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Großartige Beobachtungsaktion mitten in Bonn mit 105-Zoll-Power!

Am 08. März fand bereits zum 7. Mal die Internationale Bürgersteig-Astronomie-Nacht (International Sidewalk Astronomy Night, kurz ISAN 7) statt, bei der weltweit zahlreiche öffentliche Beobachtungsaktionen durchgeführt wurden. Von Australien bis Peru, von Tokio bis Kreta, von Dublin bis Los Angeles – überall standen an diesem Tag Sternfreunde mit ihren Fernrohren bereit, um Passanten auf der Straße die unzähligen Krater des Mondes, Jupiter mit seinen vier hellsten Monden und andere Wunder des Nachthimmels zu zeigen. In Deutschland waren z.b. Hobbyastronomen in Regensburg, Ingolstadt, Hamburg, Aachen und zum ersten Mal auch in Bonn bei der globalen Veranstaltung dabei. Auf eigene Initiative hin hatte ich intern und extern (am Abend erfuhr ich erst, dass es doch eine kleine Ankündigung im General-Anzeiger Bonn gab) die Werbetrommel gerührt. Nahe der alten Argelanger-Sternwarte wollte ich mich zusammen mit anderen Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA; ein großes Dankeschön geht auch an Patrick Cremer von der Volkssternwarte Bonn) mitten in Bonn-Poppelsdorf treffen und letztlich hat alles so wunderbar geklappt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Denn der 08. März fiel mitten in die Schönwetterkatastrophe, die Bonn anderthalb Wochen lang mit blauem Himmel und Sonnenschein pur versorgte. So fuhr ich bei schönstem T-Shirt-Wetter mit dem Alternativ-Programm in der Tasche zur Volkssternwarte, wo an der Einfahrt schon drei Sternfreunde standen. Und als gegen 18:30 Uhr die ersten Teleskope auf der Wiese aufgebaut wurden, kamen schon die ersten neugierigen Fußgänger, so dass schon in der Dämmerung die ersten staunenden Blicke auf die plastischen Krater des Halbmonds geworfen wurden.

Mit Blick auf das Poppelsdorfer Schloss und die Gründerzeitfassenden links und rechts der Wiese waren schließlich 11 Teleskope aufgestellt, was mit Öffnungen von 5 Zoll bis 16 Zoll insgesamt eine Power von 105 Zoll (2,7 Meter Gesamtöffnung) ergab! Und der Ansturm zeigte, dass kein Teleskop zu wenig aufgebaut war, jedes Fernrohr war von fragenden und staunenden Leuten umringt. Wegen des leicht dunstigen Himmels und sowieso wegen der Laternen blieb es meist bei den Mondlandschaften und Jupiter mit seinen hellsten Monden (einmal stellte ich auch den Orionnebel ein), aber sie bieten eh meist die beeindruckendsten Ansichten für Laien, die zum ersten Mal durch ein Okular schauen. Als sich der Andrang an meinem 12-Zöller etwas legte, fuhr ich auch ein paar Deep-Sky-Objekte an, jedoch ohne Erfolg. Lediglich das Galaxienpaar M 81/82 war erkennbar, aber die nachlassende Supernova 2014J war nur etwas für erfahrene Augen. Allerdings ging es auch ganz ohne Teleskop und so zeigte ich ebenso – bei den milden Temperaturen immer noch mit T-Shirt – die Wintersternbilder und erklärte z.b. die Mythologie um Orion, Stier und seinen beiden Jagdhunden. An diesem wunderbaren Abend gab’s viele interessante Gespräche, viele staunende Blicke durch die Fernrohre oder man versuchte sich an Mondfotos mit dem Handy und viele Leute staunten auch immer wieder über die unvorstellbaren Dimensionen am Himmel über Poppelsdorf. Außerdem ließ ich einem 17-jährigen Kölner Sternfreund direkt mal alleine Erfahrungen in der Bedienung eines Dobson-Teleskop sammeln, mit dem Ergebnis, dass er jetzt auf einen 10-Zöller spart. Alles in allem hat diese großartige Aktion ungemein viel Spaß gemacht. Schätzungsweise über 100 Leute schauten in etwa 3 Stunden bei unserem öffentlichen Beobachtungsabend vorbei, die letzten Teleskope wurden erst nach 22:00 Uhr abgebaut. Vielen, vielen Dank an alle Mitwirkenden, ob mit oder ohne Teleskop! Das war wirklich eine wunderbare Star Party mitten in Bonn! Bis zur nächsten Sidewalk-Astronomy-Veranstaltung.

Leider konnte ich zeitlich eingeschränkt nur Fotos von der Aufbauphase machen, aber KBA-Astrofotograf Michael Auster hat ebenso einige Bilder vom Poppelsdorfer Teleskoptreffen gemacht. [Nico Schmidt]

Und wieder: eine große öffentliche Higgs-Feier an der Uni Bonn

Nur eine Woche nach jenem legendären CERN-Seminar, auf dem die So-gut-wie-Entdeckung des Higgs-Teilchens mit dem LHC verkündet worden war, hatte die – an dessen ATLAS-Detektor erheblich beteiligte – Universität Bonn in einer großen Abend-Veranstaltung für die Bonner Öffentlichkeit darüber informiert, die auch bestens besucht war. Und nachdem es nun diesen Monat den Nobel-Preis für die Vorhersage nämlichen Teilchens gab („Higgs-Nobelpreis nur für zwei Theoretiker, nicht für CERN“), ist zeitnah erneut eine Veranstaltung angekündigt worden: am Donnerstag, dem 17. Oktober, ab 19.30 Uhr, im Wolfgang-Paul-Hörsaal, Kreuzbergweg 28 in Ortsteil Poppelsdorf – und der Eintritt ist auch wieder frei.

„In allgemein verständlichen Vorträgen erklären Prof. Dr. Herbert Dreiner und Dr. Jürgen Kroseberg die Bedeutung des von Englert und Higgs vorhergesagten Higgs-Mechanismus und die experimentelle Bestätigung dieser Theorie durch die Entdeckung eines Higgs-Teilchens am Teilchenbeschleuniger LHC des europäischen Forschungszentrums CERN bei Genf,“ heißt es in einem Rundschreiben der Uni: „Im Anschluss an die Vorträge wird es ausreichend Zeit für Fragen geben. Herbert Dreiner ist Professor für theoretische Teilchenphysik am Physikalischen Institut und der Bonner Öffentlichkeit durch die von ihm initiierte Physikshow bekannt. Dr. Jürgen Kroseberg, der ebenfalls am Physikalischen Institut arbeitet, ist Experimentalphysiker und Mitglied von ATLAS“.

Um eine Wiederholung der Veranstaltung vom Juli 2012 handelt es sich dabei keineswegs, wie das Physikalische Institut heute auf Nachfrage dieses Blogs betonte: „Insbesondere wird der Beitrag von Prof. Dreiner komplett anders sein, da er auch Experimente zur Erklärung des Higgs-Mechanismus durchführen wird.“ Nun ist der Wolfgang-Paul-Hörsaal zwar gut ausgestattet – aber das man dort auch den Higgs-Mechanismus vorführen kann, verblüfft dann doch. Obwohl einen heute gar nichts mehr überraschen sollte: Nebenan im Altbau der Physik wird es am 13. Dezember im ehrwürdigen Physikalischen Kolloquium einen Vortrag über die Physik von James Bond geben … [Daniel Fischer]