Archiv der Kategorie: Forscher der Region

Die „Sternstunde“ drehte am AIfA

Für die März-Ausgabe des Astronomie-Magazins „Sternstunde“ – außer auf YouTube auch dreimal täglich über Satellit verbreitet – wurde gerade am und im Argelander-Institut für Astronomie in Bonn gedreht …

… u.a. mit Georg Dittie über Teleskop-Ausrichtung und Michael Geffert über die Sammlung historischer Himmelsaufnahmen. Oben ein Trailer (mit einem Interview-Ausschnitt zur Ankunft Dawns bei Ceres): Die komplette Sendung gibt’s am 1. März unten. [Daniel Fischer]

Als Rosetta in Bad Honnef landete

Natürlich ist die Mission der europäischen Kometensonde noch im vollem Gange und das Schicksal seines kleinen Landers ungewiss – aber was man im ersten halben Jahr bei und auf Churyumov-Gerasimenko gelernt hat, konnte man Anfang Februar im Physikzentrum Bad Honnef (oben) in großer Detailfülle und vor allem aus erster Hand erfahren. Und „man“, das waren nicht nur Fachkollegen, die in den letzten Monaten auf Planetenforscher-Tagungen in fernen Ländern ähnliche Vorträge genießen konnten: Die Bad Honnefer Winterseminare, deren 20. dies schon war, sind offen für Spezialisten wie Laien gleichermaßen, eine außergewöhnliche Veranstaltungsreihe, die Kurt Roessler (2. Bild) 1995 ins Leben gerufen hat. Mal geht es um konkrete astronomische Phänomene, mal um tiefe philosophische Fragen – und das immer mehrere Tage lang ohne Hetze in der inspirierenden Atmosphäre des historischen Gemäuers der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Das 20. BHWS war mit rund 150 Teilnehmern das größte aller Zeiten und auch das aktuellste: Viele der präsentierten Bilder und Ergebnisse waren noch gar nicht formell publiziert und wurden gewissermaßen ‚eyes only‘ präsentiert, auch wenn im Publikum fleißig die Kameras klickten. Die zusammenfassenden Folien und viele Impressionen von dem überaus spannenden Seminar wurden schon hier, hier, hier, hier und hier live gebloggt, und es gibt eine Gesamtschau der neueren Erkenntnisse über den Kometen, basierend auf dem Seminar und den kurz vorher erschienenen ersten wissenschaftlichen Papers – über die viele der Vorträge in Bad Honnef aber bereits hinaus gingen! Wo übrigens jeder (!) Tag mit ausgiebiger Weinverkostung ausklang, befindet man sich doch in einem historischen (wenn auch heute wenig bekannten) Weinanbaugebiet, und Roessler selbst ist (Hobby-)Winzer. Das nächste BHWS ist bereits terminiert: für den 14. bis 16. Januar 2016 (Donnerstag bis Samstag) zu dem wahrscheinlichen Thema „Leben in extremen Umgebungen“. Bei Interesse stellt dieser Blogger gerne Kontakt zu Roessler her. [Daniel Fischer]

Die Rückkehr der „Bundesbiene“ nach Bonn

Am Ende steckte sie auf der A 59 beim Europäischen Astronautenzentrum in Porz im Stau und erreichte ihren Bestimmungsort mit einer halben Stunde Verspätung, doch heute ist die berühmte Bundesbiene tatsächlich in die Bonner Bundeskunsthalle (und die aktuelle Ausstellung „Outer Space“) zurück gekehrt, auf deren Dach sie einst lebte und wo sie – das wird man nicht müde zu betonen – eines natürlichen Todes gestorben war. Die Reise war dann per Soyuz zur ISS und nach einem halben Jahr wieder zurück zur Erde gegangen – wo man sie dann versehentlich nach Houston expedierte, so dass sie Alexander Gerst bei seiner Party leider noch nicht mitbringen konnte. Das holte nun sein Astronauten-Vorgänger Reinhold Ewald nach, der sie – assistiert von der Ausstellungs-Kuratorin, dem Kunsthallen-Intendanten und zwei weiteren (TV-bekannten) Teilnehmern einer späteren Podiumsdiskussion – im ersten Saal des „Outer Space“ zur letzten Ruhe bettete. Der übrigens gestern ihren 100’000. Besucher begrüßen konnte und noch bis zum 22. Februar zu sehen ist. Dann ist allerdings abrupt Schluss: keine Finissage (denn an Sonntagen herrscht ohnehin schon ein Riesenandrang), und die 90 Leihgeber wollen ihre Objekte rasch zurück – den lange als erster Blickfang dienenden Rubens hat dieses Schicksal sogar schon erreilt. Die Bundesbiene wird am Schluss in die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz weiter fliegen, die ein wichtiger Leihgeber war. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: der historische Moment größer und Artikel hier, hier und hier]

