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Trip to Treptow: zu Besuch bei Archenhold

Im Rahmen einer Vortragsreise nach Berlin hatte dieser Blogger gestern Gelegenheit, nach längerer Zeit mal wieder bei der Archenhold-Sternwarte in Alt-Treptow vorbei zu schauen: Der längste Refraktor der Welt (21 m Brennweite, 68 cm Öffnung; unten ein Modell) von 1896 sieht nach kürzlichem Neuanstrich wie aus dem Ei gepellt aus. Und das kleine aber feine astronomiegeschichtliche Museum hat auch einiges zu bieten.

Der Reichenbach-Meridiankreis der nicht mehr vorhandenen Sternwarte in Hamburg-Altona: Sein ehemaliger Fundamentsockel steht aber noch heute am alten Platz, als geodätischer Messpunkt erster Ordnung, da seine Position durch die vielen Sternmessungen höchst präzise bekannt ist.

Ein „Meteoroskop“ zur Vermessung von Meteorbahnen nach Nissl & Weiß, mit azimuthaler Visierleiste, Höhenquadrant – und Öllampe plus Spiegel zur Beleuchtung der Skalen: eine Leihgabe der Uni-Sternwarte Wien.

Eine kleine Äquatorial-Sonnenuhr aus Schlesien o.ä. um 1750, mit Polhöhen-Einstellung und zylindrischen Skalen.

Ein Auszugsfernrohr aus der üppigen „Leonardo Semitecolo“-Produktion (ganz unten) aus Venedig – schwer zu datieren.

Mikrophotometer von Hartmann und R. Toepfer aus Potsdam, 1950: Eine sukzessiv dunkler werdende Grauaufnahme wurde in den Strahlengang geschoben, bis das Beobachtungsobjekt unsichtbar wurde.

Der einzige (derzeit) bekannte Überrest jenes Heliometers der Sternwarte Königsberg, mit dem F. W. Bessel 1838 die erste Sternparallaxe maß: eine Mikrometerschraube! Ein Mitarbeiter der Archenhold-Sternwarte ist übrigens weiter guter Hoffnung, noch mehr Teile dieses legendären Teleskops finden zu können …

Mehrere Quadratmeter großes Modell des Jantar Mantar von Jaipur, des großen Bruder der entsprechenden Anlage in Delhi.

Zum Schluss noch ein Blick in die aktuelle Sonderausstellung „Meßstation Himmel – Arbeitsplatz Erde – Astronomie und Ortsbestimmung“: hier ein Instrument zur astronomischen Ortsbestimmung von Luftschiffen namens Orion der Berliner Optischen Anstalt Goertz, das eher eine Art Analog-Computer zu sein scheint.

Und ein Portrait und Buch – La figure de la terre – von Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, der auf dem Kupferstich von J. Daullé von 1741 die Erde platt drückt: Im Gegensatz zu Cassini tippte Maupertuis richtig, dass sie durch ihre Rotation in die Breite gehen würde. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: das erste Panorama größer; beide mit AutoStitch erstellt – und das Ganze mal in Bewegung mit Sound und in einem Wochenschau-Clip von 1931 sowie ein langer spanischer Besuchsbericht von 2017]

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Ein KBA-ler auf Berlin-Besuch – und ein Tipp für die nächsten drei Monate!

Aus Anlass eines Auftritts in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte nach Berlin gereist, konnte dieser Blogger heute morgen noch an der Pressekonferenz zu und Vorbesichtigung einer neuen Ausstellung im Pergamonmuseum teilnehmen, die vom 22. Juni bis 30. September besichtigt werden kann – und soll(te), wenn es einen im nächsten Vierteljahr nach Berlin verschlägt. Denn das scheinbar so abstrakte Thema „Jenseits des Horizonts – Raum und Wissen in den Kulturen der Alten Welt“ ist mit jeder Menge Astronomiegeschichte in schönen Artefakten garniert, etwa obigem Fragment eines 2000 Jahre alten römischen Himmelsglobus. Und einem Lokal-Reporter ist sogar nur die Astronomie in der Ausstellung aufgefallen, dabei gibt es auch viele andere originielle Dinge, von einem trepanierten Steinzeit-Schädel über altgriechische Täfelchen zur zielgerichteten Verfluchung des Nachbarn bis zu (nachgebauten) antiken Musikinstrumenten, die der Besucher selbst anspielen darf. Besucht werden kann ‚Jenseits des Horizonts‘ nur im Paket mit der Dauerausstellung für EUR 13 – aber das lohnt sich angesichts von deren Spektakularität allemal. Ach, und noch ein Bonn- und Astro-Bezug: Die „Jenseits“-Co-Kuratorin Gabriele Pieke war lange Direktorin des Ägyptischen Museums in Bonn. Und gemeinsam mit ihr hatte ich mal einen – sehr gut besuchten – Vortrag über altägyptische Astronomie im Forum Astronomie der VSW Bonn organisiert. Danach waren uns leider keine weiteren thematischen Überschneidungen mehr eingefallen … [Daniel Fischer]