Bonn feiert das Schwarze Loch in M 87

Zwanzig Tage nach der Veröffentlichung des ersten Bildes eines Schwarzen Lochs vom Event Horizon Telescope wurde heute am maßgeblich an diesem internationalen Projekt beteiligten MPI für Radioastronomie in Bonn dieser epochale Durchbruch der Radioastronomie ausgiebig gewürdigt und mit einem Empfang gefeiert. Erst umriss Silke Britzen das Projekt eine halbe Stunde für die nicht-astronomischen Mitarbeiter des Instituts, dann ging es fast zwei Stunden lang in einer regelrechten Mini-Konferenz ans Eingemachte.

Mehrere Mitarbeiter berichteten detailliert und unterhaltsam, wie sie die Hälfte der am Event Horizon Telescope beteiligten Radioteleskope mit neuer Hardware fit gemacht (hier ein Doktorand als Packesel bei APEX in Chile … und der Lohn der Mühe, Kisten voller Festplatten) und dann in den kritischen zwei Wochen im April 2017 die koordinierten Messungen durchgeführt hatten (am LMT in Mexiko wegen der harten Bedingungen im Zwei-Schicht-Betrieb). Und mit dem ALMA Phasing Project auch dafür sorgten, dass das Riesen-Interferometer quasi als ein Einzelteleskop mitmachen konnte.

Die Berge von Festplatten landeten schließlich bei zwei Korrelatoren, in Massachussets und in Bonn – hier nur Meter vom Hörsaal entfernt. Das musste man doch mal nachschauen …

Ein kleiner Teil der Regale mit Festplatten aus aller Welt, natürlich nicht nur vom EHT, einige aktuelle benutzte Platten in einem Rack mit Laufwerken – und der eigentliche Computer, der aber optisch wenig her macht: Hier, im Aquarium hinter den Pulten, „entsteht“ quasi ein Radioteleskop von der Größe der Erde.

Und das Ergebnis: Eine der vier völlig unabhängig arbeitenden Auswerter-Gruppen feiert letzten Sommer ihre Version des Bildes, später auch in einem Lokal, wo der Wirt gleich eine Runde ausgab …

Der weitere Verlauf der Auswertung – vor allem die Teleskope in Chile und Europa waren wichtig, um ordentliche Bilder zu bekommen – und die Grundlagen dahinter, …

… und was bereits aus dem Bild gelernt wurde: Alle Variationen zwischen verschiedenen Versionen und Zeitpunkten gelten als insignifikant, aber allein in den paar Pixeln des kombinierten Bildes von M87* (über den Status der Auswertung der parallel gewonnenen Daten von Sgr A* wurde eisern geschwiegen) steckt eine Menge, …

… was sich in die moderne Physik bestens einfügt. Ganz am Schluss wurden noch Gratulationsschreiben des MPI-Präsidenten und der Bundes-Forschungsministerin verlesen – und dieser Blogger erwähnt, der in der Nacht vor der Veröffentlichung das zweite von zwei „Lecks“ entdeckte, über die jeder das Bild schon hätte sehen können, und dessen Alarm-Mail zu dessen schneller Stopfung führte. Zur Belohnung gab es ein tolles 3D-Modell von Lichtstrahl-Wegen an einem Schwarzen Loch:

[Daniel Fischer]

Werbeanzeigen

Über skyweek

Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 30. April 2019, in Uncategorized. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: