Archiv der Kategorie: Astronomische Vorschau

Astrotermine für Bonn und Himmelsvorschau 2014

2014 ist zwar schon anderthalb Wochen alt, aber 50 ½ Wochen kommen ja noch und deshalb soll hier noch ein astronomischer Überblick über dieses Jahr gegeben werden. Natürlich pflege ich weiter regelmäßig meine Liste „Astrotermine für Bonn“ (2014), in der ich auf öffentliche Veranstaltungen mit astronomischem Bezug in der Umgebung hinweise: Aktuelles aus der Forschung gibt es wieder beim DLR-Astroseminar, es wird erneut vier Ausgaben der beliebten Reihe „Pauls Portables Planetarium“ geben, die eigentlich schon für 2013 angekündigte große Mars-Wanderausstellung kommt endlich in unsere Nähe und in der Volkssternwarte Bonn (VSB) werden die eingeführten montäglichen Vortragstermine weiter regelmäßig stattfinden. Die Volkssternwarte auf dem Gelände von Argelanders alter Sternwarte ist weiterhin jeden Montagabend geöffnet und bei klarem Himmel wird auch beobachtet, und zusätzlich wird es jeweils am letzten Montag im Monat einen spannenden Vortrag geben. All das findet sich bereits unter „Astrotermine für Bonn“.

Der deutschlandweite Astonomietag findet 2014 am 05. April statt. Dazu wird es nicht nur eine öffentliche Beobachtung von Bonner Sternfreunden in Sankt Augustin geben, Veranstaltungen an anderen Orten in der Umgebung werden noch geplant. Ein neuer Flyer mit weiteren Terminen (u.a. zum jährlichen Tag der offenen Tür bzw. zum Sommer-Planetenseminar der Volkssternwarte Bonn) soll noch vor dem Astronomietag veröffentlicht werden.

Auch die Himmelsvorschau 2014 bietet wieder allerhand Sehenswertes am Sternenhimmel. Wie gewohnt hat dazu VSB- und KBA-Sternfreund Paul Hombach seinen nur eine Seite umfassenden Astro-Almanach mit vielen interessanten Himmelsereignissen zusammengestellt, und Daniel Fischer informiert sehr ausführlich ebenfalls über Bedeutendes am Himmel im Jahr 2014. Eine weitere astronomische Übersicht zu Ereignissen im Sonnensystem findet sich hier. [Nico Schmidt]

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Jetzt Komet Lovejoy gucken, so lange es noch geht!

15 sec. bei Blende 3.9 mit ISO 1600 und 230 mm KB-Äquiv.-Brennweite, halbe Auflösung

10 sec. bei Blende 3.9 mit ISO 1600 und 205 mm KB-Äquiv.-Brennweite, Viertel Auflösung

15 sec. bei Blende 3.4 mit ISO 800 und 86 mm KB-Äquiv.-Brennweite, stark verkleinert

Nachdem der viel beschworene Komet ISON sein Perihel vorgestern zwar noch ein wenig überlebte, seither aber in rasanter Auflösung begriffen ist, kommt als „Trostpreis“ der von Anfang an als ‚Zweitobjekt‘ betrachtete C/2013 R1 (Lovejoy) gerade recht, der inzwischen selbst deutschen Zeitungen aufgefallen ist. Heute morgen gegen 3:00 MEZ konnte dieser Blogger den Kometen bei guten Bedingungen aus Königswinter beobachten: Im 11×70-Feldstecher war er schon ohne Aufsuchkarte und nur bei vager Kenntnis der Position irgendwo in der Verlägerung der Deichsel des Großen Wagens leicht zu finden, als erstaunlich flächenhelles diffuses Scheibchen mit schwachem schmalem blassem Schweif senkrecht nach oben. Letzterer ließ sich selbst mit stehender Bridge-Kamera andeutungsweise einfangen und die Koma sogar ganz leicht; die aktuell noch hohe Deklination erlaubte Belichtungszeiten im 10-Sekunden-Bereich.

