Buzz Aldrin – Apollo 11 – Astronaut live in Speyer!

Buzz Aldrin ist cool. Muss er auch sein, denn wie er später in seinem Vortrag erzählt, haben Piloten wie er „Eis in den Venen“, da Angst keine Option ist und das Denken hemmt. Die Eventhalle des Technik Museums Speyer ist an diesem Nachmittag des 4. Oktober quasi bis zum letzten Platz besetzt, hunderte Besucher wollen den Mann sehen, der als zweiter Mensch überhaupt den Mond betrat, Buzz Aldrin, der nach Neil Armstrongs Tod 2012 einzig Überlebende der beiden ersten „Moonwalker“. Autogrammjäger (Aldrin gibt keine Autogramme – wenn nur gegen Bezahlung auf Bestellung) umlagern zunächst Stratosphärenspringer Felix Baumgartner, der in Reihe eins sitzt. Um 16 Uhr soll es los gehen, kurz danach wird der prominente Redner nach seinem Rundgang durch das Museum in einer Limousine vorgefahren und betritt einige Minuten später unter Standing Ovations die Halle. Der Auftritt ist mit effektvoller Beleuchtung, künstlichem Nebel und bombastischer Musik inszeniert. Doch zunächst gibt es eine Begrüßung durch die Museumleitung und durch den Raumfahrtjournalisten Gerhard Daum, gefolgt von einen kurzen Film, der an die Apollo-Ära erinnert . Dann betritt Aldrin das Podium – ein dynamischer älterer Herr mit gestutztem weißem Vollbart und wachem Blick, der in den folgenden 50 Minuten einen perfekten Vortrag abliefert. Aldrin ist mit seinen fast 85 Lebensjahren topfit, fokussiert, humorvoll, charismatisch, zweifellos auch routiniert und ohne Umschweife verständlich. Jemand wie er hätte tausend Dönekes zu erzählen, beschreibt aber zügig die Stationen seines Lebens, die ihn früh mit der Fliegerei in Berührung brachten (Vater Pilot) und zu einer Pilotenkarriere bei der Airforce führten. Zurückhaltend die Reaktion des Publikums, als er berichtet, dass er im Koreakrieg zwei Migs abgeschossen habe. Wohlwollender Applaus hingegen, als Aldrin erzählt, er sei anschließend in Bitburg stationiert gewesen. Am MIT studiert er Luft- und Raumfahrttechnik und wird dort 1963 mit einer Arbeit über Rendezvous-Manöver im Orbit promoviert. Als „Doctor Rendevouz“ (Zitat Aldrin) kommter schließlich zur NASA, wenn auch erst im dritten Anlauf. Ungewöhnlich für jemanden, der zuvor kein Testpilot war. Aber die theoretischen Erkenntnisse seiner Promotionsarbeit konnte er im Rahmen des Gemini-Programms gleich in die Praxis der Missionsplanung umsetzen. Schließlich flog er 1966 mit Gemini 12 selbst und „erfand“, wie er verschmitzt bemerkt, damals im Rahmen eines Außeneinsatzes (EVA) „das Selfie“. Das Bewundernswerteste am Apollo-Programm ist aus seiner Sicht die Organisation derart vieler Beteiligter, die diesen Erfolg in so vergleichsweise wenigen Jahren ermöglichten: „teamwork and innovation“. Als Kennedy im Mai 1961 in seiner berühmten Rede die Nation verpflichtete, noch vor dem Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und sicher zurück zu bringen, hätte man intern gesagt, dass dies noch mindestens 15 Jahre dauern würde. Es wurden nur 8 (man vergleiche das mit gewissen Großprojekten in Deutschland, die nicht in der halben, sondern eher in der doppelten der prognostizierten Zeit realisiert werden, wenn überhaupt…). Natürlich war der Teil von Aldrins Präsentation, der von der Apollo 11 – Landung handelte, der Höhepunkt. Es ist schon etwas ganz Besonderes, sich zwei der größten Foto-Ikonen aller Zeiten (das Bild von Aldrin im Raumanzug auf dem Mond, in dessen Helm sich Armstrong spiegelt und Buzz Aldrins Fußabdruck im Mondstaub) vom „Verursacher“ selbst zeigen zu lassen. Was das Raumanzug-Bild so berühmt gemacht habe?  Aldrin: „Location, location, location!