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Ring-SoFi über Patagonien – Korona, Protuberanz & Chromosphäre inklusive!

So sah’s aus, wenn man eine olle Bridge-Kamera mit maximalem Zoom ohne Filter auf die nahezu ringförmig verfinsterte Sonne am 26. Februar richtete: Zwischen den beiden ‚Hörnern‘ der natürlich gnadenlos überbelichteten Photosphären-Sichel spannte sich der Bogen der erstaunlich hellen Chromosphäre, auf dem mit Fortschreiten der Finsternis die ‚Lichtperlen‘ der Photosphäre (Baily’s Beads) erschienen, bevor sich der Ring schloss. Die Erwartung solch einer Show (die nur auf dem Kameradisplay sicher beobachtet werden kann) hatte diesen Blogger nach guten Erfahrungen mit chemischer Fotografie beim Saros-Vorgänger 1999 in Australien und auch 2005 in Tunesien ins südliche Argentinien gelockt, wo solche Aufnahmen zum ersten Mal mit einer Digitalkamera versucht werden sollten. Die Reise ist in fünf frei zugänglichen FB-Alben hier, hier, hier, hier (alles Gesehen rund um die SoFi im Detail) und hier sowie in Tagesberichten ab hier, weiter mit Links u.r. dokumentiert.

Der Beobachtungsort ist gefunden, am Vortag der SoFi: an der Ruta National 40 in der Nähe von Facundo in der Provinz Chubut: nahe dem Nordrand der Annularitätszone aber etwas innerhalb. Das zu erwartende Muster der Baily’s Beads wird für die Koordinaten einer besonders günstig gelegenen Stelle am Straßenrand mit High-End-Software simuliert und für gut befunden.

Die SoFi im Frühstücksfernsehen, während ein anderer SoFi-Jäger im Hotel in Rio Mayo (etwas südlich der Annularitätszone) noch an seinem Filter bastelt.

Am Beobachtungsplatz, zwei Stunden vor der SoFi: Das Wetter ist – wie übrigens schon tagelang prognostiziert – perfekt, mit tiefblauem Himmel und keiner drohenden Wolke.

Fortschritt der Partialität, mal mit der Brige-Kamera durch einen visuellen Baader-Filter, mal mit der Hand auf’s Expeditionsfahrzeug (bei den horrenden Mietkosten kann man den Chevy mal so nennen) projiziert. Und dann die kritischen Minuten rund um die Ringphase, mal ohne, mal mit Filter (und immer freihändig) – zu sehen sind das Erscheinen der inneren Korona hinter dem Mondrand und von einer Protuberanz, dann kommt die Chromosphäre von beiden Seiten, und zum Schluss tauchen immer mehr Baily’s Beads auf:

Wie man sieht, hat die olle Kamera trotz der heftig überstrahlenden Sonnensichel die Korona und die Protuberanz gut und die Chromosphäre schon fast zu hell eingefangen – trotz minimal möglicher Belichtung. Die Lichtperlen sind dann indes deutlich zu hell: Das war der Dynamik-Umfang des chemischen Films dann doch besser. Wegen einer Störung der arg betagten Kamera gibt’s keinen schönen Ring und Beads und Chromosphäre nach dem 3. Kontakt, dafür aber nochmal Korona zum Abschied. Weitere Bilderserien gibt es außer im o.g. Link auch hier, hier (Instant-Bildverarbeitung Minuten nach dem 3. Kontakt, als es in der Pampa noch schön dunkel war) und hier – und eins der Bilder ist auch in diesem Artikel zu sehen. Nach dem 4. Kontakt ging’s dann noch nach Facundo (wo sich laut diesem Artikel die Bevölkerung glatt verfünffacht hatte) zur Feier des Erfolgs; auf dem Wandbild steht unten in der Sprache der Mapuche „Sonne“ und „Mond“:

[Daniel Fischer]

SoFi-Safari in Uganda (2/3): Ins Herz der Finsternis

Zwei Wochen sind seit der superkurzen totalen Sonnenfinsternis in Uganda vergangen – zusätzlich zu den Quick-Look-Bildern vom selben Abend und dem Bilder-Album danach hier noch mal die ganze Geschichte des 3. November 2013 …

Ein Banner in der Kleinstadt Pakwach im Nordwesten Ugandas, das auf die Finsternis hinweist – und das Kommen des Präsidenten ankündigt, als „Chief Viewer“ derselben.

