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Wie Coca Cola die Sonnenfinsternis rettete …

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Wie schon vor einem Jahr verfolgte der Blogger auch die ringförmige SoFi 2013 „remotely“, mit Hilfe dreier Webcasts aus Australien – aber nur einem davon, den ein „Coca Cola Space Science Center“ organisiert hatte, gelang die Live-Übertragung der Ringphase, während ausgerechnet der Astro-Webcast-Star Slooh nur von einer Kamera weit außerhalb der Annularitätszone ein Bild bekam und alle anderen Uplinks aus Wetter- oder technischen Gründen ausfielen. Zwar hatten auch die Cola-Astronomen häufige Wolkenprobleme, konnten aber den Ring durch dünne Wolken zeigen: ein zweiter Screenshot kurz nach dem obigen und im Live-Blog von der SoFi ein dritter, wiederum etwas später. Das dramatischste Bild, das in den ersten Minuten im Web erschien, entstand allerdings ganz woanders: nahe dem Beginn des Annularitätsstreifens in West-Australien bei Sonnenaufgang – mit geschlossenem Ring! [Daniel Fischer. NACHTRAG: Das Cola-Video kam übrigens aus Coen auf der York-Halbinsel Queenslands – unten noch drei besonders gute aus West-Australien, dem Northern Territory und … aus dem Weltraum]

 
 

Zwei neue Clips zur Sonnenfinsternis in Australien

Nachdem Daniel Fischer schon hier im Blog von seinem persönlichen Wolkenkrimi zur australischen Sonnenfinsternis letzte Woche berichtete, hat nun der Bonner Sternfreund Stefan Krause, der ebenfalls 40 Kilometer nördlich von Cairns am Wangetti Beach beobachtete, zwei Clips mit seinen Eindrücken der Totalen Sonnenfinsternis hochgeladen.

Die Totalität ungeschnitten …

… und ein Best-of des Sonnenfinsternis-Tages inkl. Meeresrauschen des Pazifiks.

[Nico Schmidt]

Australische Tropen-SoFi denkbar knapp verpasst …

Es war reine Glückssache, ob man im australischen Queensland heute morgen die totale Sonnenfinsternis durch eine Wolkenlücke sehen konnte oder nicht: Dieser Blogger sichtete am Wangetti Beach (oben) immerhin die zarte Sonnensichel kurz vor und nach der Totalität, die selbst komplett hinter einer Wolke verschwand. Perverserweise sah diese ausgerechnet unser Busfahrer – mit Namen Alf! – vom Parkplatz wenige km entfernt: Da passte eines der Wolkenlöcher, während am Strand selbst das Wunder von Weixizia von 2008 ausblieb. Trotzdem war die wolkige Totalität recht farbenfroh – hinter dem Panorama liegt eine größere Version – und der Tropenmorgen auch sonst reich an atmosphärischen Lichteffekten. Drei neue Bildergalerien von der Reise zeigen u.a. den Zoo von Singapur & erste Cairns-Impressionen, den Regenwald nördlich von Cairns und natürlich den Morgen mit der SoFi in 48 Zeitschritten.

10 Impressionen zum 65. Planetenseminar

Klein aber fein (rund 15 Sternfreunde) war die diesjährige Sommerausgabe des Planetenseminars der Volkssternwarte Bonn (VSB) am vergangenen Samstag. Bereits zum 65. Mal fand die Vortragsreihe statt, doch leider zum ersten Mal ohne den im Februar verstorbenen Helmut Burghardt. Hauptsächlich beeinhaltete der Rückblick auf die Planetensaison 2011/2012 das Jahrhundertereignis Venustransit von Anfang Juni und die ringförmige Sonnenfinsternis vom Mai, aber nicht weniger interessante Beiträge gab es zur Konjunktionsfotografie, preiswerter Meteordetektion und Planetenfotografie bzw. -videografie und zum Abschluss wurde in einem Spontanvortrag noch mit dem 2012-Weltuntergangs-Hype aufgeräumt.

Zusätzlich konnte man nebenbei noch drei neue Astro-Termine aufschnappen: Einweihung des neuen CLT (Cologne Large Telescope, 60cm Durchmesser) der Volkssternwarte Köln (29. September), Astrotainment auf einer Kabarettbühne in Bonn (19. November) und eine Weltuntergangs-Party mit Überraschungen im Bochumer Planetarium (21. Dezember).

