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„Argelanders Astro-Abend“ aus 1,4 Milliarden Kilometern

NASA, JPL-Caltech, SSI, Gordan Ugarkovic

NASA, JPL-Caltech, SSI, Jason Major

Das sind die ersten verarbeiteten Bilder, die die Saturnsonde Cassini in der Nacht von Freitag auf Samstag aufgenommen hat, wobei der kleine bläuliche Lichtpunkt unter dem majestätischen Ringsystem unser Heimatplanet Erde in 1,44 Milliarden Kilometer Entfernung ist. Währenddessen fand unsere „Argelanders Astro-Abend“ genannte spontane Saturn-Party mit Beobachtung in Bonn-Endenich statt und natürlich wurde dann in den 15 Minuten der „Winkt dem Saturn“-Aktion auch Cassini zugewunken und für die interplanetare Fotosession freundlich gelächelt. Hier gibt’s jede Menge Fotos unseres lauen Sommerabends mit Wink-Effekt. Die zwischen 23:27 und 23:42 Uhr losgeschickten Photonen unserer Saturnbeobachtung erreichten schließlich 80 Minuten später Cassini hinter dem Saturn und es entstand das oben gezeigte Foto. Das zweite Bild zeigt die Erde mit Mond als 1,4 Milliarden Kilometer entfernter „Doppelstern“.

Das offizielle Saturnpanorama der NASA wird vermutlich erst in Wochen veröffentlicht, aber Saturn-Fans wie Gordan Ugarkovic haben die online verfügbaren Cassini-Rohbilder schon längst für einen ersten Eindruck zusammengesetzt. Weitere Ergebnisse von Amateuren sind hier und hier zu sehen. [Nico Schmidt]

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Astronomischer Sommerabend mit Wink-Effekt

Das war das große Saturn-Winken gestern Abend am AIfA in Bonn-Endenich, wo sich rund 40 Teleskopbesitzer und Besucher versammelt hatten – die Zeit läuft von unten nach oben.

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Während des „kritischen“ 15-Minuten-Intervalls 23:27 bis 23:42 MESZ: Nico Schmidt zeigt zum Saturn (das hellere Objekt am Arm ist dann wohl Cassini ein lästiges Flugzeug).

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Das große Saturn-Winken zu Beginn des viertelstündigen Aufnahme-Intervalls (unten ein ge-AutoStitch-tes Panorama): Im Gegensatz zu den USA war der Saturn hier perfekt am Himmel zu sehen.

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Auch wenn sie nur jeweils nur ~20° hoch standen: Saturn und Mond „gehen immer“ bei öffentlichen Beobachtungen!

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Monddetails durch’s Okular eines 8-Zoll-Dobsonians geknipst – das geht ( 2 x 1/100, 1 x 1/30 Sek. bei ISO 400) …

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Saturn, Spica (rechts unterhalb) und der Mond (links, mit Antares rechts unterhalb) kurz vor dem „kritischen Intervall“ (1 Sekunde bei Blende 2.8 bzw. 3.2 und ISO 400).

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Der Mond, freihändig, mit maximalem Zoom (1/200 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 200).

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Der Star des Abends Saturn, freihändig durch einen 20-cm-Dobsonian geknipst (1/10 Sekunde bei ISO 800).

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Der Doppelstern Albireo, freihändig durch einen größeren Dobsonian (unscharf eingestellt) geschossen (1/13 Sekunde bei ISO 400).

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Beobachtungen in der fortschreitenden Dämmerung – und die Venus (1/15 Sekunde bei Blende 4 und ISO 400) gab sich verblüffend hell trotz geringer Höhe: Mond, Saturn und Venus waren tatsächlich eine Weile gleichzeitig zu sehen.

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Erste Beobachtungen schon in der Zeit um Sonnenuntergang, zwei Stunden vor dem Winken – und selbst vor Sonnenuntergang war der Saturn doch tatsächlich matt aber scharf in dem 25-cm-Schiefspiegler zu sehen! Einige dieser frühen Bilder wurden auch im Live-Webcast des JPL zum Event gezeigt, gegen 30:00 [NACHTRAG: von 25:20 bis 25:55 – und in dieser besseren Aufzeichnung von 25:09 bis 25:43]!

