Weltraum über Walcheren

Die niederländische Halbinsel Walcheren in der Provinz Zeeland hatte während einer Reise in der 2. August-Woche 2016 astronomisch einiges zu bieten – inklusive mehrerer pittoresker Sonnenuntergänge von Domburg über der Nordsee. Oder gleich mitten rein:

Gleich nach der Ankunft am 7. August war die Sonne bis zum Horizont zu verfolgen, inklusive subtiler grüner Segmente, während die Sonne am 9. August und 12. August wolkenhalber nicht so weit kam.

Das Dreieck Saturn / Mars / Antares plus Mond am 12. und am 13. August mit dem weiter sehr hellen Delta Scorpii neben dem Mars, dazwischen eine Nebensonne am 13. August. Und Walcheren hat auch selbst ein paar astronomische Sehenswürdigkeiten zu bieten, die meisten in der Stadt Middelburg:

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Am astro-historisch bedeutendsten Ort existiert seit dem 17. Mai 1940 nichts Originales mehr, als Bomben u.a. die Onze-Lieve-Vrouwe Abdij samt den Häusern der Kapoenstraat davor in Schutt und Asche legten. Die Nieuwe Kerk der Abtei ist bald wieder aufgebaut worden, und zumindest die Grundmauern sind noch am alten Ort: So kann man ganz gut den Ort bestimmen, wo das Haus jenes Hans Lipperhey stand, in dem er 1608 das Fernrohr erfand (PDF-Seiten 34 und 39). Auf einem Foto von vor 1940 ist die Position markiert, d.h. Lipperheys Haus befand sich ziemlich genau da, wo heute die blauen Parkplatzschilder stehen, wie auch schon 2008 (Reihe 4) ins Bild gesetzt.

Dieses alte Bild wird in der Volkssternwarte von Middelburg gezeigt, die – derzeit als einzige Institution im ganzen Ort – die astronomische Geschichte lebendig hält: mit vielen historischen Instrumenten, der nachgebauten Werkstatt Lipperheys und einer funktionsfähigen Schleifmaschine nach damaliger Bauweise, hier vom Sternwartenleiter Rijk-Jan Koppejan demonstriert. Und das Riesenteleskop im Garten – demnächst wird übrigens in die Innenstadt umgezogen – ist auch so eine Art Denkmal zum 400. Geburtstag des Teleskops gewesen.

Dank einer aus diesem Anlass von Koppejan verfassten und sogar ins Deutsche übersetzten „Wanderroute zu historisch astronomischen Plätzchen in Middelburg“ lassen sich in der Stadt noch weitere Spuren finden: zum Beispiel Sonnenuhren am Rathaus aus dem Jahr 1729 von Jan de Munck (2000 rekonstruiert) und am Giebel der Stadsschuur von 1682 – und das Van de Perrehuis (heute Sitz des Stadtarchivs), wo im 18. Jh. Johan Adriaen van de Perre wohnte und heute auch wieder seine (hier 2008 aufgenommene; Reihen 2+3) prächtige Orrery steht. De Perre hat auch selbst den Himmel beobachtet – auf dem Kasteel Westhove zwischen Domburg und Oostkapelle:

[Daniel Fischer]

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Über skyweek

Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 18. August 2016 in Ausflugsbericht, Bilderstrecke, Eigene Bilder & Videos und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Hallo Daniel, ein s e h r interessanter Bericht, der mich lange und ausführlich begeistert hat. Hab‘ beschlossen, Middelburg einen Besuch abzustatten, wenn ich mal wiededr meinen Bruder in seinem niederländischen Wochenendhäuschen besuche.
    Danke!
    Grüße
    Josef Müller

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