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Ein Musikabend zu Herschels Geburtstag … mit seinen Sonaten

Gestern Abend brauchte es nur ein sehr altes Tafelklavier, eine Barockvioline und ein Barockvioloncello, um einen ganz großen Mann der Astronomiegeschichte, Wilhelm Herschel, einmal auf ganz andere Weise kennenzulernen. Denn nach einem Argelander-Beethoven-Musikabend im Oktober (Berichte hier und hier), dem Auftakt zur Reihe „Der musikalische Himmel“, erklangen im Deutschen Museum Bonn klassische Sonaten des Astronomen Herschel. Und so sprach Michael Geffert, seines Zeichens Astronom, Chorleiter und Wissenschaftsvermittler, in dem astronomiehistorischen Vortrag nicht nur über Wilhelm Herschel als Spiegelschleifer, Fernrohrbauer, Himmelsbeobachter, Ersteller von Doppelstern- und Nebelkatalogen, Vermesser der Milchstraße und Entdecker der Infrarotstrahlung und bekanntermaßen des Planeten Uranus, denn vor seiner Karriere als Astronom war er in den 1760er und 1770er Jahren vor allem Musiker.

Der von Hannover nach England ausgewanderte Herschel war Militärmusiker, Organist, Konzertleiter, Musiklehrer, Komponist und gab sogar seiner Schwester Caroline, die dann eine bekannte Sopran-Sängerin wurde, Gesangsunterricht. Um 1775 begann er sich für den Nachthimmel zu interessieren, was schließlich zu einer neuen Leidenschaft wurde. Die Wohnung des Musiklehrers „sei angehäuft mit Globen, Karten, Teleskopen, Spiegeln usw., unter denen ein Klavier verborgen war, und das Violoncello, wie ein weggeworfenes Spielzeug, lag versteckt in einer Ecke“, erinnerte sich sein Schüler John Bernard. Und wie Herschel festhält, wurden von den Musikschülern plötzlich Astronomie- statt Musikstunden gewünscht.

Zwichen den Vortragsblöcken wurde der Astronom als Musiker lebendig, als mit Klavier, Violine und Violoncello drei von Herschel komponierte Sonaten gespielt wurden. Sie erschienen im Selbstverlag am 01. Oktober 1769, eine Woche später erreichte James Cook nach dem beobachteten Venustransit die Nordinsel von Neuseeland. Während die Stücke aufgeführt wurden, fühlte ich mich direkt zurückversetzt, in eine Zeit als Goethe und Schiller ihre ersten Texte schrieben, Mozart an Opern arbeitete und Humboldt noch Hausaufgaben machte. Und die Astronomie kannte noch keine Galaxien, Planetarischen Nebel und Kugelsternhaufen, weder Sternentfernungen, Urknall, Spektrallinien, Rotverschiebung, noch die Energiequelle der Sterne. Eigentlich bestand der Nachthimmel nur aus fünf Planeten, Kometen und geheimnisvollen Nebelflecken und in dieser Zeit wurde der angesehene Herschel, ein englischer Gentleman, zu einem Handwerker, Erfinder und autodidaktischen Astronomen.

Die gespielten Herschel-Sonaten waren gleichzeitig sogar ein Geburtstagsständchen für den Astronomen, der heute vor genau 274 Jahren in Hannover geboren wurde. Ein Besucher meinte im Anschluss ganz treffend, dass sich Wilhelm Herschel auf zweierlei Arten für Punkte interessierte: Für Sternpunkte auf der Karte und für die Notenköpfe – und mit den Fähnchen sehen die Noten doch gleich wie Schweifsterne aus. An diesem wunderbaren astronomischen Musikabend hat auf jeden Fall ganz richtig eine „starke Wechselwirkung“ stattgefunden, wie es der Gastgeber Ralph Burmester mit den Worten eines Physikers beschrieb. Wann sieht man schon ein Klavier von 1804 vor einem Teilchenbeschleuniger, unter einem Röntgenhimmel und hört Sonaten eines berühmten Astronomen?