Zu Besuch bei Philaes Freunden in Köln – einen Monat danach

Am Rande von Dreharbeiten vor dem Lander Control Center im MUSC des DLR in Köln, wo letzten Monat die Landung Philaes überwacht wurde, ein paar Impressionen (größere Bilder hier, hier und hier) des weitgehend verwaisten Kontrollraums, …

… der dortigen Glücksbringer, die immerhin teilweise „funktioniert“ haben, …

… diverser mysteriöser Kurven auf den vielen weiter aktiven Displays von heute (oben) und der Landetage (deren Skala in °C war), …

… 1:1-Modellen von Philae und dem viel kleineren Asteroidenlander MASCOT, …

… dem elektrischen Bodenmodell von Philae, mit dem Prozeduren in echt durchgespielt werden können, …

… und dem MASCOT-Logo, das bereits neben dem Philae-Kontrollraum hängt, der 2018 auch für diesen Lander zuständig sein wird:

[Daniel Fischer]

Welcome Home, Alex – in der Bonner Bundeskunsthalle!

Schon seinem Start hatte man ein regelrechtes Volksfest in Köln gewidmet, und auch zur Rückkehr von Alexander Gerst nach einem halben Jahr im Orbit ließ sich die deutsche Raumfahrt nicht lumpen: Einen knappen Monat nach der Landung in Kasachstan („Alex Gerst und Co. sind bereits auf der Rückreise …“) hieß es in der Bundeskunsthalle in Bonn gestern Abend „Welcome Home“ – wo Gerst zunächst, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aber von einem Pressetross, Gewinnern eines Radio-Preisausschreibens und u.a. dem DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner (oben, rechts) und dem ersten deutschen Raumfahrer Sigmund Jähn (davor) begleitet, einen Blick in die aktuelle Ausstellung „Outer Space“ werfen und dabei auch mal in das Kugel-Planetarium mit den 30’000 Sternen steigen konnte. Dort würde er gerne mal – mit einem Glas Wein – übernachten, ließ er wissen.

Mehrere Mini-Pressekonferenzen in der Ausstellung – in die Gerst die ins All mitgenommene „Bundesbiene“ leider noch nicht wieder zurück bringen konnte. Auch er wurde erst einmal wieder „versteckt“, während im sich mit rund 300 Gästen – darunter viel deutsche Raumfahrtprominenz, inklusive des Philae-Chefs S. Ulamec! – füllenden Kunsthallen-Foyer die Kometen rockten.

Auch während der ersten halben Stunde des Bühnenprogramms ließ sich Gerst noch nicht blicken: Stattdessen traten – nach dem Kunsthallen-Direktor Rein Wolfs – immerhin sechs andere deutsche Astronauten auf, angeführt von Jähn und seinem westlichen Gegenstück Ulf Merbold.

Es war dann allerdings an Wörner, der den Auftritt sehr zu genießen schien und demnächst wohl einen ungewöhnlich volksnahen ESA-Generaldirektor abgeben wird, …

… Gerst auf die Bühne zu bitten, begleitet von tosendem Beifall. (Viele weitere Bilder dieses Bloggers gibt es auch hier, hier und hier und Bilder anderer hier, hier, hier und hier sowie einen Artikel und ein TV-Interview am Rande.)