Mit Lovejoy, der z.Z. zwischen 4.5 und 5.0 mag. geschätzt wird, geht es nun allerdings steil bergab: Das Sichtfenster schließt sich allmählich! In der ersten Dezemberwoche steigt der Komet bis zum Beginn der Morgendämmerung noch auf 35-40° Höhe und steht am Ende der Abenddämmerung noch 20° hoch, am Ende der zweiten sind die entsprechden Höhen auf 30° bzw. 15° gesunken, und es gibt auch fast keine mondlosen dunklen Zeitfenster mehr. Die Helligkeit sollte in den kommenden zwei Wochen aber nur sehr langsam zurück gehen – und v.a. Astrofotografen dürften weiterhin ihre Freude an Lovejoy haben: aktuelle Bilder z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier – oder auch mal mit kurzer Brennweite und Landschaft oder über einem Polarlicht. Wer doch lieber eine richtige Aufsuchkarte hätte: Hier gibt es immer welche für die jeweils aktuellen hellen Kometen, alternativ speziell für Lovejoy auch hier oder hier. [Daniel Fischer]

Noch eine Woche bis zum Perihel von ISON!

Schon im Mai und im Oktober wurde hier ausführlich vorstellt, was wir vom Kometen ISON erwarten können, und im Großen und Ganzen hat er sich an die ‚Fahrpläne‘ gehalten: Seine Helligkeit beträgt heute 3.7 bis 3.9 Größenklassen, und in den letzten Wochen hat sich ein beachtlicher (Plasma-)Schweif entwickelt, wie zahlreichen hier, hier und hier (19. und 21. November) verlinkten Bildern zu entnehmen ist. Unter guten Bedingungen war ISON auch heute noch in der Morgendämmerung zu sehen, insbesondere in den Bergen oder in Namibia, doch das aktuelle Sichtfenster schließt sich unerbittlich: Bald werden nur noch die Sonnensatelliten Sicht auf den Kometen haben, der Klassiker SOHO und die zwei STEREO-Satelliten, mit denen eine Menge geplant ist. Im Gesichtsfeld der Weitwinkelkamera HI-1 auf STEREO A ist ISON gerade aufgetaucht (Mitte: ganz links), aber richtig spannend wird es, wenn er ab dem 26. November auch in die Felder der hochauflösenden Koronografen tritt: unten die Bahn durch die LASCO-Gesichtsfelder von SOHO. Aus dem Eindruck, den er dabei hinterlässt, wird sich wohl abschätzen lassen, ob – v.a. am 29. November – ein nicht ungefährlicher Beobachtungsversuch am Taghimmel lohnt. Und ob sich eine ordentliche Schweifentwicklung für die erste Dezemberwoche abzeichnet: Nur sie könnte aus ISON einen Großen Kometen wachsen lassen. [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein detaillierter NASA-Artikel zu den Plänen]

Kometenzeit in Bonn

Schon seit grauer Vorzeit übt der Kosmos eine erstaunliche Faszination auf den Menschen aus. Dem einen reicht es, gelegentlich einen Blick auf den die Erde umkreisenden Mond werfen zu können. Andere sind fasziniert vom Sternenhimmel und dem Ruf des Kosmos, der darin liegt.

Von Zeit zu Zeit kommt nun aus den Tiefen des Alls ein Komet der Erde so nahe, dass er mit seinem in Sonnennähe entstehenden Schweif sichtbar wird. Auf der einen Seite steht dann eindeutig der Reiz der optischen Erscheinung dieses Kometen. Auf der anderen Seite dagegen gibt es Fragen, die von der Entstehungsgeschichte solcher Himmelsphänomene bis hin zu der möglicherweise von ihnen ausgehenden Gefahr reichen.

Zum kommenden Komet ISON (C/2012 S1), der nach heutigem Kenntnisstand ein beachtliches Spektakel bieten könnte, haben das Argelander Institut für Astronomie der Universität Bonn und die Volkssternwarte Bonn e.V. gemeinsam ein umfangreiches Programm „Kometenzeit in Bonn“ für die interessierte Bonner Bevölkerung ins Leben gerufen. Die unterschiedlichsten Vorträge und Seminare werden über den Kometen unter allen nur denkbaren Blickwinkeln berichten und informieren; Aktionen für Kinder, ein Science Café für Erwachsene und Beobachtungsveranstaltungen für alle runden das Gesamtprogramm ab.

Die „Kometenzeit in Bonn“ wird im Rahmen des Tags der Offenen Tür der Volkssternwarte Bonn am 03. November 2013 gemeinsam vom Argelander Institut für Astronomie und der Volkssternwarte Bonn eröffnet und dauert bis zum 10. Januar 2014. Freuen Sie sich bereits jetzt auf viele hochinteressante und spannende Einzelveranstaltungen!