Im Anschluss brachte noch kurz Sternfreund Paul Hombach das Broadwood-Tafelklavier von Michael Gefferts Bruder Johannes zum Klingen. Am 04. Dezember wird der bühnenerfahrene Hobbyastronom mit einem Keyboard das Thema Astronomie und Musik in die Neuzeit bringen, doch schon am kommenden Montag ist er auf seiner Haus- und Hofbühne der Springmaus mit einem amüsanten Astronomie-Programm (Artikel des Kölner Stadtanzeigers) zu sehen.

[Nico Schmidt]

Argelander, Beethoven und Hertz im Deutschen Museum Bonn

Im Beitrag „Bonner ABC“ hatte ich hier vor fast zwei Monaten u.a. vorab auf das kommende Herbstprogramm mit Argelander und Beethoven im Deutschen Museum Bonn hingewiesen. Dabei stellt das ungewöhnliche Treffen des Bonner Astronomen Argelander mit der Musik des berühmten Komponisten Beethoven nur den Auftakt zu einer dreiteiligen Vortragsreihe mit dem Titel „Neues aus dem All – Der musikalische Himmel“ dar.  Hier die Termine im Überblick:

01. Oktober um 19:00 Uhr: Der musikalische Himmel – Beethoven und die Bonner Durchmusterung

Im Vortrag des Bonner Astronomen Michael Geffert geht es um Friedrich Wilhelm August Argelander, sein Lebenswerk der sog. Bonner Durchmusterung und den Asteroiden (1815) Beethoven, was ergänzt wird – passend zum Beethovenfest – durch musikalische Aufführungen von Werken Beethovens und Schuberts.

14. November um 19:00 Uhr: Der musikalische Himmel – Wilhelm Herschel, Komponist und Astronom

Michael Geffert stellt den in Hannover geborenen Astronomen Wilhelm Herschel vor, der vor seiner Karriere als Himmelsbeobachter, Spiegelschleifer, Instrumentenbauer und Entdecker von Uranus vor allem als Militärmusiker, Komponist, Organist und Musiklehrer bekannt war. Untermalt wird der Vortrag mit von Herschel selbst geschriebenen Musikstücken. Oben sind zwei Eindrücke aus einer Herschel-Musik-Veranstaltung im September 2010 in Bonn-Tannenbusch zu sehen.

04. Dezember um 19:00 Uhr: Der musikalische Himmel – Paul Hombachs Sternenklänge

Sonifikation ist die Vertonung astronomischer Daten und ist zugleich das Stichwort des Abends. Neben Michael Geffert führt Hobbyastronom Paul Hombach, bekannt durch die Museumsreihe „Pauls Portables Planetarium“, mit seinem Keyboard durch den musikalischen Abschluss der Vortragsreihe.

Außerdem: Neben den musikalischen Vorträgen im Herbst kann noch die bis zum 13. Januar 2013 laufende Sonderausstellung über Heinrich Hertz besucht werden. In deren Rahmen finden auch noch die folgenden drei Termine statt:

23. Oktober um 19:00 Uhr: Wie jüdisch war Heinrich Hertz? Die Geschichte einer deutschen Familie

13. Dezember um 19:00 Uhr: Von der elektrodynamischen Wirkung zu elektrischen Wellen – Replikation der frühen Experimente von Heinrich Hertz

10. Januar um 19:00 Uhr: Hertz, Kekulé und Argelander – drei Wissenschaftler und ihre Spuren in Bonn

Rainer Selmanns Vortrag bildet zugleich den Abschluss der Hertz-Sonderausstellung. Er stellt den Physiker Hertz, den Astronomen Argelander und den Chemiker Kekulé vor und folgt ihren Spuren durch Bonn. Wer diesen „virtuellen Spaziergang“ jedoch lieber live mitmachen möchte, hat noch am 31. August, 07. September und 05. Oktober (Treffpunkt jeweils um 17:00 Uhr am Eingang des Uni-Hauptgebäudes) Gelegenheit dazu. Rainer Selmann ist nämlich hauptberuflicher Spaziergänger und bietet noch an diesen drei Terminen die Stadtführung „Her(t)zenssache“ an. Meine Eindrücke zu diesem lohnenswerten wissenschaftsgeschichtlichen Stadtspaziergang kann man hier nachlesen. [Nico Schmidt]