Nun waren’s schon 7 der 11 (bzw. 10 lebenden) deutschen Raumfahrer auf der Bühne – und auch weitere Manager von Gersts Mission durften sich feiern lassen, so Volker Schmid (der zugleich übrigens Science-Fiction-Autor ist, aber das wurde nicht erwähnt). Gerst selbst gab ein paar mehr oder weniger bekannte Anekdoten seiner Mission zum Besten (etwa von einer brachialen Reparatur mit Hilfe von Rasierschaum, damit keine Splitter davon flögen) – und verblüffte viele wohl mit seinem Statement, der Aufenthalt auf der Raumstation sei viel einfacher gewesen, als er es sich vorgestellt hatte. Der Mensch könne halt viel mehr als er selbst oft glaube: Diese Erfahrung hatte er bereits – als Geophysiker in lebensfeindlicher Wildnis – in einem früheren Leben gemacht. Aber das ist für absehbare Zeit vorbei: Noch ist Gersts Terminkalender randvoll, mindestens bis zu einer großen Tour mit der gesamten Soyuz-Besatzung kommendes Frühjahr. Und er bleibt auch bei der ESA im Astronautenteam – um vielleicht eines Tages mit der Orion auf richtig große (Raum-)Fahrt zu gehen. Und dann steht er womöglich in gut zehn Jahren wieder auf der Bühne der Bundeskunsthalle, ein Stück Asteroid im Arm, das er eigenhändig abgesäbelt hat. Mit einem Leatherman und Rasierschaum … [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein Bericht der BKH selbst, ein kompletter Amateur-Film und Soundbites vom Abend]

60 Jahre Sternwarte Hoher List: So wurde in Bonn gefeiert …

… gestern und heute, wo Michael Geffert erst zu einem öffentlichen Vortrag und dann zu einem Ehemaligen-Treffen geladen hatte und auch eine kleine Ausstellung gestaltete: viele weitere Bilder gibt es hier und hier zu sehen. Oben Luftbilder des Hohen Lists nach dem Ende der 1. Bauphase, das dieser Tage vor 60 Jahren erreicht war, und im Endzustand.

Über hundert Jahre älter dagegen diese Zeichnung des in zwei Teile zerbrochenen Kometen Biela aus den Beobachtungsbüchern von Julius Schmidt, die erst kürzlich wieder aufgetaucht waren (hier in inverser und kontrastverstärkter Darstellung).

Aus dem Vortrag des Sohnes des Sternwarten-Gründers Hans Schmidt seltene Fotos vom Beginn der Bauarbeiten, bei denen zunächst der „Turm 3“ errichtet wurde, in den ein Cassegrain parallel montiert mit einem Merz-Refraktor kam, …

… dessen kuriose Vorgeschichte Jörg Stegert von der VSW Bonn (bei der beide Geräte ihr Zuhause gefunden haben) heraus fand: Der Auftraggeber hatte das in einem ungewöhnlich großen Tubus installierte 20-cm-Objektiv weniger astronomische als vielmehr für mysteriöse Kommunikations-Experimente verwendet.

Großer Andrang bei der Veranstaltung, von mehreren Generationen Hohe-Listler.

Eine Vision für die Zukunft der derzeit ruhenden Sternwarte von M. Althaus und ein Gruppenbild – während des Treffens ergab sich spontan der Beschluss, die quasi geheime Geschichte des Hohen Lists von Hans Schmidt zusammen mit Fotos aus seinem Nachlass in Buchform zu publizieren, zusammen auch mit Beiträgen aus dem Treffen, das damit in die astronomische Literatur Eingang finden wird. Und sich außerdem alle ein bis zwei Jahre wiederholen soll. [Daniel Fischer]

Bonner Astronomen erinnern an das Observatorium Hoher List

Mit einem Vortrag und der Eröffnung einer kleinen Ausstellung am Freitag, den 21. November um 19 Uhr im Argelander-Institut, Auf dem Hügel 71, in Bonn-Endenich, erinnert Dr. Michael Geffert an das Observatorium Hoher List bei Daun in der Vulkaneifel. Diese astronomische Beobachtungsstation entstand nach dem zweiten Weltkrieg, weil für professionelle Beobachtung der Bonner Nachthimmel für die Astronomen der Universität zu hell geworden war. In dem Vortrag werden Teleskope und Arbeitsgebiete der Sternwarte allgemeinverständlich dargestellt. Im Anschluss an den Vortrag ist eine kleine Ausstellung mit Material und Bildern des Observatoriums zu sehen. Bei klarem Himmel bieten Mitglieder des Köln-Bonner Astrotreffs ab 18.30 Uhr Fernglasbeobachtungen von Sternbildern an. Der Eintritt zur gesamten Veranstaltung ist frei. Die Ausstellung ist noch bis Ende Dezember nach Vereinbarung (geffert@astro.uni-bonn.de) zu besichtigen.