Um halb 3 ging’s mit einem Rückblick über die letzten Monate los. Es waren Fotos der diesjährigen Show an Leuchtenden Nachtwolken (NLC) und des kosmischen Drei– bzw. Vierecks in der Abenddämmerung zu sehen. Und nach einem Pretty-Picture-Best-Of des Venusdurchgangs (darunter sogar eine Zeichnung) folgten persönliche Eindrücke der Ausflügler, die nach Rügen und Rhodos aufgebrochen waren und nun ihre Ausbeute vorstellten.

Abfotografiertes Livebild auf dem Hotelbalkon auf Rhodos.

Nach den Transit-Fotoberichten erzählte Daniel Fischer noch über seine Detektivarbeit, in der die Frage geklärt werden soll, ob der Russe Lomonossow beim Transit von 1761 tatsächlich die Venusatmosphäre entdeckt hat. Vielleicht ist die eindeutige Beobachtung des Atmosphärenrings auch eher einem Hobbyastronomen namens Silberschlag zuzuschreiben?

Bei Tobias Kampschulte ging’s um die Japan-Reise zur ringförmigen Sonnenfinsternis.

Um 4 folgte erstmal die große Grillpause, leider ohne sonniges Beobachtungswetter. Überrascht wurden wir noch kurz von einem Vater mit seinen zwei Kids, die auf ihrer Geocaching-Sightseeing-Tour auch an Argelanders Alter Sternwarte vorbeikamen.

So muss es sein. An Grillgut und Salaten wurde reichlich getischt (der mitgebrachte Kuchen wurde kurzerhand zur Geburtstagstorte zum 40. VSB-Geburtstag) und der Hund eines Besuchers lag brav im Gras.

Um Punkt 6 ging’s schließlich weiter im Programm. Als nächstes zeigte Freddy Dorst nicht nur Fotos seines Ausflugs zum Grand Canyon wegen der ringförmigen Sonnenfinsternis, sondern präsentierte auch Planetenkonjunktionen dicht neben der Sonne. Auf den nachbearbeiteten Bildern war Jupiter nur 30 Bogenminuten vom Sonnenrand entfernt zu sehen und der abgelichtete Merkur hatte sogar nur 15 Bogenminuten Abstand vom Sonnenrand.

Ein kleiner DVBT-USB-Stick als Empfänger macht’s möglich. Hobby-Radioastronom Wilhelm Hombach berichtete über preisgünstige Meteordetektion mit Investitionen von 40 Euro.

Und im abschließenden Spontanvortrag von Daniel Fischer ging’s um die plakative Panikmache zum Weltuntergang nach dem Maya-Kalender …

… und die eigentliche Aussage hinter den alten Maya-Überlieferungen. Gewissermaßen der Stein des Anstoßes der ganzen 2012-Weltuntergangs-Hysterie ist ein nur lückenhaft erhaltenes Artefakt, doch was steht da eigentlich genau zum Ende des Maya-Kalenders?

[Nico Schmidt]

Heute vor 30 Jahren: meine erste SoFi-Expedition … mit der VSB auf den Rodderberg

Die partielle Sonnenfinsternis vom 20. Juli 1982 begann im Bonner Raum erst kurz vor Sonnenuntergang – und versank in der Stadt selbst in dichtem Horizontdust: Auch die öffentliche Beobachtung der Volkssternwarte Bonn (VSB) an den Astronomischen Instituten in Endenich scheiterte daran. Zusammen mit einer kleinen Extra-Expedition der VSB hatte ich mich jedoch auf den Rodderberg nahe Bonn-Mehlem begeben: Dessen 195 Meter über NN machten den Unterschied, wie dem später in Telescopium 10 [3/1982] 46 erschienenen Bericht – hier komplett eingescannt – wie der daraus stammenen Grafik oben zu entnehmen ist. Es handelt sich um nachgezeichnete Farbdias der letzten paar Minuten, bevor die Sonne auch für uns unsichbar wurde. Ganz leer ging übrigens auch Bonn-Downtown nicht aus: Ein experimentierfreudiges VSB-Mitglied filmte blind mit einer Schwarzweiß-Vidicon-Kamera aus einem Beueler Dachfenster – und auch da war die Sonne samt fehlendem Stück zu erkennen, Infrarot sein Dank … [Daniel Fischer. NACHTRAG: In Moers blickten sie mehr durch]

Nach dem Venus-Transit ist vor … der Jupiter-Bedeckung (durch den Mond)!

