber der Westhimmel mit wunderschönen Dämmerungsfarben, in denen die heller werdende Venus funkelte. Und während ich englisch mit chinesischem Akzent aus dem Laptop-Lautsprecher hörte (Chinas Politiker feierten ihre erfolgreiche Mondlandung), stand ich am Velux-Fenster und machte einige Bilder dieser malerisch eingefärbten Abendstimmung – quasi mit Venus in rotem Abendkleid. Die als Stern erscheinende Venus ist jeweils in der unteren Bildhälfte erkennbar; das erste Foto gibt’s zusätzlich in einer farbintensiveren Version, auch wenn ich sonst nichts mit Bildbearbeitung am Hut habe. [Nico Schmidt]

Noch mehr Himmels-Feuer, Abschied von Merkur – und was das alles mit ISON zu tun hat

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1/8 Sekunde bei Blende 4.2 und ISO 400, KB-Äquivalent-Brennweite 383 mm, leichter Ausschnitt, freihändig (an eine Wand angelehnt)

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1/6 Sek. bei Bl. 4.5 und ISO 400, Äquiv.-Brennw. 418 mm, leichter Ausschnitt, freihändig

Krepuskularstrahlen und andere Lichteffekte heute beim Sonnenuntergang von Witten-Herbede-Ruhrhöhe aus über Bochum verfolgt – und das Merkur-Venus-Paar um 22:56 und 22:57 MESZ, als ersterer 3.3° über und die Sonne 7.8° unter dem Horizont stand, also in der frühen nautischen Dämmerung. Das war ein wichtiger „Test“ für die Sichtbedingungen für Komet ISON in den ersten Dezembertagen, wenn er bei ähnlicher Dämmerung ähnlich hell ähnlich hoch am (allerdings morgendlichen) Himmel stehen wird: Der – im Gegensatz zur Kometenkoma – punktförmige +0.7 mag. helle Merkur war (anders als natürlich die 4.5 mag. hellere Venus) trotz sehr klaren Himmels mit bloßem Auge nicht zu sehen, in einem kleinen Feldstecher dagegen präsent aber nicht brilliant. Bei ISON wird also alles darauf ankommen, ob er dann wirklich einen langen & flächenhellen Schweif hat, der auch weit über den Horizont ragt, wenn die schlappe Koma auf oder gar unter dem Horizont sitzt und die die Dämmerung höchstens eine astronomische solche ist. [Daniel Fischer]

Das Planeten-Trio – knapp aber erfolgreich

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22:19 MESZ, Sonne -6.7°, 1/20 Sekunde, Blende 5.6, ISO 400

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22:21 MESZ, Sonne -6.9°, 1/15 Sekunde, Blende 5.6, ISO 800

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22:21 MESZ, Sonne -6.9°, 1/15 Sekunde, Blende 4.5, ISO 800

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22:24 MESZ, Sonne -7.2°, 1/13 Sekunde, Blende 5.2, ISO 800

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22:27 MESZ, Sonne -7.5°, 1/6 Sekunde, Blende 4.0, ISO 400

Zwei Tage nach einem Erfolg im Landkreis Neuwied (RP) kann dieser Blogger heute auch einen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis (NRW) vermelden: Das Trio von Witten-Herbede aus über Bochum – stur den Wolkenstreifen trotzend, wenn auch Venus und Merkur mit arger Extinktion. Aber es geht – und mal wieder ohne Stativ aus der freien Hand … [Daniel Fischer. NACHTRAG: das mittlere Bild größer]

Planetentrio über dem KBA-Land angekommen

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Überraschend ist es Rolf Hempel gestern in Buchholz im Westerwald gelungen, das abendliche Planeten-Trio mit bloßem Auge zu sichten und spontan abzulichten: „Ich hatte mich gar nicht darauf vorbereitet. Als ich gegen 22:00 Uhr aus dem Fenster sah, guckte mich plötzlich Jupiter an. Kurz darauf fand ich auch Venus und Merkur mit dem bloßen Auge. Erst da dämmerte es mir, daß ich ja auch ein Photo machen könnte. Leider reichte die Zeit nicht mehr, mein großes Gitzo-Stativ aus dem Keller zu holen und das Tele-Zoom zu montieren. So mußte ich es mit dem Standard-Zoomobjektiv, das gerade an der Kamera war, aus der Hand versuchen. Ich war froh, daß überhaupt etwas daraus geworden ist. Aber die Jupiter-Monde sucht man unter diesen Umständen leider vergeblich.“ Parallel Bilder aus Bremen – und Arizona. [Rolf Hempel]