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Den Auftakt des ungewöhnlichen Astronomie-Abends – in weiterer Bericht davon ist bereits hier zu finden! – hatte Michael Geffert mit bemerkenswerten Einsichten in die Geschichte des größten Bonner Teleskops gemacht (das nach der Schließung des Hohen Lists womöglich einmal dorthin zurückkehren wird) und der Vorstellung eines neuen Projekts zur Sichtung und Archivierung deutscher Astro-Platten-Sammlungen. [Daniel Fischer. NACHTRAG: weitere Berichte vom Abend auch hier und hier und Bilder hier und hier]

Sonne satt für die Volkssternwarte Köln beim Schulfest

Nachdem vor zwei Wochen die angebotene Sonnenbeobachtung zum Schulfest des Schiller-Gymnasiums – auf dessen Dach seit 1960 die Kuppel der Volkssternwarte Köln steht – wettertechnisch keinen großen Anklang fand, folgte gestern der „Nachholtermin“ mit Sonne pur und reichlich kleinen und großen Besuchern. Diesmal lud das Nachbar-Gymnasium Elisabeth-von-Thüringen (EvT), das sich auf dem selben Grundstück wie das Schiller befindet, zum großen Sommerfest ein. Auf den Schulhöfen waren Imbiss- und Info-Stände aufgebaut, es gab Spiel-Stationen, eine Bühne, auf der u.a. Samba-Trommler und eine Schülerband für Live-Musik sorgten, und sogar einen Schwerlastkran mit einer Gondel, für eine Aussicht aus 70 Meter Höhe. Direkt am Eingang auf das Schulgelände befand sich der mit Ballons geschmückte Stand der Volkssternwarte Köln. Hier konnte man sich über den Verein informieren oder ein Planetenquiz machen, Führungen hoch in die grüne Kuppel mit dem größten Volkssternwarten-Teleskop in NRW wurden halbstündlich angeboten.

Aber auch auf dem großen Schulhof waren zwei Geräte mit drei Teleskopen für die Sonnenbeobachtung aufgebaut. Am Gerät von Sonnen- und Deep-Sky-Fotograf Peter Schmidt – wie üblich erkennbar am flammenden Protuberanzen-Shirt – konnte man parallel die Sonne im Weißlicht mit den hochmagnetischen Sonnenflecken und im roten Licht der H-alpha-Wasserstofflinie mit den Protuberanzen sehen. Besonderer Hingucker auf der weißen Sonnenscheibe war natürlich die langgezogene Fleckenregion 11785, die locker die Ausmaße des Jupiter mit seinem 140.000 Kilometern erreichte. Von vielen Beobachtern wurde das Fleckengebiet nur als Strich bezeichnet, bei genauerem Hinsehen war jedoch das strukturierte Aussehen erkennbar. Und falls sich doch mal eine Schönwetterwolke vor die Sonne schob, war Zeit für nette Gespräche (z.b. erzählten mir zwei Frauen von ihren wolkenfreien Sonnenfinsternis-Erlebnissen in der Pfalz im August 1999) und vertiefende Erklärungen zu Theorie und Technik usw. – sowie für Fotos von malerischen Wolkenstrahlen. [Nico Schmidt]

Astronomie bei der „Extraschicht“

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Diese alljährliche „Nacht der Industriekultur“ überall im Ruhrgebiet besteht meist aus mehr oder weniger kulturellen Veranstaltungen in illuminierten ehemaligen Industrieanlagen, die diesmal rund 200’000 Besucher anlockten – aber in der vergangenen Nacht war auch vermehrt Populärwissenschaft zu entdecken. So gleich doppelt auf der Zeche Zollern in Dortmund (oben bei einer Pyro-Show zu Alphornklängen, wie gesagt, Kultur …):

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Bei endlich einmal perfekt klarem Himmel – hier das Sommerdreieck über einem der Fördertürme – konnte der bekannte …

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… der Ruhr-Volks-Astronom Tom Fliege zur öffentlichen Sonnen- und später Saturnbeobachtung bitten – die Zechengänger waren hinreichend beeindruckt, wie dieser Blogger mit eigenen Ohren vernehmen konnte.

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Ebenfalls auf Zollern gab es gleich dreimal einen Weltraum-Science-Slam, jeweils mit denselben drei Kandidaten: während …

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… das Science-Slam-Urgestein André Lampe anschaulich den „Weltraum“-Begriff analysierte, gewann …

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… indes jedes Mal der extrem Slam-erfahrene Matthias Stahnke, der die Raketengleichung zerlegte (und mit reichlich explodierenden Raketen illustrierte, während er ansonsten an einem Picosatelliten baut). Nachdenklich machte dagegen Holger Priebe mit der Vergleich der Moralvorstellungen von Vulkaniern und Menschheit.

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Auch im Botanischen Garten der Uni Bochum wurde fleißig ge-science-slammt – und im Grünen waren auch zahlreiche physikalische Versuche aufgebaut. In einer besonders gut justierten Nebelkammer huschten die Elektronen und – unten als dicke Spur zu sehen – Alpha-Teilchen nur so. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: Eigenlob der Koordination und diverse Bilderstrecken]