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Welcome Home, Alex – in der Bonner Bundeskunsthalle!

Schon seinem Start hatte man ein regelrechtes Volksfest in Köln gewidmet, und auch zur Rückkehr von Alexander Gerst nach einem halben Jahr im Orbit ließ sich die deutsche Raumfahrt nicht lumpen: Einen knappen Monat nach der Landung in Kasachstan („Alex Gerst und Co. sind bereits auf der Rückreise …“) hieß es in der Bundeskunsthalle in Bonn gestern Abend „Welcome Home“ – wo Gerst zunächst, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aber von einem Pressetross, Gewinnern eines Radio-Preisausschreibens und u.a. dem DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner (oben, rechts) und dem ersten deutschen Raumfahrer Sigmund Jähn (davor) begleitet, einen Blick in die aktuelle Ausstellung „Outer Space“ werfen und dabei auch mal in das Kugel-Planetarium mit den 30’000 Sternen steigen konnte. Dort würde er gerne mal – mit einem Glas Wein – übernachten, ließ er wissen.

Mehrere Mini-Pressekonferenzen in der Ausstellung – in die Gerst die ins All mitgenommene „Bundesbiene“ leider noch nicht wieder zurück bringen konnte. Auch er wurde erst einmal wieder „versteckt“, während im sich mit rund 300 Gästen – darunter viel deutsche Raumfahrtprominenz, inklusive des Philae-Chefs S. Ulamec! – füllenden Kunsthallen-Foyer die Kometen rockten.

Auch während der ersten halben Stunde des Bühnenprogramms ließ sich Gerst noch nicht blicken: Stattdessen traten – nach dem Kunsthallen-Direktor Rein Wolfs – immerhin sechs andere deutsche Astronauten auf, angeführt von Jähn und seinem westlichen Gegenstück Ulf Merbold.

Es war dann allerdings an Wörner, der den Auftritt sehr zu genießen schien und demnächst wohl einen ungewöhnlich volksnahen ESA-Generaldirektor abgeben wird, …

… Gerst auf die Bühne zu bitten, begleitet von tosendem Beifall. (Viele weitere Bilder dieses Bloggers gibt es auch hier, hier und hier und Bilder anderer hier, hier, hier und hier sowie einen Artikel und ein TV-Interview am Rande.)

Nun waren’s schon 7 der 11 (bzw. 10 lebenden) deutschen Raumfahrer auf der Bühne – und auch weitere Manager von Gersts Mission durften sich feiern lassen, so Volker Schmid (der zugleich übrigens Science-Fiction-Autor ist, aber das wurde nicht erwähnt). Gerst selbst gab ein paar mehr oder weniger bekannte Anekdoten seiner Mission zum Besten (etwa von einer brachialen Reparatur mit Hilfe von Rasierschaum, damit keine Splitter davon flögen) – und verblüffte viele wohl mit seinem Statement, der Aufenthalt auf der Raumstation sei viel einfacher gewesen, als er es sich vorgestellt hatte. Der Mensch könne halt viel mehr als er selbst oft glaube: Diese Erfahrung hatte er bereits – als Geophysiker in lebensfeindlicher Wildnis – in einem früheren Leben gemacht. Aber das ist für absehbare Zeit vorbei: Noch ist Gersts Terminkalender randvoll, mindestens bis zu einer großen Tour mit der gesamten Soyuz-Besatzung kommendes Frühjahr. Und er bleibt auch bei der ESA im Astronautenteam – um vielleicht eines Tages mit der Orion auf richtig große (Raum-)Fahrt zu gehen. Und dann steht er womöglich in gut zehn Jahren wieder auf der Bühne der Bundeskunsthalle, ein Stück Asteroid im Arm, das er eigenhändig abgesäbelt hat. Mit einem Leatherman und Rasierschaum … [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein Bericht der BKH selbst, ein kompletter Amateur-Film und Soundbites vom Abend]

