Archiv für den Tag 20. März 2019

Bürgerforscher vs. Bonner Nacht

Die Volkssternwarte Bonn hatte geladen, und eine Pressemitteilung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (sowie der Uni Bonn) zu ihren Highlights der Physik 2019 war in alle Welt gegangen: Der Saal war gut gefüllt, als am 18. März …

… der Star-Wissenschafter in Sachen Lichtverschmutzung in Deutschland, der kanadische Physiker Christopher Kyba vom Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, …

… vorgestellt vom Wissenschaftskommunikator Jens Kube, …

… eloquent über die Problematik der Lichtverschmutzung im Allgemeinen, die Nachtbilder der Erde von NPP Suomi (und ihre bedauerliche Unempfindlichkeit für das Licht blauer LEDs), den darauf basierenden 2016-er World Atlas of Artificial Night Sky Brightness und das ganz neue Tool Radiance Light Trends sowie den Forschungsverbund Verlust der Nacht referierte. Der Anlass aber war Werbung für das Bürgerforschungsprojekt Bonner Nachthimmel, das in den kommenden Wochen im Vorfeld der Highlights der Physik (die selbst im September stattfinden) Daten erheben soll.

Und zwar mit dem etablierten Daten-Sammel-System Globe at Night während der ersten Leo-Kampagne 2019 vom mondlosen 27. März bis 6. April: Über die Himmelskarten auf der Web-App wird anhand der Sternen-Sichtbarkeit im Löwen die visuelle Grenzgröße abgeschätzt und nebst Zeit, Ort und Umständen online gemeldet. Dazu eingeladen ist jeder, ob erfahren oder nicht (Fehler mitteln sich erstaunlich gut heraus), aus Bonn und Umgebung, wobei deren Außenrand nicht definiert ist – und das Ergebnis (mindestens ein Mittelwert der Grenzgröße für das Stadtgebiet, vielleicht auch komplexere Erkenntnisse) wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Highlights auf großer Bühne präsentiert. Für diese (in die nur schwer hinein zu kommen ist) können zudem Eintrittskarten gewonnen werden, indem Screenshots von der Dateneingabe oder – auch bei schlechtem Wetter – Fotos von schlechter oder auch guter Stadtbeleuchtung per E-Mail eingeschickt werden.

Kyba stellte in seinem Vortrag und kurz in der Praxis auch noch ein weiteres digitales Tool für eine genauere Bestimmung der visuellen Grenzhelligkeit vor: die „Verlust der Nacht“-App, die den Benutzer von Stern zu Stern leitet, der gesehen wird oder auch nicht. Das erfordert allerdings mehr technischen und zeitlichen Einsatz und spielt bei der Aktion für die Highlights eine untergeordnete Rolle (dafür können aber schon ab dem 24. März Daten eingegeben werden, da das System selbstständig die Abwesenheit de Mondes – wie auch der Dämmerung – prüft). Dass das Thema Lichtverschmutzung inzwischen eine erstaunliche Bedeutung erlangt hat, konnte man übrigens gleich am nächsten Tag feststellen – als die WAZ ihr den Aufmacher und einen großen Teil der Seite 3 widmete:

[Daniel Fischer. NACHTRAG: ein paar Bilder größer, plus Datumsangaben gemäß dieser Info präzisiert]

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