Und schon der erste fliegende Händler … neben allerlei SoFi-Memorabilia leider auch im Angebot: gefälschte SoFi-Brillen, aus Billig-Sonnenbrillen mit aufgeklebten Filmschnipseln, und das zum Wucherpreis von 6 Dollar. Der Blogger konnte ein Beweisstück sicher stellen.

Die – eigens für das Ereignis her gerichtete – Straße von Pakwach nach Norden in die nur 18.5 km breite Finsterniszone: Während einer Erkundungsfahrt viele Stunden vor der SoFi herrscht schon reger Betrieb, mit eindeutiger Marschrichtung.

Im winzigen Dorf Pokwero, das bis vor einem Monat noch niemand kannte – aber die Regierung hatte die dortige Grundschule zum besten Platz auf dem Planeten für die Finsternis erklärt …

… was zur Entstehung eines gewaltigen Volksfestes und blockierten Straßen führte: An freie Bewegung zur SoFi-Zeit war nicht zu denken, die angesichts der unsicheren Wetterbedingungen in der (Kleinen) Regenzeit aber ziemlich sinnvoll erschien.

Ein Denkmal für die Finsternis auf dem Gelände der Schule …

… und freudige Erwartung daselbst: Diese Kinder konnten sich immerhin glücklich schätzen, …

… echte SoFi-Brillen ergattert zu haben. Wobei die Schule zwar praktisch auf der Zentrallinie lag, …

… wegen den zackigen Mondrandprofils der Ort mit der längsten Totalität (19 statt 18 Sekunden) aber noch etwas weiter die Straße entlang nach Norden zu finden sein würde. Nur etwa 600 m in dieser Richtung, wie der GPS-Empfänger anzeigt, doch das Dorf und der anschwellende SoFi-Trubel – übrigens überwiegend von Einheimischen und nicht Touristen frequentiert – machten ihn schlicht unzugänglich. Also Plan B: von Pakwach gen Osten Richtung Gulu! (Kurioserweise gibt es einen Song von BAP genau dieses Inhalts, wenn auch mit sehr anderem Kontext aus glücklicherweise vergangener Zeit.)

Noch vor dem Erreichen eines Platzes entlang der sich im Totalitätsstreifen schlängelnden Straße, der 15 Sekunden Totalität versprach, wurden wir erst einmal vom Autokonvoi des Präsidenten unsanft zur Seite gedrängt: Der Herr „Chief Viewer“ reist gern mit hoher Geschwindigkeit und vor allem auf der Mitte der Straße …

Die Wolkensituation am Zielort (ca. 31°37’50“ Ost, 2°34’10“ Nord), rund zwei Stunden vor der Totalität, gen Westen: Die auf 2.5° Nord nahezu senkrecht untergehende Sonne schien – angesichts der Regenzeit überraschend gute – Chancen zu haben, bei den 17° Totalitätshöhe in einer klaren Zone zu stehen.

16:24:06 Ortszeit = UTC + 3 Stunden: In der Tat alles bestens; eine Aufnahme mit maximalem Zoom durch eine alte Baader-SoFi-Brille, die auch ein paar Sonnenflecken zeigt. Noch eine Stunde bis zur Totalität!

Während sich die Cumuli auflösen und ein Gewittertürmchen rechts keine Gefahr darstellt, beginnt sich leider – 16:40 Ortszeit, 42 Minuten vor der Totalität – von rechts eine höhere, halb transparente Wolke vor die Sonne zu schieben …

… von der um 17:01 Uhr (21 Minuten vor der Totalität) klar ist, dass sie nicht verschwinden wird. Wie schon länger vorbereitet, setzt sich darauf hin eines unserer Fahrzeuge weiter gen Gulu in Bewegung, in der Hoffnung, die Sonne in den entscheidenden Sekunden wenigstens nicht hinter dem dicksten Teil der Wolke zu haben.

Die Fahrt dauert bis wenige Minuten vor der Totalität und endet an der Koordinate 31°45’20“ Ost und 2°33’28“ Nord, dann geht alles ganz schnell: Um 17:20:15 Uhr, 2 1/2 Minuten vor dem 2. Kontakt, steht das Stativ und dieses Panorama kommt zustande, mit der Sonne tatsächlich noch oberhalb des dicken Wolkenstreifens.

