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Lovejoy mit 8. Größe 1° neben Polaris – mit stehender Kamera

Zwar ist die Helligkeit des Kometen C/2014 Q2 (Lovejoy) inzwischen auf 8 mag. gefallen, aber andererseits hat er sich immer weiter nach Norden bewegt, so dass er mit stehender Kamera immer länger belichtet werden kann. Bereits vom Januar zum Februar mit 50° Deklination war die Verlangsamung der Winkelgeschwindigkeit spürbar – und jetzt steht er fast am Himmelspol! Wolkenlücken abwartend konnte das heute früh ausgenutzt werden, um mit der bekannten Lumix DMC-FZ48 mit maximaler Zoombrennweite (entsprechend 735 mm Kleinbild), Belichtungszeit (60 Sekunden) und ISO-Zahl (1600 oben, dahinter das Bild in größer, unten zum Vergleich mit ISO 800) auf den Polarstern zu halten – bei Blende 5.6 störten auch der helle Mond tief im SW und die leicht ‚weiße Nacht‘ kaum.

Der Vergleich mit dieser Karte von dieser nützlichen Webseite bestätigt, dass das diffuse Objekt neben dem grellen Polarstern wirklich der Komet ist (der mit mehr Technik natürlich mehr her macht)! Der Stern war übrigens im EVF nur mit einiger Mühe zu finden und einzurichten, bei einem früheren Versuch (50 Sekunden, Blende 6.3, ISO 1600) war der Komet noch arg nah am Rand gelandet:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein fast zeitgleiches Bild, tiefer und mit Koordinatennetz]

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Lovejoys späte Zugabe – für Stativ-Fotografen!

20 Sekunden bei Blende 3.5 und ISO 1600, KB-Äquivent-Brennweite 105 mm (Ausschnitt)

25 Sekunden bei Blende 3.6 und ISO 1600, 144 mm (starker Ausschnitt)

40 Sekunden bei Belnde 3.2 und ISO 800, 50 mm (leichter Ausschnitt)

Seine Helligkeit ist mit rund 5.0 mag. zwar auf ein Drittel des Bestwertes aus dem Januar gefallen – aber die Deklination ist erheblich gestiegen: Auf 49° Nord zieht der Komet Lovejoy jetzt um 1/3 langsamer über den Himmel, denn die Winkelgeschwindigkeit geht mit dem Cosinus, und der beträgt nun statt knapp 1 im Januar nur noch 0.66. Damit kann aber auch um 1/3 länger belichtet werden, bei gleicher Länge der Strichspur, und wie man sieht, kann Lovejoy mit den Ergebnissen von vor einem Monat mehr mithalten als man bei dem Helligkeitsverlust erwarten würde. Das aktuelle mondfreie Fenster (unten) dauert noch eine Woche: Auch im Feldstecher ist der Komet als kleiner werdendes aber immer noch recht flächenhelles Scheibchen weiter attraktiv, der immer noch spektakuläre Schweif bleibt allerdings etwas für Astrofotografen. [Daniel Fischer]

Jetzt Komet Lovejoy gucken, so lange es noch geht!

15 sec. bei Blende 3.9 mit ISO 1600 und 230 mm KB-Äquiv.-Brennweite, halbe Auflösung

10 sec. bei Blende 3.9 mit ISO 1600 und 205 mm KB-Äquiv.-Brennweite, Viertel Auflösung

15 sec. bei Blende 3.4 mit ISO 800 und 86 mm KB-Äquiv.-Brennweite, stark verkleinert

Nachdem der viel beschworene Komet ISON sein Perihel vorgestern zwar noch ein wenig überlebte, seither aber in rasanter Auflösung begriffen ist, kommt als „Trostpreis“ der von Anfang an als ‚Zweitobjekt‘ betrachtete C/2013 R1 (Lovejoy) gerade recht, der inzwischen selbst deutschen Zeitungen aufgefallen ist. Heute morgen gegen 3:00 MEZ konnte dieser Blogger den Kometen bei guten Bedingungen aus Königswinter beobachten: Im 11×70-Feldstecher war er schon ohne Aufsuchkarte und nur bei vager Kenntnis der Position irgendwo in der Verlägerung der Deichsel des Großen Wagens leicht zu finden, als erstaunlich flächenhelles diffuses Scheibchen mit schwachem schmalem blassem Schweif senkrecht nach oben. Letzterer ließ sich selbst mit stehender Bridge-Kamera andeutungsweise einfangen und die Koma sogar ganz leicht; die aktuell noch hohe Deklination erlaubte Belichtungszeiten im 10-Sekunden-Bereich.

Mit Lovejoy, der z.Z. zwischen 4.5 und 5.0 mag. geschätzt wird, geht es nun allerdings steil bergab: Das Sichtfenster schließt sich allmählich! In der ersten Dezemberwoche steigt der Komet bis zum Beginn der Morgendämmerung noch auf 35-40° Höhe und steht am Ende der Abenddämmerung noch 20° hoch, am Ende der zweiten sind die entsprechden Höhen auf 30° bzw. 15° gesunken, und es gibt auch fast keine mondlosen dunklen Zeitfenster mehr. Die Helligkeit sollte in den kommenden zwei Wochen aber nur sehr langsam zurück gehen – und v.a. Astrofotografen dürften weiterhin ihre Freude an Lovejoy haben: aktuelle Bilder z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier – oder auch mal mit kurzer Brennweite und Landschaft oder über einem Polarlicht. Wer doch lieber eine richtige Aufsuchkarte hätte: Hier gibt es immer welche für die jeweils aktuellen hellen Kometen, alternativ speziell für Lovejoy auch hier oder hier. [Daniel Fischer]