“ Nervenstärke bewiesen die beiden Mond-Erstbetreter, als Buzz ein abgebrochenes Plastikteil entdeckte, das sich als der Schalter entpuppte, mit dem das Triebwerk für den Rückflug aktiviert werden sollte. „Damals haben wir eine Chance verpasst“ erzählt Aldrin, „wir hätten die Ersten sein können, die sagen: Houston, wir haben ein Problem!“ Stattdessen hielt man planmäßig 6 Stunden Schlaf und Buzz löste das Schalterproblem mit einem Filzstift. Bevor ihn jemand danach fragt geht er auf die Thematik ein, warum Neil und nicht er der Erste auf dem Mond war. Das habe mit dem höheren Rang Armstrongs zu tun, führt er aus. Oder mit der Tatsache, dass Neil näher an der Ausstiegsluke saß als er. Die für Aldrin unerwartet schwierige Zeit nach seinem triumphalen Mondflug kam nicht zur Sprache, darüber hat er allerdings autobiographisch früh geschrieben. Im letzten Teil seiner Rede geht es einerseits um Tätigkeiten, denen er in den letzten Jahren nachgeht. So sieht man ihn bei einer Tauchfahrt zum Wrack der Titanic oder am Nordpol. Andererseits kann er es nicht lassen, eigene mögliche Flugpläne für eine Marsmission zu entwerfen. Er hofft, dass sich vielleicht zum 50. Jahrestag der Mondlandung wieder ein „Leader“ à la Kennedy zu Visionärem aufschwingt und verkündet, einen Menschen sicher zum Mars und zurück zu bringen, dann aber wohl innerhalb von zwei Dekaden. In jedem Fall läge der Schlüssel zur Zukunft der bemannter Raumfahrt in internationaler Zusammenarbeit, inklusive der Chinesen. Zum Schluss gibt er noch geschäftstüchtig bekannt, dass demnächst ein von ihm mitgestaltetes Computerspiel veröffentlicht wird, dann werden noch einige Fragen aus dem Publikum zugelassen. Diese sind nicht alle von erlesenster Güte. Pfiffig ist die Frage, was er wohl gesagt hätte, wenn er als erster den Mond betreten hätte. Das könne er nicht genau sagen, aber sein erster Ausruf von der „magnificent desolation“, mit der er das Großartige der menschlichen Leistung und die Einöde des Mondes gleichermaßen beschreibt, ginge in die gleiche Richtung wie „one small step for man“. Zuletzt möchte eine Dame wissen, was Aldrin von Alexander Gerst hält. Buzz überlegt kurz und man fragt sich: Kennt er den Genannten? Doch dann sagt er nur: „ Is he up there? Well, give him a warm shower and a good meal when he’s back“. Sehr cool halt. Und schon entschwindet die Raumfahrtlegende unter tosendem Applaus. Den Mann live erlebt zu haben ist zweifellos ein Ereignis. Und am gleichen Abend den Mond zu beobachten ist anders als sonst – schließlich hat man soeben den getroffen, der dort vor 45 Jahren Geschichte geschrieben hat. [Paul Hombach]

Buzz02Tür auf für Buzz Aldrin! (Alle Fotos (c) Paul Hombach)

Buzz09Buzz während seines sehr dynamischen Vortrags

Buzz10Gemini 12 oder : Wie Buzz Aldrin das Selfie erfand…

Buzz15Eines der berühmtesten Bilder der Welt: Aldrin auf dem Mond, erläutert von ihm selbst!

Buzz16Die Sache mit dem abgebrochenen Schalter…

Buzz20Ab jetzt dauerhaft in Speyer zu sehen: Buzz Aldrins Autogramm (Alle Fotos (c) P. Hombach)

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Veröffentlicht am 11. Oktober 2014 in Veranstaltungsbericht und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Ein toller Bericht und super Fotos! Wäre auch fast nach Speyer gefahren, war mir dann aber doch zu weit. Besonders interessant ist das Foto zur Sache mit dem abgebrochenen Schalter. Klasse, dass er noch so fit (und geschäftstüchtig) ist!

  1. Pingback: Apollo 11 - Astronaut Buzz Aldrin live in Speyer - Zeitreisender | Zeitreisender

  2. Pingback: Allgemeines Live-Blog vom 3. bis 7. Oktober 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null

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