17:22:28 Uhr, etwa 12 Sekunden vor dem – theoretisch, für einen glatten Mond geltenden – zweiten Kontakt zeichnet sich der kleine Mondschatten markant in Atmosphäre und Wolken ab …

… dito um 17:22:31 Uhr. Die Intensität und Dramatik der Himmelsfarben mit ihrer rasanten Entwicklung gibt diese Darstellung nur sehr unvollkommen wieder.

17:22:38 Uhr, theoretisch 2 Sekunden vor dem zweiten Kontakt, dem gemäß diesem Online-Tool eine Totalität von noch 10.1 Sekunden gefolgt wäre – wenn nicht das Mondrandprofil trotz des Standortes ‚eigentlich‘ noch deutlich innerhalb der Totalitätszone dafür gesorgt hätte, dass durchgehend ein paar Baily’s Beads am Mondrand stehen blieben. (1/30 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 100.)

Dem – wenn auch nur Sekunden währenden – „Totalitätsgefühl“ tat dies keinen Abbruch, schrumpften die Beads doch auf (wie hier nicht gezeigte Bilder dokumentieren) wenige Bogensekunden Größe, so dass sie die Sicht- wie Fotografierbarkeit von Chromosphäre, Protuberanzen und inner(st)er Korona selbst mit der Lichtstreuung durch die Vordergrundwolke nicht nehmen konnten: eine Aufnahme um 17:22:53 Uhr (d.h. 2 Sekunden nach dem hypothetischen 3. Kontakt) mit 1/80 Sekunde bei Blende 5.2 und ISO 400.

Und die Szene um 17:22:58 Uhr (7 Sekunden nach dem 2. Kontakt), nunmehr mit 1/320 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 100: Zahlreiche Baily’s Beads reihen sich auf einem langen Chromosphärenbogen auf und bilden tatsächlich die im Deutschen namensgebende ‚Perlschnur‘. Durch die Wolkendämpfung war das Spiel der Beads übrigens mit dem bloßen Auge besser zu sehen als bei völlig klarem Himmel.

17:23:32, eine Dreiviertelminute nach dem hypothetischen 3. Kontakt: ein weiteres Panorama (nicht zu sehen: ein Gewitter-Blitz im Wolkenturm rechts zur Feier des Erfolges), der Mondschatten ist längst Richtung Gulu davon geeilt …

… während die Spannung von den „Ausreißer“-Beobachtern langsam abfällt. Der Gewinn an Himmelstransparenz hatte sich zwar in Grenzen gehalten, aber die Erfahrung, dass so etwas wirklich geht, ist für künftige Finsternisse wertvoll, bei denen es gute Straßen entlang der Zone und dabei garantiert freien Blick auf die Sonne gibt (dessen wir, da wir die Straße tags zuvor befahren hatten, sicher sein konnten).

Auf dem Rückweg zum ursprünglichen Standplatz ein Blick auf die zweite Partialität (ca. 20 Minuten nach der Totalität) durch den Qualm eines isolierten Feuers am Straßenrand …

… und die Wolkensituation 40 Minuten nach der Totalität am alten Platz [NACHTRÄGE: eine Bildmontage und ein Video von dort], wo sie durch die nämliche Wolke ebenfalls zu sehen gewesen war (aus der Nähe des Platzes ein Bild, mehrere Bilder und ein Video sowie dieser und dieser Bericht) – die sich inzwischen natürlich in Wohlgefallen aufgelöst hatte.

18:18:56 Ortszeit daher noch mal – wieder durch den SoFi-Brillen-Filter – ein letzter Blick auf die zu Ende gehende zweite Partialität, eine Stunde nach der Totalität. In Pokwero war die Wolkensituation vor dieser übrigens lange Zeit verzweifelt gewesen, der Chief Viewer verlor fast die Nerven, und einige ergriffen gar die Flucht, doch quasi im letzten Moment hatte ein passendes Wolkenloch Blicke wie diesen, diesen, diesen, diesen oder diesen ermöglicht. Oder man hätte einfach in der Unterkunft der Expedition, knapp südlich der Totalitätszone bleiben können: Dort gab es natürlich durchgehend sehr dicke Baily’s Beads – aber dank klaren Himmels dennoch genau so viel Chromosphäre & Protuberanzen wie an unserem Standort. Auch eine interessante Erfahrung … [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: mehr neue Links und noch mehr zur SoFi – und zwei der Bilder hier waren schon 2 Tage nach der SoFi in einem Vortrag in Bonn (ab 0:58) zu sehen]