Planeten-Trio – es wird nicht leicht …

Das Dreieck aus Venus, Jupiter und Merkur Ende des Monats wirft schon seinen Schatten voraus, sind doch solcherlei Trios eine Rarität, vor allem wenn die drei aktuell hellsten Planeten des Himmels mitspielen. Doch leicht zu sehen sein wird es leider nicht: Zwar haben die Planeten alle negative Helligkeiten (Venus -3.9 mag., Jupiter -1.9 mag., Merkur -1.0 bis -0.5 mag.), aber dafür stehen sie mit Elongationen von nur ~15° selbst am Ende der bürgerlichen Dämmerung (Sonne 6° unter dem Horizont) wegen der Neigung der Ekliptik zum Horizont nur etwa 5° hoch und sind damit auch bei klarstem Himmel schon einiger Extinktion ausgesetzt. Hier ist der Fahrplan für die interessanteste Woche, in der die drei vom 25. bis 27. Mai ein kompaktes Dreieck bilden und am 30. eine schräge Linie, bei der die Venus von Merkur und Jupiter flankiert wird – für 50° nördliche Breite jeweils mit Datum und Venus-, Jupiter- und Mars-Helligkeiten und -höhen bei 6° Sonnentiefe:

24. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 6° / Merkur -1.0 mag. und 5°
25. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 6° / Merkur -0.9 mag. und 6°
26. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 5° / Merkur -0.8 mag. und 6°
27. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 5° / Merkur -0.7 mag. und 7°
28. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 4° / Merkur -0.6 mag. und 8°
29. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 4° / Merkur -0.6 mag. und 8°
30. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 3° / Merkur -0.5 mag. und 8°

Die Erfahrung mit Komet PANSTARRS in der Abenddämmerung im März hat gezeigt, dass es jeweils einen – nur wenige Minuten währenden – Zeitraum gab, in dem das Verblassen der Dämmerung und die Zunahme der Exinktion zur besten Sichtbarkeit führten, während die Bedingungen vor- und nachher für visuelle Beobachtungen wie auch Fotografie signifikant schlechter waren. Diesmal haben wir es mit Punktquellen zu tun, die auch allesamt deutlich heller sind als es PANSTARRS‘ Koma je wurde, dafür spielt sich aber alles in noch deutlich geringerer Höhe über dem Horizont und damit durch noch viel mehr Luft hindurch ab. Erste Sichtungen der Venus zu Beginn ihrer Abendsichtbarkeit hat es aber schon jetzt gegeben, die derzeit bei 6° Sonnentiefe nur 2° hoch steht. Das regt zu Beobachtungen schon jetzt an: Heute Abend z.B.steht der junge Mond zwischen Venus und Jupiter, der bereits gestern (in Kalifornien) neben der Venus gesichtet wurde – kurioserweise am lokal selben Kalendertag wie die australische SoFi, wenn auch real fast 30 Stunden nach dieser. [Daniel Fischer. NACHTRAG: In Spanien hat einer das Jupiter/Mond/Venus-Foto geschafft]

Dreierkette am Morgenhimmel

Nicht nur der Abendhimmel wartet mit einer schönen Konstellation auf: Auch am Morgenhimmel lassen sich momentan Himmelskörper im Dreierpack beobachten. Um diese Reihe gemeinsam auf den Chip zu bekommen, musste die Kamera allerdings „verkantet“ gehalten werden. [Paul Hombach. NACHTRAG: Da steckt noch mehr drin …]

Klarer Himmel kurz nach der Jupiterbedeckung

Wie schon hier und hier berichtet, ist die Jupiterbedeckung für die Sternfreunde des Köln-Bonner-Raums wettertechnisch leider ausgefallen, so dass nur die Bilder und Videos anderer Beobachter bleiben. Schließlich kam kurz danach doch noch die erhoffte Wolkenlücke. Nur etwa 10 Minuten nach dem Austritt Jupiters kam über dem Rheinland die Mondsichel hinter den Wolken zum Vorschein. Die oben gezeigte Aufnahme entstand gegen halb 5 ganz knapp nach dem Austritt des Jupitermonds Kallisto und wurde von KBA-Hobbyastronom Tobias Kampschulte in Bonn-Beuel aufgenommen.

