Jena astronomisch … da geht noch mehr

Ein Dreivierteljahr nach der letzten astronomisch ziemlich ergiebigen Reise nach Jena gab es bei einem weiteren Besuch diesen Monat prompt noch mehr zu entdecken. Zum Beispiel auf der Baustelle des Deutschen Optischen Museums, wo dessen Direktor Timo Mappes exklusiven Einblick in die großen Pläne bis zur Wiedereröffnung 2025 gab: Es wird ein ungewöhnlicher Mix aus einem Museum mit bedeutender Sammlung und Science-Center, bei dem z.B. ein Heliostat Sonnenlicht in eine Astro-Halle lenkt, wo mit ihm experimentiert werden kann.

Die Gegenwart machte sich in dieser Werbung auf einem Linienbus bemerkbar, aber sooo viele Astronomie-Lehrer werden nun doch nicht gesucht: Unter der genannten URL findet sich heute genau ein Stellenangebot mit Astronomie – an einem Gymnasium in Jena mit der Fächerkombination Englisch, Chemie, Astronomie.

Leicht zu übersehen ist der Planeten-Weg Jenas, der nur aus Platten im Boden besteht, mit der Sonne im Stadtspeicher am Markt (heute Sitz der Touristeninformation) oder hier der Venus vor der Stadtkirche – der mit der Sonnenuhr aus dem 15. Jh. Maßstab 1:695 Mio.

Rund hundert Jahre in die Vergangenheit zurück reicht die Geschichte des Projektionsplanetariums, das in Jena für das deutsche Museum in München erfunden wurde und dessen zweites Exemplar dann 1926 in Jena selbst eröffnet wurde: Eine Reproduktion einer damaligen Einladungskarte ist in die große Timeline der Stadtgeschichte im Stadtmuseum integriert – und der Kuppelbau steht noch heute, sieht noch genau so aus (wie zwei neuerliche Blicke vom Jentower bestätigen) und ist das älteste stets als Planetarium betriebene Gebäude der Welt.

Um das öffentliche Planetarium nicht immer wieder für die Tests auszuliefernder Projektoren belegen zu müssen, baute Zeiss auf dem Werksgelände später eine weitere große Kuppel: Die ist vom Jentower aus nicht zu sehen, wohl aber vom Hausberg Jenas aus, insbesondere der Plattform am Fuchsturm.

Das einzig sicher astronomische an der Kunstuhr am Rathaus aus dem 18. Jahrhundert ist die Darstellung der Mondphase durch die Kugel über dem Zifferblatt, die – hier am 26. Mai – in der Tat korrekt war. Mysteriös ist dagegen die Interpretation des „Schnapphans“ darüber: „Die Bedeutung goldene Kugel ist dabei nach wie vor umstritten. In den früheren Erwähnungen wird sie oft als Apfel bezeichnet, in aktuellen Aufzeichnungen ist mehr von einem Klos die Rede (in Anlehnung an die Thüringen Klos-Tradition). Es ist wohl am besten, bei der Bezeichnung als goldene Kugel zu bleiben“, einen Himmelskörper vermutet man jedenfalls nicht. Immerhin eins der Sieben Wunder Jenas, wenn auch mit Kopien der Original-Figuren.

Aus dem 15. Jahrhundert schließlich ist eine Taufschale mit Mondsichelmadonna, die zwar aus Nürnberg stammt (und so häufig benutzt wurde, dass viele Details verschwunden sind) aber im Stadtmuseum in Jena ausgestellt ist und ausgiebig interpretiert wird, inbesondere ihre „apokalyptischen Kosmossymbole“ Sonnen-Strahlenkranz, Mondsichel und Sterne, die „auf ihre Verbindung zwischen ihrem irdischen und himmlischen Wesen“ hinweisen. [Daniel Fischer – viele Fotos des neuen Jena-Besuchs in diesem Album … und ein Highlight folgt noch!]

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Veröffentlicht am 31. Mai 2022, in Uncategorized. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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