Neuer Internetauftritt der Volkssternwarte Bonn

Am Abend des 21. April 2013 fand der Relaunch des Internet-Auftritts der Volkssternwarte Bonn statt.

Das neue in dezenten Farben gehaltene Design stellt eine Mischung aus Blog und festen Seiten dar, um sowohl aktuelle Themen jederzeit aufgreifen zu können als auch wiederkehrende Themen dauerhaft positionieren zu können.

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 Volkssternwarte Bonn

Die „Bonner Sterne“ wünschen der Volkssternwarte Bonn weiter viel Erfolg bei den zahlreichen neuen Projekten!

[Oden]

Komet PANSTARRS weiter im Anmarsch

Auch wenn man bis heute nicht sicher sein kann, wie hell PANSTARRS C/2011 L4 wirklich werden wird, kann man aber weiter davon ausgehen, dass er wahrscheinlich mit bloßem Auge über einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen zu erkennen sein dürfte.

Ich habe die aktuellen Bahndaten in einer Sternenkarte (Stellarium) eingezeichnet. Die Karte selbst ist auf den 5. März datiert, das Datum, an dem PANSTARRS den geringsten Abstand zur Erde (Perigäum) haben wird. Am 10. März wird er den geringsten Abstand zur Sonne haben (Perihelion) und könnte eine Helligkeit von 2 bis 1 aufweisen.

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Bild in groß)

Je mehr Zeit vergeht, desto höher steigt PANSTARRS und desto länger und damit auch später in der Nacht kann man ihn bei immer dunklerem Himmel (Vollmond Ende März!) beobachten. Eine besonders schöne Konstellation ergibt sich am 4. April, wenn er vor M31 (Andromeda) vorbeizieht (wenn auch von Bonn aus nur in einer Höhe von 10° bis 15° über dem Horizont) – bei freier Sicht nach Westen visuell mit dem Feldstecher zu erkennen und ein Schmankerl für Astrofotografen!

[Peter Oden]

Asteroid 2012 DA14 am 15. Februar abends über Bonn

D. Fischer hatte in seinem Blog ja bereits vor einem halben Jahr und kürzlich in diesem Blog darauf hingewiesen, dass uns am 15. Februar der Vorbeiflug eines Asteroiden bevorsteht.
Nach heutigem Kenntnisstand wird der 50m große Asteroid 2012 DA14 dann so nah (<30.000 km) wie schon lange kein Objekt dieser Größenordnung mehr an der Erde vorbeifliegen (die große Explosion 1908 in Tunguska könnte eine ähnliche Ursache gehabt haben). Dennoch bleibt er relativ dunkel und dürfte leider nur mit einem Feldstecher (oder kleinen Teleskop mit möglichst geringer Vergrößerung) erkennbar sein.
Die folgende Grafik (Stellarium) verdeutlicht seine Flugbahn von Osten aus Richtung Norden etwa zum Polarstern und seine jeweilige Helligkeit. Die Bahndaten wurden aktuell für Bonn-Beuel mit dem Programm JPL Horizons berechnet.

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Details werden allerdings auch in einem größeren Teleskop keine zu erkennen sein, weil der Asteroid z.B. gegen 21:00 Uhr einen scheinbaren Durchmesser von unter 0,3 Bogensekunden haben wird. Zum Vergleich : Jupiter hat derzeit noch über 40 Bogensekunden Durchmesser!

Wünschen wir uns einen klaren Himmel und eine erfolgreiche Beobachtung! [PeterOden]

Wenn Asteroid 2012 DA14 zu Besuch kommt: neue Zahlen!

2012da14

Schon seit einem knappen Jahr ist bekannt, dass am 15. Februar 2013 ein kleiner Asteroid dicht an der Erde vorbei fliegen und dabei kurz sogar zu einem Feldstecherobjekt werden wird – und das auch noch gut zu sehen aus dem Köln-Bonner Raum (und Deutschland insgesamt natürlich). Doch eine exakte Bahn konnte nicht angegeben werden, da erst neue Astrometrie in relativer Erdnähe benötigt würde. Manche erwarteten, dass 2012 DA14 erst wenige Tage vor der größten Annäherung hell genug sein würde – aber nun ist er doch schon wieder gefunden worden, und der JPL-Ephmeriden-Rechner spuckt eine deutlich präzisere Bahn aus.