Das Observatorium Hoher List galt als eine der wenigen professionellen Sternwarten auf deutschem Boden. Von 1952 bis 1954 errichteten Astronomen der Bonner Universität eine astronomische Beobachtungsstation auf einem Berg bei Schalkenmehren/Daun in der Vulkaneifel. Vier Teleskope ermöglichten den Bonner Forschern den Blick ins Weltall und die Vermessung von Planeten, Sternen und Galaxien. In den Jahren 1965 bis 1967 kamen als weitere Fernrohre der alte Bonner Doppelrefraktor und ein neues Cassegrain-Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von mehr als einem Meter hinzu. Dieses Fernrohr war seinerzeit das größte astronomische optische Fernrohr der Bundesrepublik Deutschland. In klaren Nächten erforschten Wissenschaftler Sternhaufen und veränderliche Sterne und untersuchten die Struktur der Milchstraße. Auch als Ausbildungsstätte für Studenten machte sich das Observatorium Hoher List einen Namen.

Nach Jahren erfolgreicher Arbeit wurde die Eifelsternwarte vor zwei Jahren geschlossen, steht aber seit September 2013 unter Denkmalschutz. Das Erbe des Hohen Lists, das gesamte Beobachtungsmaterial, dient heute in Bonn als Grundstock einer Universitätssammlung, der „Sammlung Historischer Himmelsaufnahmen“. [Michael Geffert. Es gibt auch fünf Seiten Detail-Informationen zum OHL, ein Video mit Musik – und einen Artikel über die jüngsten Entwicklungen: Danach könnte die Sternwarte „mit einem Investitionsaufwand von gut acht Millionen Euro ein Besucher- und Bildungszentrum werden. Das ist eine der Optionen, die ein von der Verbandsgemeinde Daun beauftragtes Beratungsunternehmen präsentiert hat. […] Das Beratungsunternehmen hat nun drei Varianten mit Investitionssummen von 4,6 bis 8,2 Millionen Euro vorgestellt“, doch „die Möglichkeiten der Verbandsgemeinde Daun übersteigt ein solches Projekt bei Weitem“]

15. Juni: Ein astronomischer Nachmittag für Kinder

Das Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) in Bonn-Endenich lädt am kommenden Sonntag, 15. Juni, wieder Familien mit Kindern zu einem astronomischen Nachmittag ein. Es wird einen kindgerechten Vortrag geben, das große Teleskop auf dem Institutsdach wird besichtigt und es gibt eine Bastelecke, wo man u.a. eigene Sternbilder erfinden kann. Und natürlich können auch die kleinen Besucher den Astronomen Schwarze Löcher in den Bauch fragen. Außerdem werden bei sonnigem Wetter sicher draußen auch Teleskope für die Beobachtung der Sonne aufgebaut.

Der Nachmittag für die kleinen AstroZwerge, der zum großen Veranstaltungsprogramm „Astronomie für jedermann“ gehört, findet zwischen 14:00 und 17:00 Uhr statt. Bei Interesse einfach unter astronomie2014@astro.uni-bonn.de anmelden. [Nico Schmidt]

Wenn Köln schon mal eine Launch Party schmeisst …

… für einen deutschen Raumfahrer, dann wird auch was geboten: so geschehen am 28. Mai 2014, als Alexander Gerst & Co. zur ISS aufbrachen. An etlichen Orten im Lande waren große und kleine öffentliche Veranstaltungen angesetzt worden, davon aber nur das Kölner Event von ESA, DLR & Stadt unter freiem Himmel und für über 1000 Besucher geeignet. Die Frage, ob Deutschland seinen 11. Raumfahrer feiern würde: Hier fand sie eine klare Antwort.

Der prominenteste Gast der Veranstaltung: der Kosmonaut und Astronom(!) Reinhold Ewald, der 1997 per Soyuz zur Mir gereist war und schon vor Beginn für Interviews gefragt war – wobei dieser Blogger beim Gegenschuss unten versehentlich gar in die 20-Uhr-Tagesschau des nächsten Tages geriet …

Der andere Star des Abends: Pierre Michael „Peter“ Schilling, den sich ob seiner Weltraum-lastigen Songs Gerst explizit gewünscht hatte – von Neuer Deutscher Welle zu einem veritablen Krautrocker gereift, trat er mit Band immer wieder auf und machte die Launch Party zu einem halben Rockkonzert.