Über dieses ziemlich seltene Himmelsereignis nur einen guten Monat nach dem Venustransit wurde schon während desselben hier und da spekuliert: Hier sind die Fakten, für Bonn berechnet mit Stellarium. Das obere Bild zeigt den Anblick am Morgen des 15. Juli um 3:42 MESZ (gerade noch alle vier Galileischen Monde zu sehen, Höhe des Mondes 10° in Azimuth 70°): Um 3:49 MESZ verschwindet dann der Jupiter (Mondhöhe 11°, Sonnendepression -12°, also Beginn der nautischen Dämmerung), um um 4:17 MESZ wieder auf zu tauchen (mittleres Bild; Mondhöhe 15 1/2°, Sonnendepression -10°). Und das untere Bild zeigt wieder alle vier Monde, um 4:25 MESZ (Mondhöhe 16° in Azimuth 77°).

Die ganze Show ist also noch in der mitteltiefen Morgendämmerung zu sehen, wenn auch nur in bescheidener Höhe. Bonn liegt relativ nah am Nordrand der Sichtzone, weshalb der Planet auch nur für eine halbe Stunde verschwindet: Während die Jupiterbedeckung in Dänemark sogar nur streifend zu sehen ist, wird Österreich zentraler getroffen. (Und auf Rhodos wird die Bedeckung eine Stunde lang fast zentral in 20 bis 30 Grad Höhe stattfinden, bei einer Sonnendepression von -19 bis -9 Grad; weiter östlich gerät sie dann in die helle Morgendämmerung oder findet gar am Taghimmel statt.)

Noch drei weitere seltene Himmelsereignisse für Bonn stehen in den nächsten fünf Jahren an, allerdings nach einer weiteren fast dreijährigen Durststrecke: Da wäre zum einen am 20. März 2015 die tiefste partielle Sonnenfinsternis bis 2026 und seit 2003, die weiter nördlich freilich eine schwer zu beobachtende totale SoFi ist und viele zu Reisen auf die Føroyar (Färöer) oder Flug-Beobachtungen wie 2008 verleiten dürfte. Zu den weiteren raren Bonner Finsternissen des Jahrzehnts gehört noch die Totale Mondfinsternis vom 28. September 2015 in den frühen Morgenstunden (die erste hier komplett sichtbare seit 7 Jahren). Und am 9. Mai 2016 gibt’s den ersten Merkurtransit seit 2003, die vollen 8 Stunden lang am Nachmittag zu sehen. [Daniel Fischer]

Die ringförmige Sonnenfinsternis als Internet-Event

Von den bekannter Bonner Sternfreunden – im weiteren Sinne – wollten meines Wissens nur Tobias Kampschulte und Friedhelm Dorst in die Annularitätszone der SoFi reisen, die sich diese Nacht von Ostchina bis in den Westen der USA erstreckte: nach Japan bzw. Arizona. Es ging aber auch anders: Hier kann man – in inverser Chronologie – nacherleben, wie sich die Nacht aus Sicht eines „Remote-Beobachters“ in Deutschland abspielte Zahlreiche Webcasts und Social Media schütteten ein wahres Füllhorn an Bildern und Eindrücken aus, fast so als wäre man wirklich dabei gewesen (im Screenshot z.B. der geschlossene Ring über Kalifornien). Bei einer Ring-SoFi kann man das ja mal machen, da derartige Finsternisse aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften – klein und extrem grell – eh nur mit technischen Hilfsmitteln zu beobachten sind, während ihre Einflüsse auf die Umwelt bis auf etwas fahler werdendes Licht eher gering ausfallen. Bei totalen SoFis, die direkt betrachtet werden können und rundherum dramatische Effekte für alle Sinne hervor rufen, dürfte das Fern-Erleben allerdings – mit heutiger Technik jedenfalls – weit deutlicher gegenüber der Realität abfallen …