Danach wird die größte Annäherung ans Zentrum der Erde um 20:40 MEZ in 0.00022800 au = 34,108 km Entfernung bzw. etwa 27,730 km über der Erdoberfläche erfolgen (siehe auch die Grafik oben mit Zeitmarken in UTC = MEZ-1 Stunde und der Mondbahn sowie dem „Gürtel“ der geostationären Satelliten): Die alte Rechnung – mit 28’600 km Minimalabstand – war also schon ziemlich genau gewesen. Bei der größten Erdnähe ist der Asteroid allerdings noch knapp unter dem Horizont des KBA-Landes, aber das ändert sich schon in den nächsten Minuten rapide (hier berechnet für den Flughafen Köln-Bonn), zumal er sich rasant nordwärts bewegt:

21:00 MEZ, Höhe 10° über Horizont, Abstand 35’590 km, Helligkeit 7.6 mag., Coma Berenices
21:16 MEZ, Höhe 20° über Horizont, Abstand 37’715 km, Helligkeit 7.8 mag., Coma Berenices
21:34 MEZ, Höhe 30° über Horizont, Abstand 41,295 km, Helligkeit 8.1 mag., Canes Venatici
21:58 MEZ, Höhe 40° über Horizont, Abstand 47,480 km, Helligkeit 8.6 mag., Canes Venatici
22:34 MEZ, Höhe 50° über Horizont, Abstand 58,640 km, Helligkeit 9.3 mag., Ursa Major

Wenn 2012 DA14 dann um 0:54 MEZ in knapp 60° Höhe kulminiert, ist er schon wieder 109’300 km entfernt und auf 11.1 mag. gefallen. Noch ist (diesem Blogger) nicht klar, wie präzise die Bahn jetzt schon ist und wieviel besser sie in den kommenden Wochen noch werden kann [NACHTRAG: Die Größenordnung ist 100 km, teilt das JPL mit!]: Davon hängt schließlich ab, wann man den Drucker anschmeißen und tatsächlich die Bahn am – lokalen! – Himmel ausgeben lassen sollte. Die Bedingungen für Deutschland sind jedenfalls ziemlich gut – die geometrischen jedenfalls … [Daniel Fischer]

Himmelshighlights 2013

Das Jahr 2013 hat für die Bonner Region einige schöne Himmelshighligts zu bieten: Eine partielle und eine Halbschatten-Mondfinsternis, mehrere enge gegenseitige Begegnungen von Planeten, die Bedeckung des Sterns Spica durch den Mond, kurzzeitig drei Mondschatten auf Jupiter, einen sehr engen Erdvorbeiflug eines kleinen Asteroiden, vier günstige Merkur-Sichtbarkeiten und nicht zu vergessen die beiden hoffentlich spektakulären Kometen C/2011 L4 (PANSTARRS) und C/2012 S1 (ISON). Als „kosmischen Denkzettel“ gibt es eine Zusammenstellung ausgewählter Ereignisse durch den Autor auf einer DIN A4-Seite unter:

http://paulhombach.de/almanach2013PH.pdf

Empfehlenswert auch Daniel Fischers Übersicht auf Skyweek. Die für die Region interessanten Astro-Termine verzeichnet Nico Schmidts Blog Zauber der Sterne. PH

Zeitschrift der „Vereinigung der Sternfreunde“

Die VdS (Vereinigung der Sternfreunde), zu der auch diverse Mitglieder der Volkssternwarte Bonn gehören, stellt ihre älteren Hefte zum kostenlosen Download bereit. Verfügbar sind derzeit die Hefte 1 (1997) bis 37 (II/2011). Der Link ist http://journal.fg-vds.de/1.pdf für Heft 1. Für andere Hefte wird die 1 einfach durch die Heftnummer ersetzt.

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Es ist manchmal erstaunlich zu sehen, was sich in zehn bis fünfzehn Jahren alles so verändert hat, was aber auch geblieben ist. Fast schon rührend wirken die letzten Ausläufer der Diskussionen der Astrofotografen, bei denen es um Film- oder Digitaltechnik ging. Manche Astrofotografen mit Filmtechnik haben der Digitaltechnik da durchaus eine Nischenberechtigung in der Zukunft zugesprochen…. Schön aber auch ein Bericht vor rund 10 Jahren von Paul Homach zur 100 (!) Sternstunde (damals noch im Bürgerfunk von Radio Bonn/Rhein-Sieg, heute als TV-Sendung im Internet).

Viel Spaß beim Lesen

[Peter Oden]