Alexander Gerst hat auch Bonn zur ISS mitgenommen … in Form einer Biene

Tania von Stegmann

Heute vor zwei Wochen erreichte Alexander Gerst, der 11. deutsche Astronaut, sein neues Zuhause für die nächsten sechs Monate. Um 5:52 Uhr öffnete sich die Luke zwischen Sojus-Raumschiff und der Raumstation ISS. Seitdem ist der 38-jährige Vulkanforscher mit einem durchorganisierten Forschungs-programm beschäftigt, twittert täglich atemberaubende Ansichten unseres Heimatplaneten, schickt zum heutigen Auftaktspiel WM-Grüße Richtung Erde oder lässt das mitgenommene Mauerstück des Kölner Doms bei einer orbitalen Pressekonferenz schwerelos durch den Raum schweben. Dabei befindet sich unter den irdischen Mitbringseln auch ein Stück Bonn. Das Angebot der ESA wurde vor 10 Monaten an die Bundeskunsthalle gerichtet. Da es nur eine Kleinigkeit sein konnte, entschloss man sich „eine unserer Bundesbienen als Botschafter der Ausstellung zu entsenden“. So umkreist nun alle 90 Minuten zusammen mit Alexander Gerst eine 40 Gramm schwere, in Harz gegossene Bonner Biene unsere blaue Erde. Das Insekt stammt aus dem Bienenvolk, dass im Dachgarten der Bundeskunsthalle angesiedelt wurde; es gibt sogar Führungen, auch zum Museumsmeilenfest in einer Woche.

Nachdem Alexander Gerst im November zur Erde zurückgekehrt ist, soll die kleine Bonner Biene nach ihrer sechsmonatigen Mission an Bord der ISS einen Platz in der ab 03. Oktober laufenden großen Weltraumausstellung „Outer Space“ finden. [Nico Schmidt]

Wenn Köln schon mal eine Launch Party schmeisst …

… für einen deutschen Raumfahrer, dann wird auch was geboten: so geschehen am 28. Mai 2014, als Alexander Gerst & Co. zur ISS aufbrachen. An etlichen Orten im Lande waren große und kleine öffentliche Veranstaltungen angesetzt worden, davon aber nur das Kölner Event von ESA, DLR & Stadt unter freiem Himmel und für über 1000 Besucher geeignet. Die Frage, ob Deutschland seinen 11. Raumfahrer feiern würde: Hier fand sie eine klare Antwort.

Der prominenteste Gast der Veranstaltung: der Kosmonaut und Astronom(!) Reinhold Ewald, der 1997 per Soyuz zur Mir gereist war und schon vor Beginn für Interviews gefragt war – wobei dieser Blogger beim Gegenschuss unten versehentlich gar in die 20-Uhr-Tagesschau des nächsten Tages geriet …

Der andere Star des Abends: Pierre Michael „Peter“ Schilling, den sich ob seiner Weltraum-lastigen Songs Gerst explizit gewünscht hatte – von Neuer Deutscher Welle zu einem veritablen Krautrocker gereift, trat er mit Band immer wieder auf und machte die Launch Party zu einem halben Rockkonzert.

Wichtigstes Requisit freilich: die Videowand! Mit einem hausgemachten – in Russland gibt’s eigentlich gar keinen – Countdown, der mitunter auch mal hakte, und zahlreichen Tweets, die flink nach oben scrollten. Auch den einen oder anderen (realen oder aus dem Netz) Bekannten ‚traf‘ man so wieder.

Und auch der aufgeblasene Riesenastronaut des European Astronaut Centre – das die Verbindung von Gersts Mission und Köln herstellte – durfte nicht fehlen, ein alter Bekannter von den Tagen der Luft- und Raumfahrt 2011 und 2013, der diesmal standhaft blieb.

Kein Fest ohne Honoratioren: Karlheinz Kreuzberg von der ESA, Rolf-Dieter Fischer vom DLR, Kölns OB Jürgen Roters – und eine „Mäuseklasse“ mit reichlich Raumfahrt-Equipment.

Talk mit Ewald, der das Geschehen rund um die Astronauten-Ausbildung und einen Soyuz-Start engagiert schilderte – und einmal sogar den russischen Weltraumärzten widersprach: Dass man die Crew kurz vor dem Start in wilde Rotation versetzt, um sie abzuhärten, hält er für nicht sinnvoll. Und natürlich wieder Schilling, plus eine von mehreren aufgezeichneten Botschaften Gersts.

Schalte – per Satellitentelefon – zu einem EAC-Sprecher in Baikonur, der vom Fortgang der Startvorbereitungen berichtet. Live-Bilder aus Kasachstan gibt es auf der Videowand indes nicht, die Technik hapert. So erfährt man nur durch die vorbeiscrollenden Tweets, dass man im Fernsehen schon Gerst in der Kapsel sieht. Und wieder heizt Schilling ein.

Rupert Gerzer (l.) vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin demonstriert mit einem Freiwilligen in Schräglage den Effekt von Mikrogravitation auf den Blutkreislauf – der Proband war nach Wiederaufrichtung tatsächlich tatsächlich ähnlich groggy wie ein Astronaut nach der Landung.