Wichtigstes Requisit freilich: die Videowand! Mit einem hausgemachten – in Russland gibt’s eigentlich gar keinen – Countdown, der mitunter auch mal hakte, und zahlreichen Tweets, die flink nach oben scrollten. Auch den einen oder anderen (realen oder aus dem Netz) Bekannten ‚traf‘ man so wieder.

Und auch der aufgeblasene Riesenastronaut des European Astronaut Centre – das die Verbindung von Gersts Mission und Köln herstellte – durfte nicht fehlen, ein alter Bekannter von den Tagen der Luft- und Raumfahrt 2011 und 2013, der diesmal standhaft blieb.

Kein Fest ohne Honoratioren: Karlheinz Kreuzberg von der ESA, Rolf-Dieter Fischer vom DLR, Kölns OB Jürgen Roters – und eine „Mäuseklasse“ mit reichlich Raumfahrt-Equipment.

Talk mit Ewald, der das Geschehen rund um die Astronauten-Ausbildung und einen Soyuz-Start engagiert schilderte – und einmal sogar den russischen Weltraumärzten widersprach: Dass man die Crew kurz vor dem Start in wilde Rotation versetzt, um sie abzuhärten, hält er für nicht sinnvoll. Und natürlich wieder Schilling, plus eine von mehreren aufgezeichneten Botschaften Gersts.

Schalte – per Satellitentelefon – zu einem EAC-Sprecher in Baikonur, der vom Fortgang der Startvorbereitungen berichtet. Live-Bilder aus Kasachstan gibt es auf der Videowand indes nicht, die Technik hapert. So erfährt man nur durch die vorbeiscrollenden Tweets, dass man im Fernsehen schon Gerst in der Kapsel sieht. Und wieder heizt Schilling ein.

Rupert Gerzer (l.) vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin demonstriert mit einem Freiwilligen in Schräglage den Effekt von Mikrogravitation auf den Blutkreislauf – der Proband war nach Wiederaufrichtung tatsächlich tatsächlich ähnlich groggy wie ein Astronaut nach der Landung.

Noch eine Videobotschaft von Chris Hadfield – und dann stimmt Schilling, 20 Minuten vor dem Start, endlich sein „Völlig losgelöst“ an, während die nun doch 1000 oder mehr (da gehen die Zahlen weit auseinander) Zuschauer die von einem Karnevalsgroßhändler verteilten und in China produzierten Köln-Fähnchen schwenken. Aber immer noch kein Bild aus Baikonur auf der Wand …

… was kurz vor dem Abheben durch energische Improvisation gelöst wird: Ein Kameramann filmt den Bildschirm ab, auf dem der ESA-Kanal läuft, und der pünktliche Start ist bestens zu sehen.

Hier die ersten anderthalb Minuten der Übertragung in Originalqualität: Bei 1:22 macht Gerst trotz dicken Handschuhs gut erkennbar das Shaka-Zeichen, was zuvor als Gruß speziell an das Kölner Publikum angekündigt worden war.

Die Zuschauer im Moment des Starts und während des weiteren Aufstiegs der Soyuz in den kasachischen Nachthimmel – diesmal gibt es weniger Live-Bilder aus der Kapsel als gewohnt, aber Gersts Shaka wird erkannt und von der Menge goutiert.