Auch ich hatte bei Meckenheim, etwas südlich von Bonn, auf die angekündigte Wolkenlücke gewartet und wurde nicht enttäuscht. So war in der  anbrechenden Dämmerung zwischen den abziehenden Wolken doch noch der Blick frei auf das enge Mond-Jupiter-Paar und die an den Morgenhimmel zurückgekehrte Venus. Weitere Bilder von mir sind hier zu finden. [Nico Schmidt]

Planeten in der Dämmerung

Trotz des vielfach wolkigen Wetters waren in den letzten Tagen die fünf klassischen, mit bloßem Auge beobachtbaren  Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn alle innerhalb weniger Stunden bzw. an einem Tag vom „KBA-Land“ aus zu sehen.

Merkur bietet eine mäßig gute Abendsichtbarkeit – für das bloße Auge zwar eine Herausforderung, mit einem Fernglas bei einigermaßen guter Sicht aber kein Problem. Dieses Bild zeigt Merkur am Abend des 17.6.:

Im Laufe des Abends waren natürlich Mars und Saturn (letzterer z.Z noch oberhalb von Spica) einfach zu beobachten. Am folgenden Morgen des 18.6. gelang dem Autor zwischen 4:30 und 5 Uhr MESZ ein erster Blick auf Jupiter, der nach seiner Konjunktion jetzt wieder am Morgenhimmel aufgetaucht ist.

Erste Berichte von Teleskop-Beobachtern deuten an,  dass sich Jupiters nördliches Äquatorialband (NEB) dramatisch verändert haben könnte – es bleibt  jeden Fall spannend! Wenige Minuten später, Jupiter war schon in den rasch ziehenden Wolken verschwunden, ging Venus auf – es war die erste Beobachtung mit bloßem Auge bei der beginnenden Morgensichtbarkeit. Am Tag zuvor gelang diesem Blogger eine Taghimmelbeobachtung der Venus per GoTo-gesteuertem Teleskop: Die Sichel ist so kurz nach dem Transit immer noch spektakulär schmal.

Im Fernglas (8x Vergrößerung) zeigte sich Venus noch eindeutig mit Phase. [Paul Hombach]

Die Ausbeute der beiden KBA-Expeditionen auf Inseln mit „R“

breitet sich im Internet aus – so wurden etwa drei Bilder der Rhodos-Expedition schon Aufmacher des interstellarum Newsletters Nr. 164, und andere wurden auf der Planeten-Liste oder in Webforen präsentiert.

Hier aus Rhodos die Venus beim Austritt mit sich entwickelnder Aureole, die auf einer Seite (in der Nähe eines Venuspols) meist viel heller ist – ein Phänomen, das bereits im 19. Jh. auffiel und erst 2004 erkärt wurde – und im letzten Bild quasi abgehoben hat (wie man auch auf Bildern des Venus Twilight Experiments schön sieht), und die Venus als Vollring oder beinahe solcher vor und nach dem Transit: Anklicken liefert eine doppelt so große Version. Wie uns der Leiter des Twilight-Projekts erläuterte, sorgt nur direkt am Sonnenrand Lichtbrechung in der Venus-Hochatmpsphäre für den Ring-Effekt, weiter weg ist es Lichtstreuung an hohen Teilchen.

Der Sonnenaufgang mit Venus in Rhodos (auch größer klickbar) von Paul Hombach aufgenommen, der seine besten Bilder auch in diesem Album zeigt. Und AVI-Videoclips hier und hier, die allerdings spezielle Player erfordern.

Auch von der Rügen-Expedition gibt es ein neues Produkt in Gestalt dieser Collage von Peter Oden, die beim Anklicken erst ihr volles Format entwickelt! [NACHTRAG: Hat es mittlerweile auch in die Galerie der Leserbilder der deutschen „Sterne & Weltraum“ und der amerikanischen „astronomy“ geschafft; Peter Oden.] Und es kommen immer noch täglich neues Material aus aller Welt herein [NACHTRAG: eine gewaltige Linkliste bis zum 17.6.] – nur mal als kontrastierende Beispiele TV-Berichte aus Österreich, Hawaii und Russland, ein imposantes Fake-3D-Bild (selber Standort, zwei Zeiten) und Bilder und Geschichten aus Kiruna u.a., Schweden, Krasnojarsk, Russland, Chennai, Indien, Rapa Nui (Osterinsel) und San Francisco, USA. Letzterer Berichterstatter träumt schon von der Beobachtung von Venustransits vom Mars aus in den 2030-ern; unsereiner freut sich da lieber auf näher liegende Action hierzulande in den nächsten fünf Jahren … [Daniel Fischer]