Noch eine Videobotschaft von Chris Hadfield – und dann stimmt Schilling, 20 Minuten vor dem Start, endlich sein „Völlig losgelöst“ an, während die nun doch 1000 oder mehr (da gehen die Zahlen weit auseinander) Zuschauer die von einem Karnevalsgroßhändler verteilten und in China produzierten Köln-Fähnchen schwenken. Aber immer noch kein Bild aus Baikonur auf der Wand …

… was kurz vor dem Abheben durch energische Improvisation gelöst wird: Ein Kameramann filmt den Bildschirm ab, auf dem der ESA-Kanal läuft, und der pünktliche Start ist bestens zu sehen.

Hier die ersten anderthalb Minuten der Übertragung in Originalqualität: Bei 1:22 macht Gerst trotz dicken Handschuhs gut erkennbar das Shaka-Zeichen, was zuvor als Gruß speziell an das Kölner Publikum angekündigt worden war.

Die Zuschauer im Moment des Starts und während des weiteren Aufstiegs der Soyuz in den kasachischen Nachthimmel – diesmal gibt es weniger Live-Bilder aus der Kapsel als gewohnt, aber Gersts Shaka wird erkannt und von der Menge goutiert.

Mit dem Erreichen des Orbits und einem letzten Auftritt Schillings endet die rundum gelungene Veranstaltung, eine ungewöhnliche Fusion aus Festakt (die Top-Gäste dürften noch einmal auf der Bühne Fähnchen schwenken), Edutainment mit Ewald und Gerzer und einem angemessen lauten Rockkonzert. Aus Baikonur selbst war bis auf ein paar Minuten Startbilder fast nichts zu sehen, aber bei der vielen Action am Platz vermisste man es auch kaum. Eine andere Bildauswahl dieses Bloggers gibt es hier zu sehen und Artikel über die und Live-Blogs von (u.a.) der Kölner Veranstaltung hier, hier, hier, hier und hier. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein „Bootleg“ des ‚Völlig losgelöst“ wurde eingefügt, und es gibt auch einen Gruß nach oben, ebenfalls von diesem Blogger gefilmt, eine komplette Aufzeichung des Abends (der Link kam aus dem Orbit …), noch mehr Bilder von anderen Zuschauern hier, hier und hier – und ein Interview mit Peter Schilling von 2016, in dem er sich (letzte drei Antworten) als Astronomie-Kenner entpuppt]

28. Mai: Public Viewing in Köln zum Start von Alexander Gerst

Links: Alexander Gerst (GCTC), rechts: Logo zu seiner Mission „Blue Dot“ (ESA)

Genau zwei Wochen bevor der deutsche Astronaut Alexander Gerst an Bord einer Sojus-Kapsel zur Raumstation ISS abheben wird, gab die ESA bekannt, dass in Deutschland drei Veranstaltungen zum Start am 28. Mai geplant sind. Neben Oberpfaffenhofen und Frankfurt steht auch Köln auf dem Programm: Dort soll nahe des Rathauses ein Public Viewing auf dem Alter Markt stattfinden. Die Liveübertragung soll von 20:00 bis 22:15 Uhr gehen (21:56 Uhr ist der derzeitige Startzeitpunkt) und von ESA-Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 zwei Wochen auf der Mir verbrachte, kommentiert werden. Natürlich lässt sich der Start auch leicht im Web verfolgen: Beispielsweise zeigt dlr.de das in Oberpfaffenhofen stattfindene Event, während auf dlr.de/next die Übertragung des NASA-TV zu sehen sein wird. Der NASA-Stream soll außerdem auch in einer Berliner Veranstaltung in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte gezeigt werden.

Nach dem Start wird Gerst ein halbes Jahr auf der ISS verbringen und im Rahmen seiner „Blue Dot“ genannten Mission ist er zusammen mit seinen Kollegen an rund 160 Experimenten beteiligt. Viele Einzelheiten zu „Blue Dot“ und dem dazugehörigen Motto „Shaping the future“ lassen sich hier in der 25-seitigen Broschüre zur Mission nachlesen. Sehr interessant ist auch diese Aufzeichnung einer Pressekonferenz im EAC des DLR in Köln-Porz vom 17. März, bei der der Astronaut ausführlich über die zurückliegenden Vorbereitungen, aktuelle Arbeiten und seine anstehende sechsmonatige Mission zur ISS berichtete. [Nico Schmidt. NACHTRAG: Wie nun im Blog des Astronauten zu lesen ist, wird das Public-Viewing-Event in Köln von einem Moderatorenduo des Radiosenders 1Live moderiert, außerdem soll NDW-Ikone Peter Schilling mit seinem Hit von 1983 – natürlich „Major Tom“ – auftreten.]