Mit dem Erreichen des Orbits und einem letzten Auftritt Schillings endet die rundum gelungene Veranstaltung, eine ungewöhnliche Fusion aus Festakt (die Top-Gäste dürften noch einmal auf der Bühne Fähnchen schwenken), Edutainment mit Ewald und Gerzer und einem angemessen lauten Rockkonzert. Aus Baikonur selbst war bis auf ein paar Minuten Startbilder fast nichts zu sehen, aber bei der vielen Action am Platz vermisste man es auch kaum. Eine andere Bildauswahl dieses Bloggers gibt es hier zu sehen und Artikel über die und Live-Blogs von (u.a.) der Kölner Veranstaltung hier, hier, hier, hier und hier. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein „Bootleg“ des ‚Völlig losgelöst“ wurde eingefügt, und es gibt auch einen Gruß nach oben, ebenfalls von diesem Blogger gefilmt, eine komplette Aufzeichung des Abends (der Link kam aus dem Orbit …), noch mehr Bilder von anderen Zuschauern hier, hier und hier – und ein Interview mit Peter Schilling von 2016, in dem er sich (letzte drei Antworten) als Astronomie-Kenner entpuppt]

Astronomisches bei der 9. Bonner Wissenschaftsnacht …

… musste man gestern in dem reichhaltigen Angebot und zwischen den 20’000 Besuchern schon suchen – hier ein paar Funde.

Den astronomischen Vortrag mit der größten gesellschaftlichen Relevanz, der diesem Blogger jemals untergekommen ist, hielt gleich zu Beginn MPIfR-Direktor Michael Kramer, der auf die hohe Datenintensität moderner Radioteleskope verwies – aber auch tief in die Geschichte griff. So war es ein australischer Radioastronom gewesen, der mal eben die Grundlagen von WLAN schuf – der australischen Forschung brachte das Patent hunderte Millionen Dollar ein [NACHTRAG: noch ein Artikel]. Kramers Credo: Wenn Physiker etwas entdecken, dann kann man es irgendwann auch zu Geld machen …

Im ein Jahr alten Universitäts-Museum – dem ehemaligen Archiv – sticht sofort das Bonner Heliometer hervor, als bei weitem größtes und auch schon fast einziges dreidimensionales Artefakt.

Ansonsten besteht die gezeigte Sammlung weitgehend aus Schrifttafeln – und Papieren. Aber auch da wird der Astro-Fan fündig, mit originalen Oktavkarten, auf die Argelanders Assistenten in dunkler Nacht die Deklinationen von Sternen im Transit kritzelten, und einer Kladde, in die Sternpositionen und -helligkeiten ins Reise geschrieben wurden: Das Ergebnis war die Bonner Durchmusterung. Deren berühmtes – viel kleineres – Fernrohr (hier vorne rechts und hier) hat allerdings im zentralen Uni-Museum ebenso wenig einen Platz gefunden wie die damals verwendete Standuhr: Sie sollen dem Vernehmen nach einmal in einem Mini-Astronomie-Museum im Argelander-Institut in Endenich ihren zu sehen sein.

Eine anti-astronomische böse Überraschung gab es zu späterer Stunde im Freien: blendend helle Scheinwerfer an der Fassade, die selbst das am anderen Ende der nicht eben kleinen Hofgartenwiese gelegene Akademische Kunstmuseum bald taghell erleuchteten. Welche Botschaft sollte denn das vermitteln …? Noch dazu an einem ausnehmend klaren Abend, als mit Mars (ganz rechts) und Saturn (links der Mitte) zwei echte helle Attraktionen warteten, denen man hier statt der bizarren ‚Lichtkunst‘ in geradezu idealer Weise eine öffentliche Beobachtung hätte angedeihen lassen können!

Auch eine kühne Auslegung des Wissenschaftsbegriffs, Nacht oder nicht: Auch wenn es sich um Astrologie aus einem exotischen Kulturkreis handelt, müssen deswegen gleich Horoskope gestellt werden? (Was übrigens nicht das erste Mal an der Bonner Universität vorkam: Das gab es auch schon während eines Dies Academicus vor einigen Jahren …)

Direkt daneben und wieder voll auf dem Boden der Allgemeinen Relativitätstheorie – womit sich auch der Bogen zum Kramer-Vortrag schließt – am Stand des Argelander-Instituts: dieser Blogger durch eine Gravitationslinse in Form gebracht. Und noch am Rande zu erwähnen: ein längeres Gespräch im Wissenschaftszelt mit einem Abteilungsleiter von caesar über neue Entwicklungen für superpreiswerte Nah-IR-Detektoren. Dieses langjährige Forschungsprojekt, vor Jahren schon mal in einem Wissenschaftszelt vorgestellt, erreicht nun allmählich die Anwendungsreife – und könnte vielleicht einmal in der Amateurastronomie um Einsatz kommen … [Daniel Fischer]