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Musikabend mit astronomischen Daten am Keyboard

Nach den Musikabenden mit Beethoven und Argelander (hier und hier) sowie mit Wilhelm Herschels Sonaten (hier) – zufälligerweise auf den Geburtstag des Astromonen -, folgte am vergangenen Dienstag im Deutschen Museum Bonn der Abschluss der Reihe „Der musikalische Himmel“, in der auf wunderbare Weise Astronomie und Musik verbunden wurde. Statt Darbietungen mit klassischen Instrumenten wie bisher gab es in Paul Hombachs Vortrag „Sternenklänge“ moderne Keyboardsounds aus astronomischen Zahlen und Daten – diese Verklanglichung wird im Fachjargon Sonifikation genannt. Wie Norbert Junkes vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie einleitend zum Vortrag bemerkte, vereint Paul Hombach die nur scheinbar gegensätzlichen Themen Musik und Astronomie. Vom Improvisationstalent, Musiker und Hobbyastronom konnte man sich erst kürzlich bei einem amüsanten Astrotainment-Abend im Springmaus-Theater überzeugen.

Im Museum widmete er sich 90 Minuten lang dem Thema Sonifikation. Seit fast 20 Jahren sonifiziert der Sternfreund – damals waren es die Bahnverhältnisse von Merkur mit seiner scheinbaren Höhe – und stellte in seinem Vortrag viele Klangbeispiele aus astronomischen Daten vor. Aus Kalenderdaten (gregorianischer Kalender, Osterdatum), Himmelsmechanik (u.a. Bahnverhältnisse der inneren Planeten, von Mond und Venustransite), veränderlichen Sternen sowie Sternbildern entstanden live am Keyboard Sonifikationen und zum Schluss – am Beginn von allem angelangt – wurde sogar die Frage beantwort: Wie klingt der Urknall? Natürlich fehlten auch seine Pulsarklänge für jeden Musikgeschmack nicht und außerdem schloss sich hier der Kreis zu Beethoven und Argelander aus dem ersten Musikabend, als der Asteroid (1815) Beethoven hörbar an den Sternen in Argelanders „Bonner Durchmusterung“ vorbeizog (3. Bild). Das Klangspektrum an diesem Abend vor dem Teilchenbeschleuniger war breit gefächert: Neben neuzeitlicher experimenteller Musik von John Cage oder Karlheinz Stockhausen hörte man bei Paul Hombachs Sternenklängen auch klassische Komponisten wie Bach, Mozart oder eben Beethoven raus. [Nico Schmidt]

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Die „Bonner Durchmusterung“ als Klangexperiment

Die „Bonner Durchmusterung“ ist nicht nur ein vor 150 Jahren in drei Bänden veröffentlichter Sternkatalog und das größte astronomische Werk Bonns, sondern auch der Name eines Klangexperiments des Komponisten Marcus Schmickler und des Audio-Informatikers Alberto de Campo. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Musikprojekt entstand 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie und wurde von Dr. Michael Geffert, Bonner Astronom am Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) und Dr. Kerstin Jaunich vom Deutschen Musikrat initiiert.

Im Rahmen der Klangkunstreihe „sonarisationen“ kann man sich aktuell auf der Homepage des Deutschlandradio Kultur einen einstündigen Beitrag anhören, in dem die Sound-Tüftler über die Arbeit an ihrer persönlichen „Bonner Durchmusterung“ berichten. Herausgekommen sind zehn Stücke abstrakter elektronischer Musik voller experimenteller Klanglandschaften, die auf der Projektseite www.durchmusterung.org veröffentlicht worden sind.

Übrigens widmet sich dem Thema Sonifikation von astronomischen Daten ein Vortrag am 04. Dezember im Deutschen Museum Bonn. [Nico Schmidt]