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Ein „Düsterer Tag“ in Belgien – zur Nachahmung empfohlen!

Die belgische Riesen-Volkssternwarte Urania in Hove bei Antwerpen – die z.B. über einen beachtlichen Astro-Shop verfügt – war heute zum wiederholten Mal Gastgeber von „De Duistere Dag“ (Der Finstere Tag): eines ganztägigen Treffens zum Thema Sonnenfinsternisse, das seit über 20 Jahren in unregelmäßigen Abständen nach wichtigen SoFis veranstaltet wird.

Zum nunmehr zehnten Düsteren Tag waren neben zwei deutschen Gästen rund 20 Einheimische gekommen, alle aus Flandern. Schwerpunkt war natürlich die SoFi vom März: Mit zwei dramatisch geschnittenen Videos und einem mitreißenden (und völlig bildlosen!) Vortrag wurden die nervenaufreibenden Erlebnisse der Urania-Expedition auf die Färöer – man hatte sogar einen eigenen Reisebus mitgebracht! – regelrecht körperlich spürbar. Man war zunächst völlig clouded out – bis sich kurz vor Totalitätsende die Korona in einem winzigen Wolkenloch zeigte. Und just zu diesem Zeitpunkt war der Reiseleiter live im belgischen Radio zu hören: Was er da auf Flämisch konkret brüllte, brauchte man gar nicht zu verstehen. Zwei weitere 2015-Vorträge handelten von Beobachtungen der SoFi aus der Luft, aus der Stratosphäre und von einem der deutschen Flüge von Eclipse-Reisen.

Letzteres war dann bereits der dritte Vortrag dieses Bloggers auf dem Meeting, der zuvor über die SoFi in Uganda und die Jagd nach Bildern des SoFi-Kometen von 1948 berichtet hatte – und Minuten zuvor in der Urania-Bibliothek eine etwas bessere Reproduktion der bisher einzigen identifizierten Aufnahme aufgetrieben hatte (in einer niederländischen Astrozeitschrift von 1983). Zum abwechslungsreichen Programm des gut sieben Stunden währenden Treffens – das Veranstalter Kris Delcourte auch den deutschen Nachbarn zur Nachahmung empfiehlt – gehörten auch u.a. auch Beiträge von E. van Loo über die érfolgreiche Extremjagd nach einem Wolkenloch bei der SoFi 1999 in Frankreich bis unmittelbar vor dem 2. Kontakt und von J. Schoppmeyer über Finsternisse im Auf- und Untergang, mit dem Nachweis von innerer Korona und Protuberanzen kurz vor der Ringphase in Australien 2013, als der Fast-Ring noch komplett hinter einer Wolkenbank verborgen war:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder des Veranstalters]

Kometen-Fachgruppe traf sich in Leipzig

Einer Einladung der VdS-Fachgruppe Kometen waren vom 20. bis 22. Juni rund 20 zum ersten Mal nach Leipzig gefolgt, wo in einer Gaststätte im Stadtteil Gohlis auf hohem Niveau über Kometen-Beobachtung, -Auswertung und -Archivierung diskutiert wurde.

Workshop von Uwe Pilz zur Anwendung seines Java-Programms zur Simulation von Kometen-Staubschweifen, hier erprobt an einer aktuellen Aufnahme von Komet C/2012 K1 (PANSTARRS).

Thomas Lehmann über Fotometrie von Kometen mit DSLR-Kameras: Bei C/2013 R1 (Lovejoy) liefern die digitalen Daten – blau – eine saubere obere Hüllkurve der visuellen Schätzungen, bei anderen aktuellen Kometen passen die Datentypen weniger zusammen.

Andere Vorträge handelten von einer La-Palma-Reise für ISON, dem kometaren CV von Pilz‘ Vorgänger als Fachgruppenleiter, der vergeblichen Suche nach Bildern des letzten „Finsterniskometen“ – und der Beobachtung des Kometen Seki-Lines im Jahr 1962 durch Helmut Denzau (vorne). Energisch diskutiert wurde hernach noch über die Archivierung von Kometenfotos bei der Fachgruppe und anderswo …

… während die letzten noch zum frostigen Open-Air-Public-Viewing von Deutschland – Ghana vor der Gaststätte ausharrten. Heute Vormittag gab es dann noch eine spannende Stadtführung durch Pilz, die auf dem Panorama Tower Leipzig in 120 Metern Höhe ihren erhabenen Abschluss fand; viele weitere Impressionen hier! In jeweils ein paar Jahren Abstand sollen sich die FG-Treffen in Leipzig ab jetzt wiederholen, aber jedes Jahr kommen die Kometenbeobachter auch im Rahmen der Planetentagung zusammen, das nächste Mal schon im November in Rothenfels. [Daniel Fischer. NACHTRAG: